{"id":9728,"date":"2011-09-01T00:00:00","date_gmt":"2011-09-01T00:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/kalifat1.com\/?p=9728"},"modified":"2011-09-01T00:00:00","modified_gmt":"2011-09-01T00:00:00","slug":"imam-shafii-machte-den-islam-nicht-von-zeit-und-ort-abhaengig","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kalifat1.com\/?p=9728","title":{"rendered":"Imam Shafi\u2018i machte den Islam nicht von Zeit und Ort abh\u00e4ngig"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Diejenigen, die sich w\u00fcnschen, dass die Ummah sich der amerikanischen Vorherrschaft unterwirft, trachten nach der Ver\u00e4nderung des Islam, so dass er die Grenzen, die von Blair und Bush gesetzt wurden, nicht \u00fcberschreitet. Sie tragen die Dawa zum \u201eModernismus&#8220;, und w\u00fcrden gerne sehen, wie wir die westliche Lebensart akzeptieren, nur weil der Westen stark ist. Solch eine Dawa ist in Wirklichkeit ein Teil des Kreuzzugs gegen den Islam, der unter dem Deckmantel des \u201eKampfes gegen Terrorismus&#8220; gef\u00fchrt wird. Die \u201eModernisierer&#8220;, die in den H\u00f6fen von Blair und Bush sitzen, und diejenigen, die den tyrannischen Regenten in den muslimischen L\u00e4ndern zu F\u00fc\u00dfen liegen, meinen, dass der Islam von Zeit zu Zeit und von Ort zu Ort ver\u00e4nderlich sei.<br>Die Konsequenz daraus w\u00e4re, dass einige Regelungen des Islam nicht angewendet werden w\u00fcrden, weil wir in einer neuen Umgebung und in einem neuen Zeitalter leben. Demnach m\u00fcssten Regelungen bez\u00fcglich Riba (Zins), der Ehe, des sozialen Zusammenlebens und den Regierungssystemen modernisiert werden. Verfechter dieser Vorstellung f\u00fchren als Beispiel Imam Shafi&#8217;i (ra) an, um ihre Ansichten zu rechtfertigen.<br>Salam Al-Maryati, ein Akademiker aus dem Irak, schrieb im Januar 2002 an das US State Department bez\u00fcglich des Themas \u201eModernisierung im Islam&#8220; Folgendes: \u201eTatsache ist, dass Shafi&#8217;i zwei Denkschulen hatte. Eine, als er im Irak lebte, und eine, als er nach \u00c4gypten zog. Als er diesbez\u00fcglich befragt wurde, sagte er, dass der Grund daf\u00fcr sei, dass es (im Irak und in \u00c4gypten) zwei verschiedene Arten von Menschen gab. Wenn der Ort variabel ist, dann kann die Zeit ebenso ein Faktor sein.&#8220; Um darauf n\u00e4her einzugehen, m\u00fcssen wir zun\u00e4chst einmal das Leben des gro\u00dfartigen Imam und die Umst\u00e4nde, denen er in Bezug auf Ideen und Methoden ausgesetzt war, betrachten.<br>Muhammad ibn Idris ibn al-Abbas, al-Imam al-Shafi&#8217;i, Abu Abd Allah al-Shafi&#8217;i al-Hijazi al-Quraishi al-Hashimi al-Muttalibi (gestorben 204 AH), von der Familie des Propheten (saw), sicherlich einer der gr\u00f6\u00dften Mujtahidun und Juristen, geboren in Gaza im Jahr 150 AH, dem Jahr, in dem Abu Hanifa starb. Im Alter von zwei Jahren zog er nach dem Tode seines Vaters nach Mekka, wo er aufwuchs. Zun\u00e4chst studierte er die arabische Sprache und Dichtkunst, bis er sich mit dem Fiqh auseinandersetzte und mit der Hadithwissenschaft anfing. Er lernte von zwei gro\u00dfen Gelehrten, Muslim bin Khalid al Zingi, dem Mufti von Mekka und Sufiyan bin Uyaynah, m\u00f6ge Allah mit ihnen zufrieden sein. Er lernte im Alter von sieben Jahren den Qur&#8217;an und im Alter von zehn Jahren Imam Maliks Muwatta auswendig. Bereits zu dieser Zeit vertrat er seine Lehrer, sollten diese mal verhindert sein.