{"id":9858,"date":"2011-02-25T00:00:00","date_gmt":"2011-02-24T23:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/kalifat1.com\/?p=9858"},"modified":"2011-02-25T00:00:00","modified_gmt":"2011-02-24T23:00:00","slug":"das-wirtschaftssystem-im-islam","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kalifat1.com\/?p=9858","title":{"rendered":"Das Wirtschaftssystem im Islam"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es geh\u00f6rt zu den nat\u00fcrlichen Bed\u00fcrfnissen des Menschen, sich zu Gruppen bzw. zu einer Gesellschaft zusammenzuschlie\u00dfen. Ein problemloses Zusammenleben ist nur dann m\u00f6glich, wenn sie sich an gewisse Regeln und Ordnungen halten.<br>Neben dem politischen, dem gesellschaftlichen und Rechtssystem gibt es das wirtschaftliche System. Die Frage, die sich hierbei stellt, ist, auf welcher Grundlage diese Systeme beruhen m\u00fcssen, um die Probleme der Menschen auch grundlegend und umfassend l\u00f6sen zu k\u00f6nnen. K\u00f6nnen es von Menschen gemachte Systeme sein oder ist dazu nur eine g\u00f6ttliche Offenbarung in der Lage? Hier soll haupts\u00e4chlich ein \u00dcberblick \u00fcber die Grundlagen des islamischen Wirtschaftssystems gegeben und die Frage gekl\u00e4rt werden, ob es eine Alternative zu den \u00fcbrigen Wirtschaftssystemen sein kann.<br>Hier m\u00f6gen sich schon einige Muslime fragen: Existiert \u00fcberhaupt ein islamisches Wirtschaftssystem? Die Frage mag berechtigt klingen angesichts der Tatsache, da\u00df das wirtschaftliche Geschehen &#8211; und nicht nur das &#8211; in der islamischen Welt nach westlichen Spielregeln funktioniert. Der Muslim sieht heute in eine bedr\u00fcckende Realit\u00e4t: seine Welt ist in ca. f\u00fcnfzig machtlose Staatsgebilde aufgesplittert, die von Marionettenherrschern regiert werden, welche ihr Volk gnadenlos ausbeuten und unterdr\u00fccken. Doch leider glauben die meisten Muslime, da\u00df sie keine andere Wahl haben, als sich mit der Realit\u00e4t abzufinden und sich mit den gegebenen Umst\u00e4nden zu arrangieren. Andere sind von den vermeintlichen Erfolgen des westlichen Wirtschaftssystems so geblendet, da\u00df sie die tats\u00e4chliche Realit\u00e4t nicht sehen k\u00f6nnen oder wollen. Der Westen versucht wiederum, sein System als die einzig funktionierende Alternative zu pr\u00e4sentieren.<br>Wenn man allerdings die gegenw\u00e4rtige Lage auf der Welt beobachtet und genauer analysiert, wird einem bewu\u00dft, da\u00df es ein ungerechtes und unmenschliches System ist. Wenn wir beispielsweise an die L\u00e4nder der Dritten Welt denken, haben wir ein bestimmtes Bild von Hunger, D\u00fcrre, sterbenden Menschen, B\u00fcrgerkriegen u.s.w im Kopf. Zudem denkt man an die hohe Staatsverschuldung der einzelnen L\u00e4nder, aus der sie nicht mehr herauskommen. Man mu\u00df sich \u00fcber die Gr\u00fcnde dieser Entwicklungen Gedanken machen und unweigerlich zu dem Schlu\u00df kommen, da\u00df der kapitalistisch gepr\u00e4gte Westen die Hauptschuld tr\u00e4gt, indem seine zwei &#8222;Weltorganisationen&#8220; die