{"id":9863,"date":"2013-10-30T00:00:00","date_gmt":"2013-10-29T23:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/kalifat1.com\/?p=9863"},"modified":"2013-10-30T00:00:00","modified_gmt":"2013-10-29T23:00:00","slug":"interview-mit-einem-sprecher-des-medienbueros-von-hizb-ut-tahrir-im-deutschsprachigen-raum","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kalifat1.com\/?p=9863","title":{"rendered":"Interview mit einem Sprecher des Medienb\u00fcros von Hizb-ut-Tahrir im deutschsprachigen Raum"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Kalifat.com: As-salamu aleykum wa rahmatullahi wa barakatuhu. Herzlich willkommen Bruder. Danke, dass du dir Zeit f\u00fcr dieses Interview genommen hast. M\u00f6ge dich Allah (t) daf\u00fcr reichlich belohnen.<br><strong>Mediensprecher<\/strong>: Wa aleykum as-salam wa rahmatullahi wa barakatuhu. Es ist mir eine Freude hier zu sein, Bruder.<br><strong>Kalifat.com<\/strong>: Es gibt aktuell viele Themengebiete, die relevant f\u00fcr die Muslime sind, jedoch wollen wir uns heute auf einige Angelegenheiten der Muslime in Westeuropa und speziell im deutschsprachigen Raum konzentrieren. Meine erste Frage in diesem Zusammenhang ist: Wie w\u00fcrdest du die Realit\u00e4t der Muslime in Europa einsch\u00e4tzen?<br><strong>Mediensprecher<\/strong>: Bekanntlich sind die ersten Muslime in den 1960ern als Gastarbeiter nach Westeuropa eingewandert. In Deutschland waren es gr\u00f6\u00dftenteils T\u00fcrken, in Frankreich viele Algerier, Marokkaner in Spanien und in Gro\u00dfbritannien waren es \u00fcberwiegend Pakistaner und indische Muslime. Obwohl die Muslime auch damals schon ihre Identit\u00e4t nicht versteckten, f\u00fchrten sie ein eher unauff\u00e4lliges Leben in den Gastl\u00e4ndern. Die V\u00f6lker in Westeuropa nahmen kaum Notiz von den muslimischen Einwanderern. Schon damals kristallisierte sich langsam die Tendenz heraus, dass die muslimischen Einwanderer planten, l\u00e4ngerfristig in Europa zu bleiben. Sie gingen ihrer Arbeit nach und wurden hier sesshaft. Es existierte mehr oder weniger ein friedliches Nebeneinander. Der erste gro\u00dfe Einschnitt in der Beziehung zwischen den Einwanderern und den Nichtmuslimen war der Untergang des Kommunismus. Das zweite gro\u00dfe Ereignis war zweifelsohne der 11.September. Und aktuell bahnt sich das dritte Ereignis an, das die Beziehung nachhaltig ver\u00e4ndern k\u00f6nnte. N\u00e4mlich die Revolutionen in der arabischen Welt.<br><strong>Kalifat.com<\/strong>: Wie und warum haben sich gerade diese Ereignisse auf das Zusammenleben ausgewirkt?<br><strong>Mediensprecher<\/strong>: Mit dem Zusammenbruch des Kommunismus verschwand auf einen Schlag das gro\u00dfe Feindbild der westlichen Welt. Dem Westen war klar, dass der Kommunismus durch diesen Zusammenbruch stark an Reputation eingeb\u00fc\u00dft hat und nicht mehr in der Lage sein wird, den Kapitalismus ernsthaft herauszufordern. Der Islam hingegen erfuhr einen Aufschwung und wird seitdem in der islamischen Welt von immer mehr Menschen als alternative Lebensordnung angesehen. Dadurch geriet der Islam ins Visier des Westens und es begann eine Hetzkampagne gegen den Islam. \u201eMoslems sind Terroristen, Fanatiker, frauenfeindlich und r\u00fcckst\u00e4ndig&#8220; hie\u00df es in den Medien.<br>Am 11.September versch\u00e4rfte sich die Situation und es begann der sogenannte Krieg gegen den Terror. Pl\u00f6tzlich standen speziell die in Europa lebenden Muslime unter Generalverdacht. In diesem Kontext entstand die Forderung, dass Muslime sich zu den westlichen Werten bekennen m\u00fcssen und ihre eigene Identit\u00e4t restlos aufgeben sollen. Seitdem ist das Verh\u00e4ltnis extrem angespannt.