<br>Im Alter von dreizehn Jahren zog er nach Medina, um Imam Malik, der seinerseits sehr beeindruckt von der Lernf\u00e4higkeit und Intelligenz Imam Shafi&#8217;is war, zu treffen. W\u00e4hrend seines Aufenthalts dort, wurde er durch die Methodenlehre von Imam Malik beeinflusst. Anschlie\u00dfend zog er nach Bagdad, wo er Sch\u00fcler der hanafitischen Rechtsschule wurde, so z.B. bei Imam Mohammad bin al-Hasan al-Shaybani. In Bagdad kam er mit der Methodenlehre der hanafitischen Rechtsschule in Kontakt. Er verfeinerte seine F\u00e4higkeiten durch st\u00e4ndige Debatten mit den hanafitischen Rechtsgelehrten, wobei er stets die Position von Imam Malik einnahm. Dabei erkannte er die Schw\u00e4chen der malikitischen Denkweise, was einen gro\u00dfen Einfluss f\u00fcr die Entscheidung Imam Shafi&#8217;is hatte, seine eigene Rechtsschule zu gr\u00fcnden. Nachdem er f\u00fcr einen kurzen Zeitraum wieder in Mekka war, kehrte er nach Bagdad zur\u00fcck. Dort schrieb er die \u201ealte Version&#8220; seiner al-Risala, ein Buch \u00fcber den Usul al-Fiqh. Diese Version ist nicht mehr erh\u00e4ltlich, wird jedoch von Gelehrten, wie beispielsweise al-Fakhr al-Razi, zitiert. Schlie\u00dflich entschied sich Imam Shafi&#8217;i Bagdad zu verlassen und nach \u00c4gypten zu ziehen, wo er sich niederlassen und seine Zeit in Fiqh und Methodenlehre investieren konnte.<br>In \u00c4gypten wurde er durch die Methode von Imam Laith ibn Saad beeinflusst. Dieser war ein au\u00dfergew\u00f6hnlich wissender Mujtahid. Es wird \u00fcber Imam Shafi&#8217;i berichtet, dass er sagte: \u201eLaith war ein gr\u00f6\u00dferer Faqih als Malik, doch seine Sch\u00fcler lie\u00dfen ihn verk\u00fcmmern (indem sie seine Lehren nicht aufrecht erhielten).&#8220; (Siyar i&#8217;lam al-nubala&#8216;, 8\/156)<br>In \u00c4gypten schrieb er, nach diesen neuen Erfahrungen, die neue Auflage seiner Risala. Dies sagt uns, dass er im Hinblick auf sein Verst\u00e4ndnis des Usul al-Fiqh reifer wurde.<br><strong>Wieso ver\u00e4nderte Imam Shafi&#8217;i seine Methodenlehre?<\/strong><br>Nicht das Umziehen von einem Ort zu einem anderen ist der Grund daf\u00fcr, dass Imam Shafi&#8217;i seine Methode ver\u00e4nderte. Dies ist eindeutig nachweisbar. Die Ver\u00e4nderung seiner Umgebung hatte nichts mit der Ver\u00e4nderung seiner Methode zu tun. Die Ver\u00e4nderung in seiner Methodenlehre r\u00fchrt aus der Ver\u00e4nderung seiner Art zu denken her, was letztendlich die Ver\u00e4nderung von Imam Shafi&#8217;i ausmachte.<br>Imam Shafi&#8217;i definierte seine Usul (Rechtsgrundlagen) und schrieb diese in seiner \u201ealten Version&#8220; der Risala im Irak nieder, bevor er in \u00c4gypten ankam und sich dort niederlie\u00df. Er begann mit dem Aufschreiben seiner Usul vor dem Ende des zweiten Jahrhunderts. Es wird berichtet, dass er bereits in jungen Jahren mit dem Schreiben seiner Usul begann, das Geschriebene des \u00d6fteren pr\u00fcfte und Ver\u00e4nderungen vornahm, bis er in der Lage war in \u00c4gypten seine \u201eneue Risala&#8220; zu verfassen.