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Politik Die internationale Koalition gegen das syrische Volk

„Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen.“ – Immanuel Kant hat mit diesem Horaz-Zitat seinen Aufsatz „Beantwortung der Frage: Was ist Aufklärung?“ eingeleitet. Das Zitat wurde zum Leitspruch der Aufklärung, die den Menschen dazu befähigen sollte, eine von Ungerechtigkeit und Unterdrückung geprägte politische Ordnung abzulehnen.

„Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen.“ – Immanuel Kant hat mit diesem Horaz-Zitat seinen Aufsatz „Beantwortung der Frage: Was ist Aufklärung?“ eingeleitet. Das Zitat wurde zum Leitspruch der Aufklärung, die den Menschen dazu befähigen sollte, eine von Ungerechtigkeit und Unterdrückung geprägte politische Ordnung abzulehnen.

Die Eigenschaft, sich des eigenen Verstandes zu bedienen, fehlt den meisten aber, wie sehr sich der Westen auch einreden mag, dass er die Aufklärung erfolgreich abgeschlossen hat. Genau genommen hat die Aufklärung lediglich die illusorische Idee von der Freiheit des Menschen geschaffen und einen blinden Glauben daran hervorgebracht, ohne ein eigenständiges Denken des Menschen tatsächlich zu fördern. Das Resultat ist, dass die Anhänger dieses Glaubens jedwedes Unrecht hinnehmen, das im Namen der Freiheit geschieht.

Eines hat die Aufklärung jedoch geschafft, nämlich dass Unrecht und Unterdrückung auf andere Teile der Welt verlagert wurden. Europa hat sich von der Unterdrückung weitgehend befreit und ist dazu übergegangen, andere Völker zu unterdrücken. Das heroische Motiv ist hierbei nichts Geringeres als die Verteidigung der bereits erwähnten Freiheit, die mehr als nur Opium für das Volk ist.

Vor diesem Hintergrund ist es für die internationale Staatengemeinschaft ein Leichtes, der Weltöffentlichkeit zu suggerieren, der IS sei ein übermächtiger Gegner und eine weltweite Bedrohung der Freiheit und die Bombardierung Syriens eine Notwendigkeit, um dieser Gefahr zu begegnen. Die westlichen Staaten gehen sogar noch weiter und beziehen die syrische Armee in ihre Koalition ein, die die größten Verbrechen am syrischen Volk verübt hat. Und als Krönung von allem planen sie den Diktator und Menschenrechtsverbrecher Bashar al-Assad als Teil einer Lösung für Syrien ein.

Niemand, dessen Verstand trotz aller Panikmache noch aktiv ist, vermag ernsthaft zu glauben, dass Russlands Präsident Wladimir Putin, der in der Ukraine-Krise noch als Oberschurke galt, nun auf Seiten der „Guten“ den Terrorismus in Syrien bekämpft. Soll man darüber hinaus wirklich glauben, dass die USA – anders als in Afghanistan und im Irak – diesmal moralische Absichten in Syrien hegen? Wirft Frankreich seine Bomben auch nur in reiner Selbstverteidigung über Syrien ab? Solange die narkotische Wirkung der Pariser Anschläge vom 13. November noch anhält und der Verstand außer Kraft gesetzt bleibt, mag man daran glauben. Und wie glaubwürdig ist es, dass Deutschland und Großbritannien Frankreich lediglich zur Seite stehen wollen in diesem Krieg, der ein Krieg gegen das syrische Volk ist?

Der Verstand orientiert sich an Fakten und aus diesen ergibt sich ein ganz anderes Bild. Der vermeintliche Kampf gegen den IS ist in Wahrheit ein Kampf für Assad. Alles läuft darauf hinaus, das Assad-Regime an der Macht zu halten. Darauf weist auch das angekündigte Treffen zwischen syrischen Oppositionsgruppen und dem Assad-Regime hin. Für das syrische Volk heißt das, dass es gleich drei Aggressoren gegenübersteht. Jetzt sind es nicht mehr nur Assads Fassbomben und der IS, vor denen die Syrer Schutz suchen müssen, sondern auch der Bombenregen westlicher Staaten, der sie in die Flucht treibt. Das Paradoxe daran ist, dass die Menschen Schutz in den vom IS kontrollierten Gebieten suchen, weil sie wissen, dass sie hier vor den internationalen Bomben sicherer sind, wie sehr der Westen auch beteuert, dass sein Bombardement ausschließlich dem IS gelte.

Der Westen ist auf den Terrorismus angewiesen, um seine Interessen und Ziele in der islamischen Welt durchsetzen zu können. Wie sollte er sonst sein militärisches Vorgehen rechtfertigen? Man stelle sich nur einmal vor, es gäbe gar keine Terrorgruppen. Da hätten Staaten wie die USA gar keine Möglichkeit mehr, sich die Ressourcen anderer Völker anzueignen, ohne als Aggressoren dazustehen. Der Westen muss eine permanente Bedrohung der Freiheit aufrechterhalten, und dies ist nur durch die Existenz von al-Qaida, Boko Haram, IS und andere sogenannte Terrorgruppen möglich. Man darf fast schon gespannt sein, wie die Steigerung des IS aussehen wird, wenn dieser seinen Zweck nicht mehr erfüllt und eine noch viel schlimmere Bedrohung der Freiheit hermuss.