{"id":9820,"date":"2014-02-11T00:00:00","date_gmt":"2014-02-10T23:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/kalifat1.com\/?p=9820"},"modified":"2014-02-11T00:00:00","modified_gmt":"2014-02-10T23:00:00","slug":"europas-neuer-wettlauf-um-afrika","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kalifat1.com\/?p=9820","title":{"rendered":"Europas neuer Wettlauf um Afrika"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Seit der Invasion Malis durch franz\u00f6sische Truppen, wurde die Welt gezwungen, sich mit der westafrikanischen Nation auseinanderzusetzen, die fortlaufend f\u00fcr weltweite Schlagzeilen sorgt.<br>Nordafrika und die Sahelzone erhalten weltweite Aufmerksamkeit, seit die europ\u00e4ischen Staats- und Regierungschefs ihre Pl\u00e4ne, f\u00fcr Jahrzehnte in der Region zu verbleiben, offengelegt haben. Als diese j\u00fcngste Intervention au\u00dfer Kontrolle geriet und nach Algerien \u00fcberschwappte, war die Aussage des britischen Premierministers David Cameron deutlich: &#8222;Dies ist eine globale Bedrohung, die eine globale Antwort erfordert. Es bedarf einer Antwort in Form von Jahren, sogar Jahrzehnten, im Gegensatz zu Monaten.&#8220;[1] Am Vorabend der franz\u00f6sischen Intervention in Mali hob der franz\u00f6sische Pr\u00e4sident Fran\u00e7ois Hollande den Kontext der Intervention hevor: &#8222;Die Leute fragen stets, wie lange dies dauern wird. Und ich antworte:&#8217;Solange, wie es dauert. Die Zeit, die es braucht, den Terrorismus in dieser Region zu bezwingen.'&#8220;[2] Europas Schwergewichte haben nun Nordafrika und die Sahara zu den j\u00fcngsten Haltestellen in ihrem Kampf gegen den Terror gemacht.<br>Afrika, wie es heute mit seinen ethno-konfessionelle Grenzlinien \u00fcbergreifenden Landesgrenzen besteht, war das Ergebnis des irrsinnigen Wettlaufs um Afrika durch konkurrierende europ\u00e4ische M\u00e4chte im 19. Jahrhundert. Zwecks Vermeidung weiterer Konflikte zwischen den europ\u00e4ischen M\u00e4chten, versammelten sie sich 1884 auf der Berliner Konferenz, um Regeln f\u00fcr die Aufteilung Afrikas unter sich festzulegen.[3] Dennoch blieb die Konkurrenz zwischen ihnen erhalten, welche zu beiden Weltkriegen f\u00fchrte. Der 2. Weltkrieg beeintr\u00e4chtigte den europ\u00e4ischen Heldenmut und Europas F\u00e4higkeit, ihre kolonialen Besitzt\u00fcmer zu erhalten, was wiederum zu einer Neuordnung der globalen Machtverh\u00e4ltnisse f\u00fchrte. W\u00e4hrend die Franzosen einen gro\u00dfen Teil von West- und Zentralafrika kolonialisierten, \u00fcbernahm Gro\u00dfbritannien den Gro\u00dfteil Ost- und S\u00fcdafrikas. Beide Nationen hinterlie\u00dfen eine herrschende Klasse an der Macht, die \u00fcber Jahrzehnte hinweg gen\u00e4hrt wurde, um die europ\u00e4ischen Interessen zu sichern, als den afrikanischen Staaten formell die Unabh\u00e4ngigkeit verliehen wurde.<br>Der urspr\u00fcngliche Wettlauf um Afrika drehte sich um Afrikas begehrte Ressourcen, was sich bis heute nicht ge\u00e4ndert hat. Die Europ\u00e4ischen Staaten haben einzelne Beziehungen zu Diktatoren aufrechterhalten, sich vorteilhafte Handelsabkommen sichernd. Der heutige Unterschied besteht darin, dass nun sowohl die USA als auch China als Akteure auf dem Kontinent auftreten. Die H\u00e4lfte der europ\u00e4ischen Energieversorgung ist von Importen abh\u00e4ngig, 35% des Erdgases wird aus Afrika (30% allein aus Algerien) importiert. Insbesondere Algerien, Angola, \u00c4gypten, Libyen und Nigeria sind zu sehr wichtigen Energielieferanten f\u00fcr die Europ\u00e4ische Union geworden. Frankreich zum Beispiel ist der gr\u00f6\u00dfte EU-Importeur des angolanischen Erd\u00f6ls. Die 27 EU-Mitgliedsstaaten zusammengenommen kaufen 66% des exportierten algerischen Fl\u00fcssig-Erdgases. Fast 80% der franz\u00f6sischen Energieversorgung, erzeugt in Frankreichs 60 Kernkraftwerken, sind wiederum vom afrikanischen Uran abh\u00e4ngig.<br>Afrika ist die Region, in der Frankreich seinen gr\u00f6\u00dften Einfluss aus\u00fcbte und \u00fcber den l\u00e4ngsten Zeitraum agierte. Der ehemalige Pr\u00e4sident Charles de Gaulle und alle darauffolgenden Regierungen haben Afrika als &#8222;St\u00fctzpunkt&#8220; f\u00fcr die Unterst\u00fctzung der franz\u00f6sischen F\u00fchrungsposition gesehen, indem die franz\u00f6sischen Interessen in den franz\u00f6sischsprachigen L\u00e4ndern Afrikas aufrechterhalten wurden. Wie in einer Analyse der Deutschen Gesellschaft f\u00fcr Ausw\u00e4rtige Politik in der Aussage der Analystin Katrin Sold hervorgehoben wurde: &#8222;Langfristig hat Frankreich ein Interesse daran, Bodensch\u00e4tze in der Sahelzone zu sichern, insbesondere Erd\u00f6l und Uran, das der franz\u00f6sische Atomkonzern Areva im Nachbarland Niger bereits seit Jahrzehnten f\u00f6rdert.