{"id":9725,"date":"2012-09-09T00:00:00","date_gmt":"2012-09-08T22:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/kalifat1.com\/?p=9725"},"modified":"2012-09-09T00:00:00","modified_gmt":"2012-09-08T22:00:00","slug":"muhammad-prophet-und-staatsmann-teil-ii","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kalifat1.com\/?p=9725","title":{"rendered":"Muhammad: Prophet und Staatsmann Teil II"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Muhammad (s) l\u00e4sst sich nicht mit anderen Propheten vergleichen, weil der Islam an die gesamte Menschheit gerichtet ist, was den Gesandten Allahs (s) unter allen anderen Propheten einzigartig macht.<br>Es liegt somit im Wesen der islamischen Botschaft, dass der islamische Staat als Methode zur weltweiten Verk\u00fcndung des Islam dienen muss. Aufgrund dessen bestanden die Anstrengungen des Propheten (s) w\u00e4hrend seines Aufenthalts in Mekka nicht nur darin, einzelne Individuen zum Islam aufzurufen, sondern einen politischen Block zu bilden und zusammen mit diesem die Herrschaft des Islam vorzubereiten. Die Gelegenheit hierzu ergab sich schlie\u00dflich in Medina.<br>Die Muslime sind nicht nach Medina ausgewandert, um blo\u00df der Unterdr\u00fcckung in Mekka zu entgehen, sondern um zum einen die islamischen Gesetze ohne Einschr\u00e4nkung anzuwenden und zum anderen den Islam weltweit zu verk\u00fcnden. Aus Letzterem ergab sich auch, weshalb die Politik des Propheten (s) nicht mit der Errichtung des Staates in Medina endete, sondern mit dessen Verwirklichung erst richtig begann.<br>Deutlicher als bei der Staatsgr\u00fcndung selbst tritt die politische Rolle Muhammads (s) w\u00e4hrend seiner zehnj\u00e4hrigen Regentschaft zutage. In seinem politischen Handeln widmete er sich zun\u00e4chst der gespaltenen Gesellschaft Medinas, die aus verfeindeten Ansar und Muhadschirun sowie aus Muslimen und Nichtmuslimen bestand und die es zu einen galt. Es wurden Dokumente aufgesetzt, die zum einen die Beziehung der Muslime untereinander regelten, zum anderen die Beziehung zu den j\u00fcdischen St\u00e4mmen, die in und um Medina lebten. Auf diese Weise hat der Prophet (s) auf gesellschaftlicher Ebene innenpolitisch geschafft, wovon viele Politiker heute nur tr\u00e4umen k\u00f6nnen: Er hat auf der Basis des Islam aus v\u00f6llig unterschiedlichen Menschen, bei denen bislang Stammesfanatismus dominierte, eine homogene und stabile Gesellschaft geschaffen.<br>Welche politische Leistung dahintersteckt, sieht man am Beispiel der deutschen Wiedervereinigung. Die deutsche Politik hat es bis heute nicht fertig gebracht, die Deutschen auch in den K\u00f6pfen zu vereinen. Noch immer spricht der &#8222;Ossi&#8220; vom &#8222;Wessi&#8220; und umgekehrt. Die Politik war nicht in der Lage, das gegenseitige Misstrauen und die bestehenden Vorurteile auszur\u00e4umen, so dass bei vielen immer noch der Wunsch existiert, den Zustand vor dem Mauerfall wiederherzustellen. Bedenkt man, dass Ost- und Westdeutsche urspr\u00fcnglich ein Volk darstellten, wird das Versagen der deutschen Politik noch deutlicher.<br>Die Vertr\u00e4ge, die Muhammad (s) mit anderen vereinbarte, schloss er in seiner Position als Staatsmann. Dass er \u00fcberhaupt Vertr\u00e4ge mit Nichtmuslimen einging, weist auf diesen Umstand hin. Besonders deutlich wird dies am Vertrag von al-Hudaibiyya, der das Ergebnis der Friedensverhandlungen zwischen Muhammad (s) und den Quraisch war. Nachdem sein Verhandlungspartner Suhail ibn cAmr die Formulierung &#8222;Muhammad, der Gesandte Allahs&#8220; ablehnte, wurde der Vertrag wie folgt eingeleitet: &#8222;Dies ist das, worauf sich Muhammad ibn cAbdillah mit Suhail ibn Amr im Friedensvertrag geeinigt hat.&#8220; Die Hervorhebung Muhammads (s) als Prophet war nicht zwingend, denn es war ein Abkommen zwischen dem Staatsoberhaupt Muhammad (s) und Suhail, dem Vertreter der Quraisch.<br>Das Hudaibiyya-Abkommen ist allein durch das politische Kalk\u00fcl des Propheten (s) zustande gekommen, indem er den Quraisch nur noch Friedensverhandlungen als einzige Option lie\u00df. Hierzu fasste er den Plan, als Pilger nach Mekka zu gehen und sogar die nichtislamischen Araberst\u00e4mme zur Pilgerfahrt einzuladen. Damit wollte er seine friedlichen Absichten zum Ausdruck bringen, die dadurch unterstrichen wurden, dass die Muslime kein schweres Waffenmaterial bei sich f\u00fchrten. Sollten die Quraisch ihm das Betreten Mekkas erlauben, k\u00f6nnte er seine Friedensabsichten demonstrieren, sollten sie ihm dies verweigern, k\u00f6nnte er dadurch zumindest die \u00f6ffentliche Meinung auf seine Seite bringen. Der Plan war gut durchdacht, denn unabh\u00e4ngig vom Ausgang der Konfrontation mit den Quraisch w\u00fcrden die Muslime einen politischen Vorteil davontragen.