{"id":9955,"date":"2011-02-19T00:00:00","date_gmt":"2011-02-18T23:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/kalifat1.com\/?p=9955"},"modified":"2011-02-19T00:00:00","modified_gmt":"2011-02-18T23:00:00","slug":"der-stellenwert-der-islamischen-umma-in-der-geschichte","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kalifat1.com\/?p=9955","title":{"rendered":"Der Stellenwert der islamischen Umma in der Geschichte"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Geschichte wird in drei Gro\u00dfepochen unterteilt: Antike, Mittelalter und Neuzeit. Diese Einteilung orientiert sich ausschlie\u00dflich an der europ\u00e4ischen Geschichte und den historischen Ereignissen in Europa.<br>Die Begriffe sind auf die Geschichte Europas zugeschnitten und klammern au\u00dfereurop\u00e4ische Kulturen vollkommen aus. Beginn und Ende einer Epoche werden an markanten Begebenheiten in Europa festgemacht. Dennoch werden diese Epochen verallgemeinert und auf die Menschheitsgeschichte insgesamt \u00fcbertragen, obwohl eine solche \u00dcbertragung nicht zul\u00e4ssig ist. Denn eine Epoche bezeichnet einen Zeitabschnitt mit bestimmten gemeinsamen Merkmalen, die jedoch nicht in allen Gesellschaften dieser Welt in Erscheinung traten. Das Mittelalter beispielsweise ist gekennzeichnet durch das Christentum und das Feudalsystem. Selbst mit der Anmerkung, dass es sich bei diesen Gro\u00dfepochen um Epochen europ\u00e4ischer Geschichte handelt, existiert keine eigene Epocheneinteilung f\u00fcr die Geschichte anderer Regionen und Kulturen dieser Welt. Europa gilt hierbei als Ma\u00dfstab der Menschheitsgeschichte, denn die Begriffe werden in allgemeiner Form auch auf au\u00dfereurop\u00e4ische Kulturen angewendet.<br>Die islamische Umma hat in dieser Geschichte keinen Platz, obwohl sie seit ihrer Entstehung mehr bewirkt hat als irgendeine andere Volksgemeinschaft. Der Islam spielte auch f\u00fcr Europa eine derart gro\u00dfe Rolle, dass es gleich sieben Kreuzz\u00fcge gegen ihn f\u00fchrte. W\u00e4hrend aber das Ende des Westr\u00f6mischen Reiches f\u00fcr so bedeutend gehalten wird, dass es gleichzeitig das Ende der Antike markiert, geht die Gr\u00fcndung des Kalifats im Jahr 622 n. Chr. in der westlichen Geschichtsschreibung unter, obwohl es ein weitaus bedeutenderes Ereignis darstellt als beispielsweise der Untergang Westroms. Mit dem Islam wurde eine ganz neue Menschheitsepoche eingeleitet, die auch Europa mit einbezog. Bereits 711 n Chr. setzten die Muslime ihren Fu\u00df auf spanischen Boden und herrschten dort fast acht Jahrhunderte lang.<br>Sowohl diejenigen, die den Islam annahmen, als auch jene, die als Nichtmuslime unter islamischer Herrschaft lebten, erfuhren durch den Islam einen Aufstieg, wie es ihn sonst nirgendwo in der Geschichte gab. Wenngleich aber der islamische Staat bis heute das europ\u00e4ische Schreckgespenst darstellt, werden dessen Gr\u00fcndung und das Erscheinen der islamischen Umma auf der politischen Weltb\u00fchne nicht als historischer Eckpunkt betrachtet. Dem Islam und der islamischen Umma fehlt angesichts des Einflusses auf die Menschheit der angemessene Stellenwert innerhalb der Menschheitsgeschichte. Denn keine Gesellschaft hat so nachhaltig auf die V\u00f6lker, die mit der Umma in Ber\u00fchrung kamen, gewirkt wie die islamische Gesellschaft. Vergleicht man die islamische Gesellschaft mit anderen Gesellschaften, so wird das Missverh\u00e4ltnis in der historischen Relevanz deutlich.<br>Europa f\u00fchrt seine Wurzeln auf das antike Griechenland zur\u00fcck und sieht die Urspr\u00fcnge seiner Kultur in der klassischen griechischen Antike. Das antike Griechenland wurde im Laufe der Zeit, vor allem um 1800, zu einem H\u00f6hepunkt menschlicher Existenzform erhoben, die nicht zu \u00fcbertreffen sei. Kultur und Bildung h\u00e4tten zur Zeit der Griechen ihre h\u00f6chste Bl\u00fcte erreicht. Vor allem Historiker, Philosophen und K\u00fcnstler haben dieses Bild projiziert. Ein Bild, das bei genauerer Betrachtung viel glanzloser erscheint, als es von diesen Leuten gezeichnet wurde.