&#8220;[4] Heute hat sich das politische Machtgef\u00fcge auf dem afrikanischen Kontinent verschoben, da Amerika nun als neue Weltf\u00fchrungsmacht den europ\u00e4ischen Einfluss ersetzt. Die franz\u00f6sische Intervention in Mali geschah aufgrund des Putsches junger Milit\u00e4roffiziere, die zuvor durch die USA ausgebildet wurden. In Libyen, dem Sudan, Kongo und Algerien bem\u00fchen sich die USA, sowohl britischen als auch franz\u00f6sischen Einfluss durch pro-amerikanische F\u00fchrungen zu ersetzen.<br>F\u00fcr die USA ist die Variierung ihrer Energieimporte eine Schl\u00fcsselpolitik, da sich der Nahe Osten im letzten Jahrzehnt als instabil erwies. W\u00e4hrend es Sch\u00e4tzungen gibt, dass das Schiefergas die USA bis 2020 autark machen w\u00fcrde, laufen jedoch derzeit alle US-Autos, Eisenbahnen und Flugzeuge noch auf Roh\u00f6l, weshalb die USA die \u00d6lreserven Afrikas seit langem im Visier haben. Walter Kansteiner, US-Vizeau\u00dfenminister f\u00fcr afrikanische Angelegenheiten, zitierend: &#8222;Das afrikanische Erd\u00f6l ist f\u00fcr uns von national-strategischem Interesse, und es wird zunehmend wichtiger und an Bedeutung gewinnen, wie wir voranschreiten.&#8220;[5]<br>Was wir miterleben, ist nur der j\u00fcngste Wettlauf um Afrika. Der Unterschied liegt allein darin, dass verschiedene L\u00e4nder aus verschiedenen Teilen der Welt um den begehrten Mineralreichtum Afrikas wetteifern, anstatt dass alle europ\u00e4ischen Staaten untereinander konkurrieren. Der Terrorismus wurde wieder einmal als Vorwand benutzt, um zu intervenieren und Truppen auf dem Kontinent zu stationieren, welche die Interessen ihrer Regierungen in den Gastgeberl\u00e4ndern f\u00fcr die absehbare Zukunft sch\u00fctzen sollen. Die USA haben Afrika seit einiger Zeit auf ihrem Radarschirm, wie es bereits der ehemalige demokratische Kongressabgeordnete William J. Jefferson andeutete: &#8222;Afrika bietet das Erd\u00f6l, hilft uns mit Erkenntnisgewinnung aus menschlichen Quellen (Human Intelligence), hilft uns beim unserem Zugang zum Nahen Osten, sodass wir uns eine sichtbare Pr\u00e4senz leisten k\u00f6nnen. Im Gegenzug m\u00fcssen wir bei der Entwicklung Afrikas mit dem behilflich sein, was unser Land zum Laufen bringt: Transport- und Informationstechnologien. Das ist der neue Deal, den wir hoffentlich f\u00fcr Afrika und die Vereinigten Staaten rausschlagen k\u00f6nnen. Darin liegen meines Erachtens unsere nationalen Sicherheitsinteressen.&#8220;[5] Die wichtige Frage verbleibt, wie lange die USA und die EU-Staaten unter dem Vorwand des Terrorismus ihre Interventionspolitik in Afrika aufrechterhalten k\u00f6nnen, um ihre Interessen dort zu wahren, bevor sich Afrika als der n\u00e4chste instabile \u201eNahe Osten&#8220; entpuppt.<br>[1] http:\/\/www.bbc.co.uk\/news\/uk-21112189<br>[2] http:\/\/www.presstv.ir\/detail\/2013\/01\/19\/284458\/mali-action-to-last-as-long-as-needed\/<br>[3] http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Kongokonferenz<br>[4] http:\/\/www.dw.de\/frankreichs-interessen-in-mali\/a-16523727<br>[5] http:\/\/www.israeleconomy.org\/strategic\/africawhitepaper.pdf<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nordafrika und die Sahelzone erhalten weltweite Aufmerksamkeit, seit die europ\u00e4ischen Staats- und Regierungschefs ihre Pl\u00e4ne, f\u00fcr Jahrzehnte in der Region zu verbleiben, offengelegt haben.<\/p>\n","protected":false},"author":20,"featured_media":1404,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[15],"tags":[107,806,1679,2877],"class_list":["post-9820","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-politik","tag-afrika","tag-europa","tag-mali","tag-wettlauf"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/kalifat1.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/9820","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/kalifat1.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/kalifat1.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kalifat1.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/20"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kalifat1.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=9820"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/kalifat1.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/9820\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kalifat1.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/1404"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/kalifat1.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=9820"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/kalifat1.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=9820"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/kalifat1.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=9820"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}