{"id":9788,"date":"2014-07-23T00:00:00","date_gmt":"2014-07-23T00:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/kalifat1.com\/?p=9788"},"modified":"2014-07-23T00:00:00","modified_gmt":"2014-07-23T00:00:00","slug":"der-ewige-broder","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kalifat1.com\/?p=9788","title":{"rendered":"Der ewige Broder"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es gibt Menschen, die mit ihrer Geisteshaltung den Haruspex der Veganer oder den Patriarch der feministischen Bewegung mimen k\u00f6nnten. Sie geistern zwischen den Lebenswelten; sind solange Vegetarier, bis sie ein Kobe-Rindersteak serviert bekommen, pl\u00e4dieren f\u00fcr \u00d6ko-Strom, bis sie die erste Abschlagsrechnung erhalten oder schreiben B\u00fccher \u00fcber Atheismus und beten anschlie\u00dfend f\u00fcr hohe Verkaufszahlen. Es sind jene talentierten Heuchler, die sogar ihrem eigenen Spiegelbild auf die Schulter klopfen und nur eine Regel kennen: Die Ausnahme bin ich!<br>Die wohl ber\u00fchmteste Figur dieser Gattung ist der &#8222;Welt&#8220;-Autor Henryk. M. Broder, der kraft seiner shoahistischen Narrenfreiheit seinen Standpunkt t\u00e4glich neu erfindet. Der Sohn Holocaust-\u00dcberlebender ist der Joseph Mengele der Meinungsbildung, setzt die Schere im kollektiven Kopf der Deutschen da an, wo es ihm gerade passt und sorgt so f\u00fcr die intellektuelle Euthanasie der Bundesrepublik.<br>Entscheidend f\u00fcr seine Selektion, ob eine \u00c4u\u00dferung Kritik oder Hetze, Beleidigung oder Meinungsfreiheit ist, sind nicht etwa die Inhalte oder die verwendete Rhetorik sondern wer es sagt und an wen es gerichtet ist. Ma\u00dfstab hierf\u00fcr ist das Broder&#8217;sche Kastensystem, an dessen Spitze der aufgekl\u00e4rte Jude, an zweiter Stelle der Rest der Vernunftmenschen, danach die dritte Welt und zu guter Letzt und an unterster Stelle die Muslime stehen. Begr\u00fcndete Kritik verlaufe gem\u00e4\u00df diesem System nur von oben nach unten, bei den Einw\u00e4nden der untersten Kaste handle es sich ausschlie\u00dflich um von R\u00fcckst\u00e4ndigkeit und Ignoranz gepr\u00e4gte Hetze. Diese Ordnung im Sinne der Kulturhygiene aufrecht zu erhalten ist die gr\u00f6\u00dfte Passion des Publizisten; sie auch nur im Geringsten aufzuweichen komme nicht in Frage und wenn doch, drohe der Untergang der westlichen Welt.<br>Folgerichtig \u00e4rgerte sich Broder in h\u00f6chstem Ma\u00dfe, als sich die d\u00e4nische Zeitung \u201eJyllands-Posten&#8220; im Jahre 2006 f\u00fcr die Mohammed-Karikaturen \u00f6ffentlich entschuldigte und kommentierte in einem Spiegel-Artikel: \u201eDer Fall ist ein Beispiel daf\u00fcr, wie eine demokratische \u00d6ffentlichkeit vor einer totalit\u00e4ren Gesinnung kneift.&#8220; Diese und \u00e4hnliche Reaktionen lassen der wirren Logik Broders folgend nur den Schluss zu, dass Europa aus seiner Vergangenheit nicht gelernt habe, widerspreche die vermeintliche Appeasement-Politik doch dem gern wiederholten Mantra, die Radikalen nie wieder gew\u00e4hren zu lassen. Zwar seien \u201e60 Jahre nach dem Ende der Nazi-Herrschaft alle fest entschlossen, eine neue Machtergreifung der NSDAP zu verhindern&#8220;, doch w\u00fcrde der Westen nun vor einer Fraktion religi\u00f6ser Fanatiker vorsorglich kapitulieren und sich von \u201esich selbst distanzieren&#8220;. Die Emp\u00f6rung