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Allgemein Eulen nach Athen und Waffen nach Damaskus

Nach der Übernahme Kusairs durch die Regierungstruppen und der Hisbollah präsentierte das syrische Staatsfernsehen der Welt voller Stolz ein ausgehobenes Waffenlager der Rebellen und betonte dabei besonders die Sicherstellung von Waffen aus israelischem und amerikanischem Arsenal.

Nach der Übernahme Kusairs durch die Regierungstruppen und der Hisbollah präsentierte das syrische Staatsfernsehen der Welt voller Stolz ein ausgehobenes Waffenlager der Rebellen und betonte dabei besonders die Sicherstellung von Waffen aus israelischem und amerikanischem Arsenal. Hierdurch sollte endgültig belegt werden, dass es sich bei der Rebellion um eine zionistische Verschwörung handle, welche zum Ziel habe die Achse Syrien-Hisbollah-Iran zu zerschlagen. Schließlich handle es sich bei besagter Allianz um das letzte Widerstandsgebilde gegen den israelischen Staat und die amerikanische Politik im Nahen Osten.Diese Behauptung wurde schon in der Vergangenheit immer wieder von den Gegnern der Revolution ins Feld geführt, um die Mujahedin zu diskreditieren und zudem den Muslimen die vermeintliche Legitimität des Assad-Regimes vor Augen zu führen. Auch international scheint dieses Argumentationsmuster auf fruchtbaren Boden zu fallen und so finden sich die Vorwürfe in zahlreichen Vorträgen, Artikeln und Analysen wieder. So berichtete unter anderem die Online-Plattform RIANOVOSTI, dass in Kusair „Sturmgewehre, Granaten und Raketen aus israelischer Produktion sowie israelische Kommunikationsausrüstungen entdeckt wurden“ und interpretierte dies als vermeintlichen Beweis für die Kollaboration der Rebellen mit den „Imperialen Westmächten“.Bedauerlicherweise scheinen diese Argumente jedoch nicht nur in linken Kreisen und bei offenen Unterstützern des Assad-Regimes auf Anklang zu stoßen. So ist zu verzeichnen, dass selbst bei Sympathisanten des Aufstandes Zweifel aufkommen und so eine eindeutige Positionierung zu Gunsten der Revolution unbehaglich erscheint. Auch die immer wieder erwähnte finanzielle und logistische Unterstützung seitens der USA verstärkt diese Skepsis. „Offiziell unterstützen die USA die Rebellen in Syrien mit etwa 25 Millionen Dollar (etwa 20 Millionen Euro). Die Summe sei zuletzt um zehn Millionen Dollar erhöht worden, sagte ein Sprecher des Außenministeriums. Das Geld ist nach Angaben der Regierung für sogenannte nicht-tödliche Ausrüstung bestimmt, darunter Medizin und Kommunikationstechnik“, so in einem Bericht der „Welt“ vom August 2012. Speziell die neuesten Meldungen, welche von einigen Laien gar als Auftakt für eine amerikanische Invasion in Syrien interpretiert werden, scheinen gefundenes Fressen für die Assad-Apologeten zu sein. So heißt es in einem am 14.06.2013 veröffentlichten Online-Artikel der FAZ: „Nach der Kehrtwende in der amerikanischen Syrien-Politik wird der amerikanische Auslandsgeheimdienst CIA bald damit beginnen, Waffen an die syrischen Rebellen zu liefern. Das Weiße Haus begründete die Umkehr in der Nacht zum Freitag mit neuen Erkenntnissen, wonach der Einsatz chemischer Waffen durch das Damaszener Regime unter Präsident Baschar al Assad nun als gesichert gelten könne.“In der Tat kommen im Syrien-Konflikt seit geraumer Zeit leichte israelische beziehungsweise US-amerikanische Waffen zum Einsatz. Dabei handelt es sich vor allem um M-16, MP2/MP2A1 (auch Uzis genannt) und diverse Panzerfäuste. Bei oberflächlicher Betrachtung drängt sich dem Beobachter hierdurch der Verdacht auf, dass eine aktive Unterstützung seitens Israels und Amerikas besteht. Doch diese Schlussfolgerung entpuppt sich durch eine genaue Analyse als fataler Irrtum.Denn im internationalen Waffenhandel wird stets zwischen zwei Waffengattungen unterschieden; den leichten tragbaren Waffen und schwerem Kriegsgerät. Geschäfte bezüglich schwerer Waffensysteme, zu denen beispielsweise Kampfflugzeuge, Panzer, maritime Ausrüstungen und Raketensysteme zählen, werden durch bilaterale Abkommen zweier Regierungen abgewickelt. Allein die Kostenfrage und die für die Transferierung notwendige Infrastruktur macht es unmöglich Freischärler und