<br>Wie ich bereits erw\u00e4hnte, wird voraussichtlich die arabische Revolution eine neue Phase f\u00fcr die Muslime in Europa einl\u00e4uten. Ich habe n\u00e4mlich die Hoffnung, dass in diesem Prozess die Muslime die L\u00f6sung ihrer Probleme immer st\u00e4rker im Islam suchen werden. Es bleibt zwar abzuwarten, inwiefern sich die Verh\u00e4ltnisse durch die j\u00fcngsten Ereignisse genau verschieben werden. Die letzten zwei Jahre haben aber zumindest gezeigt, dass es dem Westen nicht gelungen ist, die Identit\u00e4t der hier lebenden Muslime so weit zu verzerren, dass sie sich nicht durch die Ereignisse in der arabischen Welt angesprochen f\u00fchlen. Im Gegenteil!<br><strong>Kalifat.com<\/strong>: Bruder, du hast in deinen Ausf\u00fchrungen von einer \u201erestlosen Aufgabe&#8220; der islamischen Identit\u00e4t gesprochen. Von dieser Forderung habe ich noch nichts geh\u00f6rt. Was meinst du genau damit?<br><strong>Mediensprecher<\/strong>: Damit meine ich die sogenannte Integration der Muslime in die westliche Gesellschaft! Ich bin mir sicher, dass du und jeder andere davon schon etwas geh\u00f6rt hat.<br><strong>Kalifat.com<\/strong>: Kannst du genauer auf diesen Punkt eingehen?<br><strong>Mediensprecher<\/strong>: Zu allererst ist es n\u00f6tig, die Bedeutung der Integration zu kl\u00e4ren, von der hier immer wieder gesprochen wird. Mit Integration ist n\u00e4mlich nicht gemeint, dass die hier lebenden Muslime Deutsch lernen, arbeiten gehen und nicht straff\u00e4llig werden sollten. Ganz und gar nicht! Bei der Integration geht es vielmehr darum, dass den Muslimen ihre Werte und ihre Vorstellung vom Leben, also im Grunde genommen ihre komplette Kultur ausgetrieben werden soll. An ihre Stelle sollen dann die ach so \u201emodernen&#8220; westlichen Werte treten. In einer Bundestagsrede sagte Volker Kauder unverhohlen, dass Integration eben genau darin besteht. Zus\u00e4tzlich verlangte er sogar von den Muslimen, dass sie sich in ihren Ursprungsl\u00e4ndern f\u00fcr diese Werte stark zu machen h\u00e4tten. Mit anderen Worten will Herr Kauder den deutschen Lifestyle als neuen Exportschlager in der islamischen Welt etablieren.<br><strong>Kalifat.com<\/strong>: W\u00fcrdest du sagen, dass die Integration der Muslime zum Scheitern verurteilt ist?<br><strong>Mediensprecher<\/strong>: Sie ist schon gescheitert!<br><strong>Kalifat.com<\/strong>: Woran liegt das?<br><strong>Mediensprecher<\/strong>: Vor allem liegt es am miserablen Integrationsangebot. In einer Gesellschaft, in der Nietzsche Gott f\u00fcr tot erkl\u00e4rt hat, kann sich ein Muslim unm\u00f6glich integrieren. In diesem s\u00e4kularen beziehungsweise laizistischen System stellt der Sch\u00f6pfer keine Instanz mehr dar. Es sind Gesellschaften, in denen den Menschen die Souver\u00e4nit\u00e4t zugesprochen wird. Der Sch\u00f6pfer und seine Gebote sollen so dem menschlichen Diktat unterworfen werden. All dies steht im krassen Gegensatz zum Islam. F\u00fcr Muslime ist es undenkbar, dass Gesetze von Menschenhand in der Hierarchie \u00fcber den Gesetzen Allahs liegen.<br><strong>Kalifat.com<\/strong>: Hat diese Gesellschaft denn nichts anderes zu bieten?<br><strong>Mediensprecher<\/strong>: Was hat sie denn au\u00dfer ihren technischen Errungenschaften schon zu bieten? Die kapitalistische Gesellschaft betrachtet zum Beispiel das Gesundheitssystem, das Bildungssystem und das Sozialsystem aus rein \u00f6konomischer Perspektive. Nicht die menschlichen Bed\u00fcrfnisse nach Gesundheit und Bildung sind entscheidend, sondern einzig und allein die Finanzierbarkeit und der wirtschaftliche Nutzen. Diese Prinzipien, die im Gemeinwesen Anwendung finden, \u00fcben einen starken Einfluss auf das Individuum aus. Die westlichen Gesellschaften z\u00fcchten systematisch Generationen von Egoisten heran.<br><strong>Kalifat.com<\/strong>: Wie \u00e4u\u00dfert sich das im Alltagsleben?