Im Verständnis des Islams liegt wahrer Sieg nicht in der bloßen Eroberung von Land, wenn das Ziel nicht darin besteht, die islamischen Glaubensgrundsätze dort zu verwirklichen. Ohne eine vorherige Befreiung der Herzen und Gedanken von allem, was dem Islam widerspricht, bleibt die Herrschaft über ein Territorium bedeutungslos. Sie wird lediglich dem Einfluss der Leidenschaften, den Bannern der Unwissenheit, der Tyrannei, dem Übel und der Verderbtheit dienen.
Die afghanischen muğāhidūn vertrieben im Jahr 1991 die sowjetischen Truppen aus Afghanistan. Doch anstatt eine Einheit im Streben nach der Vorherrschaft des Islam zu bewahren, verwandelten sie das Land in ein Schlachtfeld gegenseitiger Zerstörung, das die Überreste der Infrastruktur vernichtete. Ihre Reihen waren gespalten und es fehlte an einem gemeinsamen Willen, die Botschaft des Islam emporzuheben.
Auch vertrieb die Hisbollah im Jahr 2000 die Besatzungsmacht aus dem Südlibanon, doch stattdessen etablierte sie eine konfessionelle Realität. Die befreiten Gebiete wurden einem krisengeschüttelten Staat einverleibt, der von einem korrupten, säkularen System beherrscht wird, das über Iran und Saudi-Arabien von den USA kontrolliert wird.
Der sogenannte „Islamische Staat“ nahm große Gebiete im Irak und Syrien ein – ein Territorium größer als Italien. Doch anstatt Segen zu bringen, wurde er für die Bewohner zu einem Fluch, der Zerstörung, Vertreibung und Schrecken brachte. Er blieb isoliert, bis er schließlich geschlagen und seiner bedeutendsten Hochburgen beraubt wurde.
Ähnlich vertrieben die Muslime einst die französischen Kolonialherren aus Algerien und anderen Ländern, nur um danach ihre säkularen Prinzipien zu übernehmen und ein System zu errichten, das unserer Glaubensordnung, unserer Identität und unserer islamischen Gesetzgebung feindlich gesinnt ist.
Kann dies im Sinne des Islam als wahrer Sieg bezeichnet werden?
Der wahre Sieg beginnt mit einer tiefen und vollständigen Verschmelzung mit dem Islam. Dabei müssen konfessionelle, nationale und regionale Grenzen sowie koloniale Teilungen und alle westlichen sowie weltlichen Einflüsse überwunden werden.
Eine solche Verschmelzung führt zur Herauskristallisierung eines Prinzips, dessen Idee, Methode, Überzeugung und politisches System im verheißenen, rechtgeleiteten Kalifat verkörpert und verankert werden.
Obwohl das Regime des Verbrechers Baschar gestürzt wurde, hat die Revolution in Syrien ihren Sieg bislang nicht vollendet. Sie steht erst auf halbem Wege, bis sie ihre islamische Identität wiedererlangt, die Gesetzgebung Allahs umsetzt und das Rechtgeleitete Kalifat errichtet.
Dies ist die fundamentale Grundlage für jeden Sieg. Keine Macht, so groß sie auch sein mag, hat ohne diese Grundlage Bestand.