{"id":9733,"date":"2015-02-03T00:00:00","date_gmt":"2015-02-02T23:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/kalifat1.com\/?p=9733"},"modified":"2015-02-03T00:00:00","modified_gmt":"2015-02-02T23:00:00","slug":"wirtschaftskrisen-im-vergleich-zwischen-islam-und-kapitalismus-teil-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kalifat1.com\/?p=9733","title":{"rendered":"Wirtschaftskrisen im Vergleich zwischen Islam und Kapitalismus \u2013 Teil 2"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-text-align-center wp-block-paragraph\">2. Das Zinssystem<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><br>Das Geldsystem und seine Instabilit\u00e4t in den letzten 100 Jahren sind nicht die einzigen Ursachen f\u00fcr die Wirtschaftskrisen. Dem Geldsystem geht in der Einflussnahme auf Wirtschaftskrisen wahrscheinlich sogar das Zinssystem voraus, auf welchem das kapitalistische Wirtschaftssystem aufbaut. Dieses kapitalistische Wirtschaftssystem ist ohne Zinsen undenkbar, weil die Idee des Zinses sich ausgezeichnet mit dem grundlegenden Ma\u00dfstab des Kapitalismus im Leben vereinbaren l\u00e4sst, n\u00e4mlich dem Profit. Aus wirtschaftlicher Sicht wirkt der Zins zerst\u00f6rerisch auf jede Wirtschaft, unabh\u00e4ngig davon, ob wir von hohem oder niedrigem Zins sprechen. Weil n\u00e4mlich der Gewinn, den der Kreditgeber verzeichnet, das Ausnutzen menschlicher Anstrengung bedeutet und da das Geld, f\u00fcr welches der Zins genommen wird, zus\u00e4tzlich zum Gewinn zur\u00fcckerstattet wird und nicht dem Risiko des Verlustes ausgesetzt ist. Des weiterem steht diesem \u201eMehr&#8220; an Geld kein realer Gegenwert entgegen. Da auf der (realen) Gegenseite zu diesem \u201eMehr&#8220; keine nat\u00fcrliche Ver\u00e4nderung im Kapitalkreislauf stattfindet, f\u00fchrt dies wiederum zur Schaffung neuen Geldes, wie es Wirtschaftswissenschaftler bezeichnen. Diese Schaffung des Geldes f\u00fchrt unweigerlich zur Abwertung der W\u00e4hrung und zur Inflation und somit \u2013 gegebenenfalls \u2013 zu Wirtschaftskrisen.<br>Der Zins f\u00fchrt die Menschen dazu, ihr Geld in den Banken anzulegen, um einen gesicherten Gewinn zu erreichen. Wenn sich dieses Geld in den Banken befindet, dann befindet es sich nicht mehr im Kreis des Kapitals, wodurch ein Defizit entsteht, welches sich negativ auf die Wirtschaft auswirkt. Auch wenn die Vorstellung unter den Wirtschaftsexperten dominierte, dass die Kreditvergabe der Banken diese Kluft, die durch die anf\u00e4ngliche Einsparung entstanden ist, wieder f\u00fcllt, so mussten sie neuerdings jedoch feststellen, dass dieses Verh\u00e4ltnis zwischen Ersparnis und Kreditvergabe nicht so funktioniert, wie sie dachten, und dass es sich hierbei um einen unverl\u00e4sslichen Mechanismus zur Verhinderung von Wirtschaftskrisen handelt. Wenn n\u00e4mlich die Zinsen steigen, steigt parallel auch die Nachfrage der Menschen zum Sparen, jedoch sinkt gleichzeitig die Nachfrage nach Krediten aufgrund der hohen Zinskosten. Dadurch entsteht ein Defizit in der Wirtschaft. Das gleiche gilt auch umgekehrt, wenn also die Zinsen sinken, so steigt die Nachfrage nach Krediten, gleichzeitig sinkt aber auch das Verlangen, sein Geld anzulegen.<br>Viele Menschen glauben, dass vom Zinssystem kein Schaden ausgeht, solange das Geld, f\u00fcr welches der Zins genommen wird, auch investiert wird. Die Menschen glauben daran, weil sie den Mechanismus dieses Prozesses nicht begreifen und nicht verstehen, wie er direkt zu gro\u00dfen wirtschaftlichen Problemen f\u00fchrt, durch welche die Mittelschicht \u00fcberlastet wird, w\u00e4hrend die reiche Schicht immer reicher wird. Um es anders auszudr\u00fccken: die Problematik der schlechten Umverteilung, die zu den gr\u00f6\u00dften Problemen des Kapitalismus z\u00e4hlt, wird verst\u00e4rkt. Dies erfolgt folgenderma\u00dfen: Wenn eine Firma beginnt, sich einen Kredit von einer Bank zu leihen, so bezahlt sie Zinsen f\u00fcr diesen Kredit. Da sie aber den Kredit aufgenommen hat, um Profit zu erzielen und nicht zum Zweck des Verlustes, wird sie die gesamten neu entstandenen Mehrkosten, und dazu z\u00e4hlen die Mehrkosten des Zinses und des Zinses-Zins, auf ihr Produkt abw\u00e4lzen. Die Frage, die sich dabei stellt: Wer zahlt diese Mehrkosten, die den Produkten zugerechnet wurden? Die Antwort ist, um es kurz zu machen: der Konsument. Das bedeutet, dass diese Mehrkosten vom einfachen B\u00fcrger getragen werden: es ist also jener, welcher selber wenig verdient vom Zins, da sein Einkommen seinen Lebenserhaltungskosten entspricht, w\u00e4hrend die Reichen von diesen Mehrkosten nicht beeinflusst werden. Schlie\u00dflich bewahren sie viel Geld in den Banken auf und erhalten daf\u00fcr entsprechende Zinsen. Die Mehrkosten aufgrund des Zinses, die in den Lebenserhaltungskosten, also in den G\u00fctern und Dienstleistungen enthalten sind, sind nichts im Vergleich zu dem, was die Reichen an Zins und Zinses-Zins verdienen. Mit anderen Worten: Der Arme wird \u00e4rmer und der Reiche immer reicher.<br>Die genannte Problematik bezieht sich speziell auf die Kreditvergabe f\u00fcr Investitionen. Was aber die Kreditvergabe an \u201enormale&#8220; Verbraucher anbelangt, so ist das Ausma\u00df der negativen Folgen weitaus gr\u00f6\u00dfer, weil diese Form sehr verbreitet ist. Da viele Menschen die finanziellen Angelegenheiten ihres Lebens nicht regeln k\u00f6nnen, greifen sie auf die Kredite der Banken zur\u00fcck, um sich so das N\u00f6tige besorgen zu k\u00f6nnen. F\u00fcr diese Kredite werden dann Zinsen und Zinses-Zinsen genommen, wodurch die Ersparnisse der Menschen verloren gehen und sie sich immer weiter verschulden. Die gleiche Erscheinung sehen wir auch bei Staaten, die auf Kredite angewiesen sind, insbesondere die Staaten der Dritten Welt, welche durch die (Auslands-)Schulden zugrunde gerichtet wurden und nur noch produzieren, um gerade einmal die Zinsen der Zinsen zu begleichen.<br>Teil 3 (Das Eigentum) folgt&#8230;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Geldsystem und seine Instabilit\u00e4t in den letzten 100 Jahren sind nicht die einzigen Ursachen f\u00fcr die Wirtschaftskrisen. 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