Muslime leiden schon lange darunter, dass die Medien die öffentliche Meinung manipulieren und eine bestimmte Sichtweise vorschreiben, so dass kein Raum für alternative Meinungen und persönliche Erfahrungen von Menschen bleibt. Das negative Islambild ist nicht etwa das Ergebnis des Verhaltens von Muslimen, sondern das einer dauerhaften islamfeindlichen Berichterstattung in den deutschen Medien, die ihre Berufung darin sehen, das Feindbild Islam aufrechtzuerhalten. Sollte die Öffentlichkeit dieses Feindbild einmal vergessen, richten sie sofort den Fokus darauf, um es in Erinnerung zu rufen. Doch das ganze Ausmaß des Meinungsdiktats und des deutschen Konsensjournalismus wird erst in der Haltung der deutschen Medien zum Genozid im Gazastreifen deutlich, wie man es in dieser Form nie für möglich gehalten hätte.
Auch nach über einem Jahr Genozid stecken deutsche Journalisten in der Zeitschleife des 7. Oktober 2023 fest und versinken immer mehr im Sumpf israelischer Propaganda, weil sie sich nicht von ihrer Stelle wegbewegen wollen. Sie sind dazu verdammt worden, immer und immer wieder diesen einen Tag journalistisch aufzubereiten, um davon abgehalten zu werden, über den Völkermord im Gazastreifen zu berichten. Wie wird es für spätere Generationen sein, wenn sie in Jahren oder Jahrzehnten bei der Auseinandersetzung mit dem Genozid „Israels“ an den Palästinensern feststellen müssen, dass alle deutschen Medien durchweg geschwiegen und die Wahrheit gezielt zurückgehalten haben? Mehr noch, was werden sie davon halten, dass sich deutsche Medien zum zionistischen Sprachrohr der IDF (Israel Defense Forces) haben instrumentalisieren lassen? Das Besondere daran ist, dass sich im Gegensatz zu den internationalen Medien ausnahmslos alle deutschen Medien, ob privat oder öffentlich-rechtlich, auf diese Art der Berichterstattung geeinigt haben und es einen strikten Konsens gibt, nicht über die israelischen Kriegsverbrechen zu berichten, den Genozid an den Palästinensern zu verleugnen, die israelische Propaganda zu verbreiten und keine verstörenden Bilder aus dem Gazastreifen zu zeigen. Journalisten kennen die Macht der Bilder. Die meisten von uns werden sich noch an das Bild des toten dreijährigen Alan Kurdi aus dem Jahr 2015 erinnern, dessen lebloser Körper an einem türkischen Strand lag, nachdem das Flüchtlingsboot, auf dem er sich befand, gesunken war. Das Bild erregte weltweit großes Aufsehen und schockierte die Menschen. Deutsche Medien sind sich bewusst, dass eine Wende in der Haltung der Öffentlichkeit zu „Israel“ und dem Gazakrieg einträte, wenn sie die Bilder tausender getöteter Kinder im Gazastreifen zeigen würden. Denn wie sollte man die Lüge von der Selbstverteidigung „Israels“ aufrechterhalten, wenn man Bilder grausam getöteter Kinder – oft durch Scharfschützen hingerichtet – zeigen würde genau wie Bilder von Eltern, die die „geschredderten“ Körper ihrer ermordeten Kinder in Tüten wegtragen müssen. Das ist die Realität, die die Medien mit größter Anstrengung zu vertuschen versuchen.
Bloßgestellt wurden die Medien nicht allein durch den Gazakrieg, sondern auch durch die Tatsache, dass der Krieg in der Ukraine gleichzeitig stattfindet und die Möglichkeit des unmittelbaren Vergleichs der Berichterstattung bietet. Diesbezüglich lautet der Konsens, dass der Ukrainekrieg ein russischer Angriffskrieg und der Gazakrieg ein israelischer Verteidigungskrieg sei. Als die New York Times am 25. November 2023 schrieb, dass in weniger als zwei Monaten in Gaza mehr tote Frauen und Kinder gemeldet worden seien als in zwei Jahren des Ukrainekrieges, empörten sich die deutschen Medien über den Vergleich. So schrieb der Tagesspiegel am 28. November 2023: „Ein Vergleich der Opferzahlen in Gaza und der Ukraine schafft wenig Erkenntnisgewinn. Und selbst wenn man ihn anstellte, was sagt er uns? Dass Israels Vorgehen ähnlich rücksichtslos – gar noch rücksichtsloser – ist, als das Russlands? Dass beide Staaten sich ähnlich ins Unrecht setzen? Beides ist krude, denn was in der Ukraine vor sich geht, ist ein völkerrechtswidriger Angriffskrieg; der Krieg Israels ist ein Verteidigungskrieg gegen die quasi-staatliche Terrororganisation Hamas.“ Bis heute sind die deutschen Medien nicht von diesem Standpunkt abgerückt, selbst nachdem der Internationale Strafgerichtshof einen Haftbefehl gegen den israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanyahu und Ex-Verteidigungsminister Joaw Galant erlassen hat.
