Blickt man vom Weltall aus auf die Erde, nimmt man sie als Planeten aller Menschen wahr und nicht etwa als Planeten eines bestimmten Volkes oder einer bestimmten Nation. Jede negative Veränderung des Planeten trifft alle Menschen. So macht der Klimawandel vor keinen Staatsgrenzen halt und ist nicht das Problem eines einzelnen Staates oder Kontinents, sondern ein globales Problem, das man nicht jenen aufbürden kann, die ohnehin schon Opfer des Kolonialismus sind. Die kapitalistischen Industriestaaten, die die Hauptverursacher der Klimakrise sind, können diese nicht wie ihren Plastikmüll in Container verladen und in die armen Länder verschiffen, um sie loszuwerden. Sie sind gezwungen, Klimaschutzmaßnahmen zu ergreifen, weil die Klimakrise auch sie trifft. Doch nicht einmal in dieser Angelegenheit sind sie in der Lage, ihren Kapitalismus abzulegen. Ihr Klimaschutz erfolgt auf einem kapitalistischen Fundament und mündet zwangsläufig im sogenannten grünen Kolonialismus.
Klimawandel ist eine Frage der Ideologie genau wie die Vorgehensweise beim Klimaschutz. Es besteht ein unmittelbarer Zusammenhang zwischen den Klimaveränderungen und dem Kapitalismus, der, seitdem er existiert, Mensch und Natur aufzehrt und zerstört, weil sein Maßstab allein der Profit ist, ohne die fatalen Konsequenzen für die Menschheit zu berücksichtigen. Hauptproblem des Klimawandels ist die durch Treibhausgasemissionen verursachte Erderwärmung und ihre Folgen. Stellt man nun die beiden Ideologien Islam und Kapitalismus einander gegenüber, zeigt sich, dass unter islamischen Bedingungen erheblich weniger Treibhausgasemissionen freigesetzt werden, welche die Hauptursache des Treibhauseffekts und der sich daraus ergebenden Erderwärmung sind. Voraussetzung hierfür ist natürlich, dass ein Staat die islamische Ideologie vollständig umsetzt und nicht nur in Teilbereichen. Während es im Kapitalismus hauptsächlich um Wirtschaft, Wirtschaftswachstum und die Hervorbringung einer Konsumgesellschaft geht, in der die Menschen permanent zum Konsum animiert werden, um den Profit zu steigern, ist das islamische Wirtschaftssystem genau wie alle anderen Systeme im Islam durch islamische Gesetze geregelt und wird nicht von Wirtschaftswachstum und Konsum und auch nicht von Lobbyisten bestimmt.
Das folgende Beispiel veranschaulicht, warum der Islam dafür sorgt, dass viel weniger Treibhausgase ausgestoßen werden. Schätzungsweise ein Drittel der Treibhausgasemissionen geht auf die weltweite Lebensmittelproduktion zurück. Der aus einer Überproduktion hervorgehende Lebensmittelüberschuss führt dazu, dass laut Statistiken der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen etwa ein Drittel aller zum Verzehr produzierten Lebensmittel verlorengeht bzw. verschwendet wird. Das sind ca. 1,3 Milliarden Tonnen Lebensmittel pro Jahr, die ungenutzt zu Abfällen werden. Das heißt, etwa ein Drittel des Treibhausgases, das bei der Lebensmittelproduktion ausgestoßen wird, hätte man mit dem Islam vermeiden können. Denn es ist verboten, Lebensmittel wegzuwerfen. Das Verbot gilt nicht nur für den Konsumenten, sondern auch für den Produzenten, der Lebensmittel nicht bewusst überproduzieren darf, wenn er weiß, dass er sie am Ende entsorgen muss. Der Islam kann somit aufgrund seines Verbots, Lebensmittel wegzuwerfen, die bis 2050 erwartete Verdoppelung von Lebensmittelabfällen verhindern. Auch die Textilindustrie ist von enormer Verschwendung gekennzeichnet, die vor allem ein Resultat von „Fast Fashion“ ist, welche zu einem übermäßigen Konsum von Kleidung geführt und diese zum billigen Wegwerfartikel gemacht hat. Der Energie- und Rohstoffverbrauch der Textilindustrie ist dadurch stark angestiegen, so dass die Bekleidungsindustrie ca. 10 Prozent der Treibhausgasemissionen verursacht. Unter islamischen Bedingungen wäre „Fast Fashion“ gar nicht möglich, da die Produktion so billiger Kleidung nur durch Ausbeutung von Menschen unter schlimmsten Bedingungen möglich ist. Dies sind zwei Beispiele dafür, dass die Ideologie eine entscheidende Rolle beim Klimawandel und der Klimakrise spielt.
Die Klimakrise erfordert Maßnahmen zum Klimaschutz, doch dieser entpuppt sich im Kapitalismus als Kolonialismus nach altem Muster. Neu ist nur der grüne Anstrich. Mit grüner Technologie, wie z. B. E-Autos, Windrädern und Wasserstoff, wollen die kapitalistischen Industriestaaten des Globalen Nordens das Klima retten und beuten dafür gewissenlos die Rohstoffe des Globalen Südens aus wie Lithium, Kobalt, Kupfer und Nickel, die die Menschen dort unter katastrophalen Bedingungen für sie abbauen müssen. So steckt hinter jedem E-Auto auch Kinderarbeit. Die Umwelt der Länder des Globalen Südens wird für den klimaschutzbedingten Rohstoffbedarf der kapitalistischen Industriestaaten rücksichtslos zerstört, die Menschen werden ihres Lebensraums beraubt und vertrieben. Der Bedarf an Rohstoffen für den Ausbau grüner Technologien ist gigantisch. So kann ein einziges Windrad bis zu 30 Tonnen Kupfer benötigen. Beim Kupferabbau wird enorm viel Wasser verbraucht und zudem Schwefelsäure eingesetzt, die Umwelt und Gesundheit schädigt, nur um den Bedarf der Industriestaaten zu decken. Kapitalistischer Klimaschutz ist klassischer Kolonialismus in erweiterter Form, denn neben den üblichen Rohstoffen sind Wind, Sonne und Wasserstoff hinzugekommen.
Vor allem Deutschland setzt bei seiner sogenannten Energiewende auf Wasserstoff. Ausgerechnet in Namibia, wo Deutschland zwischen 1904 und 1908 einen Völkermord an den Nama und Herero beging, will das deutsche Unternehmen Enertrag ab 2026 grünen Wasserstoff produzieren und nach Europa exportieren, und zwar auf einem Gebiet von 4.000 Quadratkilometern, das hauptsächlich das angestammte Gebiet der Nama war. Deutschland hatte sie während der Kolonialzeit enteignet und zwangsumgesiedelt. Mit dem großen Wasserstoff-Projekt von Enertrag sind die deutschen Kolonialherren sozusagen zurück, um das Land wieder auszubeuten. Denn von dem Wasserstoff profitiert nicht die namibische Bevölkerung, sondern Deutschland. Namibia soll zu einem großen Produzenten von grünem Wasserstoff für Deutschland werden mit riesigen Windparks und Solaranlagen, die den Strom für die Wasserstoffproduktion liefern sollen, während gleichzeitig etwa die Hälfte der namibischen Bevölkerung keinen Zugang zu Strom hat. Auf Kosten der Menschen in Namibia versucht Deutschland bis 2045 klimaneutral zu werden.
Der Begriff „klimaneutral“ bedeutet keineswegs nur, dass kein CO2 ausgestoßen wird, sondern meint auch den Ausgleich von CO2-Emissionen – ein kapitalistischer Kniff, der auch als Greenwashing bezeichnet wird. Unternehmen versuchen gar nicht erst, ihren CO2-Ausstoß zu vermeiden oder zu reduzieren, sondern pflanzen im Ausgleich einfach Bäume, die CO2 binden sollen, was völlig nutzlos ist, um der Klimakrise entgegenzuwirken. Die Bäume können erst in Jahrzehnten CO2 binden, wenn sie bis dahin nicht abgeholzt oder durch Waldbrände oder Schädlinge vernichtet wurden. Das Hauptproblem an den Aufforstungsprojekten besteht aber vor allem darin, dass die kapitalistischen Industriestaaten das Land des Globalen Südens für ihre Projekte nutzen, das Unternehmen viel günstiger erwerben können, statt ihr eigenes und hierzu Menschen vertreiben. Die Bevölkerungen des Globalen Südens müssen für Aufforstungsprojekte nicht nur weichen, ihre Ökosysteme werden außerdem zerstört, weil man schnell wachsende Monokulturen pflanzt, etwa Eukalyptusbäume, die zudem viel Wasser verbrauchen. Im Globalen Norden wären solche Aufforstungsprojekte viel zu aufwendig und müssten genehmigt werden. Vor allem dürften sie keine bestehenden Ökosysteme zerstören. Im Globalen Süden sind sie billiger, können schneller umgesetzt werden und man muss keine Rücksicht auf irgendwelche Ökosysteme nehmen.
Wie man sehen kann, halten die kapitalistischen Staaten auch beim Klimaschutz am Kolonialismus als Methode fest, um ihre Ziele zu verwirklichen. Der Klimaschutz muss im Kapitalismus wirtschaftlich rentabel sein und darf den gewohnten Lebensstil nicht beeinträchtigen, was nur durch Ausbeutung und Zerstörung des Globalen Südens möglich ist. Das ist kein Klimaschutz, sondern Kolonialismus, der die Klimakrise nur verstärken wird, statt sie zu lösen.