{"id":9857,"date":"2011-02-26T00:00:00","date_gmt":"2011-02-25T23:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/kalifat1.com\/?p=9857"},"modified":"2011-02-26T00:00:00","modified_gmt":"2011-02-25T23:00:00","slug":"islam-und-wissenschaft","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kalifat1.com\/?p=9857","title":{"rendered":"Islam und Wissenschaft"},"content":{"rendered":"<p>Nichts erscheint dem &#8218;modernen Menschen&#8216; widerspr\u00fcchlicher als das Begriffspaar Islam und Wissenschaft. Wirft man einen Blick auf die islamische Welt der Gegenwart, so steht diese in Sachen Wissenschaft und Technik zweifelsfrei hinter der westlichen Welt. Doch wo liegen die Ursachen f\u00fcr dieses Debakel?<br \/>\nEine fundierte Auskunft dar\u00fcber, wie es um die Wissenschaft im Islam bestellt ist, erh\u00e4lt man nur, wenn man die Quellen des Islam, Qur&#8217;an und Sunna, dar\u00fcber befragt, welchen Standpunkt der Islam zur Wissenschaft einnimmt. Will man wissen, wie die Stellung des Islam zur Wissenschaft in der Praxis aussieht, so muss die heutige islamische Welt aus der Betrachtung ausgeschlossen werden. Aufschluss dar\u00fcber kann nur die Zeit geben, in welcher der Islam tats\u00e4chliche Umsetzung als Lebensordnung fand. Das erste Wort, das Allah (swt) Muhammad (s) offenbarte, war: &#8222;Lies!&#8220;. In derselben Sura ist von &#8222;Schreibschrift&#8220; die Rede, d. h. bereits die aller erste offenbarte Sura spricht das Lesen und Schreiben an.<br \/>\nDie Muslime wurden von Anfang an zum Wissenserwerb motiviert. Schon zur Zeit des Propheten (s) begann man mit der Errichtung von Schulen. Das islamische Bildungssystem erreichte einen Standard, dem das Abendland tats\u00e4chlich um Jahrhunderte hinterherhinkte. Bereits im 9. Jahrhundert bl\u00fchten islamische Universit\u00e4ten und waren auch Anziehungspunkt f\u00fcr die wenigen Europ\u00e4er, die \u00fcberhaupt das Lesen und Schreiben beherrschten. W\u00e4hrend in Europa B\u00fccher als Rarit\u00e4t in den Kl\u00f6stern unter Verschluss gehalten wurden, waren die islamischen Bibliotheken mit Millionen von B\u00fcchern angef\u00fcllt. Allein die Bibliothek von Cordoba hatte einen B\u00fccherbestand von nahezu einer halben Million. Der Islam fordert den Menschen dazu auf, seine Umwelt zu beobachten und zu studieren, um die eindeutigen Zeichen der Sch\u00f6pfung darin zu erkennen.<br \/>\nViele Verse aus dem Qur&#8217;an beschreiben Vorg\u00e4nge aus der Natur, die von der Sch\u00f6pfung des Universums bis hin zur Befruchtung der Eizelle durch das Spermium reichen. So hei\u00dft es etwa im Qur&#8217;an: &#8222;Haben die Ungl\u00e4ubigen nicht gesehen, dass die Himmel und die Erde eine Einheit waren, die Wir dann zerteilten? Und Wir machten aus dem Wasser alles Lebendige.&#8220; (al-Anbiya&#8216; 21, Aya 30)<br \/>\nAn anderer Stelle sagt Allah (swt): &#8222;Und Wir haben f\u00fcrwahr den Menschen in seinem Ursprung aus (den Bestandteilen des) Lehms erschaffen, dann setzten Wir ihn als befruchtete Keimzelle an eine gesch\u00fctzte St\u00e4tte (die Geb\u00e4rmutter). Dann erschufen Wir aus der Keimzelle ein anhaftendes Blutgebilde und erschufen aus diesem ein kleines Fleischgebilde, und hernach formten Wir in dem Gebilde Knochen und bekleideten die Knochen mit Fleisch.