Fällt das Stichwort „Revolution“, dann wird der Islam damit selten in Verbindung gebracht. Vielmehr denkt man dabei an die Französische, Amerikanische oder Russische Revolution.
Fällt das Stichwort „Revolution“, dann wird der Islam damit selten in Verbindung gebracht. Vielmehr denkt man dabei an die Französische, Amerikanische oder Russische Revolution. Da der Islam von vielen aber nur als eine einfache Religion, die die Beziehung zwischen dem Menschen und seinem Herrn regelt, betrachtet wird, liegt bei vielen die Vorstellung in der Ferne, dass der Islam etwas mit dem Wort „Revolution“ gemein haben könnte. Nur diejenigen, die wirklich begriffen haben, was eine Revolution und was der Islam ist, erkennen den revolutionären Charakter unseres Dins. Nur sie wissen, dass die zuvor genannten Revolutionen ein „Lüftchen“ sind im Vergleich zu der Revolution des Islam. Lasst uns also betrachten, was eine Revolution wirklich ist, um anschließend zu untersuchen, ob diese im Islam wiederzufinden ist.
Das Wort „Revolution“ entstammt dem lateinischen „revolvere“, was soviel bedeutet wie „zurückdrehen“ oder „zurückrollen“. Hierbei bezeichnet Revolution im politisch-sozialen Sinne eine „grundlegende Umgestaltung der gesellschaftlichen Struktur, der politischen Organisation sowie der kulturellen Wertvorstellungen in einem bestimmten geografischen Bereich, und ist damit eine Bezeichnung für eine besondere Form des historischen Wandels.“ (Brockhaus, 2007)
Bei einer Revolution begehrt die Masse gegen die Machthaber auf, um nach ihrem Wunsch und nach ihren Vorstellungen die Politik zu gestalten. Damit jedoch die Massen überhaupt erst aufbegehren bzw. die Umgestaltung von Politik und System fordern können, muss vorerst eine Veränderung in ihrem Bewusstsein stattfinden, bevor sich diese im Status Quo widerspiegeln kann.
Wenn wir nun nach diesem Maßstab, dem Maßstab der Veränderung im Bewusstsein der Massen, den Vergleich ziehen wollen, und dabei die Veränderung im Bewusstsein der Araber durch den Islam mit der Bewusstseinsveränderung der Franzosen, Amerikaner oder Russen während deren Revolutionen vergleichen, werden wir schnell feststellen, warum anfangs behauptet wurde, dass diese Revolutionen sich mit der des Islam nicht messen können. So hat der Islam, nach seiner geglückten Revolution in Medina im Jahre 632 n.Chr., bei den Massen eine Bewusstseinsveränderung bis ins kleinste Detail ihres Lebens bewirkt. Selbst wie sie sich auf der Toilette zu verhalten haben, hat ihnen der Islam vorgegeben. Es war diese Bewusstseinsveränderung, die sie dazu gebracht hat, ihre eigenen Väter und Söhne zu bekämpfen, sollten sich diese dem Islam in den Weg stellen.
Des Weiteren wurde bei der Revolution des Islam, im Gegensatz zu den zuvor genannten Revolutionen, keinerlei Blut vergossen. Die Revolution baute also nicht auf die materielle Stärke, sondern auf die reine Kraft der islamischen Ideen auf.
Auch in der Zeit nach der geglückten Revolution schärfte der Islam im Bewusstsein der Menschen ein Verständnis, das den weiteren Erhalt dieses Systems sichern sollte, nämlich das Verständnis, das Rechte zu gebieten und das Unrecht anzuprangern (Al-Amr bi l-Ma’ruf wan-Nahy ani l-Munkar) – „das Rechte“ ist hierbei der Islam, und das Unrecht ist alles davon Abweichende.
Somit hat der Islam nicht nur eine Revolution geschaffen, wie sie in der Geschichte ihresgleichen sucht, er hat vielmehr noch ein Instrumentarium im Bewusstsein der Menschen geschaffen, mit dem der weitere Fortbestand dieses neuen Systems gewährleistet wird.
Keiner dieser Punkte ist in den anfangs genannten Revolutionen wiederzufinden. Weder ist bei den Völkern der zuvor genannten Revolutionen eine vollkommene Bewusstseinsveränderung entstanden, bei der sie all ihre zuvor gewonnenen Erkenntnisse durch die Erkenntnisse der neuen Ideologie ersetzten, noch schafften deren Ideologien eine gemeinschaftliche Bindung, die stärker als die leibliche war. So konnte beispielsweise der Sozialismus in der Sowjetunion die Leute nicht komplett von den Konzeptionen des Christentums trennen, was dazu führte, dass das Christentum vom Sozialismus nie vollständig überwunden werden konnte. Auf der anderen Seite ließ der Sturz der politischen Institutionen des Islam mit der Zerstörung des Kalifats die Massen nicht zu ihren alten Religionen zurückkehren, vielmehr erleben wir jetzt seitens der Massen eine unglaubliche Rückkehr bzw. Rückbesinnung auf die verschiedensten Aspekte des Islam.
