Freies Feedback

Was können wir auf unserer Webseite noch verbessern?

Allgemein 3. Die Persönlichkeitsbildung

Auch werden die Befriedigungstriebkräfte, die ihn bewegen, unweigerlich mit seinen Konzeptionen über die Dinge verschmolzen. Verknüpft der Mensch nun diese Triebkraft mit spezifischen Lebenskonzeptionen, so besitzt er einen bestimmten Seelencharakter (Nafsiyya).

Aus dem Buch: „Die islamische Persönlichkeit Teil 1“
Vollzieht sich im Menschen das rationale Begreifen der Dinge, also deren Wahrnehmung, nach einer gewissen Methode, so ist bei ihm eine bestimmte Denkweise (Aqliyya) vorhanden.
Auch werden die Befriedigungstriebkräfte, die ihn bewegen, unweigerlich mit seinen Konzeptionen über die Dinge verschmolzen. Verknüpft der Mensch nun diese Triebkraft mit spezifischen Lebenskonzeptionen, so besitzt er einen bestimmten Seelencharakter (Nafsiyya). Beherrschen ihn schließlich einheitliche Lebenskonzeptionen bei seinem rationalen Begreifen der Dinge und seinen Neigungen ihnen gegenüber, dann verfügt er über eine (ganz) bestimmte Persönlichkeit. Persönlichkeit bedeutet also, dass das Begreifen der Dinge und die Neigung ihnen gegenüber beim Menschen einheitlich auf einer einzigen Grundlage erfolgen. Demgemäß bedeutet die Persönlichkeitsbildung, die Erzeugung einer einheitlichen Grundlage für Denken und Neigungen. Hierbei kann es sich um eine oder auch um mehrere Grundlagen handeln. Handelt es sich um eine Vielzahl an Grundlagen, wie das Verwenden verschiedener Fundamente für Denken und Neigungen, so ist beim Menschen zwar eine Persönlichkeit vorhanden, jedoch ist diese farblos. Handelt es sich hingegen um ein einziges Fundament, das gleichzeitig als Grundlage für Denken und Neigungen dient, so ist der Mensch eine besondere Persönlichkeit mit einer ganz bestimmten Färbung. Genau das sollte sich der Mensch zueigen machen und das sollte man auch anstreben, wenn man sich der Ausbildung der Individuen widmet.
Obgleich jede allgemeine Idee als Basis für Denken und Neigungen tauglich ist, kann sie zwar als Fundament für mehrere Dinge dienen, nicht aber für alle. Nur eine umfassende Idee über Mensch, Leben und Universum ist als Gesamtfundament für alle Dinge (im Leben) geeignet. Denn sie ist das Denkfundament, auf dem jede Idee aufgebaut wird und das jede Anschauung festlegt. Darüber hinaus ist sie die rationale Glaubensüberzeugung (Aqida), die alleine dafür geeignet ist, mit den Ideen zur Regelung der Lebensangelegenheiten verknüpft zu werden. Auch ist es diese Glaubensüberzeugung, die das Verhalten des Menschen im Leben beeinflusst.
Die Tatsache, dass die umfassende Idee, also die rationale Glaubensüberzeugung, sich allein als allgemeines Gesamtfundament für Denken und Neigungen eignet, bedeutet allerdings nicht, dass es sich auch um das richtige Fundament handeln muss. Es bedeutet lediglich, dass es als Grundlage dienen kann, ungeachtet seiner Richtigkeit oder Falschheit. Das Kriterium für Richtigkeit oder Falschheit ist die Übereinstimmung dieser Glaubensüberzeugung mit der Natur des Menschen. Entspricht sie der Natur des Menschen, so handelt es sich um die richtige Glaubensüberzeugung (Aqida) und damit um das richtige Fundament für Denken und Neigungen, d. h. für die Bildung der Persönlichkeit. Widerspricht es hingegen der Natur des Menschen, so handelt es sich um die falsche Glaubensüberzeugung und folglich um eine falsche Grundlage. Die Übereinstimmung der Glaubensüberzeugung (Aqida) mit der Natur des Menschen ist gleichbedeutend mit der Anerkennung der Tatsache, dass Schwäche sowie die Bedürftigkeit nach dem lenkenden Schöpfer in der Natur des Menschen verankert ist. Anders ausgedrückt ist es die Übereinstimmung mit dem Anbetungsinstinkt.
Die islamische Glaubensüberzeugung ist die einzige, die den Anbetungsinstinkt in der Natur des Menschen anerkennt. Alle übrigen Grundüberzeugungen entsprechen entweder dem Anbetungsinstinkt in rein emotionaler Weise und nicht auf der Grundlage des Verstandes, so dass es sich um keine rationale Aqida handelt, oder es handelt sich zwar um eine rationale Aqida, ohne jedoch anzuerkennen, was in der Natur des Menschen liegt, d. h., sie steht nicht mit dem Anbetungsinstinkt in Einklang.
