{"id":9779,"date":"2013-11-07T00:00:00","date_gmt":"2013-11-06T23:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/kalifat1.com\/?p=9779"},"modified":"2013-11-07T00:00:00","modified_gmt":"2013-11-06T23:00:00","slug":"wertewandel-eine-auseinandersetzung-mit-den-begriffen-gut-und-schlecht-aus-islamischer-sicht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kalifat1.com\/?p=9779","title":{"rendered":"Wertewandel? Eine Auseinandersetzung mit den Begriffen \u201egut\u201c und \u201eschlecht\u201c aus islamischer Sicht"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wir sind Zeugen einer Zeit, in der die gesamte Welt einen Umbruch erlebt.<br>So haben wir als Zeugen die Wahl als Beobachter die Resultate dieses Umbruches abzuwarten und dahin zu gehen, wohin der Wind weht oder uns am Umbruch zu beteiligen und die Windrichtung zu bestimmen. Dabei soll unsere Entscheidung vom Ziel, das Wohlgefallen Allahs zu erlangen, gesteuert werden. Ein Ziel, das wir nur durch das Einhalten der Ge- und Verbote Allahs erreichen k\u00f6nnen, unabh\u00e4ngig davon, ob sie uns gefallen oder nicht. Allah sagt:<br>\u201eDoch mag es sein, dass euch etwas widerw\u00e4rtig ist, was gut f\u00fcr euch w\u00e4re, und es mag sein, dass euch etwas lieb ist, was \u00fcbel f\u00fcr euch w\u00e4re. Und Allah wei\u00df es, doch ihr wisst es nicht.&#8220; (Sura 2: Aya 216)<br>Das Auseinandersetzen mit dem Guten und dem Schlechten hat nicht nur unter Muslimen eine lange Tradition und stellt in der heutigen, reformreichen Zeit wieder eins der aktuellen Themen dar. Dabei herrscht in der westlichen Welt die Vorstellung, dass das Gute und das Schlechte wandelbare Gr\u00f6\u00dfen sind, die zeit-, orts- und subjektabh\u00e4ngig sind. Betrachtet man die Realit\u00e4t dieser Gesellschaften, scheint diese Vorstellung zweifelsohne richtig zu sein.<br>In seinem, auch wenn kritisch zu betrachtenden Buch, \u201eTage des Zorns. Die arabische Revolution ver\u00e4ndert die Welt&#8220; stellt Michael L\u00fcders dar, wie der arabische Fr\u00fchling die Werturteile \u00fcber Muslime zu ver\u00e4ndern vermochte. L\u00fcders behauptet, dass nach dem 11. September 2001 der Islam in den USA und Europa als neues Feindbild und der Nahe Osten als Brutst\u00e4tte von Terrorismus und Gewalt angesehen wurde. Zu einer sich verbreitenden Angst vor dem Islam habe es nicht gepasst, dass Muslime f\u00fcr Freiheit und Demokratie auf die Stra\u00dfen gingen, noch dazu Hand in Hand mit Christen, wie es in \u00c4gypten geschah (S. 51-55).<br>Dass die Feinde des Islams mit einem derartigen Wertewandel \u00fcber die Muslimen nicht umgehen k\u00f6nnen, kann deutlich an der Zur\u00fcckhaltung des Westens, zu Beginn der Proteste eine klare Position einzunehmen, erkannt werden, sowie daran, dass sie es f\u00fcr n\u00f6tig hielten, die Muslime mit dem zu provozieren, was ihnen lieber ist, als alles andere \u2013 die Ehre des Propheten Muhammad (s)! Und so geschah es, dass die Muslime wieder als gewaltt\u00e4tig und terrorbereit gegen\u00fcber Unschuldigen galten.<br>Betrachtet man tiefgr\u00fcndig die Lage der Umma bzw. die Werturteilung \u00fcber sie (mal Opfer, mal T\u00e4ter), erscheint der sogenannte Wertewandel als eine selbstverst\u00e4ndliche Gr\u00f6\u00dfe im globalen Diskurs. Dies liegt in der falschen Denkmethode der Menschen, die ihre Vorinformationen einerseits allein aus der Realit\u00e4t gewinnen und andererseits nur ihren subjektiven Verstand als Richter erheben. Und so kommt es, dass eine Gruppe von Menschen etwas als gut ansieht, w\u00e4hrend eine andere dasselbe als schlecht einstuft. Oder, dass ein und dieselbe Sache zu einer Zeit als gut und zu einer anderen Zeit als schlecht gilt.<br>Der Islam kennt jedoch keinen Wertewandel. Die Eigenschaft des Islams als die ewige, universale Ideologie erfordert eine Beurteilung, die f\u00fcr alle Menschen auf der Welt und f\u00fcr alle Zeiten festgelegt wird.<br>Allah beschreibt im Qur&#8217;an der Mensch folgenderma\u00dfen:<br>\u201eWahrlich der Mensch ist aus Ungeduld erschaffen. Wenn ihn Unheil trifft, so ger\u00e4t er in Panik, doch wenn ihm Gutes zukommt, ist er geizig.