{"id":9724,"date":"2012-09-08T00:00:00","date_gmt":"2012-09-07T22:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/kalifat1.com\/?p=9724"},"modified":"2012-09-08T00:00:00","modified_gmt":"2012-09-07T22:00:00","slug":"muhammad-prophet-und-staatsmann-teil-i","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kalifat1.com\/?p=9724","title":{"rendered":"Muhammad: Prophet und Staatsmann &#8211; Teil I"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Muhammad (s) ist das Siegel einer sehr langen Kette von Propheten, von denen nur die wenigsten namentlich bekannt sind.<br>Ihnen allen gemeinsam ist die Ermahnung bzw. Erinnerung der Menschen an die Existenz Allahs (t) und die Aufforderung zu seiner Anbetung, da dieses Bewusstsein immer wieder abhanden kam oder aber verf\u00e4lscht wurde und daher unter den verschiedenen V\u00f6lkern erneuert werden musste. Mit Muhammad (s) kam schlie\u00dflich die Sicherheit, dass das Wissen um den wahren Glauben nicht mehr verloren gehen kann, weil der Koran unter dem Schutz Allahs (t) steht und dadurch nicht das Schicksal der Schriften vor ihm teilen muss: <strong>&#8222;Wahrlich, Wir haben die Ermahnung herabgesandt, und wahrlich, Wir werden sie bewahren.&#8220;<\/strong> (15:9)<br>Die einzig gesicherten Informationen \u00fcber die einzelnen Propheten entstammen entweder dem Koran oder den Hadithen, nicht aber der Bibel oder der Thora, so dass es sich er\u00fcbrigt, hier nach irgendwelchen Parallelen zu suchen und im Zuge eines interreligi\u00f6sen Dialogs einen st\u00e4ndigen Vergleich zwischen Islam, Judentum und Christentum zu ziehen. \u00dcberhaupt erw\u00e4hnen selbst die islamischen Quellen nur einige der vielen Propheten mit Namen und geben nicht viel \u00fcber sie preis. Folglich kommt es nur darauf an, an sie zu glauben und ihnen in ihrer Ergebenheit und ihrem Gehorsam gegen\u00fcber Allah (t) nachzueifern.<br>Ganz anders verh\u00e4lt es sich mit Muhammad (s), dem letzten der Propheten. Sein Leben ist bis ins Detail bekannt. Die Hauptquelle hierf\u00fcr stellt die Sunna dar, denn sie setzt sich zusammen aus den \u00fcberlieferten Taten und Ausspr\u00fcchen des Propheten (s) sowie aus seiner Duldung dessen, was sich in seinem Beisein zugetragen hat. Die Verbindlichkeit der Sunna geht aus dem Koran selbst hervor. So sagt der Erhabene:<strong> &#8222;Und was euch der Gesandte gibt, das nehmet an, und was er euch untersagt, dessen enthaltet euch.&#8220;<\/strong> (59:7)<br>Doch obwohl die Muslime den &#8222;Luxus&#8220; genie\u00dfen, dass ihnen das Leben des Gesandten Allahs (s) in Form von Hadithen auf einem gesicherten \u00dcberlieferungsweg und in einem solchen Umfang bewahrt wurde, w\u00e4hrend Christen und Juden \u00fcber Jesus und Moses, Friede sei mit ihnen, oft nur spekulieren k\u00f6nnen, bleibt diese Informationsf\u00fclle meist ungenutzt. Der Grund f\u00fcr diese Vernachl\u00e4ssigung liegt darin, dass der Gesandte Allahs (t) auf das Bild des &#8222;wandelnden Koran&#8220; reduziert wird. Genauer gesagt, liegt das Problem nicht in dem Vergleich selbst, sondern in seiner Interpretation. So ist damit keineswegs das blo\u00dfe Auswendigk\u00f6nnen des Koran gemeint oder nur die tugendhafte Moral des Propheten, die auf den moralischen Geboten des Koran gr\u00fcndet. Die Bedeutung liegt vielmehr in der umfassenden Anwendung der Scharia, d. h. aller Gesetze, die sich direkt und indirekt aus den Koranversen ergeben.<br>Aus der vollst\u00e4ndigen Praktizierung des Islam sticht eine Seite des Propheten (s) hervor, die im Laufe der Zeit und durch den Einfluss des Westens in den Hintergrund getreten, jedoch f\u00fcr die islamische Praxis unverzichtbar ist: Muhammad (s) als Politiker und Staatsmann. Den Propheten (s) und den Islam mit Politik in Verbindung zu bringen und den Ausdruck &#8222;Scharia&#8220; in den Mund zu nehmen, ist f\u00fcr manche Muslime zu einem Tabu geworden. Die westlichen Kolonialm\u00e4chte versuchen gezielt, diese Verkn\u00fcpfung zwischen Islam und Politik zu tabuisieren, indem sie danach trachten, den politischen Islam mit Terrorismus und Fanatismus gleichzusetzen und dies immer wieder mit inszenierten Gewaltakten zu belegen versuchen. Hinzu kommt die von ihnen dogmatisierte und oktroyierte \u00dcberzeugung der Trennung von Politik und Religion. Viele Muslime \u2013 vor allem in westlichen L\u00e4ndern &#8211; trauen sich aufgrund dieser Einsch\u00fcchterungspolitik nicht mehr, sich mit Politik als Teil des Islam auseinander zu setzen oder diese Seite \u00fcberhaupt wahrzunehmen.