{"id":9753,"date":"2013-02-21T00:00:00","date_gmt":"2013-02-21T00:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/kalifat1.com\/?p=9753"},"modified":"2013-02-21T00:00:00","modified_gmt":"2013-02-21T00:00:00","slug":"alltag-in-europa","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kalifat1.com\/?p=9753","title":{"rendered":"Alltag in Europa"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u201eSodomiten aller L\u00e4nder vereinigt euch&#8220;. Meinen anf\u00e4nglichen Ekel \u00fcberwindend, machte ich mich dann doch daran dem Artikel auf den Grund zu gehen. Tats\u00e4chlich! Es handelte sich nicht um einen \u00fcblen Scherz. Denn obwohl Jan Fleischhauer in seinem Artikel die aktuelle Debatte gewisserma\u00dfen auf die Schippe nimmt, \u00e4ndert dies rein gar nichts an der Quintessenz der wohl eher widerlichen Sachlage. Weder lahme Satire, platte Ironie, noch langweiliger Wortwitz k\u00f6nnen dar\u00fcber hinwegt\u00e4uschen, dass das Thema der Sodomie oder um es politisch korrekt zu halten, der Zoophilie die h\u00f6chsten Kreise der Bundesrepublik besch\u00e4ftigt. Durch den aktuellen Kampf, bei dem auf der einen Seite Tiersch\u00fctzer und auf der anderen Seite eine andere ganz besondere Sorte von Tierliebhabern steht, sieht sich der aufgekl\u00e4rte Gesetzgeber der BRD mit einem moralischen Dilemma konfrontiert. Die Argumentation der (keuschen) Tierliebhaber scheint logisch: k\u00f6nnen Tiere doch kein Einverst\u00e4ndnis zum hybriden Geschlechtsverkehr \u00e4u\u00dfern. Die romantische Fraktion der Tierfreunde kontert jedoch \u00e4u\u00dferst geschickt: so w\u00fcrden dem geliebten Haustier ja keine Verletzungen zugef\u00fcgt und ohnehin f\u00fchlen sie sich durch die Debatte diskriminiert und in der pers\u00f6nlichen Freiheit eingeschr\u00e4nkt. Au\u00dferdem w\u00fcrde ein Verbot nicht nur Europas kulturellen Fortschritt gef\u00e4hrden, es w\u00e4re sogar r\u00fcckschrittlich. Denn die Sodomie ist in der Bundesrepublik Deutschland seit 1969 tats\u00e4chlich legal! Als ich dann nach kurzer Recherche feststellen musste, dass in Deutschland auch Tierbordelle zu existieren scheinen und dass das hessische Umweltministerium Zahlen von ca. 8% Sodomiten in Europa f\u00fcr realistisch oder sogar f\u00fcr zu tiefgegriffen h\u00e4lt, klickte ich mich schlie\u00dflich in das Spiegel-Forum, um mir mal selbst ein Bild von meinen werten Mitb\u00fcrgern zu machen. Neben einigen unaufgekl\u00e4rten Sturk\u00f6pfen, welchen es offenbar schwer f\u00e4llt, Verst\u00e4ndnis f\u00fcr die intime Tierliebe aufzubringen, hei\u00dft es dann bereits im vierten Kommentar: \u201eJeder nach seiner eigenen Facon. Solange alle Beteiligten damit einverstanden sind, geht das niemanden etwas an!&#8220; Direkt danach belehrte mich der Leser \u201elinx&#8220;, dass es sich bei der Sodomie um eine seit alters her praktizierte Form der m\u00e4nnlichen Erleichterung handelt und \u201eWhitejack&#8220; argumentiert anschlie\u00dfend, dass der m\u00e4nnliche Homo sapiens genetisch n\u00e4her mit einem Schimpansen verwandt sei, als mit der menschlichen Frau. Worauf all diese Argumente hinauslaufen, \u00fcberlasse ich an dieser Stelle mal der Phantasie des Lesers. Die darauf folgenden 21 Seiten konnte ich jedoch beim besten Willen nicht mehr lesen, musste ich sp\u00e4testens jetzt meinen Magen schonen. W\u00e4hrend ich mich von dem anf\u00e4nglichen Schock allm\u00e4hlich erholte, kam mir dann die Idee im Laufe des Tages Ausschau zu halten, welche moralischen Debatten sonst noch den europ\u00e4ischen Geist plagen. Und siehe da, ohne gro\u00dfe Recherche wurde ich f\u00fcndig: \u201eLiebender Ehegatte, der behauptet durch ein Parkinson-Medikament in ein \u201eschwules Sex Opfer&#8220; verwandelt worden zu sein, gewinnt in einem franz\u00f6sischen Gericht eine