{"id":9813,"date":"2011-02-24T00:00:00","date_gmt":"2011-02-23T23:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/kalifat1.com\/?p=9813"},"modified":"2011-02-24T00:00:00","modified_gmt":"2011-02-23T23:00:00","slug":"aus-dem-leben-eines-staatenlosen-muslim-i","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kalifat1.com\/?p=9813","title":{"rendered":"Aus dem Leben eines &#8222;staatenlosen&#8220; Muslim (I)"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ohne Zweifel verursachen Menschen, die sich f\u00fcr die Errichtung eines islamischen Staates einsetzen, bei einigen Muslimen immer noch\u2013 nun ja \u2013 Langeweile. So k\u00f6nnen diese alte Leier, das ewige &#8222;die einzige L\u00f6sung f\u00fcr die Muslime ist das Kalifat&#8220; einfach nicht mehr h\u00f6ren. Vielfach reagieren diese Muslime bei dem Wort &#8222;Kalifat&#8220; dann mit scheinbar reflexartigen Muskelbewegungen wie Schulterzucken oder Augenverdrehen. Wiederum andere Muslime bef\u00fcrworten zwar einen islamischen Staat, zucken aber bei der Verwendung des Wortes &#8222;Kalifat&#8220; sichtlich zusammen. Panisch blicken sie von einer zur anderen Seite, ihre unmittelbare Umgebung absuchend, da sie bef\u00fcrchten, ein anderer k\u00f6nnte das Wort vernommen haben und sie eines Verbrechens beschuldigen.<br>Auch wird von einigen die Behauptung in Umlauf gebracht, dass das Kalifat der ferne und unerreichbare Staat &#8222;Utopia&#8220; sei. Die Wiedererrichtung des islamischen Staates, der die Probleme der Umma l\u00f6sen soll, sei ein rein &#8222;utopischer&#8220; Einfall von Menschen, die einem Luftschloss hinterher eilen.<br>In Ausnahmesituationen wie dem Krieg gegen unsere Geschwister in Gaza (2008\/09) oder der israelischen Bombardierung des Libanon (2006) \u2013 um nur einschneidende Beispiele aus j\u00fcngster Zeit zu nennen \u2013 geht man das Problem indessen mit zur Schau gestellter Weinerlichkeit und ganz viel Tr\u00e4nen an. In der Hochphase der Bombardierung des Gazastreifens war der &#8222;moderne&#8220; Muslim immer auf dem neuesten Stand und konnte im Schlaf die aktuelle Opferzahl nennen. Das Gef\u00fchl, dass genau &#8222;jetzt&#8220; etwas geschehen m\u00fcsse, war allgegenw\u00e4rtig. Jeder hatte seinem Umfeld eine unheilvolle Geschichte zu berichten, die das traurige Kopfsch\u00fctteln verursachte und den Klang des traurigen Zungenschnalzens erklingen lie\u00df. Scheinbar sollte dieses gemeinschaftliche Kopfsch\u00fctteln etwas bewirken. Vielleicht glaubte man auch tats\u00e4chlich an den ber\u00fchmten Schmetterlingseffekt, bei dem der Fl\u00fcgelschlag eines Schmetterlings in Brasilien einen Tornado in Texas ausl\u00f6sen k\u00f6nne. Doch stattdessen offenbarte sich ein anderer Effekt, der den Namen &#8222;Gewohnheit&#8220; tr\u00e4gt.<br>Etwa ein Jahr nach der Bombardierung geht es den Geschwistern in Gaza mit absoluter Sicherheit kaum besser. Doch an diesen Zustand k\u00f6nnen sich, zumindest jene Geschwister, die nicht in Gaza leben und ein Jahr zuvor noch emsig weinten, schnell gew\u00f6hnen, so, wie man sich an den Krieg in Afghanistan, im Irak und in Pakistan gew\u00f6hnen kann. Die Demonstranten von &#8222;gestern&#8220;, die ihre Parolen voller Inbrunst der Ungerechtigkeit ins Gesicht schrien, sind &#8222;heute&#8220; leider verstummt. Das Gef\u00fchl, dass jetzt und genau jetzt etwas geschehen m\u00fcsse, ist verschwunden. So ist die Aussage, &#8222;der Mensch kann sich an alles gew\u00f6hnen&#8220;, leider allzu wahr, und die Realit\u00e4t legt auch fortw\u00e4hrend Zeugnis dar\u00fcber ab.