Entwicklungsl\u00e4nder in diese Verschuldung hineintrieben haben, n\u00e4mlich die Weltbank und der Internationale W\u00e4hrungsfond (IWF). Diese beiden Organisationen haben angeblich die Aufgabe, den L\u00e4ndern der Dritten Welt aus ihrer wirtschaftlichen Misere zu helfen und ihnen wirtschaftliche und finanzielle Entwicklungshilfe zu leisten. Aber praktisch setzen sie einen &#8222;modernen Kolonialismus&#8220; fort, indem sie diese L\u00e4nder in ihre Abh\u00e4ngigkeit bringen und sie wirtschaftlich ausbeuten.<br>Die Weltbank und der IWF gew\u00e4hren Kredite an L\u00e4nder der Dritten Welt und treiben sie in eine so enorm hohe Verschuldung, aus der sie aus eigener Kraft nicht mehr herauskommen. Diese Kredite sind mit so hohen Zinsen behaftet, da\u00df die Exportgewinne der jeweiligen L\u00e4nder nicht mal ausreichen, um die Zinsen zu tilgen, so da\u00df weitere Kredite aufgenommen werden m\u00fcssen und sie unweigerlich in einen Teufelskreis und in den Ruin hineingetrieben werden. 1988 betrug die Schuldensumme aller Entwicklungsl\u00e4nder 1200 Milliarden Dollar. Mexiko beispielsweise geh\u00f6rt zu den h\u00f6chstverschuldeten L\u00e4ndern der Welt. Es wurde errechnet, da\u00df jedes neugeborene Baby in Mexiko schon bei seiner Geburt den westlichen Banken mehr als 1000 Dollar schuldet. Wer aber glaubt, da\u00df die vielen Kredite und Entwicklungsgelder der Bev\u00f6lkerung zugute kommen, irrt sich. Denn oft landen sie direkt oder indirekt in den Taschen der Herrschercliquen, mit denen diese ihre Verschwendungssucht befriedigen oder sie f\u00fcr nutzlose Prestigeprojekte oder R\u00fcstungsg\u00fcter ausgeben. Viele der Kredite flie\u00dfen direkt wieder auf ausl\u00e4ndische Konten ab. So flossen innerhalb von zehn Jahren von 450 Milliarden Dollar Neuverschuldung knapp die H\u00e4lfte wieder ins Ausland zur\u00fcck. Man darf nicht vergessen, da\u00df der Kolonialismus die Wirtschaftsstrukturen der heutigen Entwicklungsl\u00e4nder zugunsten der eigenen heimischen Wirtschaft v\u00f6llig zerst\u00f6rt hat.<br>Die vorgefundenen fruchtbaren Anbaufl\u00e4chen in den Kolonialgebieten wurden zu Monokulturen umgewandelt und auf das europ\u00e4ische Konsumverhalten eingestellt. Anstatt beispielsweise Hirse oder Weizen anzubauen, wurde nur noch Kaffee oder Tabak f\u00fcr den westlichen Konsumenten angebaut. Diese Form der Ausbeutung hat sich bis heute nicht ge\u00e4ndert. Die Wirtschaft war damit nur noch auf die Luxusbed\u00fcrfnisse der westlichen Welt ausgerichtet. Millionen von Menschen verhungern weltweit, w\u00e4hrend die EU tonnenweise Lebensmitteln vernichtet oder lagert, nur damit die Weltmarktpreise stabil bleiben und die europ\u00e4ischen Bauern ihr Einkommen haben.