{"id":9847,"date":"2012-05-13T00:00:00","date_gmt":"2012-05-12T22:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/kalifat1.com\/?p=9847"},"modified":"2012-05-13T00:00:00","modified_gmt":"2012-05-12T22:00:00","slug":"syrien-im-schatten-der-revolution-teil-1","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kalifat1.com\/?p=9847","title":{"rendered":"Syrien \u2013 Im Schatten der Revolution; Teil 1"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Syrien \u2013 Im Schatten der Revolution &#8211; Teil 1<br>Der Aufstand unserer syrischen Geschwister gegen den Unrechtsherrscher und Vasallen der USA, Baschar al-Assad, geht nunmehr bereits in das zweite Jahr. Laut offiziellen Sch\u00e4tzungen haben mehr als 10.000 Muslime durch die blutr\u00fcnstigen und islamfeindlichen Schergen des Diktators Assad den M\u00e4rtyrertod gefunden, und Hunderttausende &#8211; wenn nicht Millionen &#8211; wurden verhaftet, gefoltert, vergewaltigt, entwurzelt. Und das Schicksal Unz\u00e4hliger bleibt uns im Unklaren. Die Muslime haben in ihrer gro\u00dfen Masse die Zeichen der Zeit erkannt und handeln mutig und unerschrocken; so, wie es der Prophet (s.a.s.) von uns verlangt, wenn er spricht:<br>\u201eDer Herr der M\u00e4rtyrer ist Hamza ibn Abdilmuttalib und ein Mann, der sich gegen einen ungerechten Herrscher erhebt, ihm das Rechte gebietet und sein Unrecht anprangert und daf\u00fcr von ihm get\u00f6tet wird.&#8220; (Hakim und Abu Dawud)<br>Dieser sogenannte Arabische Fr\u00fchling nahm am 17. Dezember 2010 in Tunesien seinen Anfang &#8211; ausgel\u00f6st durch den dramatischen Tod von Mohamad Bouazizi, einem einfachen Gem\u00fcseh\u00e4ndler, der aufgrund der korrupten und dem Wesen der Ummah fremden Willk\u00fcrherrschaft Ben Alis, sich in einem verzweifelten Akt des Protestes \u00f6ffentlich anz\u00fcndete und an den Folgen seiner Verletzungen schlie\u00dflich gestorben ist. Unterst\u00fctzt durch die neuen Medien, verbreitete sich diese Nachricht, die der Tropfen war, der das Fass zum \u00dcberlaufen brachte, wie ein Lauffeuer in der gesamten Arabischen Welt. Infolgedessen gipfelte die Unzufriedenheit der arabischen V\u00f6lker mit ihren Regenten und Systemen von lokalen Volksaufst\u00e4nden bis hin zu Regierungsumst\u00fcrzen. Wie Dominosteine kippten die bis dato als schier unantastbar geltenden Herrscher und treuen Vasallen der ungl\u00e4ubigen Kolonialisten von der politischen B\u00fchne direkt in den M\u00fclleimer der Geschichte &#8211; einer nach dem anderen. Wie schon zuvor Ben Ali, Gaddafi, Mubarak und Abdullah Saleh, k\u00e4mpft auch Bashar al-Assad seit nunmehr \u00fcber einem Jahr um sein \u00dcberleben. Jahrzehntelang haben diese schandhaften Despoten im Auftrag ihrer westlichen Herren die Ummah entehrt und ihren Boden und ihre Ressourcen an die ungl\u00e4ubigen Kolonialisten verraten und verkauft; nur um sich und ihre habgierigen Clans auf Kosten der Ummah zu bereichern &#8211; getreu den qur&#8217;anischen Worten: \u201eSie verkaufen Allahs Zeichen f\u00fcr einen geringen Preis und halten von Seinem Weg ab. \u00dcbel ist wahrlich, was sie tun.&#8220; (9;9)<br>Sie alle verkennen die Worte des Erhabenen (s.w.t.), wenn Er im Qur&#8217;an anmahnt: \u201eIhr, die ihr glaubt! Nehmt nicht meine und eure Feinde zu Verb\u00fcndeten, indem ihr ihnen Zuneigung entgegenbringt, obwohl sie das ablehnen, was an Wahrheit zu euch gekommen ist.