Deutsche Medien sind gegen jedes israelische Kriegsverbrechen in Gaza absolut resistent, während sie wie abgerichtete Hunde auf russische Angriffe auf die Ukraine sofort anschlagen und bellen. Dies wurde besonders deutlich, als im Juli 2024 ein ukrainisches Krankenhaus bombardiert wurde und die Berichterstattung von diesem einen Thema beherrscht wurde. Immer wieder betonten die Medien, dass es sich um ein Kinderkrankenhaus handelte, um der Öffentlichkeit den Grad des Verbrechens vor Augen zu führen. Nach Artikeln über die systematische Zerstörung der Krankenhäuser und des ganzen Gesundheitssystems im Gazastreifen als israelische Kriegsmethode sucht man hingegen vergeblich. Wenn sich deutsche Medien gelegentlich doch gezwungen sehen, über die Bombardierung von Krankenhäusern oder auch Schulen im Gazastreifen zu berichten, dann kommt des deutschen Journalisten liebstes Adverb zum Einsatz: „angeblich“. Der Spiegel titelte am 9. Juli 2024: „Angeblich viele Tote bei israelischem Angriff auf Schule“. Sollte die Überschrift nicht ausreichend Skepsis an der hohen Opferzahl beim Leser hervorrufen, beginnt man den Artikel einfach mit einer Frage und zieht damit nicht nur die Toten, sondern gleich den ganzen Angriff in Zweifel, und führt die Hamas als Quelle an, damit die Glaubwürdigkeit dieser Information vollständig vernichtet wird: „Hat Israel bei einem Luftschlag im Gazastreifen eine Schule getroffen, in der Vertriebene Schutz gesucht hatten? Die Hamas spricht von mehr als 20 Toten.“ Gleich im nächsten Satz heißt hingegen: „Bei einem Raketenangriff aus dem Libanon sterben zwei Israelis.“ In diesem Satz findet man weder das relativierende Adverb „angeblich“ noch die Angabe einer Quelle. Nur einen Tag zuvor, am 8. Juli 2024, titelte der Spiegel „Tote und Verletzte bei schweren russischen Luftangriffen in der Ukraine“ und schrieb: „Russische Raketen sind in mehreren Städten der Ukraine eingeschlagen, Behörden sprechen derzeit von mindestens 20 Toten. In Kiew wurde ein Kinderkrankenhaus getroffen.“
In Bezug auf den Ukrainekrieg wird man in den Medien nie auf Zweifel an der Zahl der Toten stoßen. Denn die deutsche Bevölkerung muss bei Laune gehalten werden, diesen Krieg weiter zu unterstützen. Für den Gazakrieg gilt ein anderer Konsens: Die palästinensischen Opferzahlen im Gazastreifen sind stets ungesichert und können nie bestätigt werden. Darüber hinaus sind die Bombardierungen und Zerstörungen von Krankenhäusern im Gazastreifen nie Angriffe oder Kriegsverbrechen, sondern immer Einsätze, wie man am Beispiel des Schifa-Krankenhauses sehen konnte. Am 18. März 2024 titelte die FAZ „Einsatz im Al-Schifa-Krankenhaus“ und Deutschlandfunk schrieb „Bei Militäreinsatz in Al-Schifa-Krankenhaus 20 Bewaffnete getötet“. Dies hat im deutschen Journalismus System.
Die Öffentlichkeit in Deutschland hat angesichts der Berichterstattung über den Gazakrieg gar keine Chance, sich eine Meinung jenseits von deutscher Staatsräson und bedingungsloser Solidarität zu bilden, weil durchweg alle deutschen Medien einen Konsens hergestellt haben, dass „Israel“ einen Verteidigungskrieg führe, der jede Maßnahme rechtfertige, auch die Tatsache, dass etwa 70 Prozent der Opfer Frauen und Kinder sind. Konsens hat jedoch nichts mit Wahrheit zu tun, sondern mit Interesse – in diesem Fall mit dem politischen Interesse der Bundesregierung, „Israel“ bei seinen Kriegsverbrechen zu unterstützen. Einen Konsens in der Öffentlichkeit kann die Politik jedoch nicht ohne die Medien herstellen, die ihre Journalisten bezüglich des Gazakrieges an der kurzen Leine halten, damit sie keine andere Sichtweise einbringen, die den Konsens gefährden oder gar zerstören könnte.