{"id":9842,"date":"2012-10-14T00:00:00","date_gmt":"2012-10-14T00:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/kalifat1.com\/?p=9842"},"modified":"2012-10-14T00:00:00","modified_gmt":"2012-10-14T00:00:00","slug":"die-tuerkei-koennte-den-konflikt-jederzeit-beenden","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kalifat1.com\/?p=9842","title":{"rendered":"Die T\u00fcrkei k\u00f6nnte den Konflikt jederzeit beenden"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Am Donnerstag, den 04.10.2012, gab das t\u00fcrkische Parlament gr\u00fcnes Licht f\u00fcr milit\u00e4rische Aktionen gegen Syrien. Unmittelbar darauf wurde vom Milit\u00e4r das Feuer gegen Syrien er\u00f6ffnet und mit schwerer Artillerie tief ins Landesinnere hinein geschossen. Dies geschah, nachdem f\u00fcnf Zivilisten einer t\u00fcrkischen Grenzstadt durch Granatenbeschuss aus Syrien ums Leben kamen.<br>Der t\u00fcrkische Vize-Premier Besir Atalay sagte, dass der Parlamentsbeschluss keine Kriegserkl\u00e4rung gegen Syrien sei, sondern die rechtliche Grundlage, um jeden weiteren Beschuss aus Syrien zu erwidern: \u201eDer Beschluss ist keine Legitimation zum Krieg, sondern hat eine abschreckende Wirkung.&#8220;<br>In Juni verst\u00e4rke die T\u00fcrkei ihre Grenzen mit Flugabwehrraketen und drohte damit, jedes sich ann\u00e4hernde syrische Milit\u00e4rflugzeug ins Visier zu nehmen. Zuvor wurde ein t\u00fcrkischer Kampfjet von syrischen Kr\u00e4ften abgeschossen, wodurch die beiden Piloten get\u00f6tet wurden. Nach t\u00fcrkischer Darstellung befand sich das Flugzeug im internationalen Luftraum. Syrien hingegen behauptet, es sei in seinen Luftraum eingedrungen.<br>Die Syrienkrise zieht sich nun seit \u00fcber 18 Monaten hin und scheint in ein Patt &#8211; ein Unentschieden &#8211; zu m\u00fcnden. Dies ist eine bemerkenswerte Entwicklung, denn obwohl es der Opposition an schweren Waffen und einer Kommando- und Kontrollstruktur fehlt, hat sie es geschafft, das Assad-Regime so weit zu schw\u00e4chen, dass es den landesweiten Aufstand nicht mehr b\u00e4ndigen kann.<br>Diese verfahrene Situation blieb von keiner beteiligten Kraft unerkannt. Insbesondere die USA sind nun sehr in Sorge, die ja anfangs fest geglaubt hatten, dass Assad den Aufstand niederschlagen w\u00fcrde, wenn man ihm nur genug Zeit g\u00e4be. Der Bombenanschlag auf das Hauptquartier der Nationalen Sicherheitsbeh\u00f6rde in Damaskus jagte den amerikanischen Politikern einen Schock durch die Glieder. Es demonstrierte n\u00e4mlich die milit\u00e4rischen M\u00f6glichkeiten und die Reichweite der Handlungsf\u00e4higkeit des bewaffneten Widerstands. Es folgte eine Flut von \u00f6ffentlichen Statements seitens der US-Politiker, die nun \u201ealle Optionen auf dem Tisch&#8220; sahen und ein milit\u00e4risches Eingreifen nicht mehr ausschlie\u00dfen wollten. Einem m\u00f6glichen B\u00fcrgerkrieg m\u00fcsse ja vorgebeugt werden, und auch chemische Waffen k\u00f6nnten in die \u201efalschen H\u00e4nde&#8220; fallen.