<br>Obwohl die Bewohner der reichen Industrienationen nur 20% der Weltbev\u00f6lkerung ausmachen, beanspruchen sie 80% der Weltenergie, 85% des Weltholzes und 70% der Weltnahrung. Entsprechend dieser kapitalistischen Mentalt\u00e4t sieht auch der zynische L\u00f6sungsvorschlag f\u00fcr dieses Problem aus: &#8222;Eine gerechte Verteilung und Gew\u00e4hrleistung der vorhandenen Ressourcen w\u00fcrde nur durch die Reduzierung der Weltbev\u00f6lkerungszahl erreicht werden&#8220;. &#8222;Welt&#8220; ist nur auf den armen S\u00fcden beschr\u00e4nkt und bezieht nicht die reichen Industriel\u00e4nder ein, denn dort sollen die Bev\u00f6lkerungszahlen wachsen. Aber warum soll man so weit nach Afrika blicken?<br>Gibt es in den sogenannten reichen Industriel\u00e4ndern, wie etwa in den USA und Deutschland keine Armut? Gemessen wird der Reichtum oder Fortschritt dieser L\u00e4nder am sogenannten Bruttosozialprodukt, also anhand von Zahlen und Fakten, die Jahr f\u00fcr Jahr stolz verk\u00fcndet werden. Aber sagen diese Zahlen \u00fcber die eigentlichen Verh\u00e4ltnisse und Zust\u00e4nde der Menschen in einem Land wirklich etwas aus? Wie viele Obdachlose m\u00fcssen mitten im Finanz- und Wirtschaftszentrum New York, im Schatten von Wallstreet und World-Trade-Center ihr Dasein fristen und im Winter erfrieren, w\u00e4hrend nebenan Milliardengesch\u00e4fte get\u00e4tigt werden? W\u00e4hrend die einen sich ihr t\u00e4gliches Brot aus M\u00fclltonnen suchen m\u00fcssen, f\u00fcttern andere ihre Hunde mit Delikatessen. Die medizinische Versorgung l\u00e4\u00dft ebenso zu w\u00fcnschen \u00fcbrig, wobei das Recht auf Behandlung nur denjenigen vorbehalten ist, die es sich leisten k\u00f6nnen. Ebenso wie in den USA sieht es auch in Deutschland nicht gerade rosig aus. Obwohl Deutschland einerseits zu den f\u00fchrenden Wirtschaftsnationen mit einem hohen Bruttosozialprodukt z\u00e4hlt und sich als &#8222;Sozialstaat&#8220; r\u00fchmt, spricht man in den letzten Jahren oft von der &#8222;neuen Armut&#8220; in Deutschland. Auch wenn man es sich nicht vorstellen kann, gibt es Menschen in Deutschland, die von wenigen Euro pro Tag leben m\u00fcssen. Obdachlose beispielsweise, die nach Verlust ihres Arbeitsplatzes und ihrer Wohnung in einen un\u00fcberwindbaren Teufelskreis geraten und durch das &#8222;soziale Netz&#8220; fallen. Wie schnell kann es passieren, da\u00df man in den wirtschaftlichen Ruin getrieben wird, wenn man in der Hoffnung auf ein eigenes Haus, sich bei der Kreditnahme \u00fcbernimmt. Noch vor dem Einzug in die neue Wohnst\u00e4tte ist sie mit hohen Schulden belastet, die man in Form festgelegter Zahlungen monatlich an die Bank zu entrichten hat.<br>Der wahre Eigent\u00fcmer ist also die Bank, solange das Haus nicht bis zum letzten Pfennig abbezahlt ist. Ger\u00e4t man einmal in Zahlungsr\u00fcckstand, z.B. durch Arbeitslosigkeit, Krankheit oder \u00e4hnliches hat die Bank das Recht das Haus zu pf\u00e4nden und es zu versteigern. Mehr als die H\u00e4lfte aller deutschen Haushalte sind \u00fcberschuldet, nicht zuletzt aufgrund ihres Verst\u00e4ndnisses, da\u00df nur materieller Besitz im Leben z\u00e4hlt und man bestimmte Statussymbole vorweisen mu\u00df, um in der Gesellschaft akzeptiert zu werden. Einziger Gewinner ist immer die Bank! Diese Beispiele zeigen auch da\u00df das gesamte kapitalistische Wirtschafts &#8211; und Finanzsystem auf Zinsen basiert. Es ist ein System, das lediglich auf Profit und den wirtschaftlichen Nutzen ausgerichtet ist und in dem der Mensch auf der Strecke bleibt.