Auch können diese Revolutionen nicht, wie der Islam, für sich beanspruchen, friedlich vonstatten gegangen zu sein. Im Gegenteil, man nehme nur die Französische Revolution als Beispiel, in dessen Zuge die Guillotine erfunden wurde, um alle „Revolutionsgegner“ zur Strecke zu bringen.
Des Weiteren haben diese Revolutionen auch kein Bewusstsein im Einzelnen geschaffen, dass es in seiner Verantwortung steht, die Revolution zu beschützen, wie es der Islam durch die Idee des „Amr bi l-Ma’ruf wan-Nahy ‚ani l-Munkar“ geschaffen hat. Vielmehr wurde, einhergehend mit der Revolution in Frankreich, der Nihilismus geschaffen, von dem man sagen kann, dass er sich bei der Masse durchgesetzt hat. So trifft man heute selten einen Menschen im Westen, der sich um den Erhalt sogenannter aufklärerischer Errungenschaften Gedanken macht. Das Einzige, was die Masse interessiert, ist die Befriedigung ihrer Triebe und organischen Bedürfnisse, gleich der Tiere. Wahrscheinlich ist das auch so gewollt, denn nur eine starke, von sich überzeugte Ideologie würde wollen, dass sein Volk es jeden Tag unter die Lupe nimmt, um sich von ihrer Richtigkeit zu überzeugen. Doch ein schwaches, reaktionär entstandenes System, wird alles daran setzen, sein Volk mit Dogmen zuzupflastern, dumm zu halten und mit seinen Instinkten und Trieben zu beschäftigen. „Gebt dem Volk Brot und Spiele“ pflegten schon die römischen Kaiser zu sagen.
Was jedoch den Islam angeht, so motiviert er zur vorurteilsfreien Auseinandersetzung mit seinen Fundamenten, auf Basis des Verstandes, um sich dadurch von seiner Richtigkeit zu überzeugen und sich mit völliger Gewissheit vollends für diesen Din aufopfern zu können.
Aus dem Quran wissen wir, dass auch die früheren Propheten wie Moses und Abraham Anweisungen erhielten, die einen deutlich revolutionären Charakter hatten. Ein schönes Beispiel hierfür ist der Disput zwischen dem Pharao und Moses (a.s.), der im Quran beschrieben wird. Hierbei stellte Moses (a.s.) sozusagen den Führer der politischen Partei (Kinder Israels) und der Pharao die Spitze des Unrechtssystems dar. Auch wenn die Forderung von Moses nicht beinhaltete, die Macht gänzlich an ihn abzutreten, er stattdessen nur die politische Forderung nach der Freilassung der Kinder Israels hatte, so reichte dem Pharao alleine die Gefahr der sich einschleichenden Idee von Unabhängigkeit und Freiheit unter seinem Volk aus, um den Anhängern dieser neuen Idee mit voller Härte zu begegnen.
Die von Moses (a.s.) in die Gesellschaft gebrachten Ideen sorgten dafür, dass der uneingeschränkte Diktator, der Pharao, ins Wanken kam. Dieser Pharao, der „Ich bin euer höchster Gott“ gesagt hatte, sah plötzlich, dass seine Bediensteten sich ihm widersetzten, wie z.B. die Frisöse seiner Tochter oder die von ihm engagierten Zauberer. Selbst in seinem eigenen Haus fanden die Ideen von Moses (a.s.) Anklang. So wurde selbst die Frau des Pharao „angesteckt“. Der Pharao griff indes zu den gleichen Methoden, welche wir heute bei den despotischen Herrschern in der arabischen Welt vorfinden, nämlich Verleumdung, Irreführung und Gewalt.
Als jedoch die Idee von Moses (a.s.) sich selbst in der Regierung des Pharaos verbreitete, wollte der Pharao dieser mit der Tötung von Moses (a.s.) ein Ende setzen, doch die Idee des alleinigen Herrschers von Himmel und Erde ließ sich nicht mehr töten.
Ein gläubiger Mann von den Leuten des Pharaos, der seinen Glauben verborgen hielt, sagte: „Wollt ihr denn einen Mann töten, weil er sagt: ‚Mein Herr ist Allah‘, wo er doch mit den klaren Beweisen von eurem Herrn zu euch gekommen ist? (Ghafir – 28)