<br>Doch die Reaktion der muslimischen Herrscher war weitaus schlimmer. Qatar, die T\u00fcrkei, Saudi-Arabien und \u00c4gypten \u2013 allesamt haben sie die M\u00f6glichkeit, den Konflikt binnen weniger Stunden zu beenden, doch stattdessen arbeiten sie f\u00fcr die Wahrung der Interessen der ungl\u00e4ubigen Weltm\u00e4chte. Diese L\u00e4nder unterst\u00fctzten die Beobachtermission der Arabischen Liga, die im Grunde genommen tatenlos daneben stand, als Assad seine Gr\u00e4uel an den Muslimen ver\u00fcbte. Hiernach unterst\u00fctzten sie die bestens inszenierte UN-Mission Kofi Annans, die darauf abzielte, Assad mehr Zeit und politische R\u00fcckendeckung f\u00fcr seine Massaker an der syrischen Bev\u00f6lkerung zu geben. Diese Staaten haben an Kontaktgruppen teilgenommen, an \u201eFreunde Syriens&#8220;-Konferenzen und Oppositionelle beherbergt. Sie sind nichts weiter als billiges Werkzeug zur Umsetzung amerikanischer und europ\u00e4ischer Pl\u00e4ne.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center wp-block-paragraph\"><br>Die Tatenlosigkeit der T\u00fcrkei<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><br>Was die T\u00fcrkei betrifft, so h\u00e4tte sie effektive Ma\u00dfnahmen ergreifen m\u00fcssen, um den Konflikt zu beenden, anstatt symbolischer Handlungen. Denn die Umma ben\u00f6tigt weder Zelte noch Sicherheitszonen. Vielmehr muss der Diktator Assad beseitigt und das Land von seinem Schmutz befreit werden. Die T\u00fcrkei, die eine gemeinsame Grenze mit Syrien hat, spielt in diesem Konflikt eine \u00fcberaus wichtige Rolle. Doch bisher waren s\u00e4mtliche ihrer Schritte gegen eine Befreiung Syriens. Auch in vielen anderen Angelegenheiten der j\u00fcngsten Vergangenheit hat die T\u00fcrkei nicht die erforderlichen Ma\u00dfnahmen ergriffen und ihr Potential in keinster Weise ausgesch\u00f6pft.<br>Die Rolle der T\u00fcrkei in der Welt entwickelt sich parallel zu ihrer wirtschaftlichen Entwicklung. Diese beiden Aspekte k\u00f6nnen nicht getrennt voneinander betrachtet werden. Die globalen Ambitionen und Anstrengungen der T\u00fcrkei zielen auf ein Wirtschaftswachstum ab. Erdogan nutzt n\u00e4mlich seine \u201eNull Probleme mit den Nachbarn&#8220;-Politik dazu, Wirtschaftsabkommen und lukrative Deals f\u00fcr seine Unterst\u00fctzer abzuschlie\u00dfen, die mittlerweile jene abgel\u00f6st haben, die dem t\u00fcrkischen Milit\u00e4r gegen\u00fcber loyal waren. Unter Erdogan hat sich die T\u00fcrkei in mehreren regionalen Fragen engagiert \u2013 stets mit dem Blick auf neue M\u00f6glichkeiten f\u00fcr sein Land, die Erfolge zu festigen und den Widerst\u00e4nden auszuweichen. Deshalb ist sein ganzer Einsatz nur f\u00fcr die T\u00fcrkei alleine und nicht f\u00fcr die gesamte Umma.<br>Die AKP-Regierung hat bislang an keiner Sache unabh\u00e4ngig gearbeitet oder gar nach eigenen Ma\u00dfst\u00e4ben politische Pl\u00e4ne entworfen. Vielmehr befindet sie sich in einem internationalen Geflecht zur Ausf\u00fchrung von Pl\u00e4nen, die von anderen entwickelt wurden. Was zum Beispiel die Zwei Staaten-L\u00f6sung betrifft, ein US-amerikanischer Plan, hat sich die T\u00fcrkei an indirekten Verhandlungen zwischen Pal\u00e4stinensern und Israelis beteiligt und zahlreiche Konferenzen abgehalten, um die Zwei Staaten-L\u00f6sung voranzutreiben. Weiterhin hat die Regierung