&#8220; (60;1)<br>oder wenn es hei\u00dft: \u201eUnd verk\u00fcnde den Heuchlern die Frohbotschaft, dass ihnen eine schmerzliche Pein zuteil wird. Diejenigen, die anstelle der Gl\u00e4ubigen die Ungl\u00e4ubigen zu Verb\u00fcndeten nehmen. Suchen sie etwa St\u00e4rke bei ihnen? Wahrlich, die ganze St\u00e4rke liegt bei Allah.&#8220; (4;139)<br>Zweifelsohne ist uns bekannt, dass der Niedergang der muslimischen Ummah bereits im zweiten Jahrhundert nach der Hijra durch die \u00dcbernahme islamfremder Geistesbildung und gef\u00e4hrlicher Konzeptionen ihren Anfang nahm \u2013 gefolgt von geistiger Umnachtung und einschleichender Nachl\u00e4ssigkeit in den Regierungst\u00e4tigkeiten. Das Unheil, das nach dem Rechtgeleiteten Kalifat durch Dynastienherrschaft eingeleitet wurde, l\u00e4hmte die Ummah derart, das letztendlich ihre Feinde \u00fcber sie herfielen und ihre Furcht vor den einst \u00fcberzeugten und edlen Fahnentr\u00e4gern des Islam g\u00e4nzlich verschwand. Nicht nur die Mongolen und Kreuzfahrer stie\u00dfen bis in die vitalen Zentren der Ummah vor. Nein! Auch die ungl\u00e4ubigen Kolonialisten, die sich erst durch die Franz\u00f6sische Revolution aus ihrem dunklen Mittelalter befreien konnten, teilten unerschrocken den Boden der Ummah unter sich auf und setzten treue Vasallen auf ihr ein, die bis in unsere Zeit hinein ihre Gewaltherrschaft auf brutalste Weise anwenden. Rasulullah (s.a.s.) spricht zu den Sahaba, die sich diese finsteren Epochen nie vorstellen konnten, in einem authentischen Hadith: \u201eBald werden Nationen andere einladen. Sie werden \u00fcber euch herfallen und euch zerst\u00f6ren, wie bei Leuten, die andere einladen und \u00fcber eine Speise herfallen.&#8220; Die Sahaba fragten: \u201eYa Rasulullah! Wird dies geschehen, weil wir zu jener Zeit gering an Zahl sein werden?&#8220; \u201eNein&#8220;, antwortete Rasulullah. \u201eEure Anzahl wird gro\u00df sein, jedoch werdet ihr wie der Schaum auf dem Meer und schwach wie St\u00f6cke und Strohhalme sein. Allah (s.w.t.) wird die Furcht und die Angst der Feinde gegen\u00fcber euch aus ihren Herzen entfernen, und Er wird eure Herzen mit wahhn f\u00fcllen.&#8220; Die Sahaba fragten: \u201eWas ist wahhn?&#8220; Er antwortete: \u201eDie Liebe f\u00fcr die Welt und die Abscheu vor dem Tod.&#8220;<br>Der Prophet (s.) beschreibt uns in einem authentischen Hadith pr\u00e4zise die Zeit nach ihm bis in unsere aktuelle Epoche hinein, wenn er (s.a.s.) sagt: \u201eDas Prophetentum wird unter euch weilen, solange Allah will, dass es weilt. Dann wird Allah es aufheben, wenn Er es aufheben will. Sodann wird ein Kalifat gem\u00e4\u00df dem Plan des Prophetentums entstehen. Es wird weilen, solange Allah will, dass es weilt, dann wird Allah es aufheben, wenn Er es aufheben will. Sodann wird eine bevorrechtete Herrschaft folgen. Sie wird weilen, solange Allah will, dass sie weilt, dann wird Allah sie aufheben, wenn Er sie aufheben will. Sodann wird eine Gewaltherrschaft folgen. Sie wird weilen, solange Allah will, dass sie weilt, dann wird Allah sie aufheben, wenn Er sie aufheben will. Sodann folgt ein Kalifat gem\u00e4\u00df dem Plan des Prophetentums.