Was treibt rund hundert Menschen dazu, sich vor der Zufahrt einer Flüchtlingsunterkunft zu postieren und immer wieder „Wir sind das Volk!“ in Richtung der vollkommen verstörten Insassen eines Busses zu brüllen, die in wenigen Augenblicken die versperrte Unterkunft beziehen sollen?
Was treibt rund hundert Menschen dazu, sich vor der Zufahrt einer Flüchtlingsunterkunft zu postieren und immer wieder „Wir sind das Volk!“ in Richtung der vollkommen verstörten Insassen eines Busses zu brüllen, die in wenigen Augenblicken die versperrte Unterkunft beziehen sollen?
Die Parole „Wir sind das Volk“, kann dabei viel weniger den Flüchtlingen, als der Polizei in Stellvertretung der Obrigkeit gegolten haben. Weder war zu erwarten, dass die Businsassen genug Deutschkenntnisse besaßen, die wütenden Rufe zu verstehen, noch dass sie die historische Tragweite des Slogans der Montagsdemonstrationen von 1989 und 1990 kannten. Sicherlich wollte der sächsische Mob seine Ablehnung eines Flüchtlingsheims im kleinkarierten Dorfalltag kundtun, die Flüchtlinge selbst waren als Adressaten dieser Ablehnung bei rationaler Betrachtung jedoch vollkommen verfehlt. Die Aktion von Clausnitz macht für den Vernunftbegabten wenig Sinn. Sie schadete dem Ansehen des Städtchens, führte seitens der Pöbler zu Straf- und Ordnungsverfahren und dass ein solcher brauner Aufmarsch den Einzug der Flüchtlinge tatsächlich hätte unterbinden können, daran werden wohl nicht einmal die Rädelsführer des inzwischen sprichwörtlichen „Packs“ geglaubt haben. Warum also? Nach Jahren mal mehr, mal weniger subtil islamfeindlicher Medien sowie in den letzten Monaten offen islamophober Hetze von Politikern des gesamten deutschen Parteienspektrums und anerkannter gesellschaftlicher Persönlichkeiten, ist der Schutzwall gesellschaftlichen Anstands völlig hinweg gebrochen. Abscheu, Verunglimpfung und Übergriffe auf Muslime brechen sich unverhohlen Bahn in die inzwischen vielzitierte Mitte der Gesellschaft. Die Provokateure aber sitzen in der Elite. Immer wieder beheizen sie den Ofen, der bald vielleicht bürgerkriegsähnliche Zustände ausspucken wird. Sie gießen Vorurteile, Halb- oder blanke Unwahrheiten und immer wieder düstere Prognosen für Deutschlands Zukunft ins Feuer.
Welcher Nährboden war es, auf dem diese Wut, die in Clausnitz ungebremst gegen die Windschutzscheibe des Flüchtlingsbusses prallte, so gut gedeihen konnte? Es war die Angst. Keine rationale oder begründete Angst, weil ein deutscher Bürger enteignet oder aus seinem Haus vertrieben werden sollte, um einer Flüchtlingsfamilie Platz zu machen. Selbst das inzwischen sagenumwobene Geschehen der Kölner Silvesternacht vermag, in Anbetracht überwältigend hoher Zahlen sexueller Übergriffe auf Frauen in Deutschland lange vor der Flüchtlingskrise, solche panischen Zustände nicht zu rechtfertigen. Es ist die Angst, die sich aus der Unwissenheit nährt, die aus dem programmatischen Überleben des Stärkeren erwächst, die von der Unersättlichkeit einer kapitalistischen Gesellschaft zeugt, der es materiell an nichts fehlt und von deren Abfall selbst noch ganze Dritte-Welt-Völker leben könnten. Aus der panischen Defensive wurde in Clausnitz eine rasende Offensive. Angriff ist die beste Verteidigung, das ist Teil von Überlebensstrategien, die man auch aus dem Tierreich kennt. Clausnitz war eine panische Flucht nach vorn.