Erdogans versucht, das Verh\u00e4ltnis zu Armenien zu normalisieren und wirtschaftliche Vertr\u00e4ge im Kaukasus zu schlie\u00dfen, um so die Region zu dominieren. Denn diese Region wollen die USA in einen Puffer gegen die russische Expansion transformieren. Und dieser Einsatz f\u00fcr die Umsetzung von Pl\u00e4nen anderer hat letztendlich dazu gef\u00fchrt, dass die eigenen Staatsb\u00fcrger in internationalen Gew\u00e4ssern auf dem Hilfsschiff Mavi Marmara kaltbl\u00fctig hingerichtet wurden. Die T\u00fcrkei konnte aufgrund der weltweiten \u00f6ffentlichen Meinung noch nicht einmal angemessen auf das Massaker reagieren. W\u00e4ren jedoch Israelis von t\u00fcrkischen Soldaten ermordet worden, so h\u00e4tte die Antwort der Israelis mit Sicherheit anders ausgesehen als die der T\u00fcrkei.<br>Eine untergeordnete Rolle in der Weltpolitik f\u00fchrt nun mal zu viel Gerede und wenig Handlung. So viel zu der Geschichte der T\u00fcrkei unter der AKP. Eine solche Strategie wird am Ende nicht aufgehen, denn die Menschen erkennen, dass sich das, was gesagt wird, von dem unterscheidet, was in Wirklichkeit getan wird. Was ben\u00f6tigt wird, ist eine grundlegende Umw\u00e4lzung der internationalen Lage, und das erfordert politisches Denken und Anstrengungen, die \u00fcber die eigenen Landesgrenzen hinausgehen. F\u00fcr die T\u00fcrkei bedeutet dies den Einsatz f\u00fcr die Wiedervereinigung der gesamten Umma.<br>Die T\u00fcrkei k\u00f6nnte den Syrienkonflikt jederzeit mit Leichtigkeit beenden, wenn sie nur wollte. Dadurch, dass man es der Freien Syrischen Armee gew\u00e4hrt hat, ihre Kommandozentrale in der T\u00fcrkei zu betreiben, konnte man ihre milit\u00e4rischen Aktionen genauestens verfolgen und sicherstellen, dass sie keinen Zugriff auf schweres Gesch\u00fctz erhalten. Dieser Umstand erlaubte es den USA, gezielt mit bestechlichen, verr\u00e4terischen Individuen aus den Reihen der FSA einen Pakt zu schlie\u00dfen und im Gegenzug f\u00fcr schwere Waffen ihre Loyalit\u00e4t zu kaufen. Hierzu berichtete \u201eThe Telegraph&#8220;: Ein Untergrund-Netzwerk syrischer Oppositioneller erh\u00e4lt Ausbildung und wichtige Ausr\u00fcstung von einem amerikanisch-britischen B\u00fcndnis, um eine wirksame Alternative zum Regime in Damaskus zu schmieden. Dutzende von Dissidenten wurden aus Syrien \u00fcbergesetzt um auf Eignung f\u00fcr ausl\u00e4ndische Unterst\u00fctzung \u00fcberpr\u00fcft zu werden. Rekruten werden einem zweit\u00e4gigen Auswahlverfahren unterzogen, um sicherzustellen, dass das Programm nicht in die Falle zur F\u00f6rderung sektiererischer Gruppen oder Al-Qaida \u00e4hnlicher Fundamentalisten ger\u00e4t.&#8220;<br>T\u00fcrkische Intervention<br>Assad greift nur noch auf die Republikanische Garde und die 4. Panzerdivision zur\u00fcck, da der Rest der Armee \u00fcberwiegend aus Sunniten besteht und er diesen nicht trauen kann. Ein t\u00fcrkische Intervention w\u00fcrde zwischen 20.000 und 80.000 Mann umfassen. Die T\u00fcrkei kann auf ein Resort von \u00fcber 1 Million Armeeangeh\u00f6riger zur\u00fcckgreifen. Die Besetzung Damaskus und Aleppos w\u00fcrde v\u00f6llig ausreichen, um den Konflikt zu einem Ende