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Allgemein #MeToo

Das Hashtag #MeToo hat vor dem Hintergrund des Weinstein-Skandals weite Verbreitung gefunden. Erfahrungen mit sexueller Belästigung und Missbrauch sollen damit in den sozialen Netzwerken verbreitet werden.

Das Hashtag #MeToo hat vor dem Hintergrund des Weinstein-Skandals weite Verbreitung gefunden. Erfahrungen mit sexueller Belästigung und Missbrauch sollen damit in den sozialen Netzwerken verbreitet werden. Gerade weil sich der Skandal in der Welt der Stars abspielt und die US-amerikanische Schauspielerin Alyssa Milano das Hashtag #MeToo populär machte, wird es inzwischen weltweit verwendet. Die #MeToo-Kampagne wurde 2017 sogar vom Times Magazin zur Person des Jahres gewählt.

Das Paradoxe ist, dass gerade US-amerikanische Schauspielerinnen, die sich für die Kampagne stark machen oder #MeToo nutzen, um eigene Erfahrungen mit sexueller Belästigung öffentlich zu machen, gleichzeitig den Frauen enorm schaden, indem sie durch ihre Filmrollen – niemand zwingt sie, diese anzunehmen – und ihr Auftreten in der Öffentlichkeit ein Frauenbild prägen, das die Frau zum Sexobjekt degradiert. Ihr Engagement ist sehr inkonsequent. Bei den Golden Globes 2018 beispielsweise kleideten sich die Schauspielerinnen aus Protest in Schwarz, was aber nicht heißt, dass sie sich nicht in ihre engen, freizügigen Designerkleider quetschten, um eine gute Figur zu machen, wo wir wieder bei der Frau als Sexobjekt sind.

#MeToo steht dafür, dass Menschen, die Opfer sexueller Übergriffe geworden sind, ihr Schweigen brechen. Zu sehr wird der Anschein erweckt, dass es um Begebenheiten geht, von denen nur Täter und Opfer wissen. Nimmt man das Beispiel des US-amerikanischen Filmproduzenten Harvey Weinstein, so hat nicht nur sein näheres Umfeld von seinen Übergriffen gewusst. Doch wollte scheinbar niemand an die Öffentlichkeit gehen und damit seine eigene Karriere gefährden. Oder aber es war den Eingeweihten einfach egal.

Kaum jemand wusste, dass es die MeToo-Kampagne schon mehr als ein Jahrzehnt vor dem Weinstein-Skandal gab. Diese Tatsache legt offen, dass die Öffentlichkeit erst dann aufmerksam wird und sich solidarisiert, wenn es um Prominente geht und die Medien sich darauf stürzen können. Wenn ein Hollywood-Star wie Gwyneth Paltrow einen Weinstein der sexuellen Belästigung beschuldigt, weil er sie um eine Massage bat, horcht die Welt gespannt auf. Handelt es sich aber um eine afroamerikanische Dreizehnjährige, die von dem Freund ihrer Mutter missbraucht wurde, ist der Fall unspektakulär und nur ein Missbrauch von vielen. Die Geschichte des betreffenden Mädchens gab der afroamerikanischen Aktivistin Tarana Burke damals den Anstoß, die MeToo-Bewegung im Jahr 2006 ins Leben zu rufen. Wer aber wusste von dieser Bewegung und wer kannte Tarana Burke vor dem Weinstein-Skandal? Aber die Welt kennt Alyssa Milano.

Die aktuelle #MeToo-Bewegung suggeriert, dass jetzt erst offen über das Thema des sexuellen Missbrauchs gesprochen werde. Gab es denn vor der #MeToo-Kampagne keine Skandale, die öffentlich wurden und eine Sexismus-Debatte auslösten? Hatte es nicht den Skandal um Donald Trump während des US-amerikanischen Wahlkampfs gegeben, als ein Interview zwischen ihm und Billy Bush aus dem Jahr 2005 auftauchte, worin sich Trump äußerst frauenverachtend äußerte? Und ist dieser Frauenverächter nicht zum Präsidenten der Weltmacht USA gewählt worden? Wie viele Unterstützer der #MeToo-Kampagne gaben ihre Stimme für Trump ab?

Es kamen schon Fälle von sexuellem Missbrauch ans Licht, die weitaus schockierender sind als der Fall Weinstein und jenseits der Vorstellungskraft liegen. Welche Reaktionen gab es beispielsweise, als herauskam, dass UN-Blauhelme, die vermeintlichen Friedensbringer, in ihren Einsatzgebieten den Hunger von verwaisten oder vernachlässigten Kindern ausnutzten und ihnen Kekse, Brot oder ein paar Cent – und keine Filmrolle in einem Weinstein-Film – gegen Sex anboten? Zwischen 2004 und 2016 soll es weltweit etwa 2000 solcher Missbrauchsvorwürfe geben. Vor allem in Haiti soll es unter den Blauhelmen üblich gewesen sein, sich an Kindern zu vergreifen. Aber Haiti ist eben nur ein „Drecksloch“, wie Trump sagte, und kein Hollywood.

Es ist nachgewiesen, dass die sogenannten UN-Friedensmissionen von Frauenhandel, Prostitution im Allgemeinen und Zwangsprostitution im Besonderen sowie von sexuellem Missbrauch begleitet werden. In den Einsatzgebieten ist immer ein enormer Anstieg zu verzeichnen. Den Opfern hilft hier aber keine #MeToo-Kampagne, da die UNO selbst keine echte Bestrafung für Blauhelmsoldaten vorsieht, selbst wenn ihre Taten öffentlich und nicht mit z. B. einem Dollar Schweigegeld für Vergewaltigung vertuscht werden. Einen Harvey Weinstein oder Kevin Spacey kann man an den Pranger stellen und gesellschaftlich ächten, ein Blauhelmsoldat hat nicht wirklich Konsequenzen zu fürchten. Da helfen auch keine „Zehn Regeln für Blauhelme“, in denen es unter Punkt vier heißt, dass „unmoralische Akte sexuellen, physischen oder psychischen Missbrauchs oder Ausnutzung“ verboten sind. Dieses Regelwerk existiert seit 2003, doch gebracht hat es, wie man sehen kann, nichts, an die Moral der Soldaten zu appellieren, denn mehr als ein Appell ist es nicht und zudem richtet er sich an eine nicht existente Moral. Das sind Abgründe sexueller Gewalt, deren Urheber die Vereinten Nationen sind.

#MeToo kann ebenfalls nichts bewirken, wenn beispielsweise ein neunjähriger Junge, nachdem er wegen sexueller Gefährdung aus der Familie genommen wurde, von einem deutschen Familiengericht in die Obhut seiner Mutter zurückgegeben wird, deren Lebensgefährte ein vorbestrafter Sexualstraftäter ist, dem der Umgang mit Kindern untersagt ist. Mutter und Lebensgefährte ließen den Jungen über Jahre hinweg gegen Geld missbrauchen. Dieser Fall ging erst kürzlich durch die Medien.

Die Frage ist also am Ende nicht, ob die Opfer mit einem Hashtag ermutigt werden, sich zu offenbaren, sondern was ein Staat mit seiner Gesetzgebung leistet, um sexuelle Belästigung, sexuellen Missbrauch und sexuelle Ausbeutung zu verhindern. In Wahrheit nämlich wirft die #MeToo-Kampagne kein schlechtes Licht auf die Männer, sondern auf die Staaten, deren kapitalistisches System das Kapital aber nicht die Menschen schützt, die nur deshalb auf ein Hashtag wie #MeToo zurückgreifen müssen.