In den sozialen Medien wird die Kluft zwischen „Israel“ und dem Rest der Welt immer größer.
In einem Werbeslogan aus den USA hieß es einst: „Gott erschuf Mann und Frau, dann sorgte Colonel Colt dafür, dass sie gleich wurden.“ Mit dem im Jahr 1836 von Colt erfundenen Revolver wurde der Nachteil beseitigt, den die Genetik für Personen mit einem leichteren Körperbau mit sich brachte. In ähnlicher Weise sorgten das Aufkommen und die Popularität sozialer Medien dafür, dass die Beeinflussung der öffentlichen Meinung nicht mehr ausschließlich in den Händen des Staates, der Mainstream-Medien und politischer Aktivisten liegt.
Es besteht zwar kein Zweifel daran, dass die Zionisten und ihre Verbündeten über ein Monopol auf traditionelle Informationsquellen wie Fernsehen, Radio und Printmedien verfügen, doch ihre antizionistischen Gegner sind im Vorteil, wenn es um Menschenmassen und Fakten geht. Die „Herde“, wie sie auch gerne genannt wird, setzt sich aus der chaotischen Ansammlung von Internetaktivisten und Amateurdetektiven zusammen, die den digitalen Raum besetzen.
Parallel zum Angriff des zionistischen Gebildes auf den Gazastreifen findet ein Krieg um die Gunst der breiten und insbesondere der westlichen Öffentlichkeit statt. Ein Krieg, der sich nun schon seit über neun Monaten erstreckt. Das Ausmaß dieser Niederlage ist so gravierend, dass selbst David Saranga, der Leiter des Büros für digitale Diplomatie des zionistischen Außenministeriums, die sozialen Medien als strategische Bedrohung einstuft.
Die Hintergründe dieser Niederlage werden anhand des folgenden Beispiels mehr als deutlich.
Während der weltweite Widerstand gegen das mutwillige Morden, die wahllose Zerstörung und die Politik der verbrannten Erde von Seiten der Zionisten zunahm, veröffentlichte die New York Times in einem fast Blitzkrieg ähnlichen Manöver einen Artikel mit dem Titel „Screams Without Words: How Hamas Weaponized Sexual Violence on Oct. 7“, verfasst von Anat Schwartz. Diese Meldung fand bei den meisten westlichen Mainstream-Medien sofortigen Anklang und löste in einem breiten Spektrum des westlich-politischen Apparats Unterstützung für das Zionistengebilde aus. Dies trotz des offenkundigen Widerspruchs, wieso eine so hoch disziplinierte Truppe wie die Hamas, die auf die Sympathie der Weltöffentlichkeit angewiesen ist, solche Gräueltaten zulassen würde. Die „Herde“ wurde skeptisch und nutzte eine Fülle von Mitteln und Methoden die im Internet zur Verfügung standen, um die offizielle Darstellung zu untersuchen, zu verifizieren und dann auf Unstimmigkeiten hinzuweisen, wodurch ebenjene „Herde“ zu einem Prüfinstrument für die Glaubwürdigkeit der westlichen Mainstream-Medien wurde.
Die anfänglichen Bedenken galten den Ansichten und der Unbefangenheit der Autorin. Dass ihr ein Tweet von David Mizrahy Verthaim gefiel, in dem er zum Abschlachten der Zivilbevölkerung des Gazastreifens aufrief, ließ aufhorchen und veranlasste weitere Untersuchungen. Bei näherer Betrachtung stellte sich heraus, dass sie in Wirklichkeit eine Offizierin des israelischen Nachrichtendienstes der Luftwaffe war, die der New York Times zugewiesen wurde, um gemeinsam mit dem jüdischen Journalisten Jeffrey Gettleman einen Bericht über sexuelle Gewalt während des von der Hamas geführten Angriffs auf Israel zu verfassen. Die „Herde“ roch den Braten. Schwartz entpuppte sich als Spitzel, welcher gezielt eingesetzt worden war, um das israelische Narrativ zu fördern und israelische Gräueltaten zu rechtfertigen.
Die Entlarvung von Schwartz als israelischer Geheimdienstoffizier gab den Anstoß zur Einführung von zwar amateurhaften, aber wirksamen Methoden zur Überprüfung des Wahrheitsgehalts der in dem Artikel aufgestellten Behauptungen. Nach dem Faktencheck vom 7. Oktober begannen Mondoweiss und eine Reihe anderer Organisationen auf Ungereimtheiten und Widersprüche in den Darstellungen im Artikel der New York Times aufmerksam zu machen. Langsam aber sicher entpuppte sich jede einzelne Behauptung von Schwartz ausnahmslos als Lüge. Die renommierte New York Times erwies sich als Komplize einer orchestrierten Kampagne, in der fälschlicherweise Parallelen zwischen Hamas und ISIS gezogen werden sollten.
Von Vergewaltigungen bis hin zu enthaupteten Babys hat sich jede von „Israel“ behauptete Gräueltat nicht nur als falsch, sondern auch als systematisch fabriziert erwiesen. Selbst die Machenschaften der britischen Rundfunkanstalt BBC haben die Wut vieler Menschen entfacht. Israelis werden „getötet“, Palästinenser „sterben“, Israelis werden „erschossen“, Geschosse „dringen in die Körper“ von Palästinensern ein -die Voreingenommenheit der von der BBC verwendeten Begriffe wurde sogar von ihrem eigenen Journalisten angeprangert.