<br>Man muss jedoch kein Rechtsgelehrter sein, um zu der Erkenntnis zu gelangen, dass der Islam auch eine politische Seite aufweist, von der die Praktizierung des Islam existentiell abh\u00e4ngt. Obwohl den meisten Muslimen viele politisch relevante Ereignisse aus dem Leben des Propheten (s.) bekannt sind, geht ihre politische Relevanz oftmals unter. Beispielhaft hierf\u00fcr ist die Hidschra \u2013 der Auszug des Propheten (s.) nach Medina &#8211; und alles, was damit in Zusammenhang steht. Allein die Vorbereitung der Hidschra erforderte die politische Finesse des Propheten (s), denn es war nicht damit getan, dass der Befehl zur Hidschra erging und die Muslime lediglich ihren Wohnsitz von Mekka nach Medina verlagerten. Es ging nicht darum, einen Massenumzug zu veranstalten und eine neue Bleibe f\u00fcr die in Mekka unterdr\u00fcckten Muslime zu finden, sondern in Medina durch die Gr\u00fcndung des islamischen Staates, dem der Prophet (s.) pers\u00f6nlich vorstand, die Anwendung des Islam zu gew\u00e4hrleisten. Und genau dies versuchten die ungl\u00e4ubigen Mekkaner mit allen Mitteln zu verhindern.<br>Der Auswanderung nach Medina ging die Leistung zweier Eide voraus, die die politische Voraussetzung f\u00fcr die Hidschra darstellten. Beim ersten Eid, der so genannten ersten Baica von Aqaba, kamen w\u00e4hrend der Pilgerzeit zw\u00f6lf M\u00e4nner aus Medina nach Mekka und trafen bei Aqaba mit dem Propheten (s) zusammen, wo sie ihm den Eid leisteten, Allah (t) nichts zur Seite zu stellen, nicht zu stehlen, ihre Kinder nicht zu t\u00f6ten, niemanden zu verleumden und sich Allah (t) nicht zu widersetzen. Daraufhin wurde Muscab Ibn Umair (r) nach Medina entsandt, wo er die Menschen mit dem Koran und den islamischen Ideen vertraut machen sollte, was ihm auch gelang, denn nach nur einem Jahr seines Wirkens dominierte der Islam die Gesellschaft in Medina.<br>Die Verbreitung des Islam in Medina als solche stellte noch keine Garantie f\u00fcr die Anwendung der islamischen Gesetze dar. Deshalb ging der Hidschra ein ganz wesentliches politisches Ereignis voraus: die zweite Baica von Aqaba. Bei diesem Eid, der von 75 Muslimen geleistet wurde, sicherte sich der Prophet (s) politisch ab, denn der Eid ging nicht mehr auf den Glauben an Allah (t) ein, sondern auf den Schutz und die Unterst\u00fctzung des Propheten (s) in der Umsetzung und Verbreitung des Islam unter Aufbringung jeglicher Opfer. Muhammad (s) forderte die Muslime diesmal nicht dazu auf, an Allah (t) als Sch\u00f6pfer und an ihn als Propheten zu glauben, sondern ihm bedingungslosen Gehorsam zu leisten. Denn an seine Prophetenschaft glaubten sie bereits. Dessen musste sich Muhammad (s) nicht mehr vergewissern. Vielmehr sollten sie ihn als Staatsf\u00fchrer anerkennen, da er nicht vorrangig in seiner Rolle als Prophet nach Medina auswanderte, sondern als Regent. Dies war die Voraussetzung f\u00fcr seine Auswanderung nach Medina: Ihm allein sollte die F\u00fchrerschaft obliegen. Die Medinenser erwarteten nicht blo\u00df einen neuen Einwohner Medinas, sondern ihr neues Staatsoberhaupt. Die zweite Baica von Aqaba bezog sich folglich explizit auf die Regentschaft bzw. Herrschaft.<br>Aus diesem Grund ist die Hidschra nach Medina ganz anders zu bewerten als beispielsweise die Hidschra der Muslime nach Abessinien. Die Muslime suchten in Abessinien den Schutz des Negus vor der Unterdr\u00fcckung der Mekkaner, ohne dabei selbst die Regentschaft anzustreben. Im Gegensatz dazu war die F\u00fchrerschaft des Islam eine Voraussetzung f\u00fcr die Auswanderung nach Medina. Medina stellte in erster Linie keine Zufluchtsst\u00e4tte dar, sondern das Zentrum des neu gegr\u00fcndeten islamischen Staates.