<br>Darin liegt der klare Unterschied zum islamischen Wirtschaftssystem!<br>Im Gegensatz zur kapitalistischen Auffassung h\u00e4lt der Islam die gerechte Verteilung der G\u00fcter und nicht die Produktion f\u00fcr das wirtschaftliche Hauptproblem. Aus der Sicht des Westens herrscht eine relative Knappheit an vorhandenen Ressourcen, w\u00e4hrend das Konsumverlangen danach unendlich gro\u00df ist. Deshalb konzentriert man sich darauf immer mehr zu produzieren, um den wachsenden Bed\u00fcrfnissen der Menschen nachkommen zu k\u00f6nnen. Im islamischen Wirtschaftssystem steht der Mensch mit seinen Grundbed\u00fcrfnissen im Mittelpunkt. Der Islam unterscheidet zwischen den prim\u00e4ren Grundbed\u00fcrfnissen und den \u00fcbrigen sekund\u00e4ren Bed\u00fcrfnissen. Dass weltweit gen\u00fcgend Ressourcen vorhanden sind um die Grundbed\u00fcrfnisse aller Menschen zu befriedigen, kann wohl niemand verleugnen. Der Prophet (s.a.s.) beschreibt diese Grundbed\u00fcrfnisse folgenderma\u00dfen: &#8222;Der Sohn Adams (Mensch) besitzt kein besseres Recht, als ein Haus zu haben, worin er wohnen kann, Kleidung, womit er seine Bl\u00f6\u00dfe bedecken kann, und ein St\u00fcck Brot und etwas Wasser.&#8220; Dieser Hadith macht eine klare Aussage dar\u00fcber, da\u00df Unterkunft, Kleidung, und Nahrung die fundamentalen Bed\u00fcrfnisse des Menschen sind. In einem Staat, in dem die islamische Sari&#8217;a umgesetzt wird, wird das wirtschaftlich Problem des Menschen richtig erkannt und gel\u00f6st.<br>Es ist Aufgabe und Pflicht des Staates, ein Wirtschaftssystem anzuwenden, bei dem es sowohl jedem muslimischen als auch nichtmuslimischen B\u00fcrger erm\u00f6glicht wird, seine prim\u00e4ren Grundbed\u00fcrfnisse zu befriedigen. Ist ein B\u00fcrger nicht dazu in der Lage, eines dieser Grundbed\u00fcrfnisse zu decken, ist der Staat dazu verpflichtet unterst\u00fctzend einzugreifen. Dar\u00fcberhinaus schafft der Staat auch die optimalen Rahmenbedingungen, dass der Mensch nach Kr\u00e4ften seine erg\u00e4nzenden Bed\u00fcrfnisse befriedigen kann. Ganz anders sieht der Westen das wirtschaftliche Problem. Materieller und wirtschaftlicher Wohlstand sind Mittelpunkt und Ziel eines kapitalistisch gepr\u00e4gten Lebens. Der Islam lehrt uns da\u00df das wahre Ziel des Lebens darin besteht, das Wohlgefallen Allahs (s.t.) durch ein rechtschaffenes, von der Sari&#8217;a geleitetes Leben zu erlangen. Einerseits ist materieller Wohlstand sicherlich wichtig und notwendig, andererseits kann er nicht das ultimative Ziel und der Mittelpunkt unseres Denkens und Handelns im Leben sein. Erwerb und Besitz von Eigentum wird als notwendig, aber nicht als Lebensziel betrachtet. Alle Handlungen, nat\u00fcrlich auch im wirtschaftlichen Bereich, werden von der Sari&#8217;a geleitet, und dementsprechend basiert das ganze Wirtschaftssystem auf