{"id":9741,"date":"2013-07-10T00:00:00","date_gmt":"2013-07-10T00:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/kalifat1.com\/?p=9741"},"modified":"2013-07-10T00:00:00","modified_gmt":"2013-07-10T00:00:00","slug":"alkohol-gewalt-oder-sicherheitspolitik","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kalifat1.com\/?p=9741","title":{"rendered":"Alkohol, Gewalt oder Sicherheitspolitik?"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-text-align-center wp-block-paragraph\"><strong>Blut und Alkohol<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><br><strong>Bierflaschen, Jugendliche und ein Toter \u2013 Alkoholisierte Jugendgruppen liefern sich heftige Schl\u00e4gerei am Alexanderplatz mit t\u00f6dlichem Ausgang.<\/strong><br>Von J\u00fcrgen Hartmann<br>Die Debatte \u00fcber den \u00fcberm\u00e4\u00dfigen Alkoholkonsum Jugendlicher rei\u00dft nicht ab. Jugenschutzorganisationen monieren, dass immer mehr Gewalttaten unter Alkoholeinfluss stattfinden. Dabei sei vor allem ein Anstieg sexueller \u00dcbergriffe bzw. K\u00f6rperverletzungs- und T\u00f6tungsdelikte zu verzeichnen. Der erh\u00f6hte Alkoholgenuss sei dabei gr\u00f6\u00dftenteils auf die sogenannten Alkoholflatrates, welche von zahlreichen Gastronomiebetrieben angeboten werden, zur\u00fcckzuf\u00fchren.<br>Auch der j\u00fcngste Fall eines T\u00f6tungsdeliktes am Alexanderplatz f\u00fchrt die enthemmende Wirkung des Alkohols wieder einmal vor Augen. In der Nacht zum 14. Oktober 2012 gerieten zwei stark alkoholisierte Jungendgruppen aneinander. Nach einem kurzen Wortgefecht eskalierte die Situation und die Jugendlichen pr\u00fcgelten v\u00f6llig enthemmt aufeinander ein. Im Zuge dieser Schl\u00e4gerei wurde ein 20-j\u00e4hriger schwerverletzt und erlag kurze Zeit sp\u00e4ter den Folgen.<br>Jugendschutzorganisationen nehmen die Politik nach dem j\u00fcngsten Vorfall in die Pflicht und fordern eine strengere Reglementierung des Alkoholverkaufs. \u201eBlut und Alkohol geh\u00f6ren inzwischen zum urbanen Nachtleben Deutschlands. Die Politiker m\u00fcssen ihrer Verantwortung endlich gerecht werden und die Alkoholwirtschaft in die Schranken weisen!&#8220;, so die Vorsitzende der Jugendschutzorganisation Youthcare e.V.<br>\u00a9 2013 Regeln zum Copyright&#8230; Quelle und Bearbeiter: SZ.de\/joku\/gba<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center wp-block-paragraph\"><br><strong>Generation Hemmungslos<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><br><strong>Gewaltbereite junge M\u00e4nner fallen erbarmungslos \u00fcbereinander her. Polizei zeigt sich geschockt \u00fcber das brutale Vorgehen der Beteiligten, das letztlich ein Menschenleben forderte.<\/strong><br>Von Andreas Pohl<br>Die Jugendgewalt nimmt derweil immer gr\u00f6\u00dfere Ausma\u00dfe an. Dabei ist zu beobachten, dass die T\u00e4ter zum einen immer j\u00fcnger werden und gleichzeitig immer brutaler gegen ihre Opfer vorgehen. Gruppengewalt gegen Schw\u00e4chere, Tritte gegen den Kopf, Messerattacken und eine immer niedrigere Reizschwelle sind auf Berliner Stra\u00dfen zu verzeichnen. Experten streiten \u00fcber die Ursachen, wobei die Erkl\u00e4rungsans\u00e4tze von Langeweile bis zu brutalen Kinostreifen und Ego-Shootern reichen.