&#8220; (al-Mu&#8217;minun, Aya 12-14)<br \/>\nQur&#8217;anstellen dieser Art dienen nicht prim\u00e4r dazu, dem Menschen physikalische, biologische und andere Vorg\u00e4nge zu erkl\u00e4ren, sondern wollen in erster Linie den Beweis der Sch\u00f6pfung liefern. Einige dieser Erkl\u00e4rungen konnten zur Zeit der Offenbarung nicht vollst\u00e4ndig verstanden werden, da die zur \u00dcberpr\u00fcfung n\u00f6tigen technischen Mittel nicht zur Verf\u00fcgung standen. Doch waren die Muslime nicht minder von ihrer Richtigkeit \u00fcberzeugt. Die meisten Informationen dieser Art konnten erst in diesem und dem letzten Jahrhundert wissenschaftlich erforscht werden. Eine wissenschaftliche Forschung darf allerdings nicht als Voraussetzung f\u00fcr den Glauben genommen werden. Sie kann dem Menschen lediglich das Begreifen der Wahrheit erleichtern, die Allah (swt) offenbart hat. Ein zweckdienliches Hilfsmittel also, um den Glauben zu st\u00e4rken. So hat der Erhabene in Sura Fussilat 41, Aya 53 bestimmt:<br \/>\n&#8222;Bald werden Wir sie Unsere Zeichen sehen lassen, \u00fcberall auf Erden und an ihnen selbst, bis ihnen deutlich wird, dass es die Wahrheit ist. Gen\u00fcgt es denn nicht, dass dein Herr Zeuge ist \u00fcber alle Dinge?&#8220;<br \/>\nVor allem die medizinische Forschung erhielt starke Impulse durch den Islam. So hei\u00dft es in einem Hadit: &#8222;Allah hat keine Krankheit herabkommen lassen, ohne dass Er f\u00fcr sie zugleich ein Heilmittel herabkommen lie\u00df.&#8220; (Buchari)<br \/>\nAuf der Grundlage dieses Hadit&#8216; wussten die Muslime, dass es f\u00fcr jede Krankheit auch Heilung gab, die man nur zu finden brauchte. Infolgedessen erlebte die Medizin unter dem Islam einen unbeschreiblichen Auftrieb. Neben der hohen Medizinerzahl, vor allem zur Zeit der Abbasiden, hatte die medizinische Versorgung einen Standard, welcher mit heutigen Verh\u00e4ltnissen vergleichbar w\u00e4re &#8211; die technischen Mittel ausgenommen. Bereits w\u00e4hrend des Kalifats von Harun ar-Rashid (786-809) gab es mobile Kliniken und zahlreiche Krankenh\u00e4user, die der Staat errichten lie\u00df. Mittelpunkt der medizinischen Forschung war Bagdad mit seinen ca. 860 Krankenh\u00e4usern, deren Lage nach rein hygienischen Aspekten ausgew\u00e4hlt wurde. Sie waren in unterschiedliche Stationen unterteilt und besa\u00dfen u.a. eine chirurgische Abteilung.<br \/>\nDie Entdeckungen auf dem Gebiet der Medizin lieferten der westlichen Medizinforschung die gesamten Grundlagen, mehr noch, ohne die islamische Medizin ist die westliche gar nicht denkbar. Der Mediziner ar-Razi, Leiter eines Bagdader Krankenhauses, forschte neben seiner chirurgischen Arbeit auf dem Gebiet der Masern und Pocken. Seine Schrift galt bis ins 18. Jahrhundert als eine der hervorragendsten Arbeiten in diesem Bereich. Wesentliche Erkenntnisse auf dem Gebiet der Augenheilkunde macht Ali Ibn Isa um 1000 n. Chr. Ibn Sina verfasste bereits im 11. Jahrhundert ein umfassendes medizinisches Lehrbuch, das ins Lateinische \u00fcbersetzt und hier unter dem Namen Canon medicinea bekannt ist. Wer meint, den Namen dieses Wissenschaftlers noch nie geh\u00f6rt zu haben, dem sollte er unter Avicenna bekannt sein. Viele Namen von Werken und Wissenschaftlern, die dem Westen Wissen lieferten, wurden so ver\u00e4ndert, dass sie die wahre Herkunft nicht mehr verrieten. Die angef\u00fchrten Beispiele sind nicht einmal ein Bruchteil dessen, was die islamische Medizin tats\u00e4chlich vorzuweisen hatte.