<br>Aus der Regentenrolle des Gesandten Allahs (s) ergab sich auch die Brisanz der Hidschra f\u00fcr die Mekkaner. H\u00e4tte es sich nur um einen Ortswechsel des Propheten (s) ohne politisches Ausma\u00df gehandelt, so h\u00e4tten sie im Grunde nur ein Problem weniger in Mekka gehabt. Die Mekkaner f\u00fcrchteten jedoch nicht den Propheten Muhammad (s), sondern den Staatsmann Muhammad (s) in Medina. Deshalb ergriffen sie \u2013 nicht anders, als es der Westen heute tut \u2013 &#8222;Pr\u00e4ventivma\u00dfnahmen&#8220;, um es nicht zu einer Ankunft des Propheten (s) in Medina und damit zu einer F\u00fchrerschaft des Islam kommen zu lassen. Daher gingen die ungl\u00e4ubigen Mekkaner von der blo\u00dfen Schikane zu konkreten Mordpl\u00e4nen gegen den Gesandten Allahs (s) \u00fcber.<br>Die von Gott geleitete Politik Muhammads (s) setzte sich durch und brachte einen einzigartigen, riesigen Staat zustande, der bis heute noch die Menschen besch\u00e4ftigt und f\u00fcr westliche Politiker ein Schreckgespenst darstellt, selbst nachdem er 1924 zerst\u00f6rt wurde. Nach seiner Gr\u00fcndung war es die erste Sorge nichtmuslimischer Herrscher \u00fcber eine Zeitspanne von mehr als einem Jahrtausend, sich diesen Staat vom Leibe zu halten und die Er\u00f6ffnung ihrer L\u00e4nder durch den Islam zu verhindern. Sp\u00e4ter ging ihre Politik dazu \u00fcber, Strategien zu entwickeln, das Kalifat zu zerst\u00f6ren und dessen Dasein zu beenden. Inzwischen ist die westliche Politik darauf ausgerichtet, seine Wiedererrichtung zu verhindern, nachdem der Islam in den islamischen L\u00e4ndern eine kraftvolle, durch alle Bev\u00f6lkerungsschichten gehende Renaissance erlebt und die Idee des Kalifats sich von neuem durchzusetzen beginnt. Trotz all ihrer Versuche ist es nur eine Frage der Zeit, bis sich das g\u00f6ttliche Versprechen im Koran bewahrheitet:<br><strong>&#8222;Er ist es, der Seinen Gesandten mit der Rechtleitung und dem wahren Glauben entsandt hat, auf dass er \u00fcber alle anderen Glaubensformen obsiegen m\u00f6ge, auch wenn es den G\u00f6tzendienern verhasst ist.&#8220;<\/strong> (9:33)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mit Muhammad (s) kam schlie\u00dflich die Sicherheit, dass das Wissen um den wahren Glauben nicht mehr verloren gehen kann, weil der Koran unter dem Schutz Allahs (t) steht und dadurch nicht das Schicksal der Schriften vor ihm teilen muss.<\/p>\n","protected":false},"author":20,"featured_media":3259,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[7],"tags":[1829,2109,2145,2413,2468],"class_list":["post-9724","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-islam","tag-muammad","tag-prophet","tag-quran-3","tag-siegel","tag-staatsmann"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/kalifat1.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/9724","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/kalifat1.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/kalifat1.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kalifat1.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/20"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kalifat1.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=9724"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/kalifat1.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/9724\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kalifat1.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/3259"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/kalifat1.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=9724"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/kalifat1.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=9724"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/kalifat1.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=9724"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}