<br>Auch der j\u00fcngste Fall vom 14.10.2012 reiht sich nahtlos in die immer deutlicher werdende Gewaltkultur der jungen Generation ein. So pr\u00fcgelte eine sechsk\u00f6pfige Gruppe so brutal auf einen 20-j\u00e4hrigen Jugendlichen ein, bis dieser v\u00f6llig regungslos am Boden liegen blieb. Obwohl das Opfer am Tatort reanimiert werden konnte, fiel es wenig sp\u00e4ter ins Koma und erlag am 15.10.2012 schlie\u00dflich seinen schweren Kopfverletzungen. Die behandelnden \u00c4rzte gaben an, dass exzessive Gewaltanwendung die schweren Gehirnblutungen verursacht h\u00e4tten und dem Patienten nicht mehr geholfen werden konnte. \u201eDer junge Mann ist blut\u00fcberstr\u00f6mt eingeliefert worden und war nicht mehr in der Lage, selbstst\u00e4ndig zu atmen&#8220;, so der Krankenhaussprecher. Die von der Polizei vernommenen Zeugen best\u00e4tigten das brutale Vorgehen der T\u00e4ter. Unter Schock stehend berichteten sie, dass die Angreifer \u201ewie wild gewordene&#8220; auf dem Kopf des wehrlosen Opfers herumtrampelten. \u201eIch wusste gleich, das \u00fcberlebt der nicht&#8220;, so Christine D., die nur wenige Meter vom Tatort entfernt stand.<br>Die Polizeigewerkschaft fordert angesichts dieser Entwicklungen mehr Engagement im Bereich der Gewaltpr\u00e4vention. Kinderg\u00e4rten, Schulen und auch das n\u00e4here soziale Umfeld Jugendlicher m\u00fcsse st\u00e4rker in Antigewaltprojekte eingebunden werden.<br>\u00a9 Axel Springer AG 2013. Alle Rechte vorbehalten<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center wp-block-paragraph\"><br><strong>Lieber gl\u00e4sern als Tod?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><br><strong>Tod nach Schl\u00e4gerei am Alexanderplatz. Umstrittene Sicherheitsma\u00dfnahmen werden von Bef\u00fcrwortern und Gegnern kontrovers diskutiert.<\/strong><br>Von Heinrich Reinwarth<br>\u00dcber 20.000 Kameras, starke Polizeipr\u00e4senz und h\u00e4rtere Strafen f\u00fcr Gewaltt\u00e4ter. London ist westeurop\u00e4ischer Vorreiter in Sachen Sicherheitspolitik. Was auf der Insel inzwischen selbstverst\u00e4ndlich ist, scheint in Berlin f\u00fcr Unbehagen bei den B\u00fcrgern zu sorgen. Schlie\u00dflich sei die Intim- bzw. Privatsph\u00e4re ein hohes Gut, welches nicht zugunsten abstrakter \u00c4ngste geopfert werden d\u00fcrfe.<br>Angefeuert wird diese Debatte durch einen aktuellen Vorfall, der sich am 14. Oktober 2012 am Alexanderplatz ereignete, in dessen Zuge ein Jugendlicher nach einer Schl\u00e4gerei zuerst ins Koma fiel und wenig sp\u00e4ter verstarb. \u201eV\u00f6llig ungehindert konnten die Gewaltt\u00e4ter auf ihr Opfer einschlagen und vor Eintreffen der Polizei zun\u00e4chst unerkannt fl\u00fcchten&#8220;, so ein Sprecher der Justizbeh\u00f6rde. F\u00fcr die Bef\u00fcrworter sch\u00e4rferer Sicherheitsma\u00dfnahmen ist dies ein erneuter Beweis f\u00fcr das Versagen der Sicherheitsorgane und dass potentiellen Gewaltt\u00e4tern zu viel Freiraum geboten wird. Als besonders schwerwiegendes Vers\u00e4umnis m\u00fcsse dabei die fehlende Polizeipr\u00e4senz in der Gegend um den Alexanderplatz in jener Nacht gewertet werden. Auch fehlende Videoaufzeichnungen des Vorfalls w\u00fcrden die Ermittlung und als Folge auch die Aufkl\u00e4rung der Straftat erschweren. Dar\u00fcber hinaus sei zu bef\u00fcrchten, dass die T\u00e4ter im Falle eines Prozesses aufgrund m\u00f6glichen Alkoholkonsums und jungen Alters ohnehin keine langj\u00e4hrige Gef\u00e4ngnisstrafe zu bef\u00fcrchten h\u00e4tten. Diese Argumentation m\u00fcndet schlie\u00dflich in der Forderung nach erh\u00f6hten Sicherheitsma\u00dfnahmen nach Londoner Vorbild.