{"id":9723,"date":"2012-09-28T00:00:00","date_gmt":"2012-09-27T22:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/kalifat1.com\/?p=9723"},"modified":"2012-09-28T00:00:00","modified_gmt":"2012-09-27T22:00:00","slug":"das-leben-des-propheten-s","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kalifat1.com\/?p=9723","title":{"rendered":"Das Leben des Propheten (s)"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Leben des Propheten Muhammad (s) ist festgehalten in der so genannten Sira. Er ist der einzige Prophet, \u00fcber den so zahlreiche und detaillierte Informationen \u00fcberliefert sind. Im Vergleich dazu sind die Kenntnisse \u00fcber die anderen Propheten nur sp\u00e4rlich \u2013 zumal nur wenige namentlich erw\u00e4hnt sind \u2013 und st\u00fctzen sich vor allem auf das, was Allah (t) \u00fcber sie im Koran preisgibt. Informationen aus Bibel oder Thora sind nicht verwertbar, da sie aus islamischer Sicht keine authentischen Bezugsquellen darstellen, so dass beispielsweise das Wissen \u00fcber Jesus oder Moses ausschlie\u00dflich den islamischen Offenbarungstexten entnommen sein darf. So haben die Christen aus Jesus einen Gott gemacht und seine Lebensgeschichte verf\u00e4lscht, indem sie ihn haben sterben und wieder auferstehen lassen.<br>Im Gegensatz zu den anderen Propheten geht die Sira Muhammads (s) zur\u00fcck auf das, was in den Hadithen \u00fcber ihn \u00fcberliefert ist. Das hei\u00dft, die Sira erz\u00e4hlt die Geschichte Muhammads (s) auf der Basis dessen, was seine Gef\u00e4hrten (Sahaba) \u00fcber ihn erz\u00e4hlt und tradiert haben. Folglich geht die Sira auf Offenbarungstexte zur\u00fcck. Wenn beispielsweise in der Sira von Ibn Ishaq, dem bekanntesten Sira-Werk, berichtet wird, dass &#8222;zu Beginn des achtzehnten Monats nach der Ankunft des Propheten in Medina [&#8230;] die Gebetsrichtung, die Qibla, ge\u00e4ndert&#8220; wurde, dann stammt diese Information aus einem Hadith.<br>So berichtete al-Bara ibn Azib (r): &#8222;Der Gesandte Allahs (s) betete in der Regel sechzehn oder siebzehn Monate lang in Richtung Bait al-Maqdis (Jerusalem), w\u00e4hrend er es sehr gern gehabt h\u00e4tte, wenn er in Richtung Kaba h\u00e4tte beten d\u00fcrfen. Dies war der Anlass, dass Allah den Vers &#8218;<strong>Wir sehen, wie dein Gesicht sich dem Himmel suchend zukehrt&#8216;<\/strong> (2; 144) offenbarte. Auf Grund dessen verrichtete er das Gebet in Richtung Kaba. Jedoch die Toren unter den Menschen \u2013 gemeint war eine Gruppe von Juden \u2013 sagten: &#8218;Was hat sie bewogen, sich von ihrer Qibla abzuwenden, nach der sie sich bisher gerichtet hatten? <strong>Sprich: Allah geh\u00f6rt der Osten und der Westen; Er leitet, wen Er will, zu einem geraden Weg.&#8216;<\/strong> (2; 142). Nach diesem Ereignis betete ein Mann mit dem Propheten (s), und als er nach dem Gebet wegging, kam er auf seinem Weg an Leuten von den Ansar vorbei, die gerade dabei waren, das Nachmittagsgebet in Richtung Bait al-Maqdis zu verrichten; so sagte er zu ihnen, er bezeuge es, dass er mit dem Propheten (s) gebetet und dabei die Kaba-Richtung eingenommen habe. Dann fingen die Leute an, ihre Richtung so zu \u00e4ndern, dass sie letzten Endes allesamt in Richtung Kaba standen.