seitens der Muslime sei ohnehin \u00fcbertrieben, schlie\u00dflich w\u00fcrden sie sich auff\u00fchren \u201eals w\u00e4re in einem Vorort von Kopenhagen ein zweites Abu Ghureib entdeckt worden&#8220;. Dieser verlogene Apell legt den Muslimen also nahe, alle Leiden auf ihrer Via Dolorosa stillschweigend zu ertragen, bis sie in US-Konzentrationslagern angekommen sind, w\u00e4hrend er gleichzeitig kritisiert, dass der Widerstand gegen das NS-Regime schon bei den ersten Andeutungen antisemitischer Geisteshaltung Anfang der 30er Jahre h\u00e4tte erfolgen m\u00fcssen. Widerspr\u00fcche dieser Couleur l\u00f6sen Broder und Co. ganz einfach auf, indem sie ihrer Herrenkultur mehr Rechte zugestehen als den anderen. So gab Broder in einer Talkrunde des Senders RB-TV unverbl\u00fcmt zu, von der \u00dcberlegenheit der westlichen Kultur \u00fcberzeugt zu sein und verteidigte die Mohammed-Karikaturen, welche er demonstrativ in die Kamera hielt. Besonders deutlich \u00e4u\u00dfert sich sein \u00dcberlegenheitswahn also nicht nur in dem Anspruch, gegen andere Kulturen hetzen zu d\u00fcrfen, sondern darin, das Recht zu besitzen, den Opfern zu diktieren, wie ein angemessener Umgang mit all den Beleidigungen auszusehen habe.<br>Auch die Reaktion von Politik und Medien bez\u00fcglich des im Jahre 2010 erfolgten Anschlagsversuchs auf den d\u00e4nischen Karikaturisten Kurt Westergaard emp\u00f6rte den Berufsn\u00f6rgler so sehr, dass er einen regelrechten Generalangriff auf alle Gutmenschen und Multi-Kulti-Apologeten startete. Die vermeintliche R\u00fccksicht auf die Gef\u00fchle der Muslime echauffierte Broder hierbei am meisten und so blieben weder lokale Ber\u00fchmtheiten wie G\u00fcnther Grass, noch Spitzenpolitiker Gro\u00dfbritanniens und Frankreichs vor den absurden Vorw\u00fcrfen des wildgewordenen Zankteufels verschont. Statt der besagten R\u00fccksicht h\u00e4tten alle Zeitungen die Karikaturen abdrucken sollen, dann \u201eh\u00e4tten die Zeitungsleser sich selbst ein Bild machen k\u00f6nnen, wie exzessiv harmlos die zw\u00f6lf Zeichnungen waren und wie bizarr und gegenstandslos die ganze Debatte, statt die Beurteilung &#8222;Experten&#8220; zu \u00fcberlassen, die jede Kritik am Papst und der Kirche, jede blasphemische Kunstaktion im Namen der Meinungsfreiheit verteidigen, im Falle der Mohammed-Karikaturen allerdings pl\u00f6tzlich der Ansicht waren, man m\u00fcsse auf religi\u00f6se Gef\u00fchle anderer Menschen R\u00fccksicht nehmen&#8220;. Worte, die wenn sie von einer geradlinigen Person stammen w\u00fcrden, dem Leser zu verstehen g\u00e4ben, dass die Meinungsfreiheit keinesfalls eingeschr\u00e4nkt werden d\u00fcrfe und dass \u201edas Recht zu beleidigen wichtiger sei als der Schutz vor Beleidigung&#8220;. Doch da es sich bei diesem Jemand um einen Gesinnungslumpen par excellence handelt, wundert es nicht, dass selbiger Anfang Juli dieses Jahres die Jakobinerm\u00fctze gegen Reithosen und Ochsenziemer eintauschte.<br>Anlass f\u00fcr den geistigen Garderobenwechsel war die Ver\u00f6ffentlichung einer Karikatur in der S\u00fcddeutschen Zeitung, auf der abgebildet ist, wie eine gefr\u00e4\u00dfige Kreatur von einer jungen Frau bedient wird. In der Bildunterschrift hei\u00dft es: \u201eDeutschland serviert. Seit Jahrzehnten wird Israel, teils umsonst mit Waffen versorgt. Israels Feinde halten das Land f\u00fcr einen gefr\u00e4\u00dfigen Moloch. Peter Beinart beklagt, dass es dazu gekommen ist.