<br>Dem entgegen steht die Bef\u00fcrchtung vieler, dass durch fl\u00e4chendeckende Kamera\u00fcberwachung die Privatsph\u00e4re immer st\u00e4rker verletzt w\u00fcrde. Die Bef\u00fcrchtung, demn\u00e4chst in einer gl\u00e4sernen Gesellschaft leben zu m\u00fcssen, wird noch immer von vielen B\u00fcrgern geteilt.<br>\u00a9 Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH 2013. Alle Rechte vorbehalten.<br>So unterschiedlich diese drei frei erfundenen Artikel auch klingen m\u00f6gen, wird der aufmerksame Leser bemerkt haben, dass sie sich alle auf dasselbe Ereignis beziehen: Sie behandeln allesamt den tragischen Fall des Jonny K., welcher an den Folgen einer Schl\u00e4gerei zwischen Jugendlichen am Alexanderplatz verstarb. Noch w\u00e4hrend sich die mutma\u00dflichen T\u00e4ter auf der Flucht befanden, entbrannte deutschlandweit eine polarisierende Debatte \u00fcber vermeintliche Ursachen. Die in der BRD juristisch garantierte Unschuldsvermutung wurde dabei weder von den Politikern, noch von den Medien ber\u00fccksichtigt. F\u00fcr sie war der Tod des Jungen ein willkommener Anlass, um das Thema der Ausl\u00e4nderproblematik unter dem Gesichtspunkt erh\u00f6hter Gewaltbereitschaft \u201eanderer&#8220; Kulturkreise zu diskutieren und so sorgten sie daf\u00fcr, dass die \u00d6ffentlichkeit den Vorfall entsprechend wahrnimmt. Dies wurde durch die mediale Methode des sogenannten Framings erreicht. Dabei werden Ereignisse nicht isoliert dargestellt, sondern in einem meinungsbetonten soziopolitischen Kontext vermittelt.<br>Im ersten Schritt werden durch das Agenda-Setting Themenbereiche definiert und Relevanzkriterien festgesetzt. So wird beispielsweise der internationale Terrorismus hierzulande als eigener Themenbereich betrachtet, welchem ein hoher Rang zugemessen wird und dieser deshalb die Schlagzeilen dominiert. Soziale Gerechtigkeit dagegen genie\u00dft trotz ihrer gesellschaftlichen Relevanz in der medialen Darstellung einen vergleichsweise geringen Stellenwert. Die Themen werden im Zuge des Settings mit sich wiederholenden Formulierungen, Begriffen und Bildern aufbereitet. Durch diese sogenannten Buzzwords wird erreicht, dass der Rezipient automatisch gewisse Ereignisse einem bestimmten soziopolitischen Kontext zuordnet. Durch diese Vorgehensweise werden durch die Medien Frames kreiert. Diese Rahmen erm\u00f6glichen es, Geschehnisse ohne gro\u00dfen Aufwand in einen bestimmten gesellschaftlichen Kontext zu setzen, da sich dieser Prozess aufgrund der etablierten Assoziierungen verselbstst\u00e4ndigt.<br>Das Framing ist ein g\u00e4ngiges Mittel, um die Orientierung und Positionierung der \u00d6ffentlichkeit effektiv zu gestalten und ein gewisses Meinungsbild zum eigenen Vorteil zu generieren.<br>Im Falle des Jonny K., fielen in der Berichterstattung Begriffe wie \u201eT\u00fcrke&#8220;, \u201eMigrationshintergrund&#8220;, \u201eAusl\u00e4nderkriminalit\u00e4t&#8220; und \u201eIntegration&#8220;. In einem Artikel der \u201eTAZ&#8220; vom 13.11.2012 hie\u00df es: \u201eDer Mord an Johny K., mutma\u00dflich von Migranten ver\u00fcbt sorgt f\u00fcr Entsetzen&#8220;. Die \u201eWelt&#8220; ging sogar einen Schritt weiter und druckte bewusst Vorw\u00fcrfe gegen\u00fcber Migrantenverb\u00e4nden ab, in denen Passivit\u00e4t und Anteilslosigkeit moniert und ihnen implizit Rassismus und Deutschenfeindlichkeit