{"id":9736,"date":"2014-01-01T00:00:00","date_gmt":"2013-12-31T23:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/kalifat1.com\/?p=9736"},"modified":"2014-01-01T00:00:00","modified_gmt":"2013-12-31T23:00:00","slug":"kalifat-2-statt-genf-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kalifat1.com\/?p=9736","title":{"rendered":"Kalifat 2 statt Genf 2"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Syrien hat sich zu einem Albtraum der USA, des Westens und auch Israels entwickelt. Nach jahrzehntelanger Gewaltherrschaft des von den USA gest\u00fctzten Assad-Regimes, das das syrische Volk durch ein engmaschiges Geheimdienstnetz unterdr\u00fcckte \u2013 selbst die syrischen W\u00e4nde hatten Ohren \u2013, neigt sich die \u00c4ra Assad ihrem unabwendbaren Ende zu.<br>Keine Folter, kein Chemiewaffeneinsatz und keine Massaker k\u00f6nnen das syrische Volk noch zur\u00fcckhalten. Bashar al-Assad hat seine Mittel der Gewalt maximal ausgesch\u00f6pft und dennoch keine Wende zu seinen Gunsten herbeif\u00fchren k\u00f6nnen. Je brutaler und menschenverachtender sein Vorgehen ist, desto st\u00e4rker wird der Kampfgeist der Menschen in Syrien. Ihre Standhaftigkeit w\u00e4chst mit jeder neuen Gr\u00e4ueltat des Regimes \u2013 eine Sackgasse f\u00fcr all jene, die das Assad-Regime st\u00fctzen und aufrechterhalten wollen.<br>L\u00e4ngst hat die Welt\u00f6ffentlichkeit vergessen \u2013 daf\u00fcr haben die USA gesorgt \u2013, dass Syrien einst zusammen mit dem Iran, Nordkorea und Libyen zu den Schurkenstaaten z\u00e4hlte. So titelte beispielsweise &#8222;Spiegel Online&#8220; am 17. September 2003, also vor etwa zehn Jahren: &#8222;US-Position: Neuer Schurkenstaat Syrien&#8220;. Was genau hat aber das Assad-Regime getan, um seinen Schurkenstatus zu verlieren? H\u00e4tten die USA nicht allen Grund gehabt, gegen den &#8222;Schurken&#8220; Bashar al-Assad f\u00fcr seine von der UNO sogar best\u00e4tigten Kriegsverbrechen w\u00e4hrend der syrischen Revolution milit\u00e4risch vorzugehen? Die milit\u00e4rische Zur\u00fcckhaltung der USA und das hartn\u00e4ckige Beharren auf eine diplomatische L\u00f6sung f\u00fcr Syrien legt die Absicht der USA offen, das Assad-Regime und dessen System aufrechterhalten zu wollen. Diese diplomatische Geduld hatten sie weder mit Afghanistan noch mit dem Irak. Die leeren milit\u00e4rischen Drohungen des US-Pr\u00e4sidenten Barack Obama nach dem Chemiewaffeneinsatz im August 2013 und das diplomatische Engagement der USA decken auf, dass die sogenannten &#8222;Freunde Syriens&#8220; in Wahrheit die &#8222;Freunde Assads&#8220; sind, die mit der geplanten Genf-2-Konferenz nichts anderes bezwecken, als das US-treue Assad-Regime mit neuem Anstrich zu versehen und es dem syrischen Volk als vermeintlich neue \u00dcbergangsregierung zu pr\u00e4sentieren \u2013 nach dem Prinzip &#8222;aus Alt mach Neu&#8220;. Denn die USA bestehen trotz allen Widerstandes auf die Teilnahme Assads bzw. seiner Vertreter an den Verhandlungen.