<br>Antike griechische Ruinen sind in weiten Teilen der Welt zu finden und zeugen davon, wo die Griechen \u00fcberall gewesen sind und wie ausgedehnt ihre Kolonisation war. Die V\u00f6lker, die unterworfen wurden, galten den Griechen als Barbaren. Sie hatten keinerlei Interesse daran, die unterworfenen V\u00f6lker zu ihresgleichen zu machen, so dass der Unterschied zwischen Eroberern und Eroberten bestehen blieb. Alexander der Gro\u00dfe forderte beispielsweise von Nichtmakedoniern und Nichtgriechen, sich vor ihm zu verbeugen und mit dem Gesicht den Boden zu ber\u00fchren.<br>Betrachtet man die vielen Regionen, in denen die Griechen waren, so sind heute keine Spuren bei den V\u00f6lkern erkennbar \u2013 etwa bei den \u00c4gyptern oder den Persern \u2013, die auf einen Einfluss der alten Griechen auf die Menschen schlie\u00dfen lassen. Das Verhalten der Menschen blieb von der Pr\u00e4senz der Griechen unber\u00fchrt. Gleiches gilt im Grunde f\u00fcr das r\u00f6mische Imperium. Es wurden zwar weite Teile der Welt erobert, jedoch ohne eine dauerhafte Wirkung bei den Menschen zu hinterlassen. Die Gebiete beispielsweise, die damals die r\u00f6mischen Provinzen Africa und Palaestina darstellten, geben abgesehen von den arch\u00e4ologischen Funden keinen Hinweis mehr darauf, dass die R\u00f6mer dort in der Vergangenheit geherrscht haben. Die r\u00f6mische Herrschaft wurde im Gegensatz zur islamischen Herrschaft immer als Fremdherrschaft empfunden. Mit ihrem Verschwinden verschwand gleichzeitig auch ihr Einfluss auf die beherrschten V\u00f6lker. Die Hinterlassenschaft der alten Griechen und R\u00f6mer f\u00fcr die Menschheit sind letztendlich Sehensw\u00fcrdigkeiten, an denen sich heute die Touristen erfreuen.<br>In \u00c4gypten beispielsweise, das lange Zeit unter griechischer und dann unter r\u00f6mischer Herrschaft stand, weisen nur noch arch\u00e4ologische Funde auf die griechische und r\u00f6mische Pr\u00e4senz hin. Auch die Pharaonenzeit \u00fcbt keinerlei Einfluss mehr auf die heutige \u00e4gyptische Gesellschaft aus. An die alten \u00c4gypter erinnern nur noch Mumien und Pyramiden, nicht aber ihr Denken und ihre damalige Vorstellung von Leben und Tod. Der Islam hat in \u00c4gypten alle vorherigen Einfl\u00fcsse aufgehoben, und das Leben der Menschen wird heute vom Islam bestimmt, selbst nachdem die islamische Herrschaft endete.<br>Der Glaube an die antike G\u00f6tterwelt sowohl bei den Griechen als auch bei den R\u00f6mern zeugt nicht davon, dass ihre Mythologie der Religion anderer V\u00f6lker voraus war. Es handelte sich um einen polytheistischen Glauben, der, wie bei vielen anderen V\u00f6lkern auch, die Welt mit Hilfe von naiven Geschichten zu erkl\u00e4ren versuchte. Mit diesem Glauben konnten sie das Verhalten der Menschen nicht beeinflussen und auf ein h\u00f6heres Niveau heben. Vielmehr vermischten sich die Religionen, ohne dass daraus aber eine Verbesserung im Verhalten der Menschen resultierte. Denn es spielte keine Rolle, ob die Menschen nun an den griechischen Gott Zeus und sein Gefolge oder an den germanischen Gott Odin glaubten.