vorgeworfen wurde: \u201eDieses Mal aber war das Opfer Sohn eines Deutschen und einer Thail\u00e4nderin. Die T\u00e4ter allem Anschein nach t\u00fcrkischer Herkunft. Die T\u00fcrkische Gemeinde hat sich nicht zu dem Vorfall ge\u00e4u\u00dfert-nach dem Motto: Egal, hat keinen von uns getroffen[&#8230;]&#8220;<br>Durch die bewusste Verwendung der genannten Buzzwords, wurde der Fall in den Frame des Kulturkampfes eingebettet. Jonny K. und seine Begleiter stehen dabei exemplarisch f\u00fcr den westlichen Lifestyle, w\u00e4hrend die andere Streitpartei f\u00fcr brutale Schl\u00e4ger mit islamisch-orientalischem Migrationshintergrund steht.<br>In den oben angef\u00fchrten Artikeln hingegen wurde exemplarisch die M\u00f6glichkeit aufgezeigt, dasselbe Ereignis in einem v\u00f6llig anderen soziopolitischen Kontext aufzubereiten. So zielt der erste Artikel darauf ab, die Ursachen im Alkoholkonsum festzumachen. Der Artikel \u201eGeneration Hemmungslos&#8220; dagegen lenkt den Fokus auf die immer st\u00e4rker zu Tage tretende Gewaltkultur unter Jugendlichen und erw\u00e4hnt verschiedene Erkl\u00e4rungsanz\u00e4tze. In \u201eLieber gl\u00e4sern als Tod&#8220; wird das Schicksal des jungen Mannes nur beil\u00e4ufig erw\u00e4hnt und dient lediglich als Aufh\u00e4nger f\u00fcr das Thema des Spannungsverh\u00e4ltnisses zwischen Sicherheitspolitik und pers\u00f6nlicher Freiheit. Bei allen Artikeln wird ein abgeschlossenes Erkl\u00e4rungsmodell angeboten, welches den Leser dazu zwingt, das Ereignis in einem festgesetzten Kontext wahrzunehmen und demgem\u00e4\u00df zu beurteilen. Hat sich ein Frame erst einmal im Meinungsbild etabliert, gen\u00fcgen bereits kleinste Andeutungen, um die Wahrnehmung des Rezipienten entsprechend zu beeinflussen. So w\u00fcrde die Formulierung \u201ebei den Gewaltt\u00e4tern stellte die Polizei 2,3 Promille fest&#8220; v\u00f6llig ausreichen, um das Ereignis dem Frame Alkohol und Gewalt zuzuordnen. Auf diese Weise werden aus scheinbar neutralen Mitteilungen in Wahrheit meinungsbetonte Nachrichten, welche auf Anhieb nicht als solche erkennbar sind.<br>Agenda-Setting und Framing sind essentielle und effektive Mittel der sogenannten freiheitlichen Gesellschaft, um ein homogenes Meinungsbild zu schaffen. Dem Volk werden dezidierte Interpretationsinstrumente vorgesetzt und hierdurch die \u00f6ffentliche Meinung subtil gelenkt. Letzteres geschieht entgegen den Vorstellungen vieler nicht durch das Streuen von Falschinformationen, sondern durch geschickte Auslegung realer Ereignisse. Der erw\u00e4hnten Homogenit\u00e4t des Meinungsbildes steht auch nicht die vermeintliche Vielfalt der deutschen Presse entgegen. Denn auch die in der BRD regelm\u00e4\u00dfig erscheinenden 300 Tageszeitungen und 10.000 Magazine arbeiten letztlich mit denselben Settings und Frames, welche die gesamte Medienlandschaft dominieren.<br>Will der politisch bewusste Mensch der erw\u00e4hnten Medienmanipulation entgehen, muss er lernen, die angewendeten Methoden zu erkennen, um die reinen Informationen von der Interpretation zu trennen. Nur unter dieser Voraussetzung ist es ihm m\u00f6glich, ein eigenes Meinungsbild zu kreieren und Ereignisse korrekt zu interpretieren.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Debatte \u00fcber den \u00fcberm\u00e4\u00dfigen Alkoholkonsum Jugendlicher rei\u00dft nicht ab. 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