Dieser zutiefst voreingenommene und offensichtlich fabrizierte Artikel der New York Times zerstörte die Glaubwürdigkeit westlicher Nachrichteninstitutionen, die einst als Bastionen der Unabhängigkeit und Wahrheit galten, fast im Alleingang. Zweifellos ist das erste Opfer eines Krieges immer die Wahrheit, denn Kriegsparteien bemühen sich stets darum, die Berichterstattung zu kontrollieren. Doch wenn man schon eine Lüge ausheckt, sollte sie zumindest in irgendeiner Form plausibel sein. In einer Welt, in der jeder Ort sofort mit jedem anderen vernetzt ist und Handys mit Videokameras verbreiteter sind als je zuvor, kann es schwierig sein eine Lüge aufrechtzuerhalten, wenn die Beweise für das Gegenteil überwältigend sind.
Darüber hinaus haben auch die Zionisten erheblich zu ihrem eigenen Scheitern beigetragen. In der Vergangenheit kam es schon vor, dass ein Politiker seinem Ärger vor seinem heimischen Publikum Luft machte, wohl wissend, dass seine Tiraden nur selten oder gar nicht den Weg zu einer größeren internationalen Zuhörerschaft finden würden. Sie verkennen, dass im Zeitalter der sozialen Medien die Trennung zwischen dem, was im Inland ausgesprochen wird, und dem, was einem internationalen Publikum schmackhaft gemacht werden kann, erodiert und im Grunde genommen aufgehoben wurde. In den sozialen Medien besteht nämlich keine Unterscheidung zwischen dem In- und dem Ausland. Infolgedessen wird die israelische Gesellschaft als zutiefst rassistische und faschistische Gesellschaft bloßgestellt. Nicht nur gegenüber Arabern und Palästinensern, sondern auch gegenüber Afrikanern und sogar Juden mit nicht-europäischem Hintergrund. So haben beispielsweise jüngst veröffentlichte Videos von jüdischen Jungen, die christliche Pilgerer bespuckten, oder eine Flut von rassistischen und faschistischen Beiträgen in den sozialen Medien aus allen Schichten der israelischen Gesellschaft, ein bisher verschlossenes Fenster zum rassistischen Wesen der israelischen Gesellschaft geöffnet.
„Law for Palestine“, eine von Jugendlichen geführte gemeinnützige Menschenrechtsorganisation, hat eine Liste von über 500 Fällen ausgearbeitet, in denen israelische Politiker, Armeeangehörige, Entscheidungsträger, Gesetzgeber und Intellektuelle Äußerungen getätigt haben, in denen sie zum Völkermord und zu Gewalt gegen Zivilisten aufriefen. Einige dieser Äußerungen sind unten aufgeführt.
Yoav Gallant, Israels Verteidigungsminister, erklärte: „Ich sage hier zu den Bürgern des Libanon, dass ich die Bürger im Gazastreifen bereits mit weißen Fahnen an der Küste entlanglaufen sehe… Wenn die Hisbollah solche Fehler macht, werden diejenigen, die den Preis dafür zahlen, zuallererst die Bürger des Libanon sein. Was wir in Gaza tun, können wir auch in Beirut tun.“
Issac Herzog äußerte sich wie folgt: „Es ist eine ganze Nation da draußen, die verantwortlich ist. Diese Rhetorik, dass die Zivilisten nichts wüssten, nichts damit zu tun hätten, ist absolut nicht wahr. Sie hätten sich erheben können, sie hätten gegen dieses böse Regime kämpfen können.“
Diese und weitere Äußerungen sind nicht spurlos an den Menschen vorbeigezogen, denn die sozialen Medien verleihen allen Stimmen mehr Gehör. Berauscht von ihrem eigenen Gefühl der Unbesiegbarkeit, schätzten die Israelis die sich wandelnde Haltung der verschiedenen Generationen völlig falsch ein. Während die Boomer-Generation das Zionistengebilde uneingeschränkt unterstützt und die rassistischen Einstellungen der israelischen Jugend toleriert oder sogar gutheißen mag, sind die übrigen jüngeren und zunehmend gesellschaftlich aktiven Menschen und Gruppen in der Welt über diese Haltungen entsetzt. Selbst ehemalige und amtierende US-Politiker und -Verwaltungsbeamte beginnen zunehmend, die Unterstützung Israels eher als Belastung statt als Vorteil zu betrachten.
Die sozialen Medien haben die wachsende Kluft zwischen Israel und dem Rest der Welt offenbart. Während sich die Haltung in Israel von einer bereits rechtsextremen Ausrichtung noch weiter nach rechts bewegt, zeichnet sich immer deutlicher ab, dass die heranwachsende Generation nicht zwangsläufig eine US-Intervention zur Rettung eines faschistischen und rassistischen Staates unterstützen würde.
Andererseits waren die Palästinenser und ihre Unterstützer trotz der Verluste Israels im Informationskrieg nicht in der Lage, aus ihren Erfolgen konkreten Nutzen zu ziehen. Um die öffentliche Meinung in greifbare Erfolge umzuwandeln, bedarf es der Unterstützung durch politische Behörden und Militärs.
Quelle: thegeopolity.com