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In den verschiedenen Abschnitten der Menschheitsgeschichte wurden die Menschen von Allah, dem Allmächtigen, unterschiedlich geprüft. Die Völker mussten sich den verschiedensten Herausforderungen stellen und ihrem Schicksal ins Auge blicken.

In den verschiedenen Abschnitten der Menschheitsgeschichte wurden die Menschen von Allah, dem Allmächtigen, unterschiedlich geprüft. Die Völker mussten sich den verschiedensten Herausforderungen stellen und ihrem Schicksal ins Auge blicken. Doch ein Volk sticht bei dieser Betrachtung besonders hervor. Es ist die Ummah von Muhammad (s.a.s.), die die Menschheitsgeschichte in vollkommener Weise besiegelte und den größten Herausforderungen gegenüber stand. Über ein Jahrtausend hinweg preschte diese glorreiche Ummah – gewappnet mit islamischen Verständnissen und Konzeptionen – nach vorn und eine Generation nach der anderen meisterte die Hindernisse, die sich ihr in den Weg stellten. Dies nahm erst ihr Ende, als die islamischen Konzeptionen (Mafahīm) in den Köpfen der Muslime verblassten. Infolgedessen brach alles binnen weniger Jahrzehnte zusammen, was die Muslime im Laufe von 1400 Jahren mühsam aufgebaut hatten. Weder konnten sie die Auflösung ihres einzigartigen Zusammenhalts verhindern, noch schafften sie es, ihren Aufgaben und Verpflichtungen in gebührender Weise nachzukommen. Das Reich, das sich einst von den Grenzen Frankreichs bis nach China erstreckte, zerfiel in 54 bedeutungslose Nationalstaaten, die bis heute nicht einmal ihre eigenen Probleme lösen können, geschweige denn sich um ihre Brüder und Schwestern kümmern können.
Doch vor dieser schleichenden, langwierigen Tragödie herrschte in der Ummah eine sehr positive Atmosphäre – geprägt vom Geiste der Einheit und Brüderlichkeit. Dies ist auch nicht weiter verwunderlich, denn jener einst mächtige Staat, der die Muslime vereinte, fußte auf auf einem überaus stabilen Fundament, nämlich den Gesetzen und Wertvorgaben Allahs. So entstand eine bis dato nie gekannte Gesellschaft, deren Zusammenhalt und Verantwortungsbewusstsein einzigartig waren. Dies mag zunächst nicht besonders erscheinen, denn in einer Gesellschaft gibt es immer einen gewissen Zusammenhalt. Doch das Ausmaß wird erst dann erkennbar, wenn man das islamische Reich der restlichen Welt gegenüber stellt. Das byzantinische und persische Imperium waren in jener Epoche berühmt berüchtigt und gefürchtet wegen ihrer korrupten Herrscher und ihre tyrannischen Gesellschaftsstrukturen. In diesen Imperien herrschte das Gesetz des Dschungels; Fressen oder Gefressen werden. Und so gewann der Stärkere stets gegen den Schwächeren. Im Gegensatz dazu galten im islamischen Staat Gesetze, die das Recht eines jeden Bürgers gewährleisteten. Weder gab man dem Starken vor dem Schwachen den Vorzug noch dem Reichen vor dem Armen. Es war vielmehr ein Für- und Miteinander, und lediglich solche Personen, die dem Islam feindlich gesonnen waren, wurden als Feinde erachtet. Die Beispiele für den Gerechtigkeitssinn des Kalifats, die die Geschichte zu bieten hat, sind erstaunlich.
So kam es, dass Abu Bakr (r.a.) während seiner Amtszeit als Kalif jeden Morgen höchstpersönlich zu einer alten, blinden Frau ging um ihre Mahlzeiten zu kochen, ihre Kleidung zu waschen und ihr Haus aufzuräumen. Umar (r.a.), direkter Nachfolger Abu Bakrs und zweiter Kalif der Muslime, dessen Reich das größte und mächtigste seiner Zeit war, machte jede Nacht Rundgänge um sich der Zufriedenheit und des Wohlergehens seiner Bürger zu vergewissern. Als es einmal einer alleinerziehenden Mutter und ihren zwei Kindern an Nahrung fehlte, ging er zum Schatzhaus, trug Säcke voll Mehl und anderen Nahrungsmitteln auf seinen Schultern zum Haus der alleinerziehenden Mutter, bereitete eigenhändig das Essen vor und entschädigte die Mutter nochmals mit reichlich Geld. Ein weiteres erstaunliches Beispiel gibt uns der Kalif Mu’tasim, der aufgrund einer muslimischen Frau, die in Byzanz von von dort Ansässigen belästigt und angegriffen wurde, seine gesamte Armee mobilisierte, einen Angriff auf Byzanz fuhr und infolgedessen dieses Weltreich einnahm.