<br><strong>Mediensprecher<\/strong>: Sittenverfall, zerr\u00fcttete Familien, Kinderlosigkeit, soziale Verwahrlosung und eine unverh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig hohe Zahl an allein erziehenden M\u00fcttern. Familien im klassischen Sinne sind inzwischen Relikte vergangener Zeiten. Das j\u00fcngste Kind dieser Entwicklung ist die sogenannte Patchwork-Familie. Alleinerziehende bilden diese Zweckgemeinschaften, um ihren Kindern die Illusion einer intakten Familie zu vermitteln. An dieser Praxis wird deutlich, dass in dieser Gesellschaft selbst Menschen austauschbar sind. Solche Strukturen mit dem Charme eines Fertiggerichts, werden niemals eine Alternative f\u00fcr den Muslim sein. Denn die Muslime haben hierzulande allen Verh\u00e4ltnissen zum Trotz ihre gesunden Familienstrukturen auch in der dritten Generation erhalten und sie werden das auch in Zukunft tun!<br>Grunds\u00e4tzlich sind die westlichen Gesellschaften kinderfeindlich. Das \u00e4u\u00dfert sich schon in der geringen Geburtenrate. Gerade auf die Welt gekommen, konkurrieren die Kinder dann in puncto Zuneigung mit Hunden oder anderen Haustieren.<br>Auch die extreme Sexualisierung der westlichen Gesellschaft macht die Integration den Muslimen nicht gerade schmackhaft. Prostitution, Pornographie und auch sexuelle Fehlorientierungen wie Homosexualit\u00e4t sind l\u00e4ngst gesellschaftlich akzeptiert. P\u00e4dophilie und sexuelle \u00dcbergriffe auf Frauen sind nichts weiter als die logische Folge dieser verantwortungslosen Verkl\u00e4rung der Sexualit\u00e4t.<br><strong>Kalifat.com<\/strong>: M\u00fcssen wir uns dann den Vorwurf gefallen lassen, dass wir Integrationsverweigerer sind?<br><strong>Mediensprecher<\/strong>: Jawohl, das sind wir. Und ich sehe keinen Grund, das negativ zu sehen. Im Gegenteil! Ein Blick in die europ\u00e4ische Geschichte hat klar vor Augen gef\u00fchrt, dass es gerade die Integrationsverweigerer waren, die die Entwicklung der europ\u00e4ischen Gesellschaften vorangetrieben haben. Bereits im hellenistischen Griechenland waren es Denker und Philosophen wie Sokrates, die das herrschende System kritisierten und ablehnten. Oder man denke an die Entwicklung des Christentums in Europa. Die Christen waren eine verschwindend geringe Minderheit, die sich beharrlich weigerte, ihren Glauben zugunsten der antiken G\u00f6tter der r\u00f6mischen Mehrheitsgesellschaft aufzugeben. Im Mittelalter waren es dann die Aufkl\u00e4rer, die sich nicht in das theokratische System integrieren lie\u00dfen. Die Integrationsverweigerer in Nazideutschland werden heute als gro\u00dfe Helden gefeiert. \u00dcbrigens sind selbst der amtierende Bundespr\u00e4sident und die Bundeskanzlerin Integrationsverweigerer. Denn um es mal im Jargon des Verfassungsschutzes zu formulieren, haben sich diese beiden Herrschaften \u201eaggressiv-k\u00e4mpferisch&#8220; gegen die Werte der DDR gestellt. Was w\u00e4re das heutige Europa ohne diese ganzen Integrationsverweigerer? Ich bin mir sicher, dass auch und gerade unsere Integrationsverweigerung einen positiven Einfluss auf die Entwicklung Europas aus\u00fcben wird. Man wird sagen, dass dies die Helden waren, die sich aller Hindernissen zum Trotz gegen den Kapitalismus gestellt haben. Die zuk\u00fcnftigen Generationen Europas werden mit Stolz auf uns zur\u00fcckblicken. Nat\u00fcrlich m\u00f6chte ich hier betonen, dass wir uns nicht in der Tradition der europ\u00e4ischen Aufkl\u00e4rer oder Revolution\u00e4re sehen, vielmehr geht es mir darum, deutlich zu machen, dass Integrationsverweigerung an sich kein neuartiges Ph\u00e4nomen ist und keiner speziellen Kulturgruppe zur Last gelegt werden sollte. Ferner muss hier unbedingt ber\u00fccksichtigt werden, dass wir die angewandten Systeme in unseren Ursprungsl\u00e4ndern ebenfalls ablehnen. Schlie\u00dflich sind sie Entlehnungen des westlichen Kapitalismus und keineswegs islamische Staaten. Gerade in der islamischen Welt sind wir konsequente Integrationsverweigerer, weil wir dort eine Ver\u00e4nderung des Systems anstreben.