&#8220;<br>Wie wahr! Wir sind deutlich erkennbar am Ende dieser Prophezeiung angekommen. Die Gewaltherrschaft neigt sich ihrem unwiderruflichen Ende zu. Die Zeichen der Zeit lassen uns ein epochales und unausweichliches Ereignis, n\u00e4mlich die Wiedererrichtung des des Rechtgeleiteten Kalifats nach dem Plan des Prophetentums, bereits klar erkennen. Die Schw\u00e4che und Falschheit der demokratisch-kapitalistischen Lebensweise, die nichts au\u00dfer Unheil und Vernichtung f\u00fcr die Menschheit gebracht hat, ist sogar bereits f\u00fcr jedes Kind sp\u00fcrbar. Die Menschheit ist orientierungslos und kann nur durch das Licht der islamischen Lebensweise aus den Finsternissen befreit werden, in die sie durch die kapitalistische Lebensweise geraten ist. Und in genau diesem Zusammenhang sind nun die sozialen Unruhen in der islamischen Welt zu betrachten. Die Muslime sind entt\u00e4uscht von der westlichen Lebensweise, die seit nunmehr fast einem Jahrhundert auf ihr angewendet wird. Ihnen wurde stets vorgegaukelt, dass sie durch die Annahme der demokratisch-kapitalistischen Lebensweise Fortschritt, Wohlstand und den Weg in die Moderne finden w\u00fcrden. Ihnen wurde eingebl\u00e4ut, dass der Islam und die islamische Lebensweise f\u00fcr das Unheil und die R\u00fcckst\u00e4ndigkeit der Ummah verantwortlich sei und sie nur durch die feste Bindung an den Westen aus der Armutsspirale hin zum Wohlstand der Nationen gelangen k\u00f6nnten. Genauso, wie die kommunistische Lebensweise nach einer anf\u00e4nglichen Euphorie der V\u00f6lker, \u00fcber die sie angewendet wurde und die durch den Kommunismus einen kurzzeitigen Aufstieg erlebten, in k\u00fcrzester Zeit unterging, genauso wird auch die kapitalistische Lebensweise ihren Untergang finden. Denn die Menschen \u2013 allen voran in der islamischen Welt &#8211; haben aus ihrer Lebensrealit\u00e4t heraus erkannt, dass die demokratisch-kapitalistische Lebensweise nichts weiter als ein System repr\u00e4sentiert, aus dem nur einige wenige profitieren, die Macht und Geld besitzen.<br>Es ist n\u00e4mlich unverkennbar, dass die wirtschaftlichen und sozialen Krisen, die wir miterleben, nichts anderes darstellen, als ein Resultat der konsequenten Anwendung kapitalistischer Gesetzm\u00e4\u00dfigkeiten. Insbesondere in den sogenannten Dritte Welt-L\u00e4ndern, die haupts\u00e4chlich die muslimische Ummah repr\u00e4sentieren, klafft die L\u00fccke zwischen Arm und Reich mehr noch als in den westlichen Staaten auseinander. Im Rahmen der Aufst\u00e4nde gegen die Unrechtsherrscher in den arabischen L\u00e4ndern trat offen zutage, welch unvorstellbaren Reicht\u00fcmer diese durch die Gnade des Westens waltenden Statthalter besitzen. Allein die Sch\u00e4tzungen der angeh\u00e4uften Verm\u00f6gen von Ben Ali, Gaddafi, Mubarak, Abdullah Saleh und Assad \u00fcbertreffen den Bundeshaushalt Deutschlands!<br>Die Ummah erkennt tagt\u00e4glich, dass sie selbst ums nackte \u00dcberleben k\u00e4mpft, w\u00e4hrend ihre Herrscher ein Leben in Saus und Braus f\u00fchren. Das Verm\u00f6gen der Ummah wird zugunsten der Kapitalgewinnung westlicher Staaten missbraucht, w\u00e4hrend sie selbst an all den Reicht\u00fcmern, die Allah (s.w.t.) der Ummah hat in F\u00fclle zukommen lassen, keinen Anteil hat. Durch diese Anwendung kapitalistischer Verst\u00e4ndnisse erkennt nicht nur die Ummah, sondern auch die Menschheit insgesamt, dass der Kapitalismus genauso wenig wie der Kommunismus imstande ist, korrekte L\u00f6sungen f\u00fcr die Probleme des Menschen anzubieten. Denn letztendlich widersprechen beide Lebenssysteme der Natur des Menschen und sind in sich voll von Widerspr\u00fcchlichkeiten und Ungerechtigkeiten. Ein solches System verdient es nicht, \u00fcber die Menschheit angewendet zu werden! Und mit genau dieser Erkenntnis gehen die Menschen in der islamischen Welt ohne