&#8220; (Buchari)<br>Alles, was in der Sira, der Lebensgeschichte des Propheten (s) berichtet, wird, sollte in dieser Form auf richtige Hadithe (Sahih, Hasan) zur\u00fcckgehen, denn nur bei diesen handelt es sich um best\u00e4tigte Berichte, die verl\u00e4sslich sind. Sie stellen nicht blo\u00df historische Quellen dar, sondern haben den Status einer Offenbarung. Wenn beispielsweise vom Wechsel der Gebetsrichtung in der Sira berichtet wird, so geht man als Muslim davon aus, dass diese Information richtig ist, denn sonst w\u00fcrden die Muslime heute nicht in Richtung Mekka beten, sondern noch immer in Richtung Jerusalem. Dadurch, dass die Sira ihre Informationen gepr\u00fcften, richtigen Hadithen entnimmt, darf ihr Wahrheitsgehalt nicht angezweifelt werden. Ihre Inhalte sind f\u00fcr die Muslime verbindlich, weil sie auf Hadithe zur\u00fcckgehen, die gepr\u00fcft und f\u00fcr richtig befunden wurden und somit bindend sind. Die Sira des Propheten (s), die nur richtig \u00fcberlieferte Berichte enthalten darf, hat sich aufgrund dessen im Laufe der Zeit zu einem eigenen islamischen Wissensbereich entwickelt.<br>An dieser Stelle wird deutlich, dass es sich bei der Sira nicht blo\u00df um die Biographie einer historischen Person handelt. Sie ist von islamischer Relevanz f\u00fcr die Muslime, weil sie sich in ihren Handlungen an dem Vorbild des Propheten zu orientieren haben. Die anderen Prophetengeschichten sind zwar Teil des islamischen Wissens und k\u00f6nnen, was die Standhaftigkeit der Propheten angeht, st\u00e4rkend auf die Pers\u00f6nlichkeit des Muslim wirken, aber sie sind f\u00fcr die Handlungen des Menschen irrelevant, da der Islam nicht vorschreibt, wie Noah (a) oder Abraham (a) zu handeln. Die Gebote und Verbote, mit denen die anderen Propheten kamen, haben heute keine G\u00fcltigkeit mehr, denn der Islam hat alles, was vor ihm war, aufgehoben.<br>Die Anlehnung der Muslime an den Propheten Muhammad (s) hingegen ist vorgeschrieben, denn im Koran sagt Allah (t): <strong>&#8222;Und was euch der Gesandte bringt, so nehmt es an; und was er euch untersagt, dessen enthaltet euch.&#8220;<\/strong> (59; 7) Auch sagt Er (t): <strong>&#8222;Wahrlich, im Gesandten Allahs ist euch ein sch\u00f6nes Vorbild gegeben worden, f\u00fcr denjenigen, der auf Allah und den J\u00fcngsten Tag hofft und Allahs oftmals gedenkt.&#8220;<\/strong> (33:21) Das hei\u00dft, die Inhalte der Sira sind f\u00fcr die Muslime verbindlich.<br>Die Sira sollte daher nicht nur als reine Biographie des Propheten (s) gelesen werden, sondern auch als Handlungsvorgabe. Denn die Dinge, die der Prophet (s) getan hat und die in der Sira wiedergegeben werden, gehen in der Regel nicht auf pers\u00f6nliche Entscheidungen des Propheten zur\u00fcck, sondern auf Offenbarungen. Aufgrund dessen schildert die Sira keine Zufallsbegebenheiten, sondern zeichnet den Weg des Propheten zur vollst\u00e4ndigen Umsetzung des Islam, dem sein Leben seit seiner Entsendung gewidmet war.<br>Daher ist es geradezu fatal, bestimmte Fakten aus der Sira zu \u00fcbergehen und sie bei der Umsetzung des Islam zu ignorieren. Dazu geh\u00f6rt nicht nur die \u00c4nderung der Gebetsrichtung, sondern beispielsweise auch die Staatsgr\u00fcndung in Medina, die bei vielen Muslimen untergeht, wenn es um das Leben des Propheten (s) geht. So befasst sich die Sira nicht nur mit der Phase in Mekka, sondern auch mit der besonders wichtigen Zeit in Medina, deren Hauptmerkmal die Gr\u00fcndung des islamischen Staates und die Anwendung der islamischen Gesetzgebung war. Diese Zeit macht bei weitem den gr\u00f6\u00dferen Teil der Sira aus.