<br><strong>Kalifat.com<\/strong>: Es gibt viele unterschiedliche Vorw\u00fcrfe, mit denen sich die Muslime tagt\u00e4glich konfrontiert sehen. Einer davon ist das vermeintlich inhumane Strafsystem im Islam. Meistens werden in diesem Kontext die Steinigung und das Handabhacken erw\u00e4hnt. Wie gehen wir mit diesem Vorwurf um?<br><strong>Mediensprecher<\/strong>: Ich wundere mich jedes Mal \u00fcber den Vorwurf der inhumanen Strafen. Gibt es auch humane Strafen? Ist es denn etwa human, den Menschen &#8211; das sozialste aller Lebewesen &#8211; ein Leben lang in eine Zelle zu stecken? Oder ist es human, vermeintliche Straft\u00e4ter zu entm\u00fcndigen und mit Psychopharmaka voll zu pumpen? Die Bezeichnung der humanen Strafe ist schon ein wenig abstrus. Denn eine humane Strafe ist keine Strafe mehr, weil sie ihren Schrecken verloren hat. Das Gegenteil einer humanen Strafe w\u00e4re \u00fcbrigens eine inhumane Belohnung, was genauso absurd ist. So viel zu dieser Bezeichnung.<br>Derjenige, der das Strafma\u00df zum Kriterium f\u00fcr die Beurteilung von Gesellschaften erhebt, hat die Relevanzkriterien dieser Thematik nicht ber\u00fccksichtigt. Denn Strafma\u00dfnahmen sind nur Mittel zum Zweck und bilden kein zirkul\u00e4res System. Man bestraft also nicht um der Strafe willen. Damit ist gemeint, dass die Existenz der Sanktionen immer mit dem Schutz bestimmter Rechtsg\u00fcter einhergeht. Viel interessanter w\u00e4re demnach die Frage, welche Rechtsg\u00fcter im Islam existieren und auf welcher Grundlage sie sich konstituiert haben.<br><strong>Kalifat.com<\/strong>: Kannst du mir daf\u00fcr Beispiele geben?<br><strong>Mediensprecher<\/strong>: So ist zum Beispiel der Schutz des Eigentums ein Rechtsgut, welches es zu sch\u00fctzen gilt. Ebenso hat der Islam die Ehe beziehungsweise die Ehre als sch\u00fctzenswertes Rechtsgut eingestuft. Gerade die harte Bestrafung der Ehebrecher indiziert den hohen Stellenwert dieser Institution. Wir Muslime fragen uns was eigentlich aus dem sogenannten heiligen Bund der Ehe im Westen geworden ist? Die faktische Legalisierung des Ehebruchs hat letztlich dazu gef\u00fchrt, dass ein fundamentaler Baustein des sozialen Gef\u00fcges vor dem totalen Kollaps steht. Warum ausgerechnet der Verrat an der eigenen Ehefrau und den Kindern nicht unter Strafe steht, ist und bleibt uns Muslimen ein R\u00e4tsel.<br>Tatsache ist, dass der Westen den Stellenwert und die Existenz der Rechtsg\u00fcter aus opportunistischen Motiven ver\u00e4ndert und definiert. Hier steht vor allem der vermeintliche Nutzen im Vordergrund. F\u00fcr uns Muslime stellen sowohl die Rechtsg\u00fcter, als auch die Art der Bestrafung g\u00f6ttliche Gebote dar, die keinesfalls der menschlichen Willk\u00fcr unterworfen werden d\u00fcrfen. Im Grunde genommen sollte klar sein, dass der menschliche Verstand nicht dazu in der Lage ist, die obligatorischen Rechtsg\u00fcter und das korrekte Strafma\u00df zu definieren. Gerade in den westlichen Gesellschaften zeigen ewige Diskussionen \u00fcber das richtige Strafma\u00df, dass es nur selten gelingt, das Rechtsempfinden des Volkes zu bedienen. Es herrscht eine immerw\u00e4hrende Diskrepanz zwischen den Forderungen der Menschen und dem angewandten Recht.<br><strong>Kalifat.com<\/strong>: Ein weiterer Vorwurf, der besonders h\u00e4ufig im Rahmen der Integrationsdebatte angef\u00fchrt wird, sind die sogenannten Ehrenmorde. Muslime seien also bereit f\u00fcr die Ehre \u00fcber Leichen zugehen. Was sagst du zu diesem Vorwurf?