Die islamische Glaubensüberzeugung (Aqida) ist der Glaube (Iman) an Allah, seine Engel, seine Bücher, seine Gesandten, an den Jüngsten Tag und daran, dass Qada´ und Qadar (Schicksal und Bestimmung) – sowohl das Gute als auch das Schlechte darin – von Allah, dem Erhabenen, stammen.
Aus dem Buch „Die islamische Persönlichkeit Teil 1“
Die islamische Glaubensüberzeugung (Aqida) ist der Glaube (Iman) an Allah, seine Engel, seine Bücher, seine Gesandten, an den Jüngsten Tag und daran, dass Qada´ und Qadar (Schicksal und Bestimmung) – sowohl das Gute als auch das Schlechte darin – von Allah, dem Erhabenen, stammen.
Der Iman ist die absolute Überzeugung, die basierend auf einem Beweis mit der Realität übereinstimmt. Denn eine Überzeugung ohne Beweis stellt keinen Iman dar. Es handelt sich erst dann um eine absolute Überzeugung, wenn sie einem Beweis entspringt. Fehlt der Beweis, findet sich keine Absolutheit vor, und es handelt sich in diesem Fall lediglich um die Bestätigung einer Nachricht und kann daher nicht als Iman betrachtet werden. Aus diesem Grund ist es unerlässlich, dass die Überzeugung auf einem Beweis beruht, damit eine Absolutheit vorhanden ist, d. h. der Iman zustande kommt. Demzufolge ist die Existenz eines Beweises für alles, was der Iman erfordert, unabdingbar, damit es sich bei der Überzeugung um einen Iman handeln kann. Die Existenz eines Beweises ist folglich eine grundlegende Bedingung für das Vorhandensein von Iman, unabhängig davon, ob er falsch oder richtig ist.
Der Beweis selbst kann entweder rationaler (caqliyy) oder übertragener bzw. überlieferter (naqliyy) Natur sein. Der Faktor, der darüber entscheidet, ob es sich um einen rationalen oder übertragenen Beweis handelt, hängt vom Sachverhalt ab, der als Beweis für den Iman herangezogen wird. Ist der Sachverhalt real und sinnlich wahrnehmbar, so ist sein Beweis definitiv rationaler und nicht übertragener Natur. Ist der Sachverhalt nicht mit den Sinnen erfassbar, so ist der ihm zugrunde liegende Beweis übertragener Natur. Allerdings ist dieser übertragene Beweis selbst sinnlich wahrnehmbar, d. h. die Tatsache, dass es sich dabei um einen Beweis handelt, fällt unter die sinnliche Wahrnehmung und wird von den Sinnen des Menschen erfasst. Somit hängt die Anerkennung eines Naqliyy-Beweises, der für Iman geeignet ist, davon ab, ob durch einen rationalen Beweis erwiesen ist, dass es sich bei ihm (wirklich) um einen Beweis handelt.
Bei genauer Betrachtung der Dinge, für die seitens der islamischen Glaubensüberzeugung der Iman gefordert wird, erkennt man, dass der Beweis für den Glauben an Allah rationaler Natur ist. Denn der entsprechende Sachverhalt ist sinnlich wahrnehmbar, nämlich die Existenz eines Schöpfers für die fassbaren existierenden Geschöpfe. Der Beweis für den Iman an die Engel ist hingegen übertragener (naqliyy) Natur, da die Existenz der Engel von den Sinnen nicht wahrnehmbar ist. So sind die Engel selbst nicht direkt wahrnehmbar, ebenso gibt es nichts Wahrnehmbares, was auf ihre Existenz hindeuten würde. Was den Beweis für den Iman an die Bücher betrifft, so muss man differenzieren. Geht es um den Iman an den Koran, so ist der ihm zugrunde liegende Beweis rational, da er sinnlich wahrnehmbar und sein Wunder jederzeit sinnlich fassbar ist. Ist jedoch der Glaube an die anderen Bücher gemeint, wie die Thora, das Evangelium oder die Psalmen (Zabur), so ist der entsprechende Beweis übertragener Natur, da es nicht zu jeder Zeit wahrnehmbar ist, dass sie von Allah (t.) stammen. Vielmehr war ihre göttliche Herkunft ausschließlich im Zeitalter der sie verkündenden Gesandten mittels der sie begleitenden Wunder sinnlich wahrnehmbar. Mit dem Ablauf ihrer Zeit verschwanden auch ihre Wunder, und diese waren nach dem Tod derer, die sie vollbracht haben, nicht mehr als solche erkennbar. Die Nachricht darüber, dass sie von Allah stammen und dem jeweiligen Gesandten offenbart worden sind, wurde nur noch auf dem Wege der Überlieferung weitergegeben. Daher ist der entsprechende Beweis überlieferter und nicht rationaler Natur, denn für den Verstand ist es nicht mehr zu jeder Zeit erkennbar, dass es sich um das Wort Allahs handelt, da es als Wunder nicht mehr mit den Sinnen wahrnehmbar ist. Analog dazu verhält es sich mit dem Glauben an die Gesamtheit der Propheten. So ist der Beweis für den Glauben an den Gesandten Muhammad rational, denn aus der wahrnehmbaren Tatsache, dass der Koran das Wort Allahs verkörpert, ebenso wie aus der Tatsache, dass Muhammad ihn verkündet hat, wird ebenso die Gesandtschaft Muhammads rational erkennbar. Und dies gilt für alle Zeiten und alle Generationen. Hinsichtlich der übrigen Propheten, so ist der entsprechende Beleg übertragener Natur, denn der Beleg für die Prophetenschaft wird durch die Wunder der Propheten repräsentiert, die ausschließlich von ihren Zeitgenossen sinnlich wahrnehmbar waren.
