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Westliche Konzeptionen Kampf der Kolonialmächte um Grönland

Seitdem der US-amerikanische Präsident Donald Trump angekündigt hatte, Grönland kaufen zu wollen, ist Europa in Schockstarre, zumal Trump nicht nur von Kauf, sondern auch von Militäreinsatz sprach. Er drohte offen mit der Annektierung Grönlands, sollte Dänemark einem Deal nicht zustimmen.

Damit ist die Fassade der regelbasierten Weltordnung abgebröckelt und das Recht des Stärkeren, das sich all die Zeit hinter dieser Fassade verbarg, für alle sichtbar geworden. Für die europäischen Kolonialmächte ergibt sich dadurch eine ganz neue Situation, auf die sie nicht vorbereitet sind.

Auf den ersten Blick wirkt Dänemark wie das Opfer des US-amerikanischen Imperialismus, das gezwungen werden soll, einen Teil seines Territoriums an die USA abzutreten. Die USA wollen Grönland nämlich nicht nur als Einflussgebiet, sondern als US-amerikanischen Boden. Doch Dänemark ist alles andere als ein Opfer von Imperialismus, sondern selbst eine skrupellose Kolonialmacht, unter deren Kolonialherrschaft Grönlands Bevölkerung jahrhundertelang gelitten hat. Sollten die USA die Kontrolle über Grönland erhalten, würde es im Grunde nur von einer Kolonialmacht an die nächste gereicht. Es handelt sich hier um einen Kampf der Kolonialmächte um Grönland, den Dänemark nicht gewinnen kann, weil jetzt das ungeschönte Recht des Stärkeren gilt.

Wo immer die Kolonialmächte ihren Fuß hinsetzten, brachten sie Verderben über Völker – so auch in Grönland. Die Mehrheit der Bevölkerung Grönlands besteht bis heute aus der indigenen Bevölkerung der Kalaallit, wie die grönländischen Inuit heißen, mit eigener Kultur und Sprache. Ihre Geschichte und ihr Schicksal zeigen die üblichen Muster eines kolonialisierten Volkes, das von seinem rassistischen Kolonialland massiv unterdrückt, entmenschlicht und diskriminiert wurde. Ihren Anfang nahm die grausame Kolonialgeschichte Grönlands mit dem norwegischen Missionar Hans Egede, der 1721 nach Grönland reiste, um Nachfahren der Wikinger zu missionieren, von denen er in einem Buch gelesen hatte. Zwar lebten eine Zeit lang Wikinger in Grönland, aber zu Lebzeiten von Egede gab es dort längst keine mehr. Also projizierte er seine missionarischen Kolonialpläne einfach auf die Inuit, mit dem Ziel, diese nicht nur zu christianisieren, sondern zu „zivilisieren“ – die klassische Rechtfertigung für rücksichtslosen Kolonialismus. Egede war nicht einfach ein harmloser frommer Pfarrer, der missionieren wollte, sondern überzeugte den dänisch-norwegischen König Friedrich IV. von der machtpolitischen Bedeutung Grönlands durch eine wirtschaftliche Erschließung. Zu diesem Zeitpunkt bildeten Norwegen und Dänemark eine Personalunion unter der Dominanz Dänemarks. Deshalb wurde Grönland dänische Kolonie.

Egede war der klassische Kolonialist und empfahl, die Inuit zu „erziehen“ und von ihren Traditionen und ihrer nomadischen Lebensweise zu trennen. Er beschrieb sie als „schmutzig“, „dumm“ und „träge“ und ging mit Härte gegen sie vor. „Nichts kann sie besser zur Vernunft bringen als Schläge und Strafe“, meinte er, und ließ sie zwangsbekehren. Gewalt, Zwang und Unterwerfung betrachtete er als legitimes Mittel der Missionierung. Zwei christianisierte Inuit-Kinder schickte er als Vorzeigeobjekte nach Dänemark, wo sich ein Kind mit Pocken ansteckte und nach seiner Rückkehr nach Grönland eine Pockenepidemie in der Bevölkerung auslöste, an der unzählige Inuit starben. Bis heute assoziieren die Grönländer Hans Egede mit Kolonialismus. Im Zuge der Black-Lives-Matter-Bewegung im Jahr 2020 forderten sie die Entfernung seiner Bronzestatue, die aus Protest mit roter Farbe beschmiert und mit „Decolonize“ beschriftet wurde. Sie gilt als Symbol dänischer Kolonialherrschaft und -verbrechen.

Das Verhältnis zwischen Dänemark und Grönland war immer das einer Kolonialmacht zu ihrer Kolonie, das von Gewalt, Unterdrückung und Ausbeutung geprägt ist. Dänemark wollte die grönländische Bevölkerung zwangsassimilieren. Hierzu trennte die dänische Kolonialmacht Inuit-Kinder von ihren Eltern mit dem Vorwand, ihnen ein besseres Leben zu ermöglichen. Die Kinder sollten vollständig assimiliert werden. Mit kolonialer Skrupellosigkeit startete Dänemark 1951 das an Grausamkeit kaum zu überbietende „Little Dane“-Experiment, bei welchem 22 Inuit-Kinder im Alter von 5 bis 9 Jahren von ihren Familien getrennt, nach Dänemark gebracht und in dänische Pflegefamilien untergebracht wurden. Ihnen wurde die dänische Sprache aufgezwungen und gleichzeitig verboten, ihre Muttersprache zu sprechen. Sie sollten die dänischen Bräuche und Werte übernehmen und zu „Dänen“ erzogen werden. Nach einem Jahr sollten sie nach Grönland zurückkehren, als Elite heranwachsen und die dänische Kolonie Grönland „modernisieren“. Damit wollte sich Dänemark die koloniale Herrschaft über Grönland sichern. Das Experiment war überaus grausam, denn am Ende wurden 6 Kinder ohne Wissen der Eltern bzw. ohne deren Einverständnis in Dänemark adoptiert, während die restlichen Kinder, die nach Grönland zurückkehrten und ihre Muttersprache inzwischen vergessen hatten, nicht bei ihren Familien leben durften, sondern in dänische Waisenhäuser gesteckt wurden. Die Kinder waren traumatisiert und entwurzelt und viele von ihnen entwickelten psychische Störungen, waren lebensunfähig und starben jung.

Neben der Zwangsassimilation nahm Dänemark zwischen den 1960er und 1990er Jahren Zwangsverhütungen bei Inuit-Frauen und -Mädchen vor, denen ohne ihr Wissen eine Spirale eingesetzt wurde, unabhängig davon, ob die Frauen schon Kinder hatten oder noch kinderlos waren. Bei den Versuchen, schwanger zu werden, ahnten die Frauen nicht, dass sie dazu gar nicht in der Lage waren. Da die Spirale nicht regelmäßig ausgetauscht wurde, konnte die Zwangsverhütung sogar zu Unfruchtbarkeit führen. In dieser Maßnahme spiegelt sich das rassistische koloniale Denken Dänemarks wider, dass Nichteuropäer minderwertig seien und sich nicht vermehren dürften. Dänemark beabsichtigte, das Bevölkerungswachstum in Grönland aufzuhalten, und schaffte es, die Geburtenrate innerhalb von 7 Jahren zu halbieren. In manchen Regionen wurde jahrelang kein einziges Kind geboren. Eine derartige menschenverachtende Politik wendet nur eine Kolonialmacht an.

Bis heute betrachtet Dänemark die Inuit als Untermenschen, die kein Recht auf Gleichbehandlung haben. Beispielhaft hierfür ist der Elternkompetenztest, der in Dänemark bei Verdacht auf Kindswohlgefährdung durchgeführt wird. Der Test ist standardisiert und auf dänische Familien zugeschnitten, ohne Sprache, Lebensweise und Erziehungsformen der Inuit zu berücksichtigen. Eltern, die dem dänischen Maßstab nicht entsprechen und davon abweichen, laufen Gefahr, als unfähig eingestuft und infolge dessen von ihrem Kind getrennt zu werden. Der Test ist schlichtweg diskriminierend und wurde von Menschenrechtsorganisationen immer wieder als rassistisch kritisiert, bis er schließlich nicht mehr auf Grönländer angewendet werden durfte. Doch obwohl das Verbot im Mai 2025 in Kraft trat, kam der Test weiterhin zur Anwendung und wurde bei einer jungen Grönländerin durchgeführt. Noch bevor sie ihr Kind zur Welt brachte, erhielt sie die Mitteilung, dass ihr das Kind nach der Geburt entzogen werde – ein Fall, der weltweit viel Aufsehen erregte.

Die rassistische Diskriminierung der Grönländer durch die dänische Regierung in Form von Zwangsverhütung oder Elternkompetenztest ist beispielhaft für die koloniale Bevormundung von Menschen, die man für minderwertiger hält, weil sie Nichteuropäer sind. Dänemark beabsichtigt damit nichts anderes, als die Bevölkerungszahl zu kontrollieren und die Kinder zu assimilieren, indem man sie von ihren Eltern trennt. Seit Dänemark Grönland zu einer dänischen Kolonie erklärt hat, tritt es gegenüber Grönland als Kolonialmacht auf. Die Rolle Dänemarks ist bis heute die einer Kolonialmacht, die nun, da Trump Ansprüche auf Grönland erhebt, um ihre Kolonie mit autonomer Verwaltung fürchtet. Es ist ein Tauziehen von Kolonialmächten um Grönland.