Diese Geschichten sind den meisten Muslimen bekannt, doch sie fassen sie vom Verständnis her als eine Art Märchen auf, obwohl sie wissen, dass es reale Geschehnisse sind und somit ein Teil unserer Geschichte. Doch genau hier gilt es zu begreifen, dass dies keine Märchen sind, sondern ein Resultat dessen, was Allah, der Erhabene, im Qur’an gesagt hat: „Und haltet allesamt fest am Seil Allahs und spaltet euch nicht und gedenkt der Gnade Allahs gegen euch, da ihr Feinde wart und Er eure Herzen so vereinigt hat, dass ihr durch Seine Gnade Brüder wurdet; und da ihr am Rande eines Abgrundes von Feuer wart und Er euch ihr entriss.“ (Al-Imran; 103)
Diese bemerkenswerten Persönlichkeiten waren keine gewöhnlichen Bürger des Staates, sondern ihre Führer und die edelsten der Edlen. Obwohl sie als große Staatsmänner unzählige Aufgaben und Pflichten zu erfüllen hatten, scheuten sie keine Mühe, um jedem einzelnen ihrer Bürger ein zufriedenes Leben auf hohem Niveau zu gewährleisten, denn ihre Handlungsweise entsprach der Sunnah des Gesandten (s.a.s.), als er sagte: “ Wer auch immer viel Geld hinterlässt, so kommt es seinem Erben zu. Wer jedoch schwache Nachkommenschaft hinterlässt, so obliegen sie unserer Verantwortung.“ (Sahih Muslim)
Denn gerade in dieser Epoche war es Gang und Gäbe, dass die Herrscher ihr Leben in vollen Zügen auskosteten, während ihre Bevölkerung meist noch nicht einmal genug zu essen hatte. Der Islam jedoch definiert – wie gewöhnlich – die Ansichten neu, und so entsteht eine Staatsführung, die solchermaßen aussieht und in der es nahezu keine Ungerechtigkeit gibt.
Doch wie bereits erwähnt, ging diese Ära der Muslime zu Ende und an Stelle der reinen islamischen Konzeptionen setzten sich giftige, westliche Verständnisse fest, wie z. B. Individualismus, Nationalismus oder Sorglosigkeit gegenüber seinen Mitmenschen. Die faule Saat dieser Spaltung wurde bereits 1924 gelegt, als das Kalifat zerstört und die Ländereien der Muslime in kleine Nationalstaaten aufgeteilt wurden. Und heute ernten die ungläubigen Kolonialisten die Früchte dieser faulen Saat, denn mittlerweile ist Nationalismus und Stammestum unter den Muslimen weit verbreitet. Sogar Organisationen, deren Ziel es sein sollte, die Ummah zu vereinigen, spalten sich immer mehr ab und heizen die ohnehin angespannte Stimmung weiter an. So beschuldigen die einen die anderen, sie hätten eine fehlerhafte ‚Aqida. Andere wiederum erachten bestimmte Muslime als zu radikal, nur weil sie wahrhaftig für den Aufstieg der Muslime kämpfen und dabei die Aggressoren aus dem Westen mitsamt ihren falschen Ideen an den Pranger stellen. Und dann gibt es manche Muslime, die ohne Bedenken den Takfīr gegen andere Muslime aussprechen, das heißt, sie erklären diese zu Ungläubigen. In den meisten Fällen priorisieren sie Themen, die lebensferner nicht sein können und merken nicht, dass sie von den Kuffar gezielt gelenkt werden um den Islam noch mehr zu schwächen. Sie verschließen geradezu ihre Augen vor den wirklich brisanten und realen Problemen und Ereignissen, die die Ummah plagen.
