{"id":9833,"date":"2012-12-06T00:00:00","date_gmt":"2012-12-06T00:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/kalifat1.com\/?p=9833"},"modified":"2012-12-06T00:00:00","modified_gmt":"2012-12-06T00:00:00","slug":"myanmar-katastrophe-im-schatten-der-wahrnehmung-i","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kalifat1.com\/?p=9833","title":{"rendered":"Myanmar &#8211; Katastrophe im Schatten der Wahrnehmung I"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nur selten ist in den westlichen Medien &#8211; insbesondere in den deutschen Medien \u2013 von den Verbrechen gegen die Muslime Myanmars zu h\u00f6ren. Dabei spielen sich seit geraumer Zeit Szenen von unvorstellbarer Grausamkeit in Burma ab. So werden die dortigen Muslime von den Buddhisten, die uns in den Medien gerne als bescheidene, friedliebende M\u00f6nche verkauft werden, aus ihren D\u00f6rfern vertrieben und ins Meer gejagt, verbrannt, vergewaltigt und ermordet. Dieses s\u00fcdostasiatische Land war uns bisher nur durch seine Milit\u00e4rherrschaft und die Friedensnobelpreistr\u00e4gerin Aung San Suu Kyi bekannt. Nach seiner Wiederwahl am 6. November 2012, war es auch Barack Obama, der als erster amtierender US-Pr\u00e4sident im Rahmen seiner dreit\u00e4gigen Asienreise am 19.11.2012 Burma besuchte und neben den Regierungsvertretern auch die Oppositionelle Aung San Suu Kyi zu politischen Konsultationen traf.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center wp-block-paragraph\"><br>Wie ist nun dieser Konflikt in Burma politisch einzuordnen, und was sind vor allem die Hintergr\u00fcnde der Auseinandersetzungen?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><br>Burma grenzt geografisch an Thailand, China, Indien, Bangladesch und den Golf von Bengalen. Somit ist es eine Region, die aufgrund ihrer geostrategischen Lage von besonderem Interesse f\u00fcr die Weltm\u00e4chte ist. Denn \u00e4hnlich wie Afghanistan, das sich im Herzen Zentralasiens befindet und in seiner j\u00fcngeren Geschichte wiederholt zum Spielball geopolitischer Interessen wurde, wirkt auch das international isolierte und f\u00fchrungsschwache Burma wie ein Magnet f\u00fcr die politischen Ambitionen der regionalen und globalen Hegemonialm\u00e4chte.<br>Historische Erw\u00e4hnung findet Burma seit dem 11. Jahrhundert, als der Buddhist Anawratha einen Vereinigungskrieg f\u00fchrte und verschiedene Reiche zu dem ersten birmanischen Reich zusammenf\u00fchrte. 1824 gelang es der damaligen Weltmacht Gro\u00dfbritannien, Burma zu erobern und als Teil von Britisch-Indien zu annektieren. Damals waren die Briten im Kolonialwettstreit mit ihren Erzfeinden, den Franzosen, die parallel das benachbarte Laos besetzten und kolonialisierten. 1937 trennten die Briten Burma von Britisch-Indien und nannten es die Regierung von Britisch-Burma, denen sie auch die Kontrolle \u00fcber die muslimische Arakan Provinz gaben. W\u00e4hrend des Zweiten Weltkrieges besetzte dann Japan als regionale Macht und Verb\u00fcndeter von Hitler-Deutschland Burma und \u00fcbte eine Schreckensherrschaft aus, wie auch in weiteren Gebieten S\u00fcdostasiens. 