<br>Wie h\u00e4tte man wohl reagiert, h\u00e4tten die USA nach dem Zweiten Weltkrieg auf die Beteiligung der Nationalsozialisten an der Regierung in Deutschland bestanden? H\u00e4tte Hitler den Zweiten Weltkrieg \u00fcberlebt, h\u00e4tte man wohl kaum von den Juden erwartet, sich mit ihm an den Verhandlungstisch zu setzen und eine \u00dcbergangsregierung mit ihm zu bilden. Aber genau diese diplomatische Geschmacklosigkeit erwartet man von den Syrern: sich mit dem Diktator Bashar al-Assad an einen Tisch zu setzen und sich politisch zu einigen, nachdem er kein Verbrechen ausgelassen und das Land dem Erdboden gleichgemacht hat.<br>Der Plan, eine Genf-2-Konferenz abzuhalten, ist das Ergebnis der Syrien-Konferenz vom 30. Juni 2012, auf der die Vetom\u00e4chte beschlossen hatten, Assad an einer \u00dcbergangsregierung zu beteiligen. US-Au\u00dfenminister John Kerry erkl\u00e4rte bez\u00fcglich der Genf-2-Konferenz: &#8222;Die zum 22. Januar [2014] einberufene Konferenz stellt wohl die beste M\u00f6glichkeit dar, das Genfer Kommuniqu\u00e9 zu realisieren und auf der Basis der allgemeinen Eintracht eine neue \u00dcbergangsregierung ins Leben zu rufen.&#8220; Ziel der USA und auch Russlands ist es, mit der Genf-2-Konferenz eine \u00dcbergangsregierung zu schaffen, die mit ihren politischen Vorstellungen und Zielen konform geht. Dem syrischen Volk wird diesbez\u00fcglich suggeriert, dass es keine Alternative f\u00fcr die Genf-2-Konferenz g\u00e4be. Sie wird als einzig m\u00f6gliche Option f\u00fcr Syrien propagiert, w\u00e4hrend eine milit\u00e4rische L\u00f6sung kategorisch ausgeschlossen wird. Eine \u00dcbergangsregierung nach den Vorstellungen der USA garantiert die Wahrung amerikanischer Interessen in der Region. Daher ist sie f\u00fcr die USA von existentieller Bedeutung. Mit der Genf-2-Konferenz will der Westen verhindern, dass das syrische Volk sein politisches Schicksal selbst in die Hand nimmt und eine eigene L\u00f6sung findet, die tats\u00e4chlich das Wohl der Syrer fokussiert, n\u00e4mlich die islamische L\u00f6sung. Aus diesem Grund ist jeder Kritiker von Genf 2 aus westlicher Sicht ein Islamist und Terrorist. Vor diesem Hintergrund ist es nur logisch, dass der Westen in der Genf-2-Konferenz die L\u00f6sung seiner eigenen Probleme in Syrien sieht, die sich aus dem Arabischen Fr\u00fchling ergeben haben. Es muss deshalb unter westlicher Kontrolle eine \u00dcbergangsregierung f\u00fcr Syrien geschaffen werden, die unter dem Einfluss des Westens steht.<br>Dass es sich hierbei nicht um irgendeine Verschw\u00f6rungstheorie handelt und der Westen sogar offen damit umgeht, dass er Bashar al-Assad weiterhin an der Macht sehen will, belegen die \u00c4u\u00dferungen des ehemaligen CIA-Chefs Michael Hayden auf der letzten Tagung der NGO Jamestown Foundation f\u00fcr Antiterrorexperten. Hayden f\u00fchrte f\u00fcr Syrien drei m\u00f6gliche Szenarien aus, von denen aus westlicher Sicht nur eine in Frage k\u00e4me. &#8222;So schlimm das auch klingt, ich tendiere dazu, einen Sieg Assads als die beste von drei sehr, sehr h\u00e4sslichen Optionen anzusehen&#8220;, sagte Hayden. Ein Schreckensszenario w\u00e4re f\u00fcr die USA ein Krieg zwischen sunnitischen und schiitischen Gruppen in Syrien, denn damit w\u00e4re eine Wiederherstellung der Stabilit\u00e4t in der Region ausgeschlossen. Das gef\u00e4hrlichste