Die Angst grassiert in Deutschland. Man hat Angst vor Überfremdung, Angst davor, Menschen aus fremden Kulturen weichen zu müssen, dass sie Arbeitsplätze, Wohnraum, Kitaplätze, öffentliche Gelder für Krankenbehandlung und vielleicht auch die Luft zum Atmen an sich reißen. Erinnert diese Angst an etwas? Gibt es da nicht irgendwo, in der hintersten Ecke deutschen Vergessens, begraben unter der Last deutscher Schuld, die kein Deutscher schultern wollte, ein Volk, bei dem all diese fantastischen deutschen Ängste seit Jahrzehnten ganz realer Alltag sind? Ein Volk, dem seit Jahrzehnten systematisch Lebensraum geraubt wird, legitimiert durch deutsche Massenvernichtung und Verbrechen an der Menschlichkeit. Ein Volk, das von Fremden, die aus aller Herren Länder auf ein winziges Fleckchen Erde strömen, aus seinem eigenen Land gedrängt wird. Eilig werden die Fremden eingebürgert, damit sie die ethnische Säuberung des Landes vorantreiben. Ein Volk, dessen Dörfer ausgeschlachtet wurden und heute von Planierraupen plattgemacht werden, um vollkommen völkerrechtswidrig immer mehr Fremde anzusiedeln. Ein Volk, dessen Olivenhaine und damit Existenzgrundlagen abgebrannt werden, damit ausländische Siedler sie als Wohnraum einnehmen. Ein Volk, gegen dessen Religion und Kultur Krieg geführt wird, sodass selbst dessen Heiligtümer buchstäblich untergraben und zu Fall gebracht werden sollen. Ein Volk, das ins größte Freiluftgefängnis der Welt gepfercht wird.
Fällt der Groschen?
Wird dieser irrationale Scheinschmerz, ausgelöst durch die Flüchtlingsdebatte, die scheinbar heilige deutsch-israelische Freundschaft vielleicht etwas bitter werden lassen? Wird man auch weiterhin seine Unterstützung der israelischen Besatzungsmacht, die sich auf ihren ewigen Flüchtlingsstatus beruft, in die Weltöffentlichkeit hinaus blöken? Man wagt auf einen freiwilligen Kurswechsel nicht zu hoffen, in Anbetracht von Herzen wie denen in Clausnitz, aber vor allem der politischen Spielemacher, die so abgestumpft sind und über die Allah (swt) den Schleier der Blindheit gelegt hat.
Vielleicht ist es diese Phase der Erschwernis, die für die Ummah des Islam, hier und anderswo, Erleichterung und Erlösung bringen wird. Die Deutschen bekommen im Ansatz zu spüren, was es bedeutet, Flüchtling im eigenen Land zu sein. Aber auch ihre Märchen von gewaltverherrlichender islamischer Kultur und vor allem genetisch bedingt aggressiver muslimischer Männer werden fortlaufend entlarvt. Deutsche entführen Flüchtlingskinder und ermorden sie, Deutsche missbrauchen ihre Schutzfunktion als Wachmänner und vergewaltigen oder belästigen Flüchtlingsfrauen und -mädchen, Deutsche werfen Brandsätze in die Kinderzimmer von Flüchtlingsfamilien, Deutsche schmeißen Handgranaten auf Flüchtlingsunterkünfte, Deutsche setzen künftige Flüchtlingsheime in Brand, Deutsche verüben Gewalttaten auf alles und jeden, das nach Flüchtling aussieht. Wessen Kultur ist es nun, die Gewalt gegen alles Andersartige und Hass auf Minderheiten produziert? Das Ausmaß der Dreistigkeit, das in den deutschen Medien leider schwindelerregend hoch ist, wird bestimmen, ob die heuchlerische und gleichzeitig selbstentblößende Propaganda künftig trotzdem weitergeführt wird.