Entsch\u00e4digung in H\u00f6he von 160.000 Pounds&#8220;, hie\u00df es in der britischen Zeitung \u201eDaily Mail&#8220;. Durch die vielsagende \u00dcberschrift scheint es nicht notwendig den besagten Sachverhalt an dieser Stelle ausf\u00fchrlich zu erl\u00e4utern, doch dass eine h\u00e4ufige Nebenwirkung von Medikamenten darin besteht, den Sexualtrieb minimal zu erh\u00f6hen, jedoch nicht dazu f\u00fchrt, homosexuelle Perversionen ausleben zu m\u00fcssen, sei hier nur am Rande erw\u00e4hnt. Da der betroffene Pharmakonzern die Schutzbehauptung des schwulen Franzosen wohl kaum akzeptieren wird, sind sicherlich noch ein juristisches Nachspiel und eventuell auch eine gr\u00f6\u00dfere Debatte zu der Angelegenheit zu erwarten. Passend zu der Frage der gleichgeschlechtigen Beziehungen viel mir dann die Debatte \u00fcber die Homo-Ehe in Deutschland auf. Denn wie es scheint, sind sich die Christdemokraten uneins dar\u00fcber, ob die steuerliche Gleichstellung jener Ehe unterst\u00fctzt werden sollte. Nat\u00fcrlich handelt es sich hierbei um ein Thema, welches h\u00f6chste Priorit\u00e4t genie\u00dfen d\u00fcrfte, kollidieren doch gleich drei fundamentale Ideen des modernen Europas aufeinander: pervers-hedonistische Lebensweise, Gleichberechtigung und finanzielle Nutzenmaximierung. Die Komplexit\u00e4t des Themas ber\u00fccksichtigend, sollten sich die Erzkonservativen CDUler doch lieber einige Ratschl\u00e4ge von hiesigen Experten wie \u00d6konomen oder auch Moral-Philosophen einholen. Besonders die Erben Kants werden sicherlich erfreut sein, sich mit solch immens wichtigen und zudem niveauvollen Themen besch\u00e4ftigen zu d\u00fcrfen, stellen sie doch sicher eine willkommene Abwechslung zu den Endlosdebatten \u00fcber alte Kamellen wie der Sterbehilfe dar. Doch auch die folgende Schlagzeile d\u00fcrfte die Daseinsberechtigung der Berufsmoralisten untermauern. So hie\u00df es in der Online-Ausgabe der Welt: \u201eSext\u00e4ter bekommen 240.000 Euro Entsch\u00e4digung&#8220;. Unbegreiflich? Weit gefehlt, denn die Triebt\u00e4ter seien ja durch eine zu lange Sicherheitsverwahrung zu Opfern der deutschen Justiz geworden. Das Urteil habe sogar Signalcharakter und wird h\u00f6chstwahrscheinlich in mindestens 100 weiteren F\u00e4llen zu ber\u00fccksichtigen sein! Die deutsche \u00d6ffentlichkeit kann sich also darauf freuen, dass Vergewaltiger zuk\u00fcnftig nicht nur fr\u00fcher aus der Haft entlassen werden, sondern auch noch gut betucht ihre Resozialisierung in Angriff nehmen d\u00fcrfen. An dieser Stelle wurde es mir langsam zu viel und ich stellte mir die Frage: \u201eVerkehrte Welt?&#8220; Doch auch hier wurde ich durch die geistigen Erg\u00fcsse eines Friedrich Nietzsches eines Besseren belehrt. F\u00fchrt der Vorreiter der europ\u00e4ischen Kultur doch in seiner Schrift \u201eG\u00f6tzen-D\u00e4mmerung&#8220; in dem Kapitel \u201eDie Moral als Wiedernatur&#8220; aus: \u201eIch bringe ein Prinzip in Formel. Jeder Naturalismus in der Moral, das hei\u00dft jede gesunde Moral, ist von einem Instinkte des Lebens beherrscht \u2013 irgendein Gebot des Lebens wird mit einem bestimmten Kanon von \u00bbSoll\u00ab und \u00bbSoll nicht\u00ab erf\u00fcllt, irgendeine Hemmung und Feindseligkeit auf dem Wege des Lebens wird damit beiseite geschafft. Die widernat\u00fcrliche Moral, das hei\u00dft fast jede Moral, die bisher gelehrt, verehrt und gepredigt worden ist, wendet sich umgekehrt gerade gegen die Instinkte des Lebens \u2013 sie ist eine bald heimliche, bald laute und freche Verurteilung dieser Instinkte. Indem sie sagt \u00bbGott sieht das Herz an\u00ab, sagt sie nein zu den untersten und obersten Begehrungen des Lebens und nimmt Gott als Feind des Lebens&#8230; Der Heilige, an dem Gott sein Wohlgefallen hat, ist der ideale Kastrat&#8230; Das