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Geschichte Konflikte und Bürgerkriege in Afrika als Resultat europäischer Kolonialpolitik – Teil 1

Die meisten Menschen im Westen empfinden Krisen, Konflikte und Bürgerkriege in Afrika als Normalität. Das geht so weit, dass afrikanische Länder grundsätzlich mit ethnischen Konflikten und Bürgerkriegen assoziiert werden. Nach den Ursachen wird nicht gefragt und man zeigt sich relativ gleichgültig. Für die Menschen in Afrika bedeutet jedoch das, was im Westen als Normalzustand empfunden wird, viel Leid. Wir müssen also nach den Ursachen dieses Leids fragen.

„Der weiße Fleck“ – Forschungsexpeditionen als Vorhut des Kolonialismus

Ethnische Unterschiede bergen viel Potenzial für Konflikte, weil ein ausgeprägtes ethnisches Bewusstsein auf den Selbsterhaltungsinstinkt zurückgeht und keine rationale Grundlage hat. Menschen, die sich als ethnische Gruppe definieren und sich darüber identifizieren, werden immer versuchen, ihr eigenes Territorium zu beanspruchen, ihren Wohlstand gegen andere zu verteidigen und andere ethnische Gruppen zu beherrschen. Diese Tatsache haben sich die Kolonialmächte zunutze gemacht. Der Kolonialismus spielte sogar die Hauptrolle in der Schaffung der Rahmenbedingungen ethnischer Konflikte in den „ehemaligen“ Kolonien. Die Kolonialherren schufen bewusst verschiedene Faktoren, die zu Spannungen zwischen unterschiedlichen ethnischen Gruppen führten. Sie haben sogar ethnische Gruppen künstlich geschaffen, um ein hohes Konfliktpotenzial zu erzeugen und dadurch ihren Einfluss und ihre Interessen in ihren Kolonien zu wahren. Es ist daher kein Zufall, dass ethnische Konflikte, die in Bürgerkriege münden, ausgerechnet in Ländern mit kolonialer Vergangenheit ausbrechen. Dies zeigt sich vor allem auf dem afrikanischen Kontinent, der bis heute ein Pulverfass darstellt, dessen Zündschnur in den Westen reicht, die jederzeit gezündet werden kann. Denn noch immer bestehen die westlichen kolonialen Einflüsse in den afrikanischen Staaten, die formell unabhängig sind. Die Kolonialmächte haben sich nie aus Afrika zurückgezogen, vielmehr haben in der Zwischenzeit weitere Akteure die afrikanische Bühne betreten.

Der Europäer wäscht seine Hände allerdings in Unschuld, wenn er auf Konflikte und Bürgerkriege in Afrika blickt. In seiner eindimensionalen Denkweise und seiner Selbstwahrnehmung als Repräsentant der „zivilisierten Welt“ führt er die blutigen Konflikte darauf zurück, dass die Menschen in Afrika unzivilisiert seien. Er hält sie für Wilde, die aufeinander losgehen. Die Mehrheit denkt, dass ethnische Konflikte, Bürgerkriege und häufige Putsche in afrikanischen Ländern an einer Rückschrittlichkeit von Afrikanern liege. Dass ausgerechnet der Europäer mit seinem Kolonialismus die Ursache des Problems ist, verdrängt er. Dabei führt die Spur der meisten Konflikte bis zu ihm und trägt deutlich die Handschrift der Kolonialmächte.

Afrika rückte im 19. Jahrhundert in den Fokus der europäischen Kolonialmächte, das bis dahin als „weißer Fleck“ galt. Es war der letzte größere Kontinent, der bis zu diesem Zeitpunkt überwiegend unerforscht war und jenseits der Küstenregionen noch nicht der Kontrolle der europäischen Kolonialmächte unterstand. Das „Herz Afrikas“ wurde als „weißer Fleck“ auf den Karten der Kolonialmächte bezeichnet, womit sie zum Ausdruck brachten, dass es sich um ein Gebiet handelte, das man nur zu erschließen und sich einzuverleiben brauchte. Man wollte diesen letzten „weißen Fleck“ durch Kolonialisierung beseitigen.

Den Europäern fehlten jedoch entscheidende Kenntnisse über Bevölkerung und Ressourcen für die Kolonialisierung des afrikanischen Kontinents. Die Expeditionen von Forschern nach Afrika müssen vor diesem Hintergrund gesehen werden und waren untrennbar an die Ziele des Kolonialismus geknüpft. Diese waren ihr wahrer Antrieb und nicht etwa irgendein romantisierter Abenteuer- und Forscherdrang. Auf diesen Expeditionen wurden Daten gesammelt, die sich nicht nur auf Flora und Fauna beschränkten, sondern Geographie, Bevölkerung und vor allem vorhandene Ressourcen umfassten. Forschungsreisende spielten eine wesentliche Rolle bei der Kartierung Afrikas, die entscheidend für die Kolonialisierung war. Die „Forscher“ waren folglich die Vorhut des Kolonialismus und begannen Anfang des 19. Jahrhunderts damit, Zentralafrika für die Kolonialmächte zu erkunden. Es war deshalb kein Zufall, dass die großen Afrikaforscher jener Zeit Briten waren und somit der Hochburg des Imperialismus entstammten.

Die Erkenntnisse und Berichte von Forschungsreisenden trugen zur Erweiterung des europäischen Wissens über den Kontinent bei und wirkten sich auf den Kolonialismus und die anschließende Aufteilung Afrikas unter den europäischen Mächten aus. Beispielsweise unternahm der bekannte Afrikaforscher Henry Morton Stanley im Auftrag des belgischen Königs Leopold II. die berühmte Kongo-Expedition. Ziel dieser Expedition war die Erschließung der Region für die Kolonialisierung des Kongo, der schließlich Privatkolonie Leopolds II. wurde. Sowohl Stanley als auch der berühmte Afrikaforscher David Livingstone waren Mitglieder der Royal Geographical Society, deren Geschichte eng mit der kolonialen Erforschung Afrikas verknüpft ist. Es ist die älteste geographische Gesellschaft der Welt. Sie unterstütze Entdeckungsreisen und Expeditionen während der Kolonialzeit. So war es beispielsweise ihr Mitglied Stanley, der vorschlug, den Kongo zur britischen Kolonie zu machen. Er hatte rein koloniale Ambitionen und machte kein Geheimnis daraus, dass er Afrika im Grunde seines Herzens hasste. Mit Leidenschaft für Afrika hatten seine Expeditionen nichts zu tun, sondern ausschließlich mit dem Drang, den Kongo zur britischen Kolonie zu machen. Er bezeichnete ihn als „neues Indien“ und war besessen von dessen Kolonialisierung. Großbritannien war zu diesem Zeitpunkt jedoch angesichts seiner Kolonien in Ägypten und dem Sudan an den Nilquellen interessiert, auf deren Suche die Kolonialmächte waren und um die sie wetteiferten. Der Nil war für sie strategisch enorm wichtig. Und so nutzte Leopold II. von Belgien die Gunst der Stunde und schlug beim Kongo zu.