<br \/>\nDie Erkenntnisse im Bereich der Astronomie waren ebenfalls bahnbrechend. Im Qur&#8217;an hei\u00dft es: &#8222;Und Er ist es, Der die Nacht und den Tag erschuf und die Sonne und den Mond. Sie schweben ein jedes (Gestirn) auf seiner Laufbahn.&#8220; (al-Anbiya&#8216;, Aya 33)<br \/>\nW\u00e4hrend das christliche Europa noch das geozentrische Weltbild vertrat, das die Erde als Weltmittelpunkt darstellt, wussten die Muslime aufgrund der Aussage im Qur&#8217;an, dass jeder Planet seine Laufbahn hat. Durch Beobachtung und exakte Forschung wurde die islamische Himmelskunde f\u00fcr Jahrhunderte zur f\u00fchrenden Astronomie der Welt. Die Muslime entwickelten die verschiedensten und zudem genauesten Beobachtungs- und Messger\u00e4te und Sternkarten. Die Astronomie stellte einen wichtigen Bereich f\u00fcr die Muslime dar, da man zur Verrichtung des Gebets die Himmelsrichtungen kennen musste, vor allem zu einer Zeit, als der islamische Staat immer gr\u00f6\u00dfer wurde. Die astronomischen Erkenntnisse waren so zahlreich, dass sie sich kaum aufz\u00e4hlen lassen.<br \/>\nEiner der herausragendsten Astronomen war Muhammad Ibn Musa. Es ist allerdings schwierig, islamische Wissenschaftler auf nur ein Wissenschaftsgebiet zu beschr\u00e4nken, denn oftmals war ein Astronom gleichzeitig ein hervorragender Mathematiker, Mediziner usw. Es gab keinen wissenschaftlichen Bereich, in den die Menschen unter islamischer Herrschaft nicht vordrangen. Al-Hasan Ibn al-Haitham erforschte die Optik. Auf seinem Werk Opticea thesaurus gr\u00fcndet alle Optik. Er experimentierte mit einer Art Lochkamera, dem Urmodell der Photographie. F\u00e4lschlicherweise gilt Leonardo da Vinci als Erfinder der Lochkamera, der Pumpe, der ersten Flugmaschine und der Drehbank. Seine Konstruktionen sind jedoch nachweislich vom Werk al-Hasans abh\u00e4ngig, der auch als Alhazen bekannt ist und etwa f\u00fcnf Jahrhunderte vor Leonardo da Vinci gelebt hat.<br \/>\nDieser \u00dcberblick sollte ausreichen, um das wahre Verh\u00e4ltnis von Islam und Wissenschaft zu verdeutlichen. Worin liegt aber die Ursache, dass die oben dargelegten Fakten nicht gel\u00e4ufig sind?<br \/>\nZu oft wird die europ\u00e4ische Geschichte als Ma\u00dfstab f\u00fcr die islamische Geschichte genommen. W\u00e4hrend der Stern der Wissenschaft unter dem Islam erstrahlte, befand sich Europa in jeder Hinsicht in tiefster Dunkelheit. Jede wissenschaftliche Bet\u00e4tigung wurde durch die Kirche unterdr\u00fcckt. Die subjektive Erfahrung dieser Unterdr\u00fcckung durch die christliche Kirche \u00fcbertrug man auf alle Religionen, so auch auf den Islam, so dass man Islam und Wissenschaft in ein Kontrastverh\u00e4ltnis stellte. Dies reicht bis in die Gegenwart und tr\u00e4gt dazu bei, dass man den Islam f\u00fcr den derzeitigen wissenschaftlichen, gesellschaftlichen und politischen Niedergang der islamischen Welt verantwortlich macht, obwohl, um es noch einmal zu verdeutlichen, der Islam dort keineswegs als Lebensordnung umgesetzt wird. Der Zustand dieser L\u00e4nder hat ganz andere Ursachen, die ihre Wurzeln nicht im Islam, sondern in der Abkehr von der islamischen Lebensordnung und dem vom Westen \u00fcbernommenen kapitalistischen Gesellschaftssystem finden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nichts erscheint dem &#8218;modernen Menschen&#8216; widerspr\u00fcchlicher als das Begriffspaar Islam und Wissenschaft. 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