Szenario sei aber die &#8222;Aufl\u00f6sung des syrischen Staates&#8220;, das Hayden sogar f\u00fcr das wahrscheinlichste Szenario h\u00e4lt. Er bef\u00fcrchtet die Aufl\u00f6sung der Staatsgrenzen in der ganzen Region und das Ende der alten Ordnung, die das Ergebnis der Aufteilung des Osmanischen Reiches in Einflussgebiete durch die Kolonialm\u00e4chte Frankreich und Gro\u00dfbritannien im Jahr 1916 ist. &#8222;Das bedeutet das Ende des Sykes-Picot-Abkommens und w\u00fcrde das Ende aller k\u00fcnstlichen Staaten der Region einl\u00e4uten, die nach dem Ersten Weltkrieg geschaffen wurden&#8220;, erkl\u00e4rte Hayden. Er sieht &#8222;fundamentalistisch-sunnitische Kr\u00e4fte sich einen Grossteil des Nahen Ostens einverleiben&#8220;.<br>Um genau dieses Szenario zu verhindern, muss Bashar al-Assad an der Macht bleiben, mag er noch so viele Kriegsverbrechen begehen. Sein R\u00fccktritt steht nicht zur Debatte, da die USA und alle anderen &#8222;Freunde Syriens&#8220; wissen, dass die s\u00e4kulare Opposition nicht in der Lage sein wird, sich jenen in den Weg zu stellen, die die Scharia einf\u00fchren m\u00f6chten und das Kalifat anstreben. Hatte der Westen in der Vergangenheit nicht alle Ma\u00dfnahmen ergriffen, das Kalifat zu zerst\u00f6ren, und eine Aufteilung der Region vorgenommen, um eine erneute Entstehung eines islamischen Staates zu verhindern? Deshalb halten die Westm\u00e4chte hartn\u00e4ckig an Genf 2 und damit an Assad fest, um sozusagen Kalifat 2 zu verhindern.<br>Unverst\u00e4ndlich jedoch ist, wie Muslime in Genf 2 eine L\u00f6sung ihres Problems sehen k\u00f6nnen. Genf 2 ist die westliche L\u00f6sung eines westlichen Problems in Syrien, das in dem sich anbahnenden Verlust des politischen Einflusses in der Region besteht. Die Teilnahme von Muslimen an der Genf-2-Konferenz stellt eine Beteiligung an der Aufrechterhaltung des Assad-Regimes dar und ist aus islamischer Sicht zu verwerfen, auch auf die Gefahr hin, vom Westen als Islamist verschrien zu werden. Die Bereitschaft des Assad-Regimes, an der Konferenz teilzunehmen, ist schon Grund genug, die &#8222;guten&#8220; Absichten der Genf-2-Konferenz in Zweifel zu ziehen. Ausschlaggebend f\u00fcr eine kompromisslose Absage an Genf 2 jedoch ist, dass die von den USA und Russland einberufene Konferenz keine islamischen Ziele verfolgt, sondern vielmehr die Einf\u00fchrung der islamischen Gesetzgebung verhindern soll.<br>Von allen L\u00e4ndern in der islamischen Welt, in die der Arabische Fr\u00fchling Einzug gefunden hat, stellt Syrien die h\u00e4rteste Nuss dar, an der sich der Westen gerade die Z\u00e4hne ausbei\u00dft. Die Syrer geben sich nicht mehr nur mit dem R\u00fccktritt Assads zufrieden, der ihnen noch nicht einmal in Aussicht gestellt wird, sie fordern Assads Kopf. Sie m\u00f6chten sehen, wie man ihn durch die Stra\u00dfen von Damaskus schleift. F\u00fcr eine &#8222;Friedenskonferenz&#8220; mit Assad braucht man jedoch einen Verhandlungspartner f\u00fcr den Diktator. Diesen Verhandlungspartner schufen sich die &#8222;Freunde Syriens&#8220; am 11. November 2012 in Katars Hauptstadt Doha mit der Nationalen Koalition der syrischen Oppositions- und