<br>So ist es nichts Au\u00dfergew\u00f6hnliches mehr, dass drittklassige Schmierbl\u00e4tter in regelm\u00e4\u00dfigen Abst\u00e4nden die beleidigenden Karikaturen unseres Propheten (s) ver\u00f6ffentlichen. J\u00fcngst \u2013 am 3. Februar dieses Jahres \u2013 druckte die norwegische Zeitung &#8222;Dagbladet&#8220; auf ihrer Titelseite erneut eine Karikatur, die nur noch ged\u00e4mpften Protest verursachte. Auch ist es zur traurigen Gewohnheit geworden, dass unsere muslimischen Schwestern, die lediglich an ihrer islamischen Pflicht festhalten und den Hijab zu tragen, weltweit andauernden Beleidigungen und Angriffen ausgesetzt sind. Dabei sind diese so allt\u00e4glich geworden, dass nur noch ein Mord wie jener an Marwa El-Sherbini am 1. Juli 2009 die breite \u00d6ffentlichkeit aus ihrer Routine herausrei\u00dft. Dass M\u00e4dchen in Frankreich ihren Hijab vor Betreten der Schule ablegen m\u00fcssen, ist genauso gew\u00f6hnlich geworden wie die Tatsache, dass Frauen, die das Tragen des Niqab als islamische Pflicht ansehen, die n\u00e4chsten Opfer solch unlauterer Gesetze geworden sind. Das Schweizer Ja f\u00fcr ein Bauverbot von Minaretten Ende letzten Jahres wird in Vergessenheit geraten und nur noch durch ein weiteres Gesetz erweitert, welches das Leben der Muslime im Land erschweren soll und mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit auch folgen wird. Nat\u00fcrlich ist diese Aufz\u00e4hlung eine rein objektive Auflistung von Ereignissen, die von jedem Muslim erweitert werden kann. Sie ist lediglich ein Auszug aus der Realit\u00e4t, die in Wahrheit etliche solcher Ereignisse und Verbrechen, die vielleicht sogar schlimmer sind, bereith\u00e4lt.<br>Oftmals wird dann der Zustand der Muslime in der Gegenwart mit der Verfolgung der Juden in der Vergangenheit verglichen. Dabei gilt der Holocaust gemeinhin als das absolute Verbrechen der Geschichte, das seinesgleichen erst suchen muss. Nat\u00fcrlich ist es schl\u00fcssig, Parallelen zu heutigen Verbrechen an Muslimen aufzudecken. Jedoch muss dabei deutlich bleiben, dass sich durch solche historischen Vergleiche die Lage der Umma weder verbessert noch verschlechtert. Viel interessanter w\u00e4re es, sich einmal \u2013 im Eifer der Vergleiche \u2013 vor Augen zu f\u00fchren, welchen Schluss ein Teil der Juden aus ihrer Verfolgung gezogen hat, und zwar bereits vor der NS-Zeit. F\u00fcr sie lag die L\u00f6sung quasi auf der Hand: Es musste ein Staat f\u00fcr sie errichtet werden.<br>[Herzls Buch: Der Judenstaat &#8211; ein Hauptausl\u00f6ser f\u00fcr die Verbreitung der zionistischen Idee unter den s\u00e4kularen Juden] So verfasste der prominenteste Zionist Theodor Herzl bereits 1896 sein Werk &#8222;Der Judenstaat&#8220; und schrieb dort Folgendes: &#8222;In Russland werden Judend\u00f6rfer gebrandschatzt, in Rum\u00e4nien erschl\u00e4gt man ein paar Menschen, in Deutschland pr\u00fcgelt man sie gelegentlich durch, in \u00d6sterreich terrorisieren die Antisemiten das ganze \u00f6ffentliche Leben, in Algerien treten Wanderhetzprediger auf, in Paris kn\u00f6pft sich die so genannte bessere Gesellschaft zu, die Cercles schlie\u00dfen sich gegen die Juden ab.