dieser Grundlage. Deshalb gibt es im islamischen Wirtschaftssystem klare Richtlinien bez\u00fcglich des Eigentums, seiner Verf\u00fcgungsgewalt und seiner Verteilung. Zun\u00e4chst geh\u00f6rt alles, was existiert, Allah, dem Erhabenen. Der Mensch hat lediglich das Nutzungsrecht \u00fcber diese G\u00fcter und ist verpflichtet sie verantwortungsvoll zu verwalten:<br>&#8222;Glaubt an Allah und Seinen Gesandten und spendet von dem, zu dessen Erben Er euch gemacht hat!&#8220; (Al-Hadid 57, Aya 7)<br>Das bedeutet allerdings nicht, da\u00df Privateigentum verboten w\u00e4re. Der Mensch kann G\u00fcter und Verm\u00f6gen, die er rechtm\u00e4\u00dfig erworben hat, auch sein Eigentum nennen. Die Erwerbsquellen f\u00fcr Privateigentum k\u00f6nnen vielf\u00e4ltig sein. Es entsteht entweder durch eigene Leistung, beispielsweise durch Arbeit oder durch Vererbung oder Schenkung, aber auch durch Zuwendungen des Staates. In der islamischen Wirtschaftsordnung gibt es allgemeine Richtlinien, was die Art und Weise des Geld- und Eigentumserwerbs betrifft. Beispielweise ist der Handel grunds\u00e4tzlich erlaubt, solange es sich nicht um verbotene Waren wie Alkohol oder Schweinefleisch handelt, deren Verzehr und somit auch deren Besitz und Verkauf verboten ist. Neben dem Privateigentum unterscheidet der Islam das \u00f6ffentliche und das Staatseigentum. Unter \u00f6ffentlichem Eigentum versteht man G\u00fcter, die der Gemeinschaft geh\u00f6ren, dessen Eigentum sich alle B\u00fcrger des Staates teilen. Hierzu z\u00e4hlen Wasser, W\u00e4lder, Weideland, aber auch Roh\u00f6l und andere Bodensch\u00e4tze.<br>Der Prophet (a.s.s.) sagt in einem Hadith: &#8222;Die Muslime sind Teilhaber an drei Dingen: Wasser, Weideland und Feuer.&#8220;<br>Aus diesem Hadith geht hervor, da\u00df Wasser, aber auch z.B. Erd\u00f6l, Kohle und alle Energiequellen wie Elektrizit\u00e4t u.s.w. \u00f6ffentliches Eigentum, also Eigentum aller Muslime ist und damit Eigentum der Umma. Es darf weder zum Privatbesitz einer Einzelperson oder eines Unternehmens noch zum Besitz des Staates geh\u00f6ren. Denn diese drei Arten von Eigentum m\u00fcssen genau unterschieden werden. \u00d6ffentliches Eigentum mu\u00df in irgendeiner Form den B\u00fcrgern des Staates unentgeltlich zur Verf\u00fcgung stehen. Der Staat \u00fcbernimmt die F\u00f6rderung und Bewirtschaftung dieser G\u00fcter im Auftrag der Umma und gibt sie an diese in Form von kostenlosen Dienstleistungen weiter.<br>D.h. Strom- oder Wasserrechnungen gibt es im islamischen Staat f\u00fcr den Normalverbrauch nicht. F\u00fcr jeden Haushalt kann ein gewisser Freibetrag an KWh Strom bzw. an Kubikmeter Wasser bezogen werden. Eine ungew\u00f6hnliche Vorstellung f\u00fcr jemanden, der in einer kapitalistischen Umgebung aufgewachsen ist. Zum \u00f6ffentlichen Eigentum geh\u00f6ren ebenfalls \u00f6ffentliche Einrichtungen wie Moscheen, Schulen, Krankenh\u00e4user, die ebensowenig in privater Hand sein d\u00fcrfen wie Fl\u00fcsse oder Seen. Zum staatlichen Eigentum geh\u00f6ren beispielsweise