Leben ist zu Ende, wo das \u00bbReich Gottes\u00ab anf\u00e4ngt&#8230;&#8220; Selbstverst\u00e4ndlich sind diese Ausf\u00fchrungen im Kontext der Abgrenzung zu dem damaligen, zugegeben k\u00f6rperfeindlichen Moralverst\u00e4ndnis des Katholizismus zu betrachten, doch \u00e4ndert dies nichts daran, dass hier die Moral dem, wenn undefiniert, weit dehnbaren Begriff der Instinkte untergeordnet, ja lediglich als Ausdruck dieser verkl\u00e4rt wird. Ein Freifahrtschein f\u00fcr allerlei Widerw\u00e4rtigkeiten. Doch warum wundere ich mich \u00fcberhaupt, behauptet das moderne Europa seine geistigen Wurzeln doch im antiken Griechenland zu haben und verweist dabei nicht selten auf Philosophen, die sich eher von jungen Knaben als vom weiblichen Geschlecht angezogen f\u00fchlten. Auch das R\u00f6mische Reich, auf das so stolz zur\u00fcckgeblickt wird, stand mit seinen Orgien dem allabendlichen Kulturprogramm eines TV-Senders wie (Ab)ARTE in nichts nach.<br>Am Ende meines Rechercheexperiments bleibt mir somit nichts weiter als die n\u00fcchterne Erkenntnis, dass es sich bei den Schlagzeilen dieses verh\u00e4ngnisvollen Donnerstags nicht etwa um eine Ausnahme handelt. Nein, sie spiegeln lediglich den moralischen und kulturellen Zustand des fortschrittlichen Europas wieder. Solange die Moral den Instinkten und Trieben der sogenannten Vernunftmenschen untergeordnet wird, darf sich der europ\u00e4ische B\u00fcrger auf weitere aufregende Debatten derselben Couleur freuen, so lautet zumindest meine bescheidene Prognose. Ich, f\u00fcr meinen Teil, w\u00fcnsche meinen gesch\u00e4tzten Mitb\u00fcrgern viel Erfolg, die H\u00fcrden des europ\u00e4ischen Alltags weiterhin zu meistern und rufe jedem Europ\u00e4er voller Begeisterung zu: \u201eAegroto, dum anima est, spes est!&#8220; [1]<br><br>[1] F\u00fcr den Kranken besteht Hoffnung, solange er atmet.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wir schreiben den 29.11.2012. Ein Donnerstag, nicht besonders au\u00dfergew\u00f6hnlich, ein ganz normaler Tag eben. Nichts B\u00f6ses ahnend, setzte ich mich des Morgens an den Laptop. Den Tee zur Seite, erst mal die neusten Meldungen und Nachrichten \u00fcberfliegen. Neben Artikeln \u00fcber aktuelle Krisensituationen im Nahen Osten sprang mir pl\u00f6tzlich eine Schlagzeile ins Auge, die meinem Fr\u00fchst\u00fcck ein abruptes Ende bereitete:<\/p>\n","protected":false},"author":13,"featured_media":1159,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[23],"tags":[168,806,2349],"class_list":["post-9753","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-westliche-konzeptionen","tag-alltag","tag-europa","tag-schlagzeilen"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/kalifat1.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/9753","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/kalifat1.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/kalifat1.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kalifat1.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/13"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kalifat1.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=9753"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/kalifat1.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/9753\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kalifat1.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/1159"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/kalifat1.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=9753"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/kalifat1.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=9753"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/kalifat1.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=9753"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}