&#8220; An diesem Punkt endet laut Broder die Meinungsfreiheit. Der gl\u00fchende Verfechter der Kunst-, Rede- und Meinungsfreiheit mutiert angesichts der vorliegenden Majest\u00e4tsbeleidigung zum Zensurbeauftragten der deutschen Medienlandschaft. \u201eSo weit wie die \u201eS\u00fcddeutsche Zeitung&#8220; ist bis jetzt noch keine b\u00fcrgerliche Zeitung in Deutschland gegangen&#8220;, denn schlie\u00dflich geh\u00f6rten Karikaturen dieser Art laut Broder \u201ezum visuellen Repertoire des \u201eSt\u00fcrmer&#8220;- der h\u00e4ssliche, gefr\u00e4\u00dfige Jude, ein Moloch in Menschengestalt, der im Begriff ist, sich die Welt einzuverleiben.&#8220; Dass die Zeichnung urspr\u00fcnglich darauf abzielte, die Sicht der arabischen V\u00f6lker auf die Deutsch-Israelischen Beziehungen zu karikatieren, spielt f\u00fcr Broder offensichtlich keine Rolle. Schon der leiseste Verdacht auf Antisemitismus gen\u00fcgt und versetzt den hypersensiblen Allergiker in ein Delirium, in dem die Grenzen zwischen Realit\u00e4t und Phantasie verschwinden. In diesem Geisteszustand m\u00f6gen sogar S\u00e4tze wie \u201eDer Antisemitismus ist kein Ding an sich, das man vermessen oder wiegen kann, es ist ein diffuses Gef\u00fchl, das sich am Juden festmacht&#8220; Sinn machen. Mit anderen Worten existiere die Aversion gegen Juden v\u00f6llig unbegr\u00fcndet und h\u00e4nge unter keinen Umst\u00e4nden mit ihrem Verhalten zusammen. \u201eNicht das, was der Jude macht oder unterl\u00e4sst, bringt den Antisemiten in Rage, sondern dass er da ist, dass es ihn gibt&#8220;, so Broder. Durch genau diese Ausf\u00fchrungen zeichnet er das Bild eines Volkes, das \u00fcber jeden Zweifel erhaben ist, fehlerfrei und unantastbar. Dieser Logik folgend d\u00fcrfe auch die Politik Israels unter keinen Umst\u00e4nden in Frage gestellt werden. Geschieht dies trotzdem, w\u00fcrden die Vorw\u00fcrfe jeder Grundlage entbehren und seien bestenfalls abstruse \u201eGer\u00fcchte gegen Juden&#8220;. Die Geistesarmut dieser Argumentation offenbart sich bereits durch den historischen Vergleich, schlie\u00dflich glauben die Muslime nicht an das Ger\u00fccht der Brunnenvergifter, sondern erleben t\u00e4glich S\u00fc\u00dfwasserraub in ihrer eigenen Heimat. Auch glauben sie nicht daran, dass kleine Jungs zum Sabbat von Rabbis gebacken werden, sondern sehen, wie ihre eigenen Kinder durch israelische Phosphorbomben verbrennen. Selbst das in der Karikatur beschriebene Verh\u00e4ltnis zwischen Israel und Deutschland ist angesichts realer Waffenlieferungen weitaus mehr als ein Ger\u00fccht.<br>Henryk M. Broders Doppelz\u00fcngigkeit wiederum spielt den wahren Antisemiten in die H\u00e4nde. Schlie\u00dflich ist er das fleischgewordene Ger\u00fccht des hinterlistigen und intriganten Juden, welches schon immer von den europ\u00e4ischen V\u00f6lkern gezeichnet wurde. Die j\u00fcdische Gemeinschaft sei also gewarnt, denn sie hat einen Captain Ahab in ihrer Mitte, der bereit ist, in seinem Wahn den Untergang aller in Kauf zu nehmen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es gibt Menschen, die mit ihrer Geisteshaltung den Haruspex der Veganer oder den Patriarch der feministischen Bewegung mimen k\u00f6nnten. 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