<br>Genau hierin liegt der Ma\u00dfstab daf\u00fcr, inwiefern ein Kulturvolk Einfluss auf die Menschheit aus\u00fcben kann. Nicht irgendwelche Bau- oder Kunstwerke und zivilisatorischen Errungenschaften geben den Ausschlag, sondern das Verhalten und die Handlungen des Menschen. Es spielt keine Rolle, ob Gro\u00dfst\u00e4dte wie London, Trier oder K\u00f6ln urspr\u00fcnglich r\u00f6mische Siedlungen waren, ob die romanischen Sprachen auf die R\u00f6mer zur\u00fcckzuf\u00fchren sind, ob sie Aqu\u00e4dukte, Stra\u00dfennetze, Badeanlagen usw. bauten. Nur das Verhalten kann Auskunft dar\u00fcber geben, ob ein Volk einen positiven Einfluss auf die Menschheit aus\u00fcben konnte oder nicht. Blieben die Menschen bei ihren dekadenten Verhaltensweisen oder \u00e4nderten sie ihr Verhalten? Allein diese Frage ist von Bedeutung, um zu beurteilen, wie stark der Einfluss eines Volkes auf andere war.<br>Betrachtet man beispielsweise einen Staat wie die USA, so handelt es sich zweifelsfrei um einen sehr fortschrittlichen Staat, was Technologie und Forschung angeht. Das Verhalten der Menschen steht jedoch in keinerlei Beziehung zu diesem Fortschritt und wird von ganz anderen Faktoren bestimmt. Gesellschaftsprobleme wie Alkohol- und Drogenkonsum, Jugendkriminalit\u00e4t usw. r\u00fchren n\u00e4mlich von der Idee der uneingeschr\u00e4nkten pers\u00f6nlichen Freiheit her, die der Kapitalismus propagiert. Amerika ist zwar ein technologisch fortschrittlicher Staat, der jedoch eine dekadente Gesellschaft aufweist. Die zivilisatorischen Mittel sind nicht der Ma\u00dfstab f\u00fcr das Niveau einer Gesellschaft. Deshalb hat die amerikanische Gesellschaft eine negative Wirkung auf andere Gesellschaften.<br>So haben beispielsweise die Korruption und der Drogenhandel in Afghanistan enorm zugenommen, seit die USA dort einmarschiert sind und die Taliban-Regierung vertrieben haben. Auch der Sextourismus in Thailand ist auf die Amerikaner zur\u00fcckzuf\u00fchren. W\u00e4hrend des Vietnamkriegs richtete das US-Milit\u00e4r in Thailand ein &#8222;Erholungsgebiet&#8220; f\u00fcr US-Soldaten ein, das aus Bordellen bestand. Seitdem hat sich in Thailand die Prostitution zu einem riesigen Markt entwickelt. Das hei\u00dft, die US-Soldaten k\u00e4mpften zwar mit modernster Technologie, ihr Verhalten war im Vergleich dazu aber \u00e4u\u00dferst dekadent. Eine Gesellschaft darf daher nicht an ihren zivilisatorischen Mitteln bemessen und beurteilt werden, sondern ausschlie\u00dflich nach dem Verhalten der Menschen.<br>Die islamische Umma hingegen hat eine v\u00f6llige Ver\u00e4nderung bei jenen bewirkt, die mit ihr in Ber\u00fchrung kamen. Bereits der Blick auf die Arabische Halbinsel belegt, wie weitreichend und dauerhaft diese Ver\u00e4nderungen waren. So hat der Islam innerhalb k\u00fcrzester Zeit die G\u00f6tzenanbetung auf der Arabischen Halbinsel vollst\u00e4ndig abgeschafft und die Araber davon abgebracht, tote Materie in Form von G\u00f6tzenfiguren anzubeten. Des Weiteren lie\u00dfen die Araber von ihren dekadenten Br\u00e4uchen ab, wie etwa dem T\u00f6ten der T\u00f6chter, die man in vorislamischer Zeit lebendig begrub. Auch hat der Islam das jahrhundertealte Stammesdenken, das f\u00fcr viele kriegerische Auseinandersetzungen unter den Arabern verantwortlich war, beendet und eine Einheit zwischen den Menschen geschaffen, die den Islam annahmen.<br>Allein die Leistung der islamischen Gesellschaft auf der Arabischen Halbinsel ist in der Menschheitsgeschichte un\u00fcbertroffen. Dar\u00fcber hinaus hat der Islam ganze V\u00f6lker \u2013 Araber wie Nichtaraber \u2013 zu einer Einheit zusammengeschwei\u00dft, die sich bis heute als eine Umma begreifen. In keiner Phase der Menschheitsgeschichte hat ein Kulturvolk dergleichen je geleistet. Diese Leistung der islamischen Umma bleibt jedoch in der Geschichtsschreibung unber\u00fccksichtigt, auch wenn keine andere Menschengemeinschaft diesen Erfolg je wiederholen konnte.