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Allgemein Erdoğans Popularität

st, dass ihm bei all den politischen Fakten, die eindeutig gegen ihn sprechen, unterstellt wird, der Islam und die Muslime seien sein Anliegen. Trotzdem sind viele davon überzeugt, dass seine Politik im Interesse der Muslime ist.

Recep Tayyip Erdoğans Popularität bei den türkischen Muslimen ist ein Phänomen. Das Erstaunliche daran ist, dass ihm bei all den politischen Fakten, die eindeutig gegen ihn sprechen, unterstellt wird, der Islam und die Muslime seien sein Anliegen. Trotzdem sind viele davon überzeugt, dass seine Politik im Interesse der Muslime ist.

Erdoğans Kooperation mit dem Westen lässt keinen Zweifel daran, dass er an der Bekämpfung der Muslime ja sogar aktiv teilnimmt. Allein die Bereitstellung der Incirlik Air Base als wichtigstes Drehkreuz für die militärischen Schläge des Westens gegen die Muslime in der islamischen Welt legt offen, auf wessen Seite er steht. Auch die engen Beziehungen zu Israel sprechen eine deutliche Sprache. Die Türkei ist der wichtigste Partner Israels in der islamischen Welt. Es handelt sich um Fakten, die aufzeigen, wer Erdoğan wirklich ist und inwieweit er am Kampf gegen die Muslime involviert ist.

Ein Erdoğan-Anhänger blendet diese politische Realität vollständig aus oder redet sich Erdoğans Handeln schön, indem er in Erdoğans Politik einen höheren Sinn hineininterpretiert, der am Ende den Muslimen zugutekomme. Dabei richtet sich der Fokus auf das Jahr 2023, womit Erdoğan die Menschen ködert. Er suggeriert ihnen, dass die Türkei bis dahin zu den zehn größten Volkswirtschaften der Welt gehören wird. Dadurch wendet er den Blick der türkischen Muslime weg von der politischen Realität und lockt sie mit einer Zukunftsvision, auf die seine Anhänger vertrauen. Dass es aber im Islam keineswegs darum geht, zu den größten Volkswirtschaften der Welt zu gehören, sondern darum, die islamischen Gesetze anzuwenden, geht hierbei völlig unter.

Erdoğans einziger Vorteil ist, dass ihn seine Anhänger nicht an rein islamischen Maßstäben messen, sondern an seinen politischen Vorgängern, die nicht besonders gut wegkommen. Es ist auch keineswegs eine politische Glanzleistung, um im Vergleich dazu besser dazustehen. Besser als die anderen zu sein heißt aber noch lange nicht, dass Erdoğans Politik richtig ist. Die Muslime in der Türkei haben lediglich das Gefühl, von Erdoğan besser regiert zu werden als von seinen Vorgängern. Genau darin steckt das Geheimnis seiner Popularität. Das allein reicht seinen Anhängern, um hinter ihm zu stehen.

Zu den wesentlichen Veränderungen, die Erdoğan vorgenommen hat, gehören die des Gesundheitssystems. Er ermöglichte auch den Armen den Zugang zu medizinischer Versorgung. Dass jeder einen Arzt aufsuchen kann, war für die Türken keine Selbstverständlichkeit und ist seit Erdoğan möglich. Damit hat er viele Türken natürlich auf seiner Seite, die ihr Recht auf medizinische Versorgung als eine Wohltat Erdoğans begreifen, anstatt darin eine Pflicht des Staates zu sehen, die vorher vernachlässigt wurde. Erdoğan hat mit der Verbesserung des Gesundheitssystems nicht mehr getan, als man von einem Regenten zu erwarten hat. Ihm dafür auf die Schulter zu klopfen und dankbar zu sein, erübrigt sich deshalb.

Darüber hinaus hat Erdoğan in den Ausbau der Infrastruktur investiert. Hierzu gehört der Bau von Straßen, U-Bahnen, Kraftwerken oder Mülldeponien. Erdoğan verstand es, die Herzen der Menschen zu gewinnen, indem er ihnen ihren Alltag etwas erleichterte. Auch das ist im Grunde nicht mehr als eine Pflicht des Staates. Natürlich ist es die Aufgabe des Staates, für eine funktionierende Infrastruktur zu sorgen. Es ist keine Leistung, für die man Erdoğan besonders loben muss. Seine Anhänger sehen darin allerdings keine selbstverständliche Erfüllung einer staatlichen Aufgabe, sondern ein Glanzstück Erdoğans.

Mit politischen Kniffen wie diesen hat es Erdoğan geschafft, die türkischen Muslime für sich zu gewinnen. Dass er sich an der Tötung von Muslimen beteiligt, sehen sie ihm nach. Genau genommen nehmen sie gar nicht wahr, dass er an dem Kampf des Westens gegen die Muslime beteiligt ist, weil es nicht in ihr Erdoğan-Bild passt, der vordergründig als Verbesserer der Türkei wahrgenommen wird. Dank der von Erdoğan kontrollierten türkischen Medien sehen sie in ihm den rhetorisch versierten Retter der Türkei, anstatt in ihm den Vollstrecker des Westens in der islamischen Welt zu erkennen.