<br><strong>Mediensprecher<\/strong>: Zun\u00e4chst einmal sollte klar sein, dass der Begriff des Ehrenmordes eine Erfindung der hiesigen Medien ist. Mir ist kein einziger Fall bekannt, bei dem sich der T\u00e4ter so ge\u00e4u\u00dfert h\u00e4tte. Wir sollten davon Abstand nehmen, diese F\u00e4lle zu beurteilen, denn ein Urteil \u00fcber andere ist auch ein Urteil \u00fcber uns selbst. Es w\u00e4re einfach nur anma\u00dfend Urteile zu f\u00e4llen, ohne die dazu notwendigen Hintergrundinformationen zu kennen. Au\u00dferdem ist niemandem au\u00dfer der westlichen Propaganda damit geholfen, diese F\u00e4lle pauschal als Ehrenmorde zu deklarieren. Mit dem Vorwurf des Ehrenmordes sollten sich die Muslime somit nicht aufs Glatteis f\u00fchren lassen. Denn im Grunde genommen geht es hier nicht um eine ernsthafte Debatte, sondern darum, die Angriffsfl\u00e4che auf uns Muslime zu erh\u00f6hen. Dies wird durch die \u00fcblichen Berichte der Medien deutlich. Wir kennen alle die Berichterstattung der \u201everantwortungsvollen&#8220; Journalisten, in der muslimische Jugendliche auf Schulh\u00f6fen abgefangen und nach der Definition von Ehre befragt werden. Logischerweise gelingt es den meisten von ihnen nicht, diesen abstrakten Begriff klar zu definieren. Damit soll belegt werden, dass \u201emuslimische Machos&#8220; bereit sind, sogar ohne klares Motiv ihre eigenen Schwestern oder T\u00f6chter zu t\u00f6ten. Aber was w\u00e4re wohl, wenn wir die Bundesb\u00fcrger nach der Definition von W\u00fcrde oder Sittlichkeit fragen w\u00fcrden? Diese beiden Begriffe habe ich jetzt nicht willk\u00fcrlich gew\u00e4hlt. Die W\u00fcrde taucht bereits in Artikel 1 des Grundgesetzes auf, w\u00e4hrend die Sittlichkeit in Artikel 2 erw\u00e4hnt wird. Beides sind Entlehnungen aus der Kant&#8217;schen Philosophie. Ich bin mir sicher, dass selbst ausgebildete Juristen und erst recht Bundeswehrsoldaten nicht in der Lage sind, diese Begriffe auf Anhieb zu definieren. Soldaten erw\u00e4hne ich deswegen, weil Deutschland ja gerade in Afghanistan Krieg f\u00fchrt, um angeblich die W\u00fcrde der Menschen zu sch\u00fctzen. W\u00e4re hier der Schluss zul\u00e4ssig, dass Deutschland ganze Kriege unter unklaren Motiven anzettelt? \u00dcbrigens warb die Bundeswehr unl\u00e4ngst mit dem Slogan: \u201eF\u00fcr die Ehre&#8220;. Anscheinend ist es also die Bundeswehr, die bereit ist f\u00fcr die Ehre zu t\u00f6ten.<br><strong>Kalifat.com<\/strong>: Ein wirklich interessanter Vergleich.<br><strong>Mediensprecher<\/strong>: Au\u00dferdem m\u00f6chte ich erw\u00e4hnen, dass ich die neuentdeckte Liebe des Westens f\u00fcr die toten Muslimas \u00e4u\u00dferst perfide finde. Es entstehen Initiativen, Stiftungen und Denkm\u00e4ler f\u00fcr die sogenannten \u201eEhrenmordopfer&#8220;, w\u00e4hrend ihre lebenden Schwestern von dieser Gesellschaft ge\u00e4chtet und ausgegrenzt werden.<br><strong>Kalifat.com<\/strong>: Ich w\u00fcrde nun gerne auf den Vorwurf eingehen, dass der Islam ungerecht sei, da er der Frau nicht dieselben Rechte zugesteht wie dem Mann.<br><strong>Mediensprecher<\/strong>: Ist es denn etwa gerecht Ungleiche gleich zu behandeln? Tatsache ist, dass M\u00e4nner und Frauen von Natur aus unterschiedlich sind. Ich denke dabei an die physiologischen und mentalen Unterschiede der Geschlechter. Sind es nicht gerade die westlichen Wissenschaftler, die bewiesen haben wollen, dass Frauen eine h\u00f6here emotionale und soziale Intelligenz aufweisen als M\u00e4nner? Ebenso sollen M\u00e4nner im r\u00e4umlichen Denken den Frauen \u00fcberlegen sein. Dass M\u00e4nner und Frauen unterschiedlich sind bedarf eigentlich keiner n\u00e4heren Erl\u00e4uterung, denn die Unterschiede sind so erheblich, dass selbst ein Kind sie auf Anhieb erkennt. Dass der Westen es f\u00fcr eine Errungenschaft h\u00e4lt, Ungleiche mit denselben Rechten und Pflichten zu belegen, zeugt einerseits von Ignoranz und andererseits von Frauenfeindlichkeit. Denn es ist die M\u00e4nnerwelt, die von der sogenannten Emanzipation der Frau am meisten profitierte.