<br>Als die Quraisch von dem Vorhaben zur Umra erfuhren, mobilisierten sie eine Armee. Um die Konfrontation mit der Armee der Quraisch zu umgehen, schlug man einen anderen als den \u00fcblichen Weg ein und erreichte den Ort al-Hudaibiyya unterhalb Mekkas, womit man die Quraisch \u00fcberraschte. Der Prophet (s) war den Quraisch n\u00e4mlich nicht nur im Glauben \u00fcberlegen, sondern auch in seinem politischen Man\u00f6ver.<br>Da Muhammad (s) bem\u00fcht war zu demonstrieren, dass die Muslime als Pilger und nicht als Krieger gekommen waren, konnten sich mehrere Mittelsm\u00e4nner, die von den Quraisch entsandt wurden, davon \u00fcberzeugen, dass die Muslime tats\u00e4chlich nur mit friedlichen Absichten gekommen waren. Die Quraisch wollten hingegen die \u00d6ffentlichkeit f\u00fcr sich gewinnen und den Muslimen kriegerische Absichten anlasten, um dadurch einen Schlag gegen sie \u00f6ffentlich zu legitimieren, was ihnen jedoch misslang. Dadurch waren sie zu Friedensverhandlungen mit Muhammad (s) geradezu gen\u00f6tigt.<br>Dass die Muslime als Voraussetzung f\u00fcr das Zustandekommen des Vertrags die cUmra erst im Jahr darauf verrichten und sich diesmal zur\u00fcckziehen sollten, darf nicht dar\u00fcber hinwegt\u00e4uschen, dass der Auszug nach Mekka dennoch ein politischer Erfolg war, da im Vordergrund das Abkommen stand, das rein politischen Inhalts war, und nicht die Pilgerfahrt. Diese stellte lediglich die politische Strategie zum Abkommen dar.<br>Aus politischer Sicht war das Hudaibiyya-Abkommen ein bedeutender Schachzug des Propheten (s), denn es ebnete den Weg f\u00fcr die weitere Ausbreitung des Islam und stellte eine Voraussetzung f\u00fcr den Erfolg der islamischen Ausdehnung dar. Denn nach all den kriegerischen Jahren wurden die Quraisch politisch in die Knie gezwungen und mussten nun ihre Angriffe gegen den Islam unterlassen. Zudem verhinderte der Prophet (s) dadurch ein m\u00f6gliches B\u00fcndnis der Quraisch mit den Juden von Khaibar, die ein regelrechtes Verschw\u00f6rungsnest gegen den Propheten (s.) bildeten. Nun hatte er beide H\u00e4nde frei, um dieses Verschw\u00f6rungszentrum ein f\u00fcr allemal zu erledigen.<br>Der Verk\u00fcndung des Islam jenseits der Arabischen Halbinsel stand nun ebenfalls nichts mehr im Wege, nachdem die Quraisch ruhig gestellt waren. Dies war nur m\u00f6glich, indem der Prophet (s) seine politische Rolle als Staatsoberhaupt wahrnahm, und nicht, indem er sich allein auf die Ibadat (gottesdienstlichen Handlungen) konzentrierte, die Nacht mit Beten verbrachte oder mehrere Tage ohne Unterbrechung fastete. Handlungen wie diese dienten zwar der pers\u00f6nlichen Ann\u00e4herung an Gott, vermittelten spirituelle Kraft, hatten aber keinerlei Einfluss auf die politische Situation und den Grad der Umsetzung des Islam.<br>Au\u00dfenpolitisch nahm der Prophet (s) Kontakt zu den unterschiedlichsten Herrschern auf und lud sie zum Islam ein. Hierzu z\u00e4hlten etwa die Herrscher des Persischen Reichs, des Jemen oder Abessiniens, woran man ersehen kann, welche politische Dimension der Islam bereits zu Lebzeiten des Propheten (s) angenommen hatte. Manche der angesprochenen Machthaber nahmen den Islam an, manche ignorierten die Aufforderung des Propheten (s) und andere wiederum wollten seinen Tod, wie etwa der persische Chosroes. Diese Reaktionen spiegeln aber auch die politische Macht wider, zu welcher der Islam dank der Politik des Propheten (s) bereits aufgestiegen war.<br>Ein wesentlicher Bestandteil der Au\u00dfenpolitik des Gesandten Allahs (s) war die Er\u00f6ffnung von Gebieten und ihre Angliederung an den islamischen Staat. Das machte die Ernennung von Statthaltern und Gouverneuren notwendig, die Muhammad (s) in die neuen Gebiete entsandte, um auch dort die Anwendung der islamischen Gesetze sicherzustellen. Aus den islamischen Quellen geht nicht nur hervor, dass Muhammad (s) Gouverneure und Statthalter ernannte, sondern auch, welche Personen er f\u00fcr welche Gebiete bestimmte. Denn gerade die politischen Entscheidungen des Propheten (s) sind in gro\u00dfem Umfang \u00fcberliefert worden und lassen keine Fragen offen.