gro\u00dfe Unternehmen wie Schwer- oder R\u00fcstungsindustrie. Der islamische Staat ist verpflichet, in das Wirtschaftsgeschehen einzugreifen, wenn gegen islamische Vorschriften versto\u00dfen wird. Er mu\u00df daf\u00fcr sorgen, da\u00df das Gleichgewicht in der Gesellschaft hergestellt und erhalten wird und eine gerechte Verteilung des Verm\u00f6gens gew\u00e4hrleistet ist. Der Staat soll den Wettbewerb f\u00f6rdern, aber eine Monopolisierung und das Horten von Waren, um durch Verknappung des Angebots auf dem Markt, hohe Preise zu erzielen verhindern.<br>Ebenso lehnt der Islam das Horten von Geld strikt ab: &#8222;Denjenigen nun, die Gold und Silber horten und es nicht um Allahs Willen ausgeben, verk\u00fcnde eine schmerzhafte Strafe!&#8220; (At-Tauba 9, Aya 34).<br>Im Islamischen Staat ist die Geld- und Finanzpolitik gekennzeichnet durch das Riba-Verbot, was im Westen eine unm\u00f6gliche Vorstellung w\u00e4re. Denn das Zinssystem ist ein Eckpfeiler des kapitalistischen Wirtschaftssystems. F\u00fcr den kapitalistisch denkenden Menschen ist sie eine Selbstverst\u00e4ndlichkeit im Interesse des wirtschaftlichen Fortschritts und des Profits. Ein offensichtliches Beispiel f\u00fcr den Nachteil des Zinssystems zeigt das Unheil, das die Kreditpolitik in den Entwicklungsl\u00e4ndern angerichtet hat. Solchen Entwicklungen beugt der Islam von vornherein vor, indem der Islam jede Form von Zinsen oder Zinsgesch\u00e4ften strikt ablehnt. Die Beweise aus Qur&#8217;an und Sunna sind zahlreich und eindeutig.<br>&#8222;Diejenigen, die Zinsen verschlingen sollen nicht anders dastehen, als wie einer, der vom Satan erfa\u00dft und zum Wahnsinn getrieben wird. Dies soll so sein, weil sie sagen: Handel ist dasselbe wie Zinsnehmen&#8220; (Al-Baqara 2, Aya 275)<br>&#8222;Oh, die ihr glaubt, f\u00fcrchtet Allah und verzichtet auf das, was noch \u00fcbrig ist an Zinsen, wenn ihr Gl\u00e4ubige seid. Und wenn ihr dies nicht tut, dann ist euch Krieg angesagt von Allah und Seinem Propheten.&#8220; (Al-Baqara 2, Aya 278-79)<br>Auch die Adilla (Rechtsbeweise) aus der Sunna sind eindeutig: Jabir \u00fcberlieferte vom Propheten: &#8222;Der Prophet verfluchte denjenigen, der Zinsen nimmt und sie zahlt, denjenigen, der es niederschreibt und es bezeugt. Und er sagte: &#8222;Sie sind alle gleich!&#8220;&#8220; (Ahmad, Muslim, Tirmidi)<br>In einem anderen Hadit von Abu Huraira hei\u00dft es: Der Prophet (s.a.s.) sagte: &#8222;Riba hat siebzig Abstufungen; die harmloseste ist vergleichbar mit einem Mann, der mit seiner eigenen Mutter Zina begeht.&#8220;<br>Der Islam definiert deutlich die erlaubten Wege des Gelderwerbs und der Eigentumsbereicherung, sowie den Umgang mit diesem Geld und fordert den Muslim auf, seinen Gesetzen und Vorschriften uneingeschr\u00e4nkt zu folgen. Die erlaubten M\u00f6glichkeiten des Gelderwerbs sind durch entsprechende Gesetze vorgezeichnet und entsprechend sind die verbotenen Wege deutlich. So ist die Bereicherung durch Diebstahl, Gl\u00fccksspiel, Prostitution, Handel mit islamisch verbotenen Dingen u.s.w. verboten.