Clausnitz und all die anderen Anschläge auf Flüchtlingsheime galten auch der deutschen Obrigkeit, verübt durch eine Bevölkerung, die kein Vertrauen mehr in die institutionalisierten Wege des Widerstands gegen politische Entscheidungen hat. Man ist unzufrieden mit Merkels Flüchtlingspolitik, denn sie trifft den empfindlichsten Nerv deutscher Ängste und Befürchtungen, welche die eigenen Medien jahrelang gezüchtet und gepflegt haben. Endlich geht dem kleinen Mann ein Lichtlein auf: im demokratischen Prozess stehe ich am hintersten Ende der Nahrungskette! Es gibt keine Handhabe gegen politische Entscheidungen eines Bundestags und deren Umsetzung für den Zeitraum der Legislaturperiode und das habe ich mit meiner Stimme abgesegnet! Wie Pilze schießen nun mehr oder weniger alternative Parteien für Deutschland aus dem Boden, die sich das letzte Keimchen Hoffnung auf echte politische Partizipation zu Nutze machen, mit dem verheißungsvollen Versprechen: Wir sind anders! Bei uns seid ihr Volk, hier dürft ihr sein! Es ist hoffentlich nur noch eine Frage der Zeit, bis auch die gutgläubige Allgemeinheit den Fehler im System entdeckt. Wie fühlt es sich an, der Welt über Jahrzehnte die uneingeschränkte Herrschaft des Volkes mit Arroganz gepredigt zu haben, bis das eigene Volk bemerkt: Wir entscheiden nicht über das Schicksal dieses Landes und haben es nie getan! Wir stecken in den Fängen einer selbstbestimmten Wahnvorstellung und erwachen erst jetzt aus unserem Dornröschenschlaf. Wie schmeckt wohl die Erkenntnis, der eigenen Überheblichkeit auf den Leim gegangen zu sein? Wie fühlt man sich, da man mit ausgestrecktem Zeigefinger auf die selbst installierten Regime der zweiten und dritten Welt zeigte, während die vier übrigen Finger das eigene Volk im Schwitzkasten hatten – ein Schwitzkasten, der vergleichsweise sicherlich viel subtiler und weniger gewalttätig ist, aber aufgrund seiner Verlogenheit vielleicht noch verwerflicher! Wie fühlt sich das nun an? Es ist der Duft von Veränderung in der Luft.
Deutschland hat die schicksalhafte Chance verpasst, sich als Nation zu präsentieren, die ihre eigenen Werte auch in der Krise lebt. Im Gegenteil, am Islam, katalysiert durch die Flüchtlingskrise, trägt man seine eigenen Werte seit Jahren zu Grabe. Mit den eigenen Händen entlarvt man, dass Menschlichkeit, Toleranz, Pluralität und Freiheiten immer nur Träger wirtschaftlicher Interessen in Richtung islamischer Welt waren. Vielleicht ist dies Allahs (swt) Plan: Am Elend der islamischen Welt wird der Westen sich selbst preisgeben, das Feigenblatt wird fallen und der himmelschreienden Ungerechtigkeit, Heuchelei, Arroganz, dem Herrenmenschen-Gehabe und der unaufhaltsamen, über Leichen gehenden Gier volle Blöße geben. Der Westen wird an dem Unheil, das er rief, zugrunde gehen und die Widersprüchlichkeit seiner Werte selbst belegen, bis vor allem, aber nicht nur die Muslime begreifen: Einzig und allein im Din Allahs (swt) findet der Mensch Rettung vor seiner eigenen Schlechtigkeit und ein würdiges Dasein. Die elendige westliche Vorherrschaft wird ein Ende finden, wie es nur der wahre Herr aller Welten hervorzubringen vermag. Es ist die Zeit gekommen, in der sich das Blatt wendet. Unterdücker und Tyrannen werden gestürzt werden, Flüchtlinge erhobenen Hauptes in ihre Heimat zurückkehren, Heuchelei und Überheblichkeit ein Ende haben, das wahrhaftige Antlitz des Islam über die Grenzen der islamischen Welt hinaus strahlen. Ihr Gläubigen, vertraut auf den Plan Allahs, seid standfest auf diesem möglicherweise langen Weg und gehört zu all jenen, die an dieser Wende für die Menschheit beteiligt waren!