Revolutionskr\u00e4fte. Die Nationale Koalition ist das US-amerikanische Produkt zur Inszenierung einer &#8222;Friedenskonferenz&#8220; mit Bashar al-Assad, um die Syrer um ihr Recht zu bringen, das politische System selbst zu w\u00e4hlen. Doch hat die Nationale Koalition einen entscheidenden Haken: Sie repr\u00e4sentiert nicht das syrische Volk und wird von diesem auch nicht als Vertretung anerkannt. Hinzu kommt, dass die Mitglieder der Nationalen Koalition untereinander zerstritten und uneins sind. So hatte der Syrische Nationalrat, der Teil der Nationalen Koalition ist, erkl\u00e4rt, dass er die Konferenz boykottieren werde.<br>Allen Genf-2-Bef\u00fcrwortern ist bewusst, dass eine Konferenz ohne die Teilnahme der bewaffneten Kr\u00e4fte in Syrien nicht stattfinden kann. Denn was bringt eine &#8222;Friedenskonferenz&#8220;, wenn in Syrien weitergek\u00e4mpft wird und niemand sich an die Ergebnisse der geplanten Genf-2-Konferenz h\u00e4lt. Selbst eine eventuelle Teilnahme der Freien Syrischen Armee an der Konferenz l\u00f6st das Problem nicht. Die islamischen Gruppen lehnen die Teilnahme sowie die Anerkennung der Ergebnisse der Konferenz weiterhin ab. Abdel Kader al-Saleh, Anf\u00fchrer von Liwa at-Tawhid in Aleppo, schloss Verhandlungen mit Assad kategorisch aus. Saleh rief vielmehr alle bewaffneten Gruppen in Syrien dazu auf, sich zusammenzuschlie\u00dfen. Die Islamische Front, ein Zusammenschluss von mehreren Brigaden in Syrien Ende November 2013, hatte in einer Videobotschaft gewarnt, dass sich jene vor ihren Gerichten verantworten m\u00fcssen, die an der Konferenz teilnehmen.<br>Die ganze Problematik spiegelt sich darin wieder, dass sich Zeit und Ort der Konferenz \u00e4nderten. Auf dem G8-Gipfel in Nordirland war zun\u00e4chst von August 2013 als Termin die Rede. Dann sollte die Konferenz im November 2013 stattfinden. Dieser Termin konnte jedoch nicht eingehalten werden, da die Frage nach der Teilnahme der syrischen Opposition nicht gekl\u00e4rt war. Dann stand der 22. Januar 2014 als Termin fest, w\u00e4hrend die Frage nach den Teilnehmern der syrischen Delegation noch immer nicht gekl\u00e4rt war. Auch wurde der Ort von Genf nach Montreux verlegt, und es k\u00f6nnten sich diesbez\u00fcglich noch einige \u00c4nderungen ergeben. Daran zeigt sich, dass der Westen im Fall &#8222;Syrien&#8220; kein leichtes Spiel hat, seinen Einfluss und seine Interessen durchzusetzen.<br>Aus islamischer Sicht ist Genf 2 kategorisch abzulehnen, da es sich um eine Strategie handelt, den Islam zur\u00fcckzudr\u00e4ngen und die Einf\u00fchrung der Scharia zu verhindern. Das Schicksal Syriens ist nicht verhandelbar und darf nicht in die H\u00e4nde Assads zur\u00fcckfallen, worauf Genf 2 abzielt. Nicht in Genf 2 liegt die Zukunft Syriens und der gesamten islamischen Welt, sondern im Kalifat 2, dem Horrorszenario des Westens, weil es dessen Einfluss in der Region ein abruptes Ende bereitet und den Muslimen ihre Autonomie zur\u00fcckgibt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Syrien hat sich zu einem Albtraum der USA, des Westens und auch Israels entwickelt. 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