zu bringen. Da die T\u00fcrkei direkt an Syrien grenzt, bestehen nur kurze Versorgungswege, und ein Nachschub w\u00fcrde binnen k\u00fcrzester Zeit von statten gehen, wenn n\u00f6tig. Die schiere Gr\u00f6\u00dfe der t\u00fcrkischen Streitkr\u00e4fte w\u00fcrde Assads Truppen rasch \u00fcberw\u00e4ltigen. Es ist auch sehr wahrscheinlich, dass es im Zuge eines t\u00fcrkischen Vormarsches zu Massendesertationen in den Reihen der Assad-Truppen kommt. Dies h\u00e4tte eine Kapitulation Assads zur Folge. Die T\u00fcrkei hat eigene gepanzerte Personentransporter und Panzer, wohingegen Assad \u00fcber keine nennenswerte R\u00fcstungsindustrie verf\u00fcgt. Syrien ist abh\u00e4ngig von ausl\u00e4ndischen Waffenlieferungen und h\u00e4tte so schwer unter seinen Verlusten zu leiden. Die T\u00fcrkei kann fortlaufend eigenen Ersatz an Panzerfahrzeugen produzieren, wann immer erforderlich.<br>Eine Bodenoffensive kombiniert mit einem Luftangriff w\u00fcrde Assads Boden-Luft-Raketen-Batterien au\u00dfer Kraft setzen. Die T\u00fcrkei hat ein selbst entwickeltes Drohnensystem, dass Syriens Raketenabwehr ausschalten kann. Zudem verf\u00fcgt die T\u00fcrkei \u00fcber 800 Kampfjets, 350 davon F-15-Jagdflieger. Diese \u00dcberschalljets h\u00e4tten gegen Assads MiG aus Sowjetzeiten ein leichtes Spiel.<br>T\u00fcrkeis s\u00fcdliche Basis Milatya in Diyarbakir w\u00e4re als Leitstelle und Kommandobasis f\u00fcr eine solche Operation geeignet. Die Kampfjets w\u00fcrden vom Luftwaffenst\u00fctzpunkt in Konya starten, und die Drohnenbasen in Batman und Eriklit w\u00fcrden Luftunterst\u00fctzung gew\u00e4hren. Mehrere Fl\u00fcge vom St\u00fctzpunkt in Incirlik w\u00fcrden die Kontrolle \u00fcber den syrischen Luftraum sichern.<br>Ein entscheidender Unterschied zwischen der syrischen und der t\u00fcrkischen Luftwaffe besteht darin, dass die T\u00fcrkei \u00fcber moderne Unterst\u00fctzungssysteme f\u00fcr seine Flugzeuge verf\u00fcgt, mit dem Ergebnis, dass ein hoher Anteil an Flugzeugen stets einsatzbereit ist.<br>Es sollte klar sein, dass s\u00e4mtliche Verhandlungen letztendlich nur dazu gef\u00fchrt haben, dass Assad weiter an der Macht bleibt. Die Zeit f\u00fcr Verhandlungen war bereits vor\u00fcber, als Assad mit seinem brutalen Gemetzel an den Muslimen anfing. F\u00fcr die T\u00fcrkei ist es an der Zeit, endlich Z\u00e4hne in der Au\u00dfenpolitik zu zeigen, und dass ihr die Interessen der Umma am Herzen liegen und Bashar Al-Assad ein f\u00fcr alle Mal sein blutiges Handwerk zu legen. Die Bereitstellung von Zelten f\u00fcr Fl\u00fcchtlinge und die Einrichtung von Sicherheitszonen ist in Wirklichkeit nichts anderes als eine Einladung an Assad, das Morden fortzusetzen. Die T\u00fcrkei hat sowohl die milit\u00e4rische F\u00e4higkeit als auch den historischen Hintergrund des Osmanischen Kalifats um einer solchen Operation gerecht zu werden. Nun bedarf es lediglich des politischen Willens zum Handeln.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am Donnerstag, den 04.10.2012, gab das t\u00fcrkische Parlament gr\u00fcnes Licht f\u00fcr milit\u00e4rische Aktionen gegen Syrien. 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