&#8220; &#8222;Der Judenstaat. Versuch einer modernen L\u00f6sung der Judenfrage&#8220;, wie das Buch mit vollem Titel hie\u00df, wurde zu einem politischen Programm. Die Idee, das so genannte Judenproblem mit einem Judenstaat zu l\u00f6sen, verbreitete sich unter den europ\u00e4ischen Juden wie ein Lauffeuer. Mit dieser Idee gewann Herzl schnell die Herzen vieler Anh\u00e4nger, die das Werk weder als Utopie verschrien noch sich gelangweilt f\u00fchlten. Vielmehr f\u00fchlten sie sich durch die neu gewonnene Hoffnung auf einen Staat befl\u00fcgelt. Einzig orthodoxe Juden stellten sich diesem Eifer in den Weg, denn allein der Messias habe das Recht, den Staat f\u00fcr sie auszurufen. Somit verhielten sich die Zionisten mit dem Ausruf des israelischen Staates auch in religi\u00f6ser Hinsicht frevelhaft.<br>Doch im Gegensatz zu den Juden befinden sich die Muslime weiterhin in einem s\u00fcndhaften Zustand, wenn sie den islamischen Staat nicht umgehend wiedererrichten. Nat\u00fcrlich kann man aus den unterschiedlichsten Gr\u00fcnden an den Worten der Menschen zweifeln, die das Kalifat propagieren. Es sind eben nur Menschen. Doch die Worte Allahs (t) sind eindeutig und unzweifelhaft, und mit nichts anderem als mit Seinen Worten argumentieren sie. So sagt Allah (t): &#8222;Und richte unter ihnen nach dem, was Allah herabgesandt hat, und folge nicht ihren Neigungen; und nimm dich vor ihnen in Acht, dass sie dich nicht von einem Teil dessen abbringen, was Allah zu dir herabgesandt hat.&#8220; (5; 49). Au\u00dferdem hei\u00dft es im Koran: &#8222;Und wer nicht nach dem richtet, was Allah herabgesandt hat, so sind dies wahrlich die Ungl\u00e4ubigen!&#8220; (5, 44). Auch gibt es keinen Zweifel an den Worten des Propheten (s): &#8222;Wer eine Hand aus dem Gehorsam Allahs zieht, der trifft auf Allah am Tage der Auferstehung, ohne ein Argument f\u00fcr sich zu haben, und wer stirbt und in seinem Nacken keine Bai&#8217;a tr\u00e4gt, der stirbt den Tod der Dschahiliyya.&#8220; (Von Muslim \u00fcberliefert)<br>[Muslime in Indonesien im Gedenken an die Zerst\u00f6rung des Kalifats] Nun ist es aber nahezu 86 Jahre her, seitdem der islamische Staat zerst\u00f6rt wurde. In dieser Zeit haben die Westm\u00e4chte und ihre Vasallen alles in ihrer Macht Stehende versucht, um die Wiedererrichtung des Kalifats zu verhindern. Die Quraisch haben auch nicht tatenlos zugesehen, als der Islam merklich an Macht und Einfluss gewann und sie offensichtlich an Schw\u00e4che. Trotz der Kriege, Folter und Erniedrigung, unter denen die Muslime heute leiden, h\u00e4ngt das Herz der Umma am Islam. Auch wenn einige Muslime an der Wiedererrichtung des Kalifats zweifeln m\u00f6gen \u2013 ein gro\u00dfer Teil tut es nicht. Als Hizb-ut-Tahrir im Jahr 2007 in Indonesien eine gro\u00dfe islamische Konferenz zum Thema &#8222;Kalifat&#8220; organisierte, str\u00f6mten etwa 120.000 Gl\u00e4ubige in ein riesiges Fu\u00dfballstadion, welches sie f\u00fcllten.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ohne Zweifel verursachen Menschen, die sich f\u00fcr die Errichtung eines islamischen Staates einsetzen, bei einigen Muslimen immer noch\u2013 nun ja \u2013 Langeweile. 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