Leid, Not und Tod erfasst die gesamte Ummah aus allen erdenklichen Richtungen. Sie sind zum Spielball der Kuffar geworden, doch liegt der Fokus der Muslime einzig und allein auf der Thematik des Bartes oder der Kleidungsvorschrift. Dabei reichen doch allein die täglichen, unheilvollen Nachrichten aus der islamischen Welt – und erst recht die Gräueltaten der vergangenen Jahrzehnte -, um das Blut eines vernünftigen Muslims in seinen Adern zum Kochen zu bringen:
Afghanistan, 29.05.2011:
„Nach Toolans Angaben wurden bei dem Angriff am vergangenen Samstag insgesamt neun Zivilisten getötet. Die Provinzbehörden hatten von 14 Toten gesprochen, darunter zehn Kinder und zwei Frauen … „Nach seinen Angaben feuerten die zur Verstärkung gerufenen Hubschrauber der US-Armee auf zwei Häuser in dem Glauben, die Aufständischen hätten sich dort allein verschanzt.“ (Tagesschau)
Syrien 27.05.2011, 3.06.2011&11.06.2011:
„Seit Beginn der Proteste in Syrien sollen bereits 1000 Menschen gestorben sein. Auch am Freitag gab es Tote bei Demonstrationen gegen Machthaber Assad. Mit Drohungen und gezielten Schüssen versucht die Regierung, den Aufstand zu unterdrücken – und das Ausland reagiert nur zögerlich.“
„Das UN-Kinderhilfswerk UNICEF gibt ihre Zahl mit mindestens 30 an. Besonders bekannt ist der Fall des 13-jährigen Hamsa el Chatib, der nach Angaben syrischer Aktivisten von Sicherheitskräften im südlichen Daraa gefoltert und getötet wurde.“ (Tagesschau)
„Syrische Flüchtlinge in der Türkei haben das brutale Vorgehen der Truppen von Präsident Bashar al-assad geschildert. Ein Augenzeuge aus einer Siedlung auf einer Anhöhe über der Stadt Dschisir al-Schughur sagte der BBC, wie am Freitag rund 40 Panzer das darunter gelegene Dorf angegriffen hatten. Dabei hätten sie mitten in die Häuser geschossen. Wie viele Tote es gegeben habe, konnte er nicht sagen. Jedoch vermochte er zu beobachten, wie die Soldaten Felder niederbrannten und Olivenbäume ausrissen, um den Überlebenden jede Lebensgrundlage zu nehmen.“ (Spiegel-Online)
Jemen 25.05.2011, 30.05.2011:
„Im Zentrum der jeminitischen Hauptstadt Sanaa halten die schweren Kämpfe zwischen Armee und Regierungsgegnern an. Augenzeugen berichteten von mindestens fünf Toten nach einem Raketenbeschuss. Am Dienstag waren nach unbestätigten Angaben 55 Menschen getötet worden … “ (…) „Die Sicherheitskräfte haben nach Mitternacht angegriffen, überraschend und brutal. Zelte brannten, Scharfschützen zielten von den umliegenden Regierungsgebäuden auf flüchtende Zivilisten. Die Zahl der Toten wird auf mehrere Dutzend geschätzt, die der Verletzten auf weit über Hundert.“ … „Präsident Ali Abdullah Saleh gab sich zufrieden mit dem Vorgehen seines Militärs: „Lassen Sie mich unseren Militärapparat loben, der allen Angriffen widersteht. Er hat unser volles Vertrauen.“ (…) „Mitte März hatte Saleh erstmals Scharfschützen gegen friedliche Demonstranten eingesetzt. Damals wurden in der Hauptstadt Sanaa 52 Menschen erschossen.“ (Tagesschau)
Lybien:
„Die Rede ist von entfesselten Horden und afrikanischen Söldnern, die Gastarbeiter durch Tripolis jagen, internieren, die Frauen vergewaltigen. Einer behauptet, er habe in Tripolis gesehen, wie ein Tunesier geköpft wurde … „Rückkehrer aus Libyen schildern Horrorszenen aus dem Gaddafi-Land. „Es wird überall geschossen“, berichten Italiener nach ihrer Landung auf dem Flughafen in Rom. „Auf der Fahrt von Sabratha nach Tripolis haben sie versucht, uns zu lynchen, es war entsetzlich“, erzählt ein Passagier.“ … „Es könnten schon tausend Menschen bei den Unruhen in Libyen ums Leben gekommen sein“ (Spiegel-Online)
So lastet die Verantwortung auf unseren Schultern, die Ehre und Würde unserer Geschwister wiederherzustellen und dafür zu arbeiten, dass sie in den Tag blicken können, ohne sich Sorgen machen zu müssen, dass sie jeden Moment unter Raketenbeschuss geraten könnten. Doch dieses Vorhaben ist ohne einen islamischen Staat nicht möglich. Und so liegt es an uns, der Mutter aller Pflichten nachzukommen und mit Allahs Erlaubnis das Kalifat zu errichten. Sodann wird Gerechtigkeit in die Welt zurückkehren, und die ungläubigen Ideen und Systeme werden ihre letzten Tage erleben.