Angst gegen die ungerechten Systeme auf die Stra\u00dfen. Sie sind an einem Punkt angelangt, an dem es keinen Ausweg mehr gibt. Sie sind sogar bereit, ihr Leben f\u00fcr ihre Sache zu riskieren und protestieren todesmutig gegen die in ihrer Brutalit\u00e4t nicht zu \u00fcbertreffenden Unrechtsregime. Der Westen hat diese sozialen Unruhen nat\u00fcrlich erahnt, war jedoch von dem Ausma\u00df und ihrer Tragweite geschockt und ver\u00e4ngstigt. Die USA hatten bereits vorausblickend ihre Politik dahingehend ver\u00e4ndert, dass sie die Regierungen, die kaum mehr die Unterst\u00fctzung der V\u00f6lker hinter sich hatten, durch freundlichere Vasallen austauschten, bevor es f\u00fcr sie zu unkontrollierbaren politischen Umw\u00e4lzungen in der islamischen Welt durch islamische Bewegungen kommen sollte. In diesem Kontext ist auch die Aussage des fr\u00fcheren US-Pr\u00e4sidenten George W. Bush zu betrachten, der das Potential der Muslime erkannte und sagte: \u201eSie wollen eine&#8230;politische Utopie im Mittleren Osten durchsetzen&#8230;sie w\u00fcrden es Kalifat nennen&#8230;Diese Kalifat w\u00e4re ein&#8230;islamisches Reich, das alle gegenw\u00e4rtigen und fr\u00fcheren muslimischen L\u00e4nder umfassen w\u00fcrde &#8211; von Europa bis Nordafrika, den Mittleren Osten und S\u00fcdostasien.&#8220; (8.6.2006, S\u00fcddeutsche Zeitung)<br>Die USA haben angesichts der f\u00fcr sie realen Bedrohungen aus der islamischen Welt ihre Geopolitik ver\u00e4ndert. Zbigniew Brzezinski, der au\u00dfenpolitische Berater Obamas, fasst die teuflischen Vorhaben der USA folgenderma\u00dfen zusammen: \u201eDie islamische Welt muss viel komplexer werden. Eine effektive Diffusion der radikal-islamischen Kr\u00e4fte k\u00f6nnen wir nur dann erreichen, wenn sie gezwungen sind, sich st\u00e4ndig neu zu formieren. Das Forcieren der Autonomiebestrebungen von verschiedenen ethnischen Gruppen und sogar die Aufteilung ihrer Staaten ist das beste taktische Mittel.&#8220;<br>Mit Komplexit\u00e4t der islamischen Welt meint Brzezinski ein in der Systemtheorie angewandtes Modell des probleml\u00f6senden Denkens, bei dem ein Ziel in kleinere Einheiten zerteilt wird, um so gro\u00dfe Aufgaben und Probleme besser l\u00f6sen zu k\u00f6nnen. Die kleineren, zerlegten Teile sind einfacher zu handhaben und k\u00f6nnen dann zur L\u00f6sung des Gesamtproblems herangezogen werden. Getreu dem altr\u00f6mischen Motto \u201edivide et impera&#8220; &#8211; \u201eteile und herrsche&#8220; versuchen die USA mit r\u00fccksichtsloser machiavellistischer Machtpolitik ihren Kopf aus dem Schlamassel zu ziehen, dass erst durch die Anwendung der kapitalistischen Lebensweise entstanden ist.<br>Was nun die aktuelle Lage in Syrien betrifft, so ist f\u00fcr den politischen Beobachter \u00fcberaus deutlich, dass die Ereignisse dort nicht von lokaler Natur, sondern in die Welle der arabischen Revolutionen einzubetten sind. Dabei wird am Beispiel Syriens die internationale Dimension dieses Konfliktes erkennbar. Es sind nicht nur die USA, die hier ihren bisher treuen Vasallen al-Assad scheinbar aufgegeben haben und alles erdenkliche unternehmen, um eine f\u00fcr sie hinnehmbare Post-Assad-\u00c4ra einzul\u00e4uten. Hier wird auch der Konflikt der mit den USA um Einfluss buhlenden europ\u00e4ischen M\u00e4chte &#8211; allen voran Gro\u00dfbritannien und Frankeich \u2013 und der aufkommenden Ambitionen der beiden weiteren Veto-M\u00e4chte, Ru\u00dfland und China, deutlich. Wenn wir \u00fcber Syrien sprechen, ist es an dieser Stelle sinnvoll, einen kurzen historischen R\u00fcckblick zu werfen, um die Ereignisse in ihrer Tiefe verstehen zu k\u00f6nnen.