<br>Teil der Au\u00dfenpolitik waren auch die vielen Schlachten, die in der \u00c4ra des Propheten stattfanden, etwa die Schlacht von Badr, von Mu&#8217;ta oder Tabuk, um nur einige zu nennen. Obwohl diese Schlachten zum Allgemeinwissen der Muslime geh\u00f6ren, werden sie kaum mit der Au\u00dfenpolitik Muhammads (s) in Verbindung gebracht. Politisch waren sie von enormer Wichtigkeit. Prim\u00e4r dienten sie der Ausbreitung des Islam, hatten aber auch den Zweck, den Feind einzusch\u00fcchtern. Sie stellten somit keine blo\u00dfe Reaktion auf \u00e4u\u00dfere Angriffe dar. Ohne sie w\u00e4re der Islam kaum \u00fcber die Grenzen Medinas hinausgekommen.<br>Anhand dieser wenigen Beispiele zeichnet sich deutlich die Stellung des Propheten (s) als Staatsmann ab. Die gesamte Zeit, die er in Medina bis zu seinem Tode verbrachte, stand im Zeichen seines politischen Wirkens als Staatsoberhaupt. Vor diesem Hintergrund bekommt das im Hadith von Aischa gezeichnete Bild des Propheten vom &#8222;wandelnden Koran&#8220; eine ganz andere Bedeutung. In Muhammad (s) kamen Prophet und Staatsoberhaupt in einer Person zusammen, wobei seine Stellung als Regent bedingt wurde durch seine Prophetenschaft, da der Islam als umfassende Lebensordnung ihm politisches Handeln vorschrieb.<br>Doch anders als seine Prophetenschaft, die mit seinem Tode endete, existiert die Politik im Islam weiter und muss von den Muslimen fortgesetzt werden, wie es uns der Prophet (s), der daf\u00fcr den politischen Grundstein legte, vorgelebt hat. Dies ist auch der Grund, weshalb die Prophetengef\u00e4hrten (Sahaba) nach dem Tode Muhammads (s) die islamische Herrschaft aufrecht erhielten, indem sie Kalifen einsetzten, die dem Propheten (s.) in seiner politischen Funktion als Staatsoberhaupt folgten und die Anwendung der islamischen Gesetze sicherstellten, gem\u00e4\u00df dem Hadith: <strong>&#8222;&#8218;Das Volk Israel ist stets von Propheten betreut worden; wenn ein Prophet starb, folgte ihm ein anderer nach. Nach mir wird es jedoch keinen Propheten mehr geben. Es werden aber Kalifen kommen und deren Zahl wird gro\u00df sein&#8216; Sie fragten: &#8218;Was befiehlst du uns?&#8216; Er antwortete: &#8218;Erf\u00fcllt die Bai&#8217;a (Treueeid) des jeweils Ersteren und gebt ihnen ihr Recht, denn Allah wird sie \u00fcber das zur Rechenschaft ziehen, was er in ihre Obhut gelegt hat!&#8220;<\/strong> (Buchari)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Muhammad (s) l\u00e4sst sich nicht mit anderen Propheten vergleichen, weil der Islam an die gesamte Menschheit gerichtet ist, was den Gesandten Allahs (s) unter allen anderen Propheten einzigartig macht.<\/p>\n","protected":false},"author":20,"featured_media":887,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[7],"tags":[1303,1829,1845,2109,2468],"class_list":["post-9725","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-islam","tag-islam","tag-muammad","tag-muslime","tag-prophet","tag-staatsmann"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/kalifat1.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/9725","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/kalifat1.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/kalifat1.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kalifat1.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/20"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kalifat1.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=9725"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/kalifat1.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/9725\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kalifat1.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/887"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/kalifat1.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=9725"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/kalifat1.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=9725"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/kalifat1.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=9725"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}