<br>Wenn man sein Leben betrachtet, sieht man, dass Imam Shafi&#8217;i mit zwei verschiedenen Fiqh-Schulen zu tun hatte. Er schrieb seine erste Risala, und als er in seinem Denken heranwuchs, lie\u00df er sich nieder und schrieb seine zweite Risala.<br>Dr. Muhammad Baltaaji schreibt in seinem Buch \u201eManahij ul Tashri al Islaami fil Qarn al Thani al Hijri&#8220; (Die Methoden der islamischen Rechtssprechung w\u00e4hrend des zweiten Jahrhunderts nach der Hijra): \u201eShafi&#8217;i wurde f\u00fcr seinen kontinuierlichen Wandel kritisiert. Doch er reagierte auf die Kritik. Ibn Abi Hatim berichtet, dass Imam Shafi&#8217;i Amr Bin Sawad al-Serhi fragte: \u201eWieso schreibst du mein Buch nicht ab?&#8220;, doch dieser schwieg. Anschlie\u00dfend sagte eine dritte Person: \u201eEr denkt, dass du Dinge geschrieben hast, diese ver\u00e4ndert hast, erneut geschrieben und sie dann wieder ver\u00e4ndert hast&#8220;. Diese dritte Person war der Ansicht, dass der kontinuierliche Wandel von Imam Shafi&#8217;i der Grund war, wieso al-Serhi die B\u00fccher von Imam Shafi&#8217;i nicht abschrieb. Imam Shafi&#8217;i antwortete: \u201eNun ist es ausgereift.&#8220; (Vol. 1 Seite 65)<br>Auch Imam Ahmad bin Hanbal wurde einst von Mohammad bin Muslim ar-Razi gefragt, welches Buch von Imam Shafi&#8217;i er w\u00e4hlen sollte. Ahmad antwortete: \u201eSuche dir eins von den B\u00fcchern aus, die in \u00c4gypten verfasst wurden. Im Irak schrieb er B\u00fccher, die nicht sehr gut geworden sind. Dann ging er nach \u00c4gypten, wo er seine B\u00fccher auf eine tiefgr\u00fcndigere Art und Weise verfasste.&#8220; (The Methodologies of Islamic Legislation During the Second Century Hijri Vol.1, Seite 31)<br>In \u00c4gypten wurde Imam Shafi&#8217;i durch den Fiqh von Imam Laith bin Saad beeinflusst. Imam Laith starb im Jahr 175 nach der Hijra. Er lebte in \u00c4gypten, doch reiste er nach Bagdad, wo er Imam Abu Hanifa pers\u00f6nlich traf, und die Chance bekam, Ibn Shihab al Zuhri, Nafi&#8216; und weitere zu treffen. Imam ibn Hajr sagte: \u201eDas Wissen der Tabi&#8217;in starb mit Laith&#8220;.<br>Tatsache ist auch, dass Imam Laith der Shaykh von Imam Malik war. Imam Shafi&#8217;i kam vierzehn Jahre nach dem Tod von Imam Laith nach \u00c4gypten, was bedeutet, dass der Einfluss durch Imam Laith dort noch immer stark war. Folglich kann man sagen, dass Imam Shafi&#8217;i auch durch diesen Einfluss heranreifte und seine Methode einen Wandel durchmachte.<br>Die Annahme, dass der Umgebungswechsel der Grund f\u00fcr die Ver\u00e4nderung von Imam Shafi&#8217;is Methodik ist, ist sehr unpr\u00e4zise und unbegr\u00fcndet. Was ist mit Umgebung gemeint? Der \u00e4gyptische Boden? Der Nil? Die Lebensart dort? Tatsache ist, die Umgebung hat mit all dem nichts zu tun. Die Lebensart war sowohl in \u00c4gypten, als auch in Bagdad, Medina und Mekka die gleiche. All diese Orte hatten den gleichen islamischen Lebensstil in der gleichen Epoche. Die Unterschiede in einigen Br\u00e4uchen eines Gebiets machen eine Umgebung nicht gleich andersartig. Ein neuer Brauch in einer neuen Ortschaft zwingt einen Mujtahid m\u00f6glicherweise