<br><strong>Kalifat.com<\/strong>: Kannst du das noch weiter ausf\u00fchren, Bruder?<br><strong>Mediensprecher<\/strong>: Die Frau muss seit der Emanzipation die doppelte B\u00fcrde tragen. Ihre Rolle als Mutter kann sie nicht ablegen wie ein Kleidungsst\u00fcck. Gleichzeitig hat sie der Arbeitswelt vollst\u00e4ndig zur Verf\u00fcgung zu stehen. Eine Arbeitswelt, in der sie all zu oft schlechte Positionen besetzt und weniger verdient als ihre m\u00e4nnlichen Kollegen. \u00dcberhaupt erh\u00e4lt sie nur Anerkennung f\u00fcr ihre beruflichen Erfolge. Eine Frau, die drei Kinder und zwei Enkel erzogen hat und ihre Eltern im Alter pflegt, hat nach den Parametern dieser Gesellschaft in ihrem Leben nichts geleistet. Hausfrau ist inzwischen ein Schimpfwort und eine Mutter, die die Erziehung nicht dem Kindergarten \u00fcberl\u00e4sst und sich stattdessen selbst um das Wohl ihrer Kinder k\u00fcmmert, gilt als Asoziale. Dir sind sicher schon diese sogenannten Doku-Soaps auf den Privatsendern aufgefallen, in der sich zur besten Sendezeit die ganze Nation \u00fcber solche Frauen und ihre kinderreichen Familien lustig macht. Diese Darstellung der M\u00fctter als p\u00f6belnde und zur\u00fcckgebliebene Subjekte ist an Respektlosigkeit kaum noch zu \u00fcberbieten. Solch eine Geringsch\u00e4tzung der einzigartigen Leistung der Frauen ist im Islam undenkbar. Der Muslim betrachtet die Erziehung der kommenden Generationen als ehrenvolle Aufgabe, denn dabei geht es ja um nicht weniger als die aktive Mitgestaltung der Zukunft einer ganzen Nation. In zahlreichen Ausspr\u00fcchen des Propheten Muhammads (sas) wird diese herausragende Rolle der Frau immer wieder betont.<br><strong>Kalifat.com<\/strong>: Der Westen betont jedoch immer wieder, dass es ihm gelungen ist, die Frau zu befreien und verweist dabei auf ihr Selbstbestimmungsrecht. Hat dieses neue Frauenbild ihr Dasein positiv beeinflusst?<br><strong>Mediensprecher<\/strong>: Die niedertr\u00e4chtigste Form der Versklavung ist der Glaube frei zu sein. Das Selbstbestimmungsrecht der westlichen Frau bezieht sich eigentlich nur auf ihre Sexualit\u00e4t. Ihr wurde suggeriert, dass ihr wertvollster Besitz ihr K\u00f6rper ist, \u00fcber den sie frei entscheiden k\u00f6nne. Schon jungen M\u00e4dchen wird vorgegaukelt, dass sich ihre Selbstbestimmung darin \u00e4u\u00dfert, ein ausschweifendes Sexualleben zu f\u00fchren. Das nat\u00fcrliche Schamgef\u00fchl der Frau gilt im Westen mittlerweile als Anzeichen f\u00fcr mangelndes Selbstbewusstsein. Daran wird deutlich, dass auch hier die M\u00e4nner die Nutznie\u00dfer dieses Selbstbestimmungsrechtes sind. Denn nicht die M\u00e4nner sind es, die nackt f\u00fcr allerlei Produkte werben m\u00fcssen. Auch sind es in den meisten F\u00e4llen nicht die M\u00e4nner, die auf den Kindern sitzen bleiben und sie unter schwierigen Umst\u00e4nden allein erziehen m\u00fcssen. Selbst ungeborenes Leben wird zum Opfer der sogenannten Befreiung der Frau. Allein in Deutschland wird j\u00e4hrlich \u00fcber 100.000 Mal abgetrieben.<br><strong>Kalifat.com<\/strong>: Die Angriffe gegen die muslimische Frau haben in der j\u00fcngsten Vergangenheit dramatisch zugenommen. Oft wird speziell von jungen Musliminnen verlangt, ihre Kopft\u00fccher abzunehmen, da es sich dabei um ein politisches Symbol handele. Alice Schwarzer bezeichnete das Kopftuch gar als \u201eFlagge des Islamismus&#8220;. Was h\u00e4ltst du von diesem Argument?