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Beiträge zum Kalifat Das Kalifat

Ein Staat ist allgemein definiert als eine souveräne geografische und politische Einheit. Dieser unabhängige Staat ist somit keiner externen politischen Macht verpflichtet. Das Staatsverständnis basiert auf theoretischen Ideen und Grundsätzen.

Ein Staat ist allgemein definiert als eine souveräne geografische und politische Einheit. Dieser unabhängige Staat ist somit keiner externen politischen Macht verpflichtet. Das Staatsverständnis basiert auf theoretischen Ideen und Grundsätzen.
Staaten können so z.B. auf sozialistischen Ideen gegründet sein, dann sind es sozialistische Staaten oder aber es sind kapitalistische Grundsätze, die einen Staat kennzeichnen, dann sind es kapitalistische Staaten. Die meisten westlichen Staaten sind heutzutage säkulare Staaten, d.h. sie sind von der Idee geleitet, dass die Religion aufgrund der negativen Erfahrungen Europas mit der kirchlichen Willkürherrschaft von den täglichen Angelegnheiten des Lebens getrennt werden muss. Ihre Gesetzgebungen basieren auf ihren eigenen Meinungen und Ansichten und unterliegen einem zeitlichen Wandel. Die Demokratie wurde von diesen Staaten als das politische System ausgewählt, innerhalb dessen sie ihren Gesetzgebungsprozeß eigenständig regeln.
Die Grundlage und damit verbunden die ideologische Ausrichtung eines Staates orientiert sich an ihrer Gesetzgebungsquelle, der Autorität, sowie an der allgemeinen gesellschaftlichen Überzeugung von den Grundideen. In der Realität hat die Gesellschaft als Gesamtheit über die Gesetzgebungsquelle zu entscheiden, weil natürlicherweise die Regierung die Grundüberzeugungen und den gesellschaftlichen Wunsch nach einer für das Volk adäquaten Regierungsform widerspiegelt. Wenn nun eine dieser beiden Elemente, die Quelle der Gesetzgebung oder die Grundidee, auf welcher der Staat basiert, nicht den Überzeugungen der Menschen in der Gesellschaft entsprechen, dann befinden sich Staatsform und Regierung im Widerspruch zum Volkswillen, der sich aus den gemeinschaftlichen Ideen und Gefühlen der Menschen ergibt. Der Fortbestand solch eines Staates kann dann nur durch eine oppressive Willkürherrschaft gewährleistet werden. Dabei wird die Autorität des Volkes bewußt unterlaufen, indem mächtige Instanzen innerhalb des Staates wie z.B. die Armee, bestimmte Familiencliquen und Stämme oder aber gar fremde Staaten wie z.B. die Kolonialmächte die Macht für sich beanspruchen und folglich ihren dominierenden Einfluss auf die herrschenden Ideen, Werte, Gefühle und das politische System dieser Gesellschaften ausüben. Die so unmündig gemachten Gesellschaften weisen eine politische Identität und ein System auf, das ihrer ureigenen kulturellen Überzeugung und Ideen diametral widerspricht. Nur durch die stählerne Faust der Regierung mit ihrem erbarmungslosen Machtapparat wird gewährleistet, dass der natürliche Wunsch der Bevölkerung nach einer eigenständigen und unabhängigen Autorität verbunden mit den kulturellen Überzeugungen brutal unterdrückt wird.
Die Realität in der islamischen Welt beweist die eben beschriebene Entmachtung der dortigen Gesellschaften, ungeachtet der Tatsache, dass dort scheinbar „freie Wahlen“ abgehalten und gelegentlich Diktatoren abgesetzt werden. Allzu frisch sind noch die Erinnerungen an den Wahlen in Algerien und der Türkei, bei denen Parteien siegreich gewesen sind, die einer islamischen Identität zugeordnet wurden, wobei der sich abzeichnende Wahlerfolg von der Islamischen Heilsfront (FIS) bei den Parlamentswahlen in Algerien 1992 durch das Militär annuliert wurde und fortan eine von Frankreich unterstützte Pseudoregierung die Geschicke des Landes bestimmte. Die Regierungsbildung der türkischen Refahpartei 1995 scheiterte letztendlich ebenfalls am Widerstand der dortigen Militärs, die sich dazu auserwählt sehen, die säkulare Ausrichtung der türkischen Republik schützen zu müssen. Sowohl in Algerien wie auch in der Türkei wurde im nachhinein damit argumentiert, dass man gelegentlich auch zu undemokratischen Mitteln greifen müsse, um die Demokratie zu verteidigen.
Die westliche Welt ist sich darüber einig, dass sie zwar durch die Propagierung von Wahlen gewählte Regierungen absetzen kann, dass es aber undenkbar ist, durch Wahlen die Grundfesten ihres Säkularismus und ihrer politischen Überzeugung anzutasten oder gar zu verändern. Die fanatisierte säkulare Elite würde letzteres mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht tolerieren. Daher ist es nicht vorstellbar, dass unter dem Deckmantel von „Freiheit und Demokratie“ die Gesellschaften in der islamischen Welt durch freie Wahlen sich für den Islam als Staatsideologie und politisches System aussprechen, während doch die säkular-kapitalistisch orientierte politische Elite des Westens danach trachtet, nicht nur im Westen, sondern auch in der islamischen Welt die politischen Geschicke zu ihren Gunsten zu diktieren.