Aus diesem Grund ist die islamische Glaubensüberzeugung (Aqida) die einzig richtige. Nur sie eignet sich als richtiges Fundament für Denken und Neigungen. Daher sollte die Persönlichkeitsbildung eines Menschen derart erfolgen, dass die rationale Aqida zur Grundlage für sein Denken und seine Neigungen herangezogen wird. Aufgrund der Tatsache, dass ausschließlich die islamische Aqida die richtige rationale Glaubensüberzeugung und damit allein das richtige Fundament verkörpert, sollte die Persönlichkeitsbildung durch die ausschließliche Heranziehung der islamischen Aqida als einziges Fundament für das Denken und die Neigungen des Menschen erfolgen. Auf diese Weise reift er zu einer islamischen Persönlichkeit, d. h. zu einer erhabenen, hervorstechenden Persönlichkeit. Demgemäß entsteht die islamische Persönlichkeit durch den gleichzeitigen Aufbau des Denkens und der Neigungen einer Person auf der Grundlage der islamischen Aqida. Auf diese Weise bildet sich eine islamische Persönlichkeit heraus.
Allerdings bedeutet diese Herausbildung nicht, dass sie dauerhaft sein muss. Es bedeutet lediglich die Entstehung einer Persönlichkeit, ohne Gewähr dafür, dass sie auf der Grundlage der islamischen Aqida aufgebaut bleibt. Denn im Menschen kann ein Abweichen von der Aqida erfolgen, sowohl in seinem Denken als auch in seinen Neigungen. Es kann zu einem Abweichen in die Irre oder in die Frevelhaftigkeit kommen. Aus diesem Grund ist es unerlässlich, den auf der islamischen Aqida basierenden Aufbau des Denkens und der Neigungen in jedem Augenblick aufmerksam zu beachten, damit der Einzelne als islamische Persönlichkeit bestehen bleibt. Nach der Herausbildung dieser Persönlichkeit setzt man sich für ihre Weiterentwicklung ein, indem die Denkweise (Aqliyya) und die Handlungsweise (Seelencharakter – Nafsiyya) gefördert werden. Die Förderung des Seelencharakters wird durch die Anbetung des Schöpfers und die Suche nach Seiner Nähe in Form gottesdienstlicher Handlungen erreicht, ebenso durch einen steten Aufbau jeder Neigung gegenüber einer Sache auf der Grundlage der islamischen Glaubensüberzeugung (Aqida). Was die Förderung der Denkweise (Aqliyya) betrifft, so erreicht man dies durch die Darlegung der Ideen, die auf der islamischen Aqida beruhen, und ihre Erörterung mit Hilfe der islamischen Geistesbildung.
So sieht die Methode der islamischen Persönlichkeitsbildung und die Methode ihrer Weiterentwicklung aus. Auf genau diese Weise ist der Gesandte (s.) vorgegangen. Er rief die Menschen zum Islam auf, indem er sie zur islamischen Aqida aufrief, und sobald sie in den Islam eintraten, stärkte er in ihnen diese Aqida und achtete darauf, dass ihr Denken und ihre Neigung auf der Grundlage dieser Aqida aufgebaut wurden, so wie es im Hadî× erwähnt wird:
„Niemand von euch ist eher gläubig, bis nicht seine Neigung dem entspricht, womit ich gekommen bin.“ (Von Abu Na’im und Nasr Ibn Ibrahim al-Maqdisi überliefert, den sie ebenso wie an-Nawawiyy für richtig erklärten.)
„Niemand von euch ist eher gläubig, bis ich ihm nicht lieber bin als sein Vater, seine Kinder und alle Menschen.“ (Von den Schaichan überliefert.)
Anschließend erklärte er die Verse Allahs aus dem Koran, die an ihn herabgesandt wurden, zeigte die Gesetze auf und unterrichtete die Muslime im Islam. Unter seinen Händen, durch die Befolgung seines Vorbildes und das Befolgen dessen, womit er kam, bildeten sich islamische Persönlichkeiten heraus, die nach den Propheten zu den erhabensten Persönlichkeiten des Universums zählten.
Daraus wird klar, dass die Basis, mit der man bei der Einzelperson anfängt, darin besteht, in ihr die islamische Aqida hervorzubringen und anschließend das Denken und die Neigungen darauf aufzubauen. Danach müssen Anstrengungen unternommen werden, die Gehorsamkeiten (Ta’at) auszuführen und sich in den Ideen auszubilden.