<br>Die heutigen Grenzen Syriens wurden am 16.Mai 1916 durch das Sykes-Picot-Abkommen zur Abgrenzung der britischen und franz\u00f6sischen Einflusssph\u00e4ren f\u00fcr die Zeit nach dem ersten Weltkrieg vereinbart. Durch die vorangegangenen Intrigen der damaligen Weltmacht Gro\u00dfbritannien, u.a. mit ihrem Agenten \u201eLawrence von Arabien&#8220;, gelang es den Briten, den Nationalismus unter den Arabern und T\u00fcrken zu s\u00e4en und das Islamische Reich zu sezieren. F\u00fcr sein Vasallentum im Hidjaz bekam Faisal I., ein Sohn des Sherifen von Mekka, Hussain I. ibn Ali, ein scheinbar unabh\u00e4ngiges K\u00f6nigreich Syrien unter Einschluss des Libanon, Pal\u00e4stinas und Jordaniens zugesprochen. Auf der Konferenz von San Remo im April 1920 beschlossen England und Frankreich eine Neuaufteilung ihrer Machtgebiete im Nahen Osten, wobei Frankreich ein V\u00f6lkerbund-Mandat f\u00fcr Syrien und den Libanon erhielt, w\u00e4hrend die Engl\u00e4nder Irak, Pal\u00e4stina und Jordanien erhielten. Hierauf \u00fcberfiel Frankreich am 25. Juli 1920 Damaskus und vertrieb K\u00f6nig Faisal I. Frankreich beabsichtigte keinen einheitlichen Staat in Syrien, sondern eine Aufteilung in sechs religi\u00f6s-ethnische Kleinstaaten. Die Drusen jedoch widersetzten sich diesem Vorhaben, sodass es 1925 zur gewaltsamen Niederschlagung des Drusenaufstands durch Frankreich kam, mit intensiven Bombardierungen und Massakern. Unter politischem Druck Gro\u00dfbritanniens und durch die ethnischen Unruhen im Mandatsgebiet, sah sich Frankreich gezwungen, die Gebiete zu einem Staat zusammenzuschlie\u00dfen, wobei zun\u00e4chst die Region um Aleppo im Norden und Damaskus zum Staat Syrien (1922-1924) zusammengeschlossen wurden und bis 1937 die alevitische Region um Latakia, gelegen am Mittelmeer, und die Drusenregionen hinzukamen. W\u00e4hrend der islamischen Herrschaft wurde die Region um Syrien als Al-Scham bezeichnet, w\u00e4hrend sich die ungl\u00e4ubigen Kolonialisten nach der Zerst\u00f6rung des Osmanischen Staates auf den altr\u00f6mischen Namen Syrien einigten, der eine r\u00f6mische Provinz um die Stadt Tyros bezeichnete. Angesichts der Hitler-Invasion in Frankreich im Zweiten Weltkrieg, trat Frankreich die Gebiete um Iskenderun an die T\u00fcrkei ab, um die T\u00fcrkei aus ihrer Neutralit\u00e4t Deutschland gegen\u00fcber herauszulocken und sie als Verb\u00fcndeten im Krieg gegen Hitler zu gewinnen. Die Franzosen waren letztendlich von 1920 bis 1945 Mandatsmacht in Syrien. Die Engl\u00e4nder versuchten durch die Aufstachelung des Volkes mittels antifranz\u00f6sischer Demonstrationen in Damaskus und anderen St\u00e4dten des Landes, Syrien nach dem Zweiten Weltkrieg f\u00fcr sich zu gewinnen. Die Franzosen bombardierten daraufhin in ihrer bekannt politischen Kurzsichtigkeit Damaskus und richteten ein Massaker an der syrischen Bev\u00f6lkerung an. Daraufhin erh\u00f6hten die Briten unter Winston Churchill den internationalen Druck auf Frankreich, und drohten mit der Entsendung von Truppen, so dass schlie\u00dflich Frankreich einlenken musste, nachdem auch die UNO einen Abzug Frankreichs forderte und die letzten franz\u00f6sischen Truppen am 15. April 1946 Syrien verlie\u00dfen. Kurz darauf, am 17.April 1946, wurde dann die Syrische Arabische Republik