1942 ver\u00fcbten die Buddhisten ein unvorstellbar grauenhaftes Massaker an den Muslimen. Dabei wurden mehr als 1.000 Muslime massakriert und Hunderttausende zur Flucht in benachbarte L\u00e4nder gezwungen. Den Briten gelang es schlie\u00dflich mit Kriegsende 1945, Burma wieder an ihr Kolonialreich anzuschlie\u00dfen. Nach der Gr\u00fcndung der UNO im Anschluss an den Zweiten Weltkrieg, entlie\u00dfen die vornehmlich europ\u00e4ischen Kolonialm\u00e4chte auf internationalen Druck und mit politischem Kalk\u00fcl ihre ehemaligen Kolonien in Scheinunabh\u00e4ngigkeiten. Ihr kolonialistischer Einfluss blieb allerdings weiterhin durch ihre h\u00f6rigen Vasallen bestehen. So wurde auch Burma schlie\u00dflich 1948 von den Briten in eine eher als Scheinunabh\u00e4ngigkeit zu bezeichnende Unabh\u00e4ngigkeit entlassen. Im weiteren Verlauf wurde Burma seit 1962 von verschiedenen Milit\u00e4rdiktaturen beherrscht. Seither gab es unter der Milit\u00e4rjunta eine Abschottungspolitik gegen\u00fcber dem Ausland, und jegliche Oppositionsbewegungen wurden brutal zerschlagen.<br>Die bekannteste Oppositionspolitikerin Burmas ist Aung San Suu Kyi, die f\u00fcr ihren politischen Kampf gegen die Milit\u00e4rs 1991 mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet wurde. Ihr Vater war Kommandeur der Burma Independence Army (BIA), die im Zweiten Weltkrieg von den Japanern unterst\u00fctzt wurde, und setzte sich f\u00fcr die Befreiung Burmas aus der britischen Bestatzung ein. Er wurde 1947 w\u00e4hrend einer Kabinettssitzung ermordet. Suu Kyi studierte in Oxford und arbeitete anschlie\u00dfend von 1969 bis 1971 bei der UNO in New York. Sie ist heute Parteivorsitzende der Nationalen Liga f\u00fcr Demokratie (NLD) und seit dem 2. Mai 2012 Parlamentsabgeordnete nach Einleitung eines sogenannten demokratischen Reformprozesses seitens der Milit\u00e4rregierung unter Premierminister und General Thein Sein, der vom Chef der Milit\u00e4rjunta, General Than Shwe, favorisiert wurde. Das Parlament besteht zu mehr als 80% aus Abgeordneten der dem Milit\u00e4r nahestehenden Union Solidarity and Development Party. Die sogenannte Demokratisierung gilt als Versuch, sich von den vornehmlich von den USA initiierten Wirtschaftssanktionen zu befreien, die das Land international isoliert haben.<br>Der Landesname f\u00fchrt oft zu Verwirrungen, weil international sowohl Burma als auch Birma als auch Myanmar benutzt werden. Dabei sind Burma (englische Schreibweise von Bama; in anderen Sprachen Birma) und Myanmar eher Synonyme und bezeichnen die gr\u00f6\u00dfte Ethnie der buddhistischen Bama, die mit etwa 30 Millionen den Gro\u00dfteil der Bev\u00f6lkerung ausmachen. Weil die Milit\u00e4rherrscher als Zeichen ihres politischen Einflusses sich auf \u201eRepublik der Union Myanmar&#8220; geeinigt haben, benutzen die politische Opposition und einige ausl\u00e4ndische Staaten aus politischem Protest den Namen Burma.<br>Laut offiziellen Volksz\u00e4hlungen ist Burma mit etwa 54 Millionen Einwohnern und 135 verschiedenen Ethnien ein Vielv\u00f6lkerstaat. Der muslimische Anteil der Rohingya betr\u00e4gt offiziell etwa 5%, was etwa \u00fcber zwei Millionen Menschen ausmacht. Jedoch ist diese Zahl von der Regierung manipuliert. Sch\u00e4tzungen zu Folge betr\u00e4gt der Bev\u00f6lkerungsanteil der Muslime in Burma etwa 20%, wobei sie zumeist in der Hauptstadt Rangun, in Mandalay und der Arakan Provinz ans\u00e4ssig sind. Viele Muslime leben im sogenannten Rakhaing-Staat, einer von sieben Provinzen, die von Minderheiten bewohnt werden und vom Hochland bis zur K\u00fcste am strategisch wichtigen Golf von Bengalen verl\u00e4uft. Der Rakhaing-Staat grenzt im Norden an das von Muslimen dominierte Bangladesch. Daneben gibt es weitere sieben Provinzen, den Divisions, die vornehmlich von den buddhistischen Bama bewohnt werden.