dazu, diesen zu studieren und eine neue Rechtsregel f\u00fcr diesen spezifischen Brauch abzuleiten, weil es das erste Mal ist, dass der Mujtahid diesem Brauch begegnet. Der Rechtsspruch f\u00fcr eine Problematik der Leute in Bagdad und das Gesetz (Hukm), das auf diesse Leute in Bagdad angewendet wird, sollte der gleiche f\u00fcr die Leute in \u00c4gypten, im Hejaz (Arabische Halbinsel), in England oder in den USA sein. Riba ist in \u00c4gypten und in Bagdad, in England und in Lahore verboten (haram). Die ver\u00e4nderte Umgebung ist kein Grund Riba in \u00c4gypten zu erlauben, w\u00e4hrend es in Bagdad verboten ist.<br>Um die Menschen zu \u00fcberzeugen, sagen diejenigen, die behaupten, eine andere Umgebung w\u00fcrde einen Wandel der Methode bedeuten, dass Imam Shafi&#8217;i von einem Staat in einen anderen zog. Tatsache ist jedoch, dass sowohl Bagdad als auch \u00c4gypten Teil eines Staates waren. Bagdad und \u00c4gypten waren keine verschiedenen Staaten. Es gab zu dieser Zeit keinen sp\u00fcrbaren Unterschied zwischen Bagdad und \u00c4gypten. Der einzige Unterschied war die Existenz von Imam Laith, der seinerseits von vielen Schulen des Fiqh beeinflusst wurde. Imam Shafi&#8217;i wurde, bevor er in \u00c4gypten ankam, von den Rechtsschulen in Medina und Kufa (im Irak) beeinflusst. In \u00c4gypten jedoch hatte er die Chance, die Schule von Laith kennenzulernen. Dies f\u00fchrte dazu, dass Imam Shafi&#8217;i in seinem Denken weiter heranreifte.<br>Thematiken, wie das beispielsweise eine Frau zum Islam konvertiert, w\u00e4hrend ihr Mann Nicht-Muslim bleibt, ist keine neue Thematik. Dieses Problem war bereits zur Zeit des Propheten (saw) zu beobachten, als seine Tochter Zaynab (ra) den Islam annahm, w\u00e4hrend ihr Mann Nicht-Muslim blieb. Um also dieses Problem in der heutigen Zeit zu l\u00f6sen, m\u00fcssen wir lediglich die Rechtsquellen diesbez\u00fcglich untersuchen und den islamischen Rechtsspruch diesbez\u00fcglich ableiten. Diese Herangehensweise findet auch auf alle anderen Problematiken Anwendung.<br>Das gesamte Thema (Islam ver\u00e4ndert sich je nach Zeit und Ort) verdeutlicht ein Fehlverst\u00e4ndnis im Hinblick auf die Natur des Islam und der Dynamik der islamischen Rechtslehre. Hinsichtlich der Problemfelder wie der Adoption, des Testaments, der Erbschaft, der Beerdigung, so haben diese Probleme Regelungen, die umfangreich er\u00f6rtert wurden und nicht ver\u00e4nderlich sind. Was neu aufkommende Problematiken angeht, so erfordern diese einen Mujtahid, der den Hukm diesbez\u00fcglich aus den islamischen Rechtsquellen ableitet, unabh\u00e4ngig davon, ob das Problem im Westen oder im Osten auftritt. Deswegen ist es falsch zu behaupten, der Islam w\u00fcrde sich von Ort zu Ort und von Zeit zu Zeit ver\u00e4ndern und Imam Al-Shafi&#8217;i als ein Beispiel f\u00fcr diese Behauptung heranzuziehen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Diejenigen, die sich w\u00fcnschen, dass die Ummah sich der amerikanischen Vorherrschaft unterwirft, trachten nach der Ver\u00e4nderung des Islam, so dass er die Grenzen, die von Blair und Bush gesetzt wurden, nicht \u00fcberschreitet. 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