ausgerufen, die die Unabh\u00e4ngigkeit Syriens proklamieren sollte, im Grunde aber nichts anderes war als die \u00dcbernahme Syriens durch die Engl\u00e4nder mit ihrem Vasallen Husni az-Zaim, der am 11. April 1949 den bisherigen Pr\u00e4sidenten Schukri al-Quwatli in einem unblutigen Putsch absetzte. Nachdem Eisenhower 1953 in den USA zum Pr\u00e4sidenten gew\u00e4hlt wurde, gab er der aufstrebenden Weltmacht das Ziel vor, die Engl\u00e4nder und Franzosen aus dem Nahen Osten zu vertreiben und sich ihrer Kolonien zu bem\u00e4chtigen. Durch den Putsch der freien Offiziere in \u00c4gypten am 23.7.1952 wurde der britische Vasall K\u00f6nig Faruk I. gest\u00fcrzt. Im weiteren Verlauf gelang den USA durch die Macht\u00fcbernahme durch Nasser am 24.2.1954 ein schwerer Schlag gegen die alte Mandatsmacht Gro\u00dfbritannien und der Beginn der anglo-amerikanischen Auseinandersetzung im Nahen Osten wurde eingel\u00e4utet. Die Engl\u00e4nder versuchten durch den Bagdad-Pakt Syrien dem Irak anzugliedern, w\u00e4hrend die USA versuchten, Syrien \u00fcber \u00c4gypten an sich zu binden. \u00dcber \u00c4gypten nahmen die USA dann erfolgreich Einfluss auf andere arabische Staaten, insbesondere auch auf Syrien, wo sie den kurdischst\u00e4mmigen Milit\u00e4rangeh\u00f6rigen Adib asch-Schischakli zum Pr\u00e4sidenten (1953-1954) putschten. Hierauf putschten die Engl\u00e4nder 1954 gegen asch-Schischakli und versuchten auf parlamentarischem Weg und \u00fcber Wahlen, das Land zu stabilisieren. Durch den arabischen Nationalismus, personifiziert durch Gamal Abdul Nasser, gelang es der Baath-Partei mit der Parole \u201eEinheit, Freiheit, Sozialismus&#8220;, sowohl im Volk als auch &#8211; angesichts der Auseinandersetzungen mit Israel &#8211; in der Armee Anklang zu finden. Den USA gelang es mit ihren Agenten, Syrien und \u00c4gypten unter starker F\u00fchrung von Nasser in einen Zusammenschluss zu bewegen, der am 1. Februar 1958 als Vereinigte Arabische Republik in Erscheinung trat. 1961 putschten syrische Offiziere unter Regie der Engl\u00e4nder, was das Ende dieses Zusammenschlusses bedeutete und die Macht\u00fcbernahme durch die Baath-Partei im Mai 1963 durch einen weiteren Putsch. Aus dieser Situation verschafften sich nun die USA ihrerseits Vorteile. Inzwischen standen nur noch Jordanien und der Irak in unmittelbarer N\u00e4he zu Syrien unter britischem Einfluss. Nach dem Sechs-Tage-Krieg 1967 mit dem Verlust der Golan-H\u00f6hen an Israel, erstarkte der Verteidigungsminister und nusairitische Alevit, Hafiz al-Assad, und lie\u00df sich 1971 zum Pr\u00e4sidenten und Generalsekret\u00e4r der Baath-Partei w\u00e4hlen. Seither haben die USA die unumstrittene Macht in Syrien inne.<br>Die Nusairier stellen mit etwa 5% Bev\u00f6lkerungsanteill eine Minderheit von knapp 1.000.000 Personen dar, die jedoch seit der franz\u00f6sischen Mandatszeit deutlich an politischem Gewicht gewonnen hat und vor allem im Milit\u00e4r und Geheimdienst einen wichtigen Pfeiler bildet. Daneben gelten die Minderheiten der Drusen und Christen als weiterer wichtiger Eckpfeiler des Staates. Im Juli 1973, nach der Pr\u00e4sidentschaftswahl Hafiz al-Assads, dr\u00e4ngten sunnitische Kreise darauf, dass der Pr\u00e4sident nur ein Muslim sein d\u00fcrfe. Daraufhin erkannte als erste schiitische Autorit\u00e4t Ayatollah Musa al-Sadr im Irak mit zunehmendem Einflu\u00df in Syrien und Libanon die Nusairis als Muslime an, obwohl deren Lehre \u00fcberhaupt nicht mit dem Islam vereinbar ist. Nusairiten gehen von einer Dreieinigkeitslehre aus, bei der Ali (r.a.) im Verbund mit Muhammad (s.a.s.) und Salman al Farsi einen Zyklus bildet. Dabei sei Ali eine Erscheinungsform Gottes. Sie sind nicht an die Shariah gebunden, k\u00f6nnen jedoch durch Taqiyya Teile von ihr praktizieren. Nach dem Tode seines Vaters wurde Baschar al-Assad im Jahr 2000 zum Pr\u00e4sidenten Syriens gew\u00e4hlt.