<br><strong>Mediensprecher<\/strong>: In der Tat ist das Kopftuch inzwischen ein politisches Symbol. Und zwar das Symbol der Islamgegner. Kein anderer Gegenstand wird von den Islamgegnern so oft ins Visier genommen wie das Kopftuch. Es sind nicht die Muslime, die dieses Kleidungsst\u00fcck zum zentralen Thema des Islams erkl\u00e4rt haben, sondern es sind die westlichen Medien und Regierungen, die das Kopftuch, aber auch die Minarette zu den Symbolen ihres politischen Kampfs gegen den Islam gemacht haben.<br><strong>Kalifat.com<\/strong>: Warum ausgerechnet das Kopftuch?<br><strong>Mediensprecher<\/strong>: Das ist nat\u00fcrlich kein Zufall. Das Visualisieren des Feindbildes ist ein elementarer Bestandteil des politischen Kampfes. Denn konkrete Symbole erleichtern die Wahrnehmung des vermeintlichen Problems. Das Kopftuch ist der Stoff, aus dem hierbei reine Propaganda gemacht wird. Schon die Nazis erkannten die Kraft der Symbole und ihre Wirkung auf die Massen. Sie markierten deshalb die verhassten Juden mit einem gelben Stern. Es ist wichtig zu verstehen, dass es hierbei eigentlich gar nicht um das Kopftuch geht, sondern um die islamische Identit\u00e4t. G\u00e4be es das Kopftuch im Islam nicht, so h\u00e4tten sich die Islamgegner mit absoluter Sicherheit ein anderes Symbol f\u00fcr ihre Hetze gesucht. An dieser Stelle m\u00f6chte ich an die Muslime appellieren, dem g\u00f6ttlichen Gebot des Kopftuchtragens, auch unter dem Druck der westlichen Propaganda gerecht zu werden. Zum einen ist das Ablegen islamrechtlich verboten und zum anderen w\u00e4ren wir weiterhin den Angriffen in unverminderter H\u00e4rte ausgesetzt.<br><strong>Kalifat.com<\/strong>: Du hast in deinen Ausf\u00fchrungen mehrmals das Wort Islamgegner benutzt. Auch die Politik und die Medien monieren, dass sich am rechten Rand eine gef\u00e4hrliche Kraft etabliert hat, die offen gegen den Islam hetzt. Wie gef\u00e4hrlich ist dieses neue Ph\u00e4nomen?<br><strong>Mediensprecher<\/strong>: Dass hier ausgerechnet die Medien und die Politik diese Entwicklung kritisieren ist nicht mehr als ein armseliger Versuch, sich von der eigenen Schuld in dieser Sache freizusprechen. Schlie\u00dflich sind das die Geister, die sie selbst gerufen haben. Hier d\u00fcrfen Ursache und Wirkung nicht verwechselt werden. Denn dieses neue Ph\u00e4nomen hat sich nicht autonom entwickelt. Der sogenannte Krieg gegen den Terror war der geeignete politische N\u00e4hrboden f\u00fcr die Entstehung der neuen Rechten. Splittergruppen wie die Pro-Bewegungen oder auch einzelne Personen wie Thilo Sarrazin sind in Wahrheit nicht mehr als Trittbrettfahrer, aufgesprungen auf den Zug, den die Bundesregierung nach dem 11. September auf die Gleise gestellt hat. Interessant ist zu beobachten, wie die Bundesregierung diese Bewegungen sogar aktiv in ihrer Funktion als Tabubrecher nutzt. Das Buch Sarrazins war in Wahrheit ein willkommenes Ereignis, um sogenannte Tabuthemen selbst aufzugreifen, unter dem Vorwand diese nicht den Rechten \u00fcberlassen zu k\u00f6nnen. Auf diese Art und Weise wird offenkundiger Rassismus salonf\u00e4hig gemacht. So war selbst auf dem Parteitag der SPD die Rede davon, dass Sarrazins Thesen inhaltlich durchaus relevant und richtig seien, aber es ungeschickt sei, sich in Stammtischmanier zu artikulieren. Auch aus dem Karikaturenstreit hat das Establishment direkt Profit geschlagen. Die Beleidigungen wurden genutzt, um eine Wertediskussion anzuheizen, mit dem Ziel, die \u00dcberlegenheit der eigenen Kultur zu demonstrieren.<br><strong>Kalifat.com<\/strong>: Und die Rolle der Medien dabei?