<br>Die Rohingya-Muslime werden in Burma nicht wie andere Volksgruppen als eigenst\u00e4ndige Ethnie anerkannt, sondern ver\u00e4chtlich als bengalische Muslime bezeichnet. Sie werden laut einem bestehenden Gesetz nicht als eine von den \u00fcber 135 Ethnien anerkannt und haben keinen Anspruch auf die Staatsb\u00fcrgerschaft. Etwa 1.5 Millionen Rohingyas sind aufgrund der Diskriminierungspolitik ins benachbarte Bangladesch oder in andere asiatische L\u00e4nder gefl\u00fcchtet. Laut Einsch\u00e4tzung der UNO gelten die Rohingya-Muslime als die weltweit am st\u00e4rksten verfolgte Minderheit.<br>Bei einem Treffen mit dem UN-Gesandten f\u00fcr Fl\u00fcchtlinge am 11.7.2012 zeigte sich in den Aussagen des burmesischen Pr\u00e4sidenten Thein Sein der Hass, der gegen\u00fcber den dortigen Muslimen besteht, als er sagte, dass er es anstrebe, die Rohingyas in Konzentrationslager zusammenzupferchen, damit sie von dort geordnet das Land verlassen k\u00f6nnten. Ferner meinte er, \u201edass es nicht m\u00f6glich sei, die Rohingyas als B\u00fcrger in Burma zu akzeptieren, weil sie einer anderen Rasse zugeh\u00f6rig seien.&#8220;<br>Hier m\u00fcssen wir uns die Worte Allahs (s.w.t.) vergegenw\u00e4rtigen, wenn es im Qur&#8217;an hei\u00dft:<br>O die ihr glaubt, nehmt keine Vertraute au\u00dfer von euch. Sie scheuen keine M\u00fche, euch zu verwirren, und m\u00f6chten gern, dass ihr in Bedr\u00e4ngnis geratet. Schon wurde aus ihren M\u00fcndern Hass offenkundig, aber was ihre Herzen verborgen halten, ist noch schwerwiegender (Sura Aali Imran, Aya 118)<br>Die Briten unterst\u00fctzten vor allem nach der Scheinunabh\u00e4ngigkeit Burmas im Jahre 1948 den unerbittlichen Kampf der Milit\u00e4rjunta gegen die dortigen Muslime. Die burmesische Regierung vertritt die historisch nicht belegbare Theorie, dass die Rohingyas Nachkommen von illegalen Einwanderern aus Bangladesch seien. Richtig ist jedoch, dass der Islam im Jahre 788 n. Chr. unter dem Kalifen Harun al-Raschid im heutigen Burma Einzug fand. Die Muslime herrschten \u00fcber mehr als drei Jahrhunderte in Arakan (1430-1784 n. Chr.), bevor sich die Buddhisten gegen sie vereinigten und einen Vernichtungskrieg f\u00fchrten. Dabei gingen sie nicht weniger grausam gegen die Muslime vor als die Milit\u00e4rjunta es heute pflegt. Die damaligen Buddhisten bek\u00e4mpften die Muslime mit \u00e4hnlich systematischer Unnachgiebigkeit wie es die Katholiken Spaniens in Andalusien schon vor ihnen taten. Hasserf\u00fcllt zerst\u00f6rten sie die vorhandene islamische Architektur mit ihren Bauk\u00fcnsten, Moscheen, Schulen und anderen Sch\u00e4tzen und vertrieben und ermordeten die Muslime. Sie versuchten damit, das islamische Erbe g\u00e4nzlich auszul\u00f6schen.<br>Seit 1948 gab es mehr als 30 Milit\u00e4roperationen gegen die Rohingyas mit Tausenden von Toten und unz\u00e4hligen traumatisierten Menschen. Zudem ergreift die Milit\u00e4rjunta verschiedenste Ma\u00dfnahmen, um das Leben der dortigen Muslime zu erschweren und letztlich eine Politik der verbrannten Erde und ethnischen S\u00e4uberung durchzuf\u00fchren. Dazu z\u00e4hlen unter anderem Reisebeschr\u00e4nkungen, das Verbot der Fischerei, die eine nat\u00fcrliche Lebensgrundlage darstellt, Zwangsarbeit, Vergewaltigungen, Verweigerung von schulischer Bildung, willk\u00fcrliche Inhaftierungen und Folter, Zulassung zur Heirat erst mit 30 Jahren, teilweises Verbot von Heirat f\u00fcr eine Periode von drei Jahren, Enteignungen von Privateigentum und Grundbesitz und damit die beabsichtigte systematische Dezimierung der Einwohnerzahl.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nur selten ist in den westlichen Medien &#8211; insbesondere in den deutschen Medien \u2013 von den Verbrechen gegen die Muslime Myanmars zu h\u00f6ren. 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