<br>W\u00e4hrend die Muslime in Mekka von den Ungl\u00e4ubigen beherrscht und unterdr\u00fcckt wurden, \u00fcbernahmen sie in Medina selbst die Herrschaft mit dem Propheten (s) als Staatsoberhaupt, der die Staatsgr\u00fcndung \u2013 dies geht aus der Sira deutlich hervor \u2013 bewusst herbeif\u00fchrte. Diese Information aus der Sira ist im Grunde genauso zu behandeln wie die Information, dass die Gebetsrichtung ge\u00e4ndert wurde. Auch die Staatsgr\u00fcndung geht nicht auf eine Laune des Propheten (s) zur\u00fcck, sondern ist die Umsetzung eines g\u00f6ttlichen Befehls. Warum also sollte man einen Aspekt wie die \u00c4nderung der Gebetsrichtung f\u00fcr verbindlich halten, die Staatsgr\u00fcndung hingegen nicht? Beide Fakten aus dem Leben des Propheten sind in gleicher Weise bindend, denn beide stellen von Allah (t) offenbarte Befehle dar, deren Umsetzung verpflichtend ist.<br>In der Sira von Ibn Ishaq hei\u00dft es: &#8222;Nachdem sich der Prophet mit seinen ausgewanderten Br\u00fcdern (Muhadschirun) in Medina eingerichtet hatte und die Lage der Helfer (Ansar) in der Stadt bereinigt war, verfestigte sich der Islam bei ihnen. Das Gebet war eingesetzt, die Armensteuer (Zakat) und das Fasten zur Pflicht gemacht, die gesetzlichen Strafen festgelegt und das Erlaubte und Verbotene vorgeschrieben.&#8220; Hierbei geht es nicht darum, dass sich der Gesandte Allahs (s) mit den Auswanderern lediglich h\u00e4uslich in Medina eingerichtet hatte, sondern dass der Grundstein f\u00fcr den islamischen Staat gelegt war. Denn es hei\u00dft, dass die Zakat, die islamrechtlich nur der Staat einsammeln und verteilen darf, zur Pflicht gemacht wurde. In Mekka, wo es noch keinen islamischen Staat gab, hatte Allah (t) die Zakat noch nicht zur Pflicht erhoben.<br>Auch werden an dieser Stelle die gesetzlichen Strafen erw\u00e4hnt, die erst in Medina festgelegt wurden. Das Strafsystem ist die Angelegenheit eines Staates und nicht einzelner Individuen. Dies gilt \u00fcberall auf der Welt. Jeder Staat hat sein eigenes Strafsystem, das er anwendet. Im Islam ist dies nicht anders. Der einzige Unterschied besteht darin, dass das islamische Strafsystem von Allah (t) offenbart wurde. Deshalb kann beispielsweise nur innerhalb eines islamischen Staates die Hand eines Diebes abgetrennt werden, wenn dieser \u00fcberf\u00fchrt und vor Gericht gestellt wurde. Privatpersonen ist es nicht erlaubt, irgendeine von den islamisch vorgeschriebenen Strafen gegen andere anzuwenden, weil jedes Strafurteil im Islam den Gerichten vorbehalten ist. Solange es aber keinen islamischen Staat gibt, ist jeder Muslim lediglich eine Privatperson. W\u00e4ren die Strafgesetze bereits in Mekka offenbart worden, h\u00e4tten sie die Muslime schlichtweg nicht anwenden k\u00f6nnen.<br>So ergeht es den Muslimen heute, denen der islamische Staat fehlt. Die islamischen Strafgesetze liegen derzeit brach, weil kein Staat existiert, der sie anwendet. Auch andere Bereiche sind von dieser Problematik betroffen, etwa das Wirtschaftssystem. Aus der Sira wei\u00df man aber, dass ohne Ausnahme alle islamischen Gesetze vom Propheten (s) angewendet wurden. Deshalb geht die Behauptung, die Existenz eines islamischen Staates stelle keine islamische Pflicht dar, an der Realit\u00e4t des Islam vorbei und steht in einem v\u00f6lligen Widerspruch zur Sira des Propheten (s). Der Muslim darf sich aus der Sira nicht einfach das heraussuchen, was ihm pers\u00f6nlich zusagt, w\u00e4hrend er das andere f\u00fcr unwichtig erkl\u00e4rt und ignoriert, nur weil es einer gr\u00f6\u00dferen Anstrengung bedarf.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Leben des Propheten Muhammad (s) ist festgehalten in der so genannten Sira. 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