<br><strong>Mediensprecher<\/strong>: Ich werde dir gerne ein Beispiel nennen, um es dir zu verdeutlichen. K\u00fcrzlich erschien auf den \u00f6ffentlich rechtlichen Sendern ein Dokumentarfilm mit dem Titel \u201ePulverfass Deutschland&#8220;. Dabei sollte der Eindruck vermittelt werden, dass zwei extreme Gruppen Deutschland zum Schlachtfeld ihrer Differenzen machen. Auf der einen Seite die sogenannten Jihadi-Salafisten und auf der anderen Seite die rechten Islamhasser. Diese Darstellung dient eben dazu, ein verzerrtes Bild des Konflikts zu erzeugen. Denn in dieser Schilderung werden die rechten Bewegungen zum Gegenpol des vermeintlich extremen politischen Islams gemacht. In Wahrheit sind es jedoch nicht diese rechten Gruppen, die den Krieg in Afghanistan und im Irak begonnen haben. Auch sind es nicht sie, die die s\u00e4kularen Regime in der islamischen Welt st\u00fctzen und ihnen selbst bei bewaffneter Niederschlagung von Aufst\u00e4nden bereitwillig zur Seite stehen. Du siehst, es sind also die Medien, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, den Krieg gegen den Terror an der Heimatfront zu vermarkten.<br><strong>Kalifat.com<\/strong>: In letzter Zeit war zu beobachten, dass in den Medien verst\u00e4rkt \u201es\u00e4kulare Muslime&#8220; wie zum Beispiel Necla Kelek zu Wort kamen. Was hat es damit auf sich?<br><strong>Mediensprecher<\/strong>: Gerade diese Leute sind das Paradebeispiel daf\u00fcr, wie im Westen mit zweierlei Ma\u00df gemessen wird. W\u00e4hrend antizionistische Juden hierzulande verspottet und als Nestbeschmutzer bezeichnet werden, bekommen diese Leute gro\u00dfz\u00fcgig Sendezeit zur Verf\u00fcgung gestellt, um den Westen \u00fcber den Islam aufzukl\u00e4ren. Warum werden sie eigentlich nicht in dieselbe Schublade gesteckt wie die j\u00fcdischen Nestbeschmutzer? Wieso werden die einen verachtet, w\u00e4hrend die anderen gehuldigt werden?<br><strong>Kalifat.com<\/strong>: Hast du zum Abschluss noch eine Botschaft, die du kundtun m\u00f6chtest?<br><strong>Mediensprecher<\/strong>: Zuallererst m\u00f6chte ich noch einmal das Thema Integration aufgreifen und klarstellen, dass f\u00fcr ein friedliches Zusammenleben kein Werteaustausch notwendig ist. Solange beide Seiten die Vertr\u00e4ge gegenseitiger Unversehrtheit einhalten, werden die \u00f6ffentliche Ordnung und die Sicherheit Deutschlands nicht gef\u00e4hrdet. Dar\u00fcber hinaus sind wir gerne bereit, eine sachliche Debatte \u00fcber die ideologischen Differenzen zu f\u00fchren. Dabei nehmen wir auch eine schonungslose Auseinandersetzung in Kauf. Jedoch erwarten wir, dass selbstverst\u00e4ndliche Anstandsregeln eingehalten werden. Das hei\u00dft: keine Hetze, keine Beleidigungen und keine Verleumdungen. Ebenso legen wir auf die Intellektualit\u00e4t und Sachlichkeit gro\u00dfen Wert. Denn wer die Wahrheit und die Aufrichtigkeit liebt, wird ihr alle Tore \u00f6ffnen und ihr keine Steine in den Weg stellen. Auch m\u00f6chte ich diese Gelegenheit nutzen, um besonders an die islamische Jugend zu appellieren: Ihr seid die Zukunft dieser Ummah und tragt damit eine enorme Verantwortung. Lasst euch nicht von der westlichen Propaganda einsch\u00fcchtern und entmutigen, die euch vorgaukelt, r\u00fcckst\u00e4ndig, dumm und schwach zu sein. In Wahrheit wurdet ihr von Allah (swt) mit der ehrenvollen Aufgabe betraut, die Menschheit mit Weisheit und Gerechtigkeit zu f\u00fchren. Allah (swt) sagt im Qur&#8217;an in ungef\u00e4hrer Bedeutung: \u201eWer ist besser in der Rede als derjenige, der zu Allah einl\u00e4dt und sagt: \u201eWahrlich, ich bin einer der Muslime.&#8220;&#8220;<br><strong>Kalifat.com<\/strong>: Jazakallahu khayran, ich bedanke mich recht herzlich f\u00fcr das aufschlussreiche Gespr\u00e4ch und w\u00fcrde mich freuen, dich auch in Zukunft als Interviewpartner begr\u00fc\u00dfen zu d\u00fcrfen. As-salamu aleykum wa rahmatullah.<br><strong>Mediensprecher<\/strong>: Wa iyyak. Wa alaykum as-salamu wa rahmatullahi wa barakatuhu.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>As-salamu aleykum wa rahmatullahi wa barakatuhu. Herzlich willkommen Bruder. Danke, dass du dir Zeit f\u00fcr dieses Interview genommen hast. 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