&#8220; (Sura 70: Ayat 19-21)<br>Allah spricht hier den subjektiven Faktor an, nachdem der Mensch alles, was ihm missf\u00e4llt, als schlecht (arab.: scharr) und alles, was ihm behagt, als gut (arab.: khair) beurteilt. Der Mensch mag jedoch eine Sache als gut einstufen, obwohl sie in Wirklichkeit schlecht ist und andersrum.<br>\u201eDoch mag es sein, dass euch etwas widerw\u00e4rtig ist, was gut f\u00fcr euch w\u00e4re, und es mag sein, dass euch etwas lieb ist, was \u00fcbel f\u00fcr euch w\u00e4re. Und Allah wei\u00df es, doch ihr wisst es nicht.&#8220; (Sura 2: Aya 216)<br>Die W\u00f6rter \u201egut&#8220; und \u201eschlecht&#8220; werden sowohl beschreibend als auch wertend verwendet, je nachdem, ob sie sich in einem Urteil auf das Subjekt des Satzes als Pr\u00e4dikat beziehen (guter Dieb, gute L\u00fcge, schlechter Arzt) oder ob sie das Subjekt des Satzes an sich qualifizieren (schlechter Verrat, gute Hilfe). Dabei h\u00e4ngt das Bewerten einer Tat, eines Gegenstandes oder einer Situation als gut oder schlecht in erster Linie von der eigenen Grund\u00fcberzeugung (Aqida) ab und den daraus entspringenden Ma\u00dfst\u00e4ben und Zielen. Das Ziel jedes Muslims sollte stets das Erlangen des Wohlwollens Allahs sein. Nach der Verinnerlichung dieser Idee, die dem islamischen \u00dcberzeugungsfundament entspringt, attribuiert der Muslim alles, was den Zorn Allahs hervorruft, als schlecht, wohingegen er alles, was das Wohlwollen Allahs nach sich zieht, als gut ansieht. Entsprechend kann Diebstahl, Verrat, Zins und Ehebruch niemals gut sein, unabh\u00e4ngig davon, wie die Umst\u00e4nde auch sein m\u00f6gen.<br>Selbst der Krieg, ein nach dem materiellen Schaden-Nutzen-Ma\u00dfstab absolut schlecht geltender Zustand, weil er Menschenleiden mit sich bringt, wertet der Muslim zun\u00e4chst als neutral. Dieser Zustand wird sogar gut f\u00fcr den Muslim, wenn er vor, w\u00e4hrend und nach diesem Zustand sich an den daf\u00fcr bestimmten Ge- und Verboten Allahs h\u00e4lt und stets Allahs Wohlgefallen anstrebt. Hier sei an den Hadith des Gesandten (s) erinnert:<br>\u201eDer Zustand des Gl\u00e4ubigen ist wahrlich bemerkenswert: wenn ihn Gutes trifft und er (Allah) daf\u00fcr dankt, so ist es gut f\u00fcr ihn. Wenn ihn Schlechtes trifft und er ist standhaft, dann ist auch das gut f\u00fcr ihn.&#8220;<br>Aus diesem Grund ist es falsch zu behaupten, der Krieg in Syrien w\u00e4re eine schlechte Folge des arabischen Fr\u00fchlings, denn die Demonstrationen der Menschen haben nichts anderes als eine islamische Gerechtigkeit gefordert und die Regentschaft eines ungerechten F\u00fchrers angeprangert, was wiederum eine islamische Pflicht darstellt. M\u00f6ge Allah die Standhaftigkeit der Opfer im Diesseits und im Jenseits belohnen und sie bald von der schweren Pr\u00fcfung befreien.<br>Beurteilungen der Realit\u00e4t im Sinne von gut oder schlecht stellen ein angeworbenes Wissen dar, das man mittels Denken erlangt. Die Quelle, die der Muslim dabei benutzt, ist vom Verstand, der zweifelsfrei in vielerlei Hinsicht beschr\u00e4nkt ist, unabh\u00e4ngig. Es ist die g\u00f6ttliche Quelle, die Offenbarungstexte, die ihrerseits orts-, zeit- und situationsunabh\u00e4ngig sind. Die Aufgabe des Verstandes ist es, das islamische Urteil zu verstehen und nicht etwa, eigene Meinungen unabh\u00e4ngig von Allah (t) zu produzieren. Aus diesem Grund kennt der Muslim bzw. der Islam keinen Wertewandel, sondern wei\u00df zu jeder Zeit und an jedem Ort was gut und was schlecht ist. Der Muslim hat dadurch einen zuverl\u00e4ssigen Ma\u00dfstab, der ihn bem\u00e4chtigt, die Realit\u00e4t richtig zu beurteilen und sie im n\u00e4chsten Schritt entsprechend dieses Ma\u00dfstabs zum Guten hin zu ver\u00e4ndern. Ohne einen solchen Ma\u00dfstab ist man hingegen zur Orientierungslosigkeit verdammt:<br>\u201eDoch mag es sein, dass euch etwas widerw\u00e4rtig ist, was gut f\u00fcr euch w\u00e4re, und mag sein, dass euch etwas lieb ist, was \u00fcbel f\u00fcr euch w\u00e4re. Und Allah wei\u00df es, doch ihr wisst es nicht.&#8220; (Sura 2: Aya 216)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>So haben wir als Zeugen die Wahl als Beobachter die Resultate dieses Umbruches abzuwarten und dahin zu gehen, wohin der Wind weht oder uns am Umbruch zu beteiligen und die Windrichtung zu bestimmen. 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