<br>Das Christentum hat es nicht vermocht, eine dauerhafte und feste Verbindung zwischen den Menschen herzustellen. Zwar haben viele Menschen den christlichen Glauben angenommen, doch stellte das Christentum keine Einheit unter den V\u00f6lkern her, die sich hemmungslos weiter bekriegten. Der Grund hierf\u00fcr liegt in dem Umstand begr\u00fcndet, dass der Islam im Gegensatz zum Christentum eine vollkommene Lebensordnung darstellt, die Gesetze f\u00fcr alle Lebensbereiche beinhaltet. Vergleichbares fehlt in der christlichen Religion, in der vor allem der spirituelle Aspekt dominiert.<br>So hat das Christentum keine Gesetze zu bieten, die beispielsweise die Staatsform festlegen oder von einem Staat zur L\u00f6sung wirtschaftlicher, sozialer oder politischer Probleme praktisch angewendet werden k\u00f6nnten. Auch hat es das Christentum w\u00e4hrend all dieser Jahrhunderte nicht vermocht, eine tats\u00e4chliche Einheit unter den christlichen V\u00f6lkern zu schaffen und ein wirkliches Zusammengeh\u00f6rigkeitsgef\u00fchl unter ihnen herzustellen. Nicht umsonst wird das christliche Europa als \u201eKontinent der Kriege&#8220; bezeichnet, wegen den unz\u00e4hligen kriegerischen Auseinandersetzungen, die dieser Kontinent im Laufe seiner christlichen Geschichte erleben musste.<br>Die Errungenschaft der Verschmelzung unterschiedlichster V\u00f6lker und ihrer Vereinigung zu einer einzigen Gemeinschaft bleibt allein dem Islam vorbehalten. Selbst vor dem Hintergrund, dass der Islam zur Zeit in keinem Staat Anwendung findet, um die Muslime zu einer islamischen Gesellschaft zu einen, und nur in den einzelnen Individuen fortbesteht, schafft er es, den Einheitsgedanken der Muslime als eine einzige Umma aufrechtzuerhalten. Eine solche Verschmelzung der V\u00f6lker ist in der Geschichte der Menschheit einzigartig und blieb dennoch historisch ungew\u00fcrdigt.<br>Im Mittelalter stach die islamische Gesellschaft vor allen anderen Gesellschaften, die in v\u00f6lliger Finsternis herumtappten, deutlich hervor. Das einzige Licht, von dem Europa beleuchtet wurde, war das im Andalus, dem heutigen Spanien, das sich unter islamischer Herrschaft befand, und es erlosch, nachdem die dortige muslimische Existenz durch Vertreibung, Zwangsbekehrung oder T\u00f6tung ausgel\u00f6scht wurde.<br>Kultur und Bildung der Muslime stellten alle Gesellschaften des Mittelalters und der Zeit davor in den Schatten. Dem hohen Niveau der islamischen Gesellschaft im Mittelalter wird jedoch in der Geschichtsschreibung keine Rechnung getragen. Die Epoche des Mittelalters wird am europ\u00e4ischen Niveau festgemacht, das von R\u00fcckst\u00e4ndigkeit gepr\u00e4gt war. Dass es zur gleichen Zeit eine Gesellschaft gab, die von Bl\u00fcte und Fortschritt gekennzeichnet war, klammert die Geschichtsschreibung vollst\u00e4ndig aus. Deshalb wird die Epoche ausschlie\u00dflich mit dunkler R\u00fcckst\u00e4ndigkeit assoziiert.<br>Gerade das Beispiel Spaniens verdeutlicht den Unterschied zwischen der Pr\u00e4senz des Islam innerhalb eines Volkes und seiner Nichtpr\u00e4senz. Mit der Er\u00f6ffnung Spaniens erlebte dieser Teil Europas einen unvergleichlichen Aufstieg in allen Bereichen des Lebens und hob sich dadurch vom Rest Europas deutlich ab. Zeitgleich mit der Vertreibung, Ermordung oder Zwangsbekehrung der Muslime im Rahmen der Reconquista und der v\u00f6lligen Ausl\u00f6schung aller islamischen Spuren setzte ein Verfall und Niedergang Spaniens ein, und zwar ebenfalls in allen Bereichen.<br>Europa profitierte zwar von den Errungenschaften der islamischen Gesellschaft, kaschierte aber geschickt die Quelle seines Wissens. So war der &#8222;Kanon der Medizin&#8220; des Ibn Sina bis ins 17. Jahrhundert hinein eines der wichtigsten Lehrb\u00fccher der Medizin in Europa. Der Name des Verfassers wurde jedoch in Avicenna lateinisiert und damit dessen Herkunft untergraben. Das hei\u00dft, auch auf wissenschaftlicher und technologischer Ebene hat man die Muslime um ihre Bedeutung f\u00fcr die Menschheit gebracht. Das Bekenntnis, dass vor allem die Medizin ohne die Muslime und ihre Errungenschaften im Mittelalter nicht so weit gekommen w\u00e4re, kam z\u00f6gerlich und sp\u00e4t.