<br>Eine Freiheit der Eigentumsbildung im Sinne des Kapitalismus existiert im Islam nicht. Der Staat, der \u00f6ffentliche Aufgaben und Dienstleistungen \u00fcbernimmt, verwaltet das \u00f6ffentliche und staatliche Eigentum und mu\u00df die Einnahmen und Ausgaben verwalten. Dies wird vom Schatzhaus (Bait al-Mal) \u00fcbernommen. Hier werden die Abgaben der B\u00fcrger und die Gewinne aus dem erwirtschafteten \u00f6ffentlichen Eigentum eingezahlt, verwaltet und von dort aus verteilt. Dabei liegt die Verteilung im Ermessen des Staatsoberhauptes, au\u00dfer im Fall der Zakat-Einnahmen. Denn diese d\u00fcrfen nur f\u00fcr jene acht Personengruppen ausgegeben werden, die im Qur&#8217;an ausdr\u00fccklich erw\u00e4hnt werden.<br>Die Zakat-Einnahmen m\u00fcssen vom Staat zentral eingesammelt und auch zentral verteilt werden und d\u00fcrfen nicht mit anderen Eink\u00fcnften vermischt werden, da sie zu den grundlegenden Pflichten des Islam geh\u00f6ren. Andere Eink\u00fcnfte des Staates bestehen aus der Gizya, dem Tribut nichtmuslimischer, m\u00e4nnlicher B\u00fcrger an den Staat, dem &#8218;Usr, dem Zehntel auf Bodenertr\u00e4ge als Ernte-Zakat, und dem Harag, einer weiteren Bodenabgabe. Aus der Staatskasse werden zinslose Kredite vergeben, in \u00f6ffentliche Projekte investiert, staatliche Zuwendungen vergeben u.s.w. Der Staat kann in Ausnahmenf\u00e4llen eine Sondersteuer f\u00fcr Muslime erheben, wenn nicht gen\u00fcgend Finanzmittel zur Verf\u00fcgung stehen, um notwendige Zahlungen zu t\u00e4tigen.<br>Dieser \u00dcberblick zeigt, da\u00df das islamische Wirtschaftssystem im Vergleich zu anderen Systemen die einzige ernsthafte Alternative darstellt, bei der das Wohlergehen des Menschen im Mittelpunkt steht und nicht der schnelle wirtschaftliche Profit oder die Steigerung der Produktion. Der Islam kennt keine Weltbankkredite, keine Ausbeutung und keine Zwei-Klassen-Gesellschaft. Deswegen ist es notwendig einen Staat zu errichten, in dem dieses System Anwendung finden kann. Die Menschen sollten die M\u00f6glichkeit erhalten, sich selbst von der Gerechtigkeit und der Umsetzbarkeit dieses Systems zu \u00fcberzeugen. Viele Beispiele aus der Geschichte zeugen vom Erfolg dieses Systems und k\u00f6nnten auch heute wieder zum Tragen kommen, wenn sich die Muslime wieder darauf besinnen, da\u00df der Islam eine umfassende Lebensordnung ist, die alle Bereiche des Lebens umfa\u00dft. Denn die Muslime finden dann erst wieder aus dieser Misere heraus, wenn sie sich wieder bewu\u00dft werden, da\u00df der Islam vollkommen ist, denn es hei\u00dft im Qur&#8217;an:<br>&#8222;Heute habe ich euch euren Din vervollkommnet und meine Gnade an euch erf\u00fcllt und den Islam als Lebensordnung f\u00fcr euch gutgehei\u00dfen!&#8220; (Al-Maida 5, Aya 4)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es geh\u00f6rt zu den nat\u00fcrlichen Bed\u00fcrfnissen des Menschen, sich zu Gruppen bzw. zu einer Gesellschaft zusammenzuschlie\u00dfen. 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