Mit dem richtigen Verständnis von Glück, wird der Muslim immer glücklich sein, unabhängig der äußeren Umstände. Ein sorgenfreies Leben ist kein Garant für Glück und ein sorgenvolles Leben endet nicht im Unglück.
Es gibt Menschen, die am Morgen ausgeruht erwachen, und welche, die in der Nacht einen unruhigen Schlaf haben. Über jene, die sich eines erholsamen Schlafs erfreuen, sagt man, dass sie den Schlaf der Gerechten schlafen. Wie vieles, was der Volksmund behauptet, ist auch diese Weisheit in Wahrheit keine. In Wirklichkeit wird der Gerechte meistens eines erholsamen Schlafs beraubt. Er wacht möglicherweise hinter Gitterstäben auf und wird gefoltert oder er schläft nicht, weil der Hunger seiner Kinder ihm Schmerzen und Sorgen bereitet. Betrachtet man sein sorgenvolles Leben, so kann man ihn auf den ersten Blick für unglücklich halten. Blickt man in die islamische Welt, so sieht man viele gerechte Muslime, die an den Gesetzen und der Botschaft des Islam festhalten und sie weitertragen und gerade deshalb ein Leben voller Entbehrung führen. Erst wenn das richtige Verständnis von Glück verinnerlicht wurde, wird man erkennen können, dass diese Menschen glücklicher sind als jene, die in einem Überfluss an Geld und einem Mangel an Sorgen leben. Ein sorgenfreies Leben ist kein Garant für Glück und im Umkehrschluss mündet ein sorgenvolles Leben nicht unbedingt in Unglück. Deshalb ist es als Muslim wichtig zu wissen, was wahres Glück bedeutet, denn ein glückliches Leben wünscht sich jeder Mensch.
Betrachten wir zunächst die kapitalistische Vorstellung von Glück. Aus den Augen eines Kapitalisten ist lediglich das Streben danach und die kurzfristige Erfüllung von Bedürfnissen entscheidend. Dürfte der Kapitalist den perfekten Menschen maßschneidern, dann dürfte dieser niemals glücklich sein, denn sonst kauft er nicht. Die Industrie braucht unglückliche Menschen. Der Kapitalismus beherrscht das Spiel mit den Bedürfnissen und Wünschen der Menschen vortrefflich. Am ertragreichsten sind unglückliche Frauen und Kinder. Frauen müssen wegen ihrer Figur unglücklich sein, ihre Makel hassen und zu jeder Tasche die passenden Schuhe besitzen, die ihr bestenfalls Schmerzen verursachen, denn sonst ist sie nicht schön. Kinder brauchen allerlei Spielzeug, das die Industrie für sie bereithält. Nichts ist überflüssiger für den Kapitalismus als eine zufriedene Frau und satte Kinder, denn sie kaufen nicht.
Bedeutet nun Glück für uns Muslime, sich dem Konsum zu entsagen und jeder Form des Genusses abzuschwören? Nein, der Genuss ist erlaubt, aber nur innerhalb der Parameter, die uns aufgezeigt wurden, d. h. innerhalb der Gesetze, die uns offenbart wurden. Der Gesandte Allahs (s) sagte: Es gibt keinen Diener Allahs, der eine bessere Erfüllung seines Lohnes haben wird, als derjenige, der „la ilāha illā-Llāh“ spricht – und dabei nichts anderes im Sinn hat als das Wohlwollen Allahs –, so dass Allah ihm (die Pein durch) das Höllenfeuer verwehrt. Der Sinn unseres Lebens ist also, das Wohlwollen Allahs (t) zu erlangen, denn dieses Wohlwollen bewahrt uns vor dem Elend nach dem Tod und schenkt uns das Glück im Jenseits. So sind die glücklichsten Muslime all jene, die einen Zusammenhang erkennen zwischen dem Leben im Diesseits, der duniā, und dem Leben im Jenseits. Je fester sie an den Gesetzen Allahs im Diesseits festhalten, umso glücklicher ist ihr Leben im Jenseits, und zwar für die Ewigkeit. Dieses Wissen macht den Gläubigen auch im Diesseits glücklich. Externe Faktoren wie Reichtum, Besitz, Schönheit, Gesundheit stellen für dieses Verständnis von Glück keine Parameter dar. Das Glück ist ein Geschenk Allahs (t) für Menschen mit pflichtgetreuen Taten, vor allem für jene, die die Gesetze Allahs einhalten. Und es ist für all jene bestimmt, die das Wort Allahs verkünden, ohne dass ihnen dabei die Anerkennung der anderen Menschen wichtig wäre. Heißt es nun für den muʾmin, den Gläubigen, dass er nicht geprüft wird? Nein, das heißt es nicht, denn wer wurde härter geprüft als die Propheten? Ein Mensch wird geprüft gemäß der Stärke seines Glaubens (īmāns). Abu Huraira (r) berichtete, dass der Gesandte Allahs (s) sagte: Das Gleichnis eines Gläubigen ist wie eine geschmeidige Pflanze: Aus welcher Richtung immer der Wind bläst, neigt sie sich mit ihm, und wenn sie wieder aufrecht steht, ist sie durch die harte Prüfung stärker geworden. Das Gleichnis eines Frevlers aber ist wie eine Pflanze, die steif und solange geradesteht, bis Allah – wenn Er will – sie auf einmal, aber für immer bricht.
Das Glück, die Glückseligkeit, kann nur durch Taten erreicht werden. Und das Paradies ist nie Gewissheit, sondern das Ziel, welches nur durch die Gnade und Barmherzigkeit unseres Schöpfers betreten werden kann. Das Mittel zur Erlangung des Glücks und zur Erreichung der Glückseligkeit sind somit unsere Handlungen. Es gibt kaum einen Hadith, der den Zustand des Glücks oder Unglücks besser zum Ausdruck bringen kann als folgender.
Es sprach der Gesandte Allahs (s): Die reichste Person in dieser Welt, die für die Hölle bestimmt ist, wird am Tage des Gerichts hergebracht, einmal in das Höllenfeuer getaucht und dann gefragt werden: „O Sohn Adams! Hast du jemals etwas Gutes gesehen, hast du jemals Glückseligkeit genossen?“ Sie wird sagen: „Bei Allah! Niemals, o mein Herr!“ Dann wird die ärmste Person in dieser Welt, die für das Paradies bestimmt ist, gebracht, einmal in (die Wonne des) Paradieses getaucht und dann gefragt werden: „O Sohn Adams! Hast du jemals Leid gesehen, hast du jemals Armut erlebt?“ Sie wird sagen: „Bei Allah! Ich habe niemals Leid gesehen oder Armut erlebt.“ Allah (t) lässt uns wissen, dass alle Erschwernisse im Leben im Jenseits durch Seine Barmherzigkeit verblassen werden und dass jegliche Freuden des Lebens nicht bis ins Jenseits reichen können.