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Allgemein Ein Auftragsmord

3.500 Euro für einen Schuss in die Kniescheibe und 25.000 Euro für einen Mord – so steht es in der makabren Preisliste eines Auftragsmörders der Mafia, der im letzten Jahr verhaftet werden konnte.
Auftragsmorde sind bedauerlicherweise nicht nur in Mafiakreisen üblich und haben eines immer gemeinsam

3.500 Euro für einen Schuss in die Kniescheibe und 25.000 Euro für einen Mord – so steht es in der makabren Preisliste eines Auftragsmörders der Mafia, der im letzten Jahr verhaftet werden konnte.
Auftragsmorde sind bedauerlicherweise nicht nur in Mafiakreisen üblich und haben eines immer gemeinsam: Der eine lässt morden, um sich die Hände nicht selbst schmutzig zu machen, und der andere hält die Hände auf. Es ist die viel beschworene Win-win-Situation. Der Auftraggeber erkauft sich die Unschuld und der Mörder ein neues Auto. Wenn die ganze Sache aber erst einmal auffliegt, dann werden beide Parteien bestraft.
Wenn sich aber 28 sehr mächtige Interessenten mit dem Auftragskiller einig werden und der Preis ausreichend Nullen vorzuweisen hat, dann ist das nicht mehr strafbar, sondern ein glatter „Durchbruch“. Es scheint die Korrelation von Macht, Geld und Nutzen bei gleichzeitiger Bedeutungslosigkeit der Ermordeten zu sein, die zwingend vorliegen muss, damit ein solches Geschäft nicht strafbar wird. Gerne würde man dies als irre Fantasterei abtun, wenn sich nicht jüngst 28 europäische Staats- und Regierungschefs auf dem EU-Flüchtlingsgipfel mit der Türkei getroffen hätten, um sich auf einen dieser „Eine Hand wäscht die andere“-Deals zu einigen.
Ganz hatte man sich mit der Türkei noch nicht geeinigt, denn Erdoğan erhöhte plötzlich den Preis um weitere 3 Milliarden und ergänzte seine Wunschliste um den einen oder anderen Punkt. Aber Angela Merkel drückte es bereits damals folgendermaßen aus: „Dieser türkische Vorschlag ist ein Durchbruch, wenn er realisiert wird.“ Am 18. März kam es schließlich zur Einigung, womit der Deal abgeschlossen war. Mit diesem Abkommen verpflichtete sich Ankara, jeden illegalen Flüchtling wieder aufzunehmen, der das Ägäische Meer überquerte, um nach Griechenland zu gelangen. Dafür nimmt die EU wiederum Tausende syrische Flüchtlinge aus der Türkei direkt auf.
Das Verhältnis zwischen der EU und der Türkei war zeitweise entspannt, ja fast schon freundlich: man sah den türkischen Ministerpräsidenten Davutoğlu, den EU-Ratspräsidenten Donald Tusk und den Präsidenten der Europäischen Kommission Jean-Claude Juncker mit demonstrativen Handschlägen, zudem eine lachende Angela Merkel und Francois Hollande, der dem türkischen Regierungschef freundschaftlich auf den Rücken klopfte.
Bei all der guten Laune ist natürlich nicht von Mord die Rede. Natürlich nicht, denn die EU ist nicht die Mafia. Die 28 Staats- und Regierungschefs sind gebildete Menschen und sprechen die wichtigste Weltsprache überhaupt, nämlich „diplomatisch“. Keiner von ihnen würde ein so niederträchtiges Wort wie Mord in den Mund nehmen.
Bereits bevor die Türkei mit 3 Milliarden Euro dafür entlohnt wurde, dass sie den Europäern die Flüchtlinge vom Hals hält, kam es an der türkisch-syrischen Grenze immer wieder zu Ausschreitungen. Im Februar noch waren Tausende syrische Flüchtlinge an der Grenze zur Türkei gefangen, und es gab kein Durchkommen. Nach vorne blickte man auf die abgeriegelte türkische Grenze, der Blick über die Schulter offenbarte Assads Schergen, und von oben regnete es russische Bomben. Was blieb ihnen anderes übrig, als bei Wintertemperaturen auszuharren und zu hungern? Nur Verletzte und Kranke wurden – gelegentlich – eingelassen. Jetzt hatte aber leider nicht jeder das Glück, bereits in Syrien verletzt worden zu sein. Die Türkei zeigte aber Erbarmen und schoss immer wieder auf syrische Flüchtlinge – auch auf Frauen und Kinder. So wirft der Human-Rights-Watch-Mitarbeiter Gerry Simpson den türkischen Grenztruppen vor, mit „scharfer Munition anstatt mit Mitgefühl auf Zivilisten zu antworten“.
Wiebke Judith, Fachreferentin für Asylpolitik und Asylrecht bei Amnesty, gab im Dezember 2015 an, dass Flüchtlinge in Einrichtungen festgehalten wurden, die mithilfe von EU-Geldern betrieben werden. Der neueste Clou an der kilometerlangen Grenze zur Türkei sind sogenannte Selbstschussanlagen. Nicht nur, dass es kein Durchkommen mehr gibt; nein, jetzt werden dort Wachtürme aufgestellt, die automatisch schießen, wenn sich jemand der Grenze nähert. Zuletzt gab es solch eine Konstruktion an der Berliner Mauer zu Zeiten der DDR.
Dessen ungeachtet, setzt die EU weiterhin auf die Türkei als entscheidenden Partner zur Lösung ihres Problems, was wiederum ihre Skrupellosigkeit und Doppelmoral offenbart. Ein Europäer mit Macht beschwört also so lange das Mantra von der „christlich-abendländischen Kultur“ und lässt eine Fanfare für den Humanismus erklingen, bis das Geräusch des Sterbens übertönt wird.
Europa erachtet das hohe Flüchtlingsaufkommen als eine große Gefahr. Wie es reduziert wird? Achselzucken, denn dafür zahlt man ja.