<br>Angesichts dieser historischen Entwicklungen in Syrien im Zentrum der anglo-amerikanischen Auseinandersetzungen, ist es nicht weiter verwunderlich, dass die derzeitigen Aufst\u00e4nde gegen das Regime Bashar al-Assads von internationaler Dimension sind. Es findet also auf dem R\u00fccken der Bev\u00f6lkerung hinter den Kulissen ein politischer Kampf um Einfluss nach dem Sturz Assads statt. Hierin stehen sich vor allem die Europ\u00e4er unter der F\u00fchrung Gro\u00dfbritanniens und die bisherige Schutzmacht Syriens, die USA, gegen\u00fcber. Die Vasallen Englands in der Region, Saudi Arabien und Qatar, unterst\u00fctzen mit ihrem Einfluss auf die Arabische Liga einen Regierungsumsturz in Syrien, w\u00e4hrend die USA versuchen, auf Zeit zu spielen und permanent die Arabische Liga, den Iran, die T\u00fcrkei die UNO und weitere Gremien nutzen, um Druck von Assad zu nehmen und nach einer ihnen genehmen L\u00f6sung zu suchen. Sie wissen, dass Assad nicht mehr zu halten ist und haben sich auch mehrfach von ihm verbal distanziert, jedoch wissen sie auch, dass die Europ\u00e4er ihren Einfluss auf den syrischen Nationalkongress geltend machen, der von Burhan Ghalioun, einem in Frankreich befindlichen Exil-Oppositionellen angef\u00fchrt wird. Dieser Zusammenschluss diverser Oppositionsbewegungen &#8211; einschlie\u00dflich der Muslimbruderschaft &#8211; macht einen direkten US-Einfluss auf die Neugestaltung Syriens nach Assad kompliziert. Um die Opposition vorzuf\u00fchren, wurde ein in Syrien ans\u00e4ssiges Nationales Koordinations-Kommittee unter F\u00fchrung von Hussain Abdul Azim ins Leben gerufen; allem Anschein nach von den USA, die den Einfluss islamischer Bewegungen auf den syrischen Nationalkongress missbilligen und verhindern wollen. Dieses Komitee hat aber bislang keine weitreichende internationale Anerkennung gefunden. Vor allem die Vasallen Englands in der Region fordern milit\u00e4rische Hilfe f\u00fcr die syrische Opposition, um so ihren Einfluss zu st\u00e4rken und die Opposition oder zumindest Teile von ihr in die gew\u00fcnschte Richtung zu lenken. Die USA haben hierauf nat\u00fcrlich reagiert und am 25.2.2012 erkl\u00e4rt, dass eine milit\u00e4rische Aufr\u00fcstung der syrischen Opposition der Sache derzeit weder dienlich noch weise sei. Die USA haben auch erkannt, dass die syrische Opposition, die sich s\u00e4kular-demokratisch nennt, zerstritten ist und nicht die Emotionen und den Ruf der syrischen Bev\u00f6lkerung widerspiegelt, die sich mit islamischen Parolen gegen Assad auflehnen.