Die nachfolgenden Generationen konnten und können bis zum heutigen Tag diese Wunder nicht spürbar nachvollziehen und werden sie auch bis zum Jüngsten Tag nicht mehr wahrnehmen können. Es existiert also kein sinnlich greifbarer Beweis und damit auch kein rationaler Beleg für ihre Prophetenschaft. Somit ist der Beweis in ihrem Falle übertragener Natur. Was jedoch den Beweis für die Prophetenschaft Muhammads betrifft, so ist sein Wunder existent und sinnlich wahrnehmbar, nämlich in Form des Koran. Daher ist der ihn betreffende Beweis rational (aqliyy). Bezüglich des Beweises für den Jüngsten Tag, so ist auch er übertragen, da er mit den Sinnen nicht wahrnehmbar ist. Und es existiert nichts Wahrnehmbares, was auf ihn hinweisen könnte. Somit ist dessen Beweis nicht rationaler, sondern übertragener Natur. Was den Glauben an Schicksal (Qada´) und Bestimmung (Qadar) anlangt, so ist der entsprechende Beweis rationaler Art, denn Qada´ hängt mit zwei Aspekten zusammen: Der erste Aspekt betrifft die existenzielle Ordnung und das, was durch sie bedingt wird. Der Beweis hierfür ist rationaler Art, denn er ist mit dem Schöpfer verknüpft. Bei dem zweiten Aspekt geht es um die menschliche Handlung, die unfreiwillig vom Menschen ausgeht bzw. ihm zustößt. Es handelt sich dabei um etwas sinnlich Wahrnehmbares und gilt daher als rationaler Beweis. Qadar stellt die Eigenschaft in den Dingen dar, die der Mensch bewirkt, wie das Brennen des Feuers oder die Eigenschaft des Schneidens im Messer. Da diese Eigenschaften durch die Sinne wahrnehmbar sind, ist der Beweis für den Qadar rationaler Art.
Dies betraf die Art der Beweise für die islamische Glaubensüberzeugung. Was jeden einzelnen Beweis davon betrifft, so ist der Beleg für die Existenz Allahs in jedem Objekt vorhanden. Denn dass jedes sinnlich wahrnehmbare Objekt existent ist, ist eine unumstößliche Tatsache ebenso wie die Tatsache, dass es von etwas anderem abhängig ist. Daher gilt es als Faktum, dass sie von einem Schöpfer erschaffen wurden, denn ihre Abhängigkeit bedeutet, dass sie erschaffen sind. Ihre Bedürftigkeit nach etwas anderem impliziert etwas Präexistentes, folglich sind die Dinge selbst nicht von ewiger Dauer. Das Argument, dass ein Objekt zwar eines anderen Objektes, aber nicht etwas gänzlich Anderes bedarf, da sich die einzelnen Objekte ergänzen, sie im Kollektiv also nicht bedürftig sind, kommt hier nicht zum Tragen. Der Beleg bezieht sich nämlich auf eine ganz konkrete Sache, wie auf einen Stift, einen Krug, ein Blatt oder etwas Ähnliches. Bei der Beweisführung geht es darum, zu belegen, dass dieser Stift, dieser Krug oder dieses Blatt von einem Schöpfer erschaffen wurde. Hierbei wird sichtbar, dass dieser Gegenstand an sich von etwas Anderem abhängig ist, ungeachtet dessen, von was er abhängig ist. Dieses Andere, dessen der Gegenstand bedarf, steht – sinnlich wahrnehmbar – definitiv außerhalb von ihm. Sobald ein Objekt von etwas Anderem abhängig ist, gilt es als erwiesen, dass es nicht von ewigem Bestand ist und demzufolge erschaffen sein muss.
Ebenso wenig gilt das Argument, dass das Objekt an sich aus Materie bestehe und von anderer Materie und damit von sich selbst abhängig sei und nicht von etwas Anderem, so dass eigentlich keine Bedürftigkeit vorläge. Dieses Argument zählt nicht, denn wenn man davon ausgeht, dass das Objekt aus Materie besteht und von (anderer) Materie abhängig ist, so ist diese Abhängigkeit in Wahrheit die Abhängigkeit von etwas Immateriellem und nicht von der Materie selbst. Dies liegt darin begründet, dass Materie nicht aus sich selbst heraus in der Lage ist, die Bedürftