{"id":9947,"date":"2011-02-24T00:00:00","date_gmt":"2011-02-23T23:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/kalifat1.com\/?p=9947"},"modified":"2011-02-24T00:00:00","modified_gmt":"2011-02-23T23:00:00","slug":"die-tuerken-in-irland","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kalifat1.com\/?p=9947","title":{"rendered":"Die T\u00fcrken in Irland"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Als die Nachricht von der gro\u00dfen Not der Iren den damaligen Kalifen Abdulmajid erreichte, sollten 10.000 Sterling als Soforthilfe den irischen Landwirten zukommen. Der Kalif schickte letztlich aber nur eine Spende in H\u00f6he von 1.000 Sterling. Dies tat er jedoch nicht, weil ihm die erste Summe zu hoch erschien. Vielmehr wollte er Queen Victoria nicht besch\u00e4men, die lediglich 2.000 Sterling zu spenden bereit war. Nur aus Gr\u00fcnden der Diplomatie schickte Abdulmajid also die vergleichsweise niedrige Summe. Auch wenn das Herz der britischen K\u00f6nigin sich vom Leid der Hungernden nur wenig erweichen lie\u00df \u2013 Irland war f\u00fcr die Briten nicht mehr als eine Kolonie \u2013, so wusste im Gegensatz dazu der Kalif, dass eine Spende von insgesamt 1.000 Sterling einem Tropfen auf dem hei\u00dfen Stein gleichkam. So entsandte die osmanische Regierung zus\u00e4tzlich 3 Schiffe, mit Getreide und Lebensmitteln beladen, nach Irland.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/kalifat1.com\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/Die-Tuerken-in-Irland-2.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-15122\"\/><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Doch die britische Regierung war mit solch einer Hilfslieferung nicht einverstanden und versuchte die Schiffe daran zu hindern, den irischen Hafen zu erreichen. Letztendlich setzte sich die islamische Regierung durch und lie\u00df von ihrem Vorhaben, den Menschen in den Zeiten der Gro\u00dfen Hungersnot zu helfen, nicht ab. Die Schiffe legten in Irland an und die Fracht wurde gel\u00f6scht. Ein Gro\u00dfteil der Hilfsg\u00fcter wurde in der Stadt Drogheda deponiert, wo sodann die Kornkammern gef\u00fcllt werden konnten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Erz\u00e4hlungen nach soll als Zeichen der Dankbarkeit das Wappen von Drogheda um einen Halbmond und einen Stern erweitert worden sein. Dies wird jedoch von irischer Seite weitgehend dementiert. Doch nicht nur diese Geschichte wird in Frage gestellt, sondern die komplette Hilfsleistung des osmanischen Staates.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im M\u00e4rz dieses Jahres besuchte die irische Pr\u00e4sidentin Mary McAleese die T\u00fcrkei. In ihrer Rede in Ankara erw\u00e4hnte sie auch die Anekdote, wie der Halbmond auf das Wappen von Drogheda kam, womit sie ganz Irland erz\u00fcrnte. Es wurde danach sogar eine historische Debatte in Gang gesetzt. Die irischen Medien warfen McAleese vor, einem alten \u201eMythos\u201c auf den Leim gegangen zu sein. Au\u00dferdem habe sie auch nicht das Recht, diese historischen Unwahrheiten in aller \u00d6ffentlichkeit zu verbreiten. Die Sprecherin von Mary McAleese musste sich quasi f\u00fcr diesen gro\u00dfen Fehler ihrer \u201eChefin\u201c in aller Form entschuldigen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Doch gibt es nachweislich Dokumente, die beweisen, dass der Kalif w\u00e4hrend der Gro\u00dfen Hungersnot Geld nach Irland schickte. Die 3 mit Nahrungsmitteln beladenen Schiffe werden dort allerdings nicht erw\u00e4hnt. Bereits 2004 lie\u00df der damalige t\u00fcrkische Au\u00dfenminister Abdullah G\u00fcl diese Dokumente dem irischen Parlament zukommen. Taner Baytok, der t\u00fcrkische Botschafter in Irland, betonte aber, dass die Schiffe zwar in keinem Dokument Erw\u00e4hnung f\u00e4nden, die Iren diese Ereignisse jedoch von Generation zu Generation weitererz\u00e4hlt h\u00e4tten. 1995 weihten Baytok und der B\u00fcrgermeister von Drogheda eine Gedenktafel ein, welche an jenem Hotel direkt neben dem Fenster des Zimmers angebracht wurde, in dem osmanische Seefahrer w\u00e4hrend der irischen Hungersnot untergebracht worden seien.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">L\u00e4sst man die Frage, ob nun der Halbmond auf dem Wappen von Drogheda eine Dankbarkeitsbekundung war oder nicht und ob der osmanische Kalif Abdulmajid tats\u00e4chlich 3 Schiffe schickte oder aber doch nur 1.000 Sterling, au\u00dfer Acht, erstaunt dennoch der Aspekt, mit welcher Vehemenz sich die \u00d6ffentlichkeit gegen den Gedanken wehrt, dass der islamische Staat Irland half, obwohl er keine Gegenleistung zu erwarten hatte. Mit anderen Worten wird eine andere Frage durch diese Debatte aufgeworfen: Widerspricht es dem Bild des feindseligen, m\u00f6rderischen und barbarischen Staates so sehr, das man allzu gerne von der islamischen Herrschaft zeichnet, so dass man sich mit allen Mitteln gegen die Vorstellung wehrt, dass der Sultan dort half, wo Hilfe n\u00f6tig war, w\u00e4hrend der Rest Europas tatenlos zusah?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es ist nun einmal \u2013 allen Zweifeln zum Trotz \u2013 eine unersch\u00fctterliche Tatsache, dass der osmanische Staat den Menschen in Irland Hilfe zukommen lie\u00df, und das in Zeiten, in denen er selbst von inneren wie \u00e4u\u00dferen Krisen geplagt war, und in Zeiten, in denen Europa das Ende des Kalifats nicht nur herbeisehnte, sondern sich St\u00fcck f\u00fcr St\u00fcck des islamischen Bodens einverleibte. Obwohl sich die Kolonialisten in den eroberten Gebieten wie Barbaren verhielten und die Menschen ausbeuteten, zeigte Abdulmajid, was es hei\u00dft, ein Kalif zu sein, und erwies seine Gro\u00dfz\u00fcgigkeit.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Anfang 1845 wurde Irland von der Gro\u00dfen Hungersnot heimgesucht. Infolge von Kartoffelmissernten kam es zu einer beachtlichen Nahrungsmittelknappheit, bei der innerhalb von vier Jahren zwischen einer halben und einer Million Iren ums Leben kamen. Die Stadt Drogheda n\u00f6rdlich der irischen Hauptstadt verzeichnete sogar eine Todesrate von etwa 30 Prozent. Millionen von Menschen verlie\u00dfen das Land in der Hoffnung, woanders den Magen f\u00fcllen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n","protected":false},"author":20,"featured_media":15121,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[29],"tags":[2556],"class_list":["post-9947","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-geschichte","tag-tuerkei"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/kalifat1.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/9947","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/kalifat1.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/kalifat1.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kalifat1.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/20"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kalifat1.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=9947"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/kalifat1.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/9947\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kalifat1.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/15121"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/kalifat1.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=9947"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/kalifat1.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=9947"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/kalifat1.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=9947"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}