<br>Das negative Bild, das von der islamischen Gesellschaft projiziert wird, \u00fcberwiegt, obwohl die Muslime in allen Gebieten, die sie im Laufe der Geschichte er\u00f6ffneten, einen Aufstieg bewirkten. Zu einem Schockerlebnis f\u00fcr Europa wurde die Er\u00f6ffnung der Stadt Konstantinopel im Jahre 1453 durch die Muslime, die bis dahin Hauptstadt des Ostr\u00f6mischen Reiches war. Mit diesem Ereignis markieren manche Historiker das Ende des Mittelalters. Damit meint die europ\u00e4ische Geschichtsschreibung allerdings nicht, dass die Muslime Europa aus dem finsteren Mittelalter gef\u00fchrt h\u00e4tten.<br>Die historische Bedeutung dieses Ereignisses wird daran festgemacht, dass jene, die nach der Er\u00f6ffnung Konstantinopels beispielsweise nach Italien flohen, viele antike Schriftst\u00fccke mit sich f\u00fchrten, die eine Wiederentdeckung der Antike in Europa bewirkten. Die Geschichte vermittelt den Eindruck, als h\u00e4tten Barbaren Konstantinopel erobert und alle Intellektuellen und damit das Wissen vertrieben. Die Stadt bl\u00fchte jedoch in politischer, wirtschaftlicher und kultureller Hinsicht zu neuem Glanz auf und wurde sogar Hauptstadt des Osmanischen Reiches bzw. des islamischen Staates. Die Geschichtsschreibung kennzeichnet dieses historische Ereignis jedoch nicht aus diesem Grund als Beginn einer neuen Epoche.<br>Der Einfluss der islamischen Gesellschaft auf die Menschheit nahm seinen Anfang mit der Gr\u00fcndung des islamischen Staates in Medina. Zuvor waren es nur einzelne Individuen, auf die der Islam wirken konnte. Erst durch die vollst\u00e4ndige Umsetzung des Islam in der Staatsform des Kalifats konnte die islamische Gesellschaft auf die Menschheit wirken. Ist der Einfluss der Muslime heute gering, weil das Kalifat als Hauptinstrument fehlt, so war der Einfluss, den die Umma in der Vergangenheit auf die Menschheit nahm, so intensiv, dass die Spuren bis heute nicht verwischt werden konnten. \u00dcberall da, wo die islamische Gesellschaft gewirkt hat, sind die Menschen \u00fcber Generationen bis in die Gegenwart Muslime geblieben. Selbst unter der Herrschaft anderer Ideologien konnte der Islam nicht ausgel\u00f6scht werden. So gut wie alle Regionen, die Teil des islamischen Staates waren, sind mehrheitlich von Muslimen bev\u00f6lkert geblieben.<br>Die Leistung der islamischen Gesellschaft besteht daher vor allem in ihrer bleibenden Wirkung auf die Menschen und ihr Verhalten, nachdem diese mit der islamischen Ideologie in Ber\u00fchrung kamen. In der Ideologie liegt das Geheimnis des Einflusses der Umma auf die Menschen. Der Islam war die erste Ideologie in der Menschheitsgeschichte, d. h. die erste Glaubens\u00fcberzeugung, aus der eine umfassende Lebensordnung hervorging. Anderen Gesellschaften fehlte eine solche Ideologie \u2013 weder die Griechen noch die R\u00f6mer besa\u00dfen eine solche \u2013, mit der sie die Menschen dauerhaft h\u00e4tten ver\u00e4ndern k\u00f6nnen.<br>Dennoch bleibt ein Missverh\u00e4ltnis zwischen dem Wirken der islamischen Gesellschaft auf die Menschheit und ihrer Bedeutung sowie ihrer Rolle, die ihr innerhalb der Menschheitsgeschichte zugeteilt wird, bestehen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Begriffe sind auf die Geschichte Europas zugeschnitten und klammern au\u00dfereurop\u00e4ische Kulturen vollkommen aus. Beginn und Ende einer Epoche werden an markanten Begebenheiten in Europa festgemacht. Dennoch werden diese Epochen verallgemeinert und auf die Menschheitsgeschichte insgesamt \u00fcbertragen, obwohl eine solche \u00dcbertragung nicht zul\u00e4ssig ist. 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