<br>Sowohl Hillary Clinton als auch Martin Dempsey, US Joint Chiefs of Staff, haben im Februar 2012 erkl\u00e4rt, dass die syrische Opposition nicht in ihrer Einheit erkennbar ist und dass Assad zwar letztendlich abtreten wird, sie aber nicht sagen k\u00f6nnen, wann dieser Tag genau sein werde. Vielmehr versuchen die USA, internationale Konferenzen zu Syrien einzuberufen, wie etwa k\u00fcrzlich im Februar 2012 in Tunis und im M\u00e4rz 2012 in Istanbul, um ihren Weg der Konfliktl\u00f6sung durchzusetzen. Durch diese Konferenzen und Beobachtermissionen, die die USA organisieren, haben sie es Assad de facto erm\u00f6glicht, brutal gegen die Muslime vorzugehen und Fakten zu schaffen. Dabei kommt den USA auch das Veto Russlands und Chinas entgegen, die eine international einvernehmliche L\u00f6sung noch verhindern. Hillary Clinton hat im Zusammenhang mit Syrien mehrfach betont, dass sie an die Reformbem\u00fchungen von Assad glaube, wohingegen sie selbst eben solche Reformbem\u00fchungen Gaddafi etwa nicht zugestanden hatte. Hier wird deutlich, dass die Auseinandersetzung um Syrien von sehr komplexer Natur und nicht mit den anderen arabischen L\u00e4ndern wie Tunesien, Libyen oder \u00c4gypten vergleichbar ist.<br>Angesichts der anstehenden Pr\u00e4sidentschaftswahlen in diesem Jahr, m\u00f6chten die USA eine direkte milit\u00e4rische Intervention in Syrien vermeiden und versuchen vielmehr durch beispielsweise Waffenlieferungen an die Freie Syrische Armee \u00fcber die T\u00fcrkei, Ausrufung von Sanktionen, politische Gespr\u00e4che \u00fcber die Zukunft Syriens oder die Einschaltung der Arabischen Liga auf Zeit zu setzen. Die USA scheinen auch hier \u00e4hnlich wie in \u00c4gypten zu verfahren und verschaffen ihrem gef\u00e4hrdeten Despoten eine Schonfrist, damit dieser noch mit allen Mitteln den Aufstand niederkn\u00fcppeln kann, w\u00e4hrend sie parallel ihre Kontakte zur Opposition ausbauen um geeigneten Ersatz zu finden \u2013 f\u00fcr den Fall, dass der herrschende Despot versagt. Die Freie Syrische Armee wird \u00e4hnlich wie in Libyen von westlichen Geheimdiensten und Eliteeinheiten unterst\u00fctzt, wobei sowohl die USA als auch England und Frankreich beteiligt sind, um diese Bewegung an sich zu binden und zu beeinflussen. So wird aus einem Bericht der britischen Elite Forces vom 5. Januar 2012 ersichtlich, dass sowohl britische wie auch franz\u00f6sische Spezialeinheiten in einer Milit\u00e4rbasis in der T\u00fcrkei Angeh\u00f6rige der Freien Syrischen Armee ausbilden. Weiterhin sind wohl in Lybien und im Nordlibanon Trainingscamps eingerichtet worden. Auch die CIA unterh\u00e4lt Kontakte zu dieser neu formierten Armee, die ihr Kommunikationsger\u00e4te und Satellitenbilder zur Verf\u00fcgung stellt.<br>Es bleibt nun abzuwarten, welchen Lauf die weiteren Entwicklungen in Syrien nehmen werden. Die sogenannte Internationale Gemeinschaft \u2013 ein Synonym f\u00fcr die USA, hinter dessen Maske sie ihre Forderungen stellen &#8211; hat sich zuletzt auf Gespr\u00e4che des UN-Sondergesandten Kofi Annan mit Assad geeinigt. Dies d\u00fcrfte lediglich als ein weiterer Schachzug der Amerikaner verstanden werden, Zeit zu gewinnen und ihre eigene Position in diesem Konflikt zu st\u00e4rken, weil sie durch dieses taktische Man\u00f6ver auch Russland und China als bisherige Schutzm\u00e4chte Assads mit ins Boot nehmen und ihnen dieses Zugest\u00e4ndnis abringen konnte.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Aufstand unserer syrischen Geschwister gegen den Unrechtsherrscher und Vasallen der USA, Baschar al-Assad, geht nunmehr bereits in das zweite Jahr. Laut offiziellen Sch\u00e4tzungen haben mehr als 10.000 Muslime durch die blutr\u00fcnstigen und islamfeindlichen Schergen des Diktators Assad den M\u00e4rtyrertod gefunden, und Hunderttausende &#8211; wenn nicht Millionen &#8211; wurden verhaftet, gefoltert, vergewaltigt, entwurzelt. 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