{"id":9950,"date":"2011-02-24T00:00:00","date_gmt":"2011-02-23T23:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/kalifat1.com\/?p=9950"},"modified":"2011-02-24T00:00:00","modified_gmt":"2011-02-23T23:00:00","slug":"die-nusra-der-ansar","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kalifat1.com\/?p=9950","title":{"rendered":"Die Nusra der Ansar"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Islam nahm seinen Anfang in Mekka, ohne dass er sich dort jedoch in der Gesellschaft durchsetzen konnte. Die Menschen traten zwar in den Islam ein, aber es gelang den Muslimen nicht, in Mekka die Oberhand zu gewinnen. Vielmehr waren sie der Verfolgung, der Folter und den Schikanen der G\u00f6tzenanbeter ausgesetzt, die entweder zu stolz waren, die Vielg\u00f6tterei aufzugeben und den Islam anzunehmen, oder aber aus reiner Gewohnheit nicht von ihrem alten Glauben, dem Glauben ihrer Vorv\u00e4ter, abweichen wollten. Vor allem die einflussreichen Pers\u00f6nlichkeiten in Mekka, die Edlen des Stammes Quraisch (der f\u00fchrende Stamm in Mekka), hielten stur an ihren primitiven Vorstellungen fest und bek\u00e4mpften den Islam.<br>Solange die einflussreichen Pers\u00f6nlichkeiten einer Gesellschaft eine antiislamische Haltung einnehmen, hat der Islam kaum eine Chance, sich erfolgreich durchzusetzen. Zwar kann diese Haltung nicht verhindern, dass Menschen in den Islam eintreten, aber sie bleibt ein Hindernis auf dem Weg zur Anwendung des Islam in allen Lebensbereichen einer Gesellschaft.<br>Dies war auch dem Propheten (s) vollkommen bewusst. Daher war es ein wichtiger Teil seiner Dawa (Verk\u00fcndung des Islam), sich um die f\u00fchrenden arabischen St\u00e4mme und um ihren Beistand zu bem\u00fchen. Es ging Muhammad (s) hierbei nicht darum, Schutz f\u00fcr sich und die Muslime zu finden, sondern dem Islam als Lebensordnung zum Durchbruch zu verhelfen und die Herrschaft zu erlangen. Vor diesem Hintergrund wandte er sich an unterschiedliche St\u00e4mme, etwa an den Stamm Kinda oder an den Stamm Kalb. Besonders schlecht wurde er vom Stamm Thaqif behandelt, der ihn aus Taif vertrieb. Trotz aller R\u00fcckschl\u00e4ge lie\u00df sich der Prophet (s) aber nicht entmutigen und investierte die Jahre der Dawa in die Suche nach Unterst\u00fctzung und Beistand unter den arabischen St\u00e4mmen, die eine Pflicht und Notwendigkeit darstellte.<br>Die Bitte um Beistand bzw. das Annehmen jeglicher Unterst\u00fctzung war an die Bedingung gekn\u00fcpft, dass die St\u00e4mme, bei denen der Prophet (s) anfragte, den Islam annahmen. Dies war die Voraussetzung, denn die Hilfe durfte nur von jenen angenommen werden, die sich dem Islam bedingungslos unterwarfen. Als der Stamm der Banu Schaiban ihm beispielsweise anbot, ihn gegen die Araber zu verteidigen, nicht aber gegen die Perser, lehnte er ihr Angebot ab. In \u00e4hnlicher Weise musste er die Zusage des Stammes Banu Amir zur\u00fcckweisen, da dieser Stamm die Herrschaft nach Muhammad (s) \u00fcbernehmen und die Unterst\u00fctzung an diese Bedingung kn\u00fcpfen wollte.<br>Die Hilfe, die so genannte Nusra, kam schlie\u00dflich aus Medina, das damals noch Yathrib hie\u00df. Vor allem in der Pilgerzeit bot sich Muhammad (s) den arabischen St\u00e4mmen an. Als einige Angeh\u00f6rige des Stammes Khazradsch aus Medina kamen, wandte sich der Prophet (s) auch ihnen zu, so dass sie den Islam annahmen und als Muslime nach Medina zur\u00fcckkehrten, wo sie eifrig f\u00fcr den Islam warben. Sie waren die ersten Ansar, d. h. jene Unterst\u00fctzer, die dem Propheten (s) ihre bedingungslose Unterst\u00fctzung anboten.<br>Die Nusra beschr\u00e4nkte sich jedoch nicht darauf, dass die Ansar in Medina zum Islam aufriefen und den neuen Glauben propagierten, um neue Anh\u00e4nger zu gewinnen. Ziel der Nusra war nicht der Gewinn einzelner Individuen f\u00fcr den Islam, sondern das Erlangen der Herrschaft, durch welche die Ausdehnung des Islam zwangsl\u00e4ufig einhergeht. Aufgrund der Bedeutsamkeit dieser Angelegenheit traf sich der Gesandte Allahs (s) ein Jahr nach der ersten Begegnung erneut mit zw\u00f6lf Ansar aus Medina zur Pilgerzeit, die ihm bei Aqaba huldigten, Allah nichts beizugesellen, nicht zu stehlen, keine Unzucht zu treiben, die Kinder nicht zu t\u00f6ten, die Nachbarn nicht zu verleumden und zu gehorchen. Daraufhin schickte der Prophet (s) seinen Gef\u00e4hrten Musab ibn Umair (r) mit den Ansar nach Medina, um die Gesellschaft dort mit dem Islam vertraut zu machen.<br>Erst nachdem sich die Gesellschaft in Medina f\u00fcr die Herrschaft des Islam bereit zeigte und alle Vorbereitungen sowohl durch die Ansar als auch durch den Propheten (s) und seine Gef\u00e4hrten in Mekka getroffen waren, konnte die Hidschra, die Auswanderung nach Medina, ihren Anfang nehmen. Die Muslime in Mekka begannen allm\u00e4hlich nach Medina auszuwandern und erhielten dadurch die Bezeichnung Muhadschirun (Auswanderer). Auch der Prophet (s) machte sich f\u00fcr die Hidschra bereit und wartete nur noch auf den Befehl Allahs (t), die Hidschra antreten zu d\u00fcrfen. Seine Ankunft in Medina bedeutete einen Wendepunkt, denn damit war der islamische Staat geboren.<br>Diese politische Bedeutsamkeit erkl\u00e4rt auch, warum der Stamm Quraisch mit dem Verhaltenskodex der damaligen Zeit brach und den Plan verfolgte, Muhammad (s), einen Mann aus dem eigenen Stamm, zu t\u00f6ten \u2013 eine f\u00fcr einen Stamm v\u00f6llig un\u00fcbliche Vorgehensweise. Der Plan der Quraisch sah vor, aus jedem Stamm einen angesehenen jungen Mann damit zu beauftragen, Muhammad (s) zu t\u00f6ten, so dass die Blutschuld auf alle St\u00e4mme verteilt werde und die Sippe des Propheten (s) mit einem Blutgeld abgespeist werden k\u00f6nne, da sie nicht gegen alle St\u00e4mme gleichzeitig Krieg f\u00fchren k\u00f6nne.<br>Ohne die Hilfe der Ansar w\u00e4re die Hidschra zum Scheitern verurteilt gewesen. So musste nicht nur der Prophet (s) in Medina aufgenommen werden, sondern auch die vielen Muhadschirun, die mit der Auswanderung aus Mekka ihre Existenzgrundlage verloren. Sie brauchten zum einen Unterk\u00fcnfte und zum anderen M\u00f6glichkeiten, um den Lebensunterhalt bestreiten zu k\u00f6nnen. Hierbei waren sie auf die Unterst\u00fctzung der Ansar angewiesen, die die Muhadschirun in ihren H\u00e4usern aufnahmen und ihnen beispielsweise von ihrem Land gaben, um es bebauen und davon leben zu k\u00f6nnen.<br>Die Ansar zeigten sich diesbez\u00fcglich au\u00dferordentlich gro\u00dfz\u00fcgig und teilten mit den Muhadschirun ihren Besitz oder erm\u00f6glichten ihnen, den Lebensunterhalt zu bestreiten. Sie nahmen die Muhadschirun nicht als Fremde auf, sondern als Geschwister im Islam \u2013 ein Resultat der Verbr\u00fcderung, die der Prophet (s) zwischen den Ansar und den Muhadschirun angeordnet hatte, um die Beziehung zwischen den beiden Gruppen zu st\u00e4rken. Weder Feindschaft noch Angst um den eigenen Wohlstand war unter den Ansar vorhanden.<br>Aufgrund ihrer Unterst\u00fctzung f\u00fcr den Gesandten Allahs (s) und den Islam nehmen die Ansar eine besondere Stellung im Islam ein. Im Koran hei\u00dft es \u00fcber sie: &#8222;Die Allerersten, die ersten der Muhadschirun und der Ansar und jene, die ihnen auf die beste Art gefolgt sind \u2013 mit ihnen ist Allah wohl zufrieden und sie sind wohl zufrieden mit Ihm; und Er hat ihnen G\u00e4rten vorbereitet, durch welche B\u00e4che flie\u00dfen. Darin sollen sie verweilen auf ewig und immerdar. Das ist der gewaltige Gewinn.&#8220; (9; 100) Auch in den Hadithen finden die Ansar Erw\u00e4hnung: &#8222;Der Gesandte Allahs (s) sagte: &#8218;Das Kennzeichen des Heuchlers ist sein Hass gegen\u00fcber den Ansar, und das Kennzeichen des Gl\u00e4ubigen ist seine Liebe zu den Ansar.'&#8220; (Muslim) In einem anderen Hadith hei\u00dft es: &#8222;Der Gesandte Allahs (s) sagte: &#8218;Das Kennzeichen des Heuchlers ist sein Hass gegen\u00fcber den Ansar und das Anzeichen des Gl\u00e4ubigen ist seine Liebe zu den Ansar.'&#8220; (Muslim) Die Achtung der Ansar und ihrer Leistung f\u00fcr den Islam ist vorgeschrieben und zeichnet eine islamische Pers\u00f6nlichkeit aus.<br>Auch heute bedarf der Islam der Helfer unter den einflussreichen Personen einer Gesellschaft, die ihn bei der Erlangung der Herrschaft unterst\u00fctzen. Die Suche nach Nusra f\u00fcr den Islam und den Aufbau des islamischen Staates muss, so zeigt es die Vorgehensweise des Propheten (s), auch heute integraler Bestandteil der Dawa sein, weil sich die Herrschaft des Islam sonst nicht realisieren l\u00e4sst.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Islam nahm seinen Anfang in Mekka, ohne dass er sich dort jedoch in der Gesellschaft durchsetzen konnte. Die Menschen traten zwar in den Islam ein, aber es gelang den Muslimen nicht, in Mekka die Oberhand zu gewinnen. Vielmehr waren sie der Verfolgung, der Folter und den Schikanen der G\u00f6tzenanbeter ausgesetzt, die entweder zu stolz waren, die Vielg\u00f6tterei aufzugeben und den Islam anzunehmen, oder aber aus reiner Gewohnheit nicht von ihrem alten Glauben, dem Glauben ihrer Vorv\u00e4ter, abweichen wollten. 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