Milizen mit solchem Kriegsgerät auszustatten. So konnte selbst die PKK trotz ihrer großen und mittlerweile sehr stabilen Rückzugsgebiete im Nordirak von ihren Unterstützern nie mit schweren Waffen ausgerüstet werden. Auch wurden alle bekannten nichtstaatlichen Milizen des 20. und 21. Jahrhunderts aufgrund der genannten Hindernisse nie mit strategischen Waffen ausgerüstet. Die Aneignung leichter Waffen, wie Sturmgewehre, Panzerfäuste, Minen, Mörser und Munition gestaltet sich dagegen wesentlich einfacher. Dabei muss berücksichtigt werden, dass insbesondere Schusswaffen von nahezu allen Staaten und ebenso zahlreichen Unternehmen hergestellt werden. Einige Waffenmodelle, die ursprünglich in den Vereinigten Staaten und Russland entwickelt wurden, werden seit geraumer Zeit per Lizenz von unzähligen Unternehmen weltweit produziert. Allein das berühmte Kalaschnikow-Sturmgewehr wird mittlerweile in über fünfzig Ländern hergestellt. Während die Anzahl der schweren Waffensysteme weltweit erfasst ist, gibt es nur Schätzungen darüber wie viele leichte Waffen hergestellt und in Umlauf gebracht worden sind. Dies ist im Grunde darauf zurückzuführen, dass sie nicht wie die schweren Waffen lediglich auf Bestellung und in vergleichbar geringen Stückzahlen produziert werden. Ebenso existiert keine strenge Reglementierung für die Herstellung und den Export, da der Verkauf im Gegensatz zu den schweren Waffensystemen keine politische Entscheidung voraussetzt, welche von den jeweiligen Regierungen getroffen werden muss. Dies äußert sich schon in der Tatsache, dass sich von den geschätzten 900 Millionen Schusswaffen laut Amnesty International weltweit 60% in ziviler Hand befinden.Im Grunde genommen ist der Markt der leichten Waffen äußerst autonom und liberal, ebenso wenig reglementiert wie die Autoindustrie. Bei Abrüstungs-und Sperrverträgen wird die Produktion und der Handel leichter Waffen deshalb nicht wirklich thematisiert. In den Vereinigten Staaten ist es selbstverständlich, dass Schusswaffen wie jedes andere Gut ohne Probleme erworben werden können. So kann sich der amerikanische Bürger bei seinen alltäglichen Einkäufen bei Wal-Mart neben den obligatorischen Lebensmitteln auch mit großkalibrigen Gewehren samt Munition eindecken. Auch vollautomatische 20-Millimeter Sturmgewehre sind auf den tausenden amerikanischen Schießständen kein seltener Anblick. Selbst in der BRD, einem Staat mit äußerst rigiden Waffengesetzen, befinden sich bis zu 20 Millionen Schusswaffen in privater Hand. Obwohl es in der westlichen Welt immer wieder zu zahlreichen Opfern durch Schusswaffengebrauch kommt und hierbei nicht selten auch unregistrierte Waffen zum Einsatz kommen, handelt es sich immer noch um vergleichbar übersichtliche Verhältnisse. In anderen Teilen der Welt hingegen, kann von einer intakten Struktur hinsichtlich der Erfassung der sich in Umlauf befindenden Schusswaffen keine Rede sein. Denn speziell in den Krisenregionen floriert neben dem offiziellen Handel ein bedeutender Schwarzmarkt, dessen gigantischer Umfang nur schwer einzuschätzen ist. Hinzu kommt, dass die Sowjet-Union im Zuge ihrer Strategie der kostengünstigen Aufrüstung große Teile Afrikas, Südamerikas und des Nahen Ostens mit leichten Waffen regelrecht überflutete. Nach dem Ende des Kalten Krieges im Jahre 1989 stagnierte im Zuge des Umbruchs der Waffenexport Russlands für kurze Zeit. Speziell in dieser Zeit nutzten westliche Unternehmen die Gunst der Stunde und konnten sich als führende Waffenlieferanten in zahlreichen Krisenregionen etablieren. Auf diese Weise gelangten zahlreiche Waffen aus Belgien, Deutschland, den USA und Israel in besagte Regionen. Über Zwischenhändler gelangte beispielsweise die weltbekannte Uzi made in Israel in über 60 Länder, darunter sogar in den Sudan, Syrien und Iran.Im Jahre 2005 appellierte die UN an die internationale Staatengemeinschaft auch den Handel mit leichten Waffen strenger zu reglementieren. So sollten zum Beispiel die beschlossenen Sanktionen gegen China diesbezüglich endlich eingehalten werden. Dem Appell vorausgegangen war die Aufdeckung eines großen Waffendeals zwischen Tel Aviv und Peking. Im Zuge dessen verkaufte ein israelischer Hersteller tragbare Panzerabwehrgeschosse an China, das seinerseits diese Waffen an mehrere afrikanische Länder lieferte. Allein dieses Beispiel verdeutlicht, dass es schier unmöglich ist, die Vertriebswege bezüglich leichter Waffen zu kontrollieren, zumal zwischen Herstellung samt Lieferung und dem eigentlichen Einsatz oft Jahrzehnte vergehen. In den meisten Fällen wird die Präsenz jener Waffen in einer speziellen Region, erst durch die aktive Verwendung selbiger auf den Schlachtfeldern offensichtlich.So beschrieb die unabhängige Forschungsgruppe Small Arms Survey die Verhältnisse im Sudan folgendermaßen: „Auf Märkten und im Schwarzhandel kommt dort jeder leicht an ein Gewehr. Auch die Zivilbevölkerung ist praktisch durchgängig bewaffnet, um sich zwischen verfeindeten Armeen, Milizen und Banden zu schützen.“ Weiterhin sei selbst das deutsche G3-Gewehr von Heckler und Koch in dieser krisengebeutelten Region allgegenwärtig. Selbst der Handel mit dem hochgefeierten G36-Gewehr scheint sich längst verselbstständigt zu haben. In einem Bericht der Süddeutschen Zeitung vom 01.09.2011 wurde folgende Frage aufgeworfen: „Wie gelangten deutsche Sturmgewehre von Heckler und Koch, die Rebellen in Gaddafis Palast erobert haben nach Libyen?“ Denn offiziell hätte die Bundesregierung keine Gewehre nach Libyen geliefert, was nur den Schluss der Experten zulasse, dass es sich um einen „dunklen Kanal im internationalen Waffenschmuggel“ handeln müsse.Diese Zustände des unreglementierten und unkontrollierbaren Handels mit leichten Waffen haben selbst dazu geführt, dass sich kriminelle Organisationen weltweit mit selbigen problemlos eingedeckt haben. Wilde Schießereien mit vollautomatischen Waffen zwischen südamerikanischen Drogenkartellen und der einheimischen Armee bzw. Spezialkommandos gehören längst zum lateinamerikanischen Alltag. Ebenso beschossen sich selbst im friedlichen Europa Rockerbanden mit tragbaren Raketenwerfern und verbreiteten damit Angst und Schrecken. Die Behauptung jene Kriminelle wären die Marionetten ausländischer Regierungen, wäre an dieser Stelle völlig absurd, folgt jedoch exakt derselben oberflächlichen Logik der Assad-Sympathisanten und anderer Verschwörungstheoretiker. Auch die Frage, warum die Mujahedin, welche vornehmlich mit Waffen aus russischer Herstellung kämpfen nicht zu Agenten des Kremls verklärt werden, bleibt ein Rätsel. Der Einwand, es handle sich hierbei ja um erbeutete Waffen aus syrischen Beständen hat für die regimetreuen Apologeten einen erheblichen Bumerang-Effekt. Schließlich gestehen sie sich damit ein auf zunächst Unbewaffnete geschossen zu haben. Außerdem würde derselben Logik folgend selbst der Fehlschluss zulässig werden, dass es sich bei Bashar al-Assad um einen Vasallen Putins handle, schließlich kämpfen seine Truppen vornehmlich mit Waffen made in Russia. Ferner ist zu berücksichtigen, dass durch den Verweis auf erbeutete Waffen die deutlichen Widersprüche der eigenen Hirngespinste offen zu Tage treten. Würden die Rebellen, wie so oft behauptet, von den USA, Israel und Europa großzügig bewaffnet und beschenkt werden, müssten sie nicht in riskanten Operationen syrische Waffenlager erobern.Auch die jüngsten Andeutungen der Obama-Administration säkulare Fraktionen der Rebellen mit „nicht tödlicher Ausrüstung“ und eventuell „leichten Waffen“ zu beliefern führt vor Augen, dass die überwältigende Mehrheit der islamischen Rebellen die letzten zwei Jahre ohne westliche Waffenlieferungen ausgekommen ist und dies auch in Zukunft tun wird. Leichte Waffen aller Art sind unabhängig von amerikanischen Ankündigungen ohnehin längst im Umlauf und so handelt es sich bei der eventuell bevorstehenden Waffenlieferungen um eine PR-Aktion, welche anderen Staaten den Vorwand bietet verstärkt ihrerseits schwere Waffen an das Assad-Regime zu liefern. Der Beschluss der USA weder schwere Waffen, noch effektive Flugabwehrraketen an die Aufständischen zu liefern, zeigt einmal mehr, dass die Amerikaner das Massaker an den Muslimen Syriens wohlwollend in Kauf nehmen und selbst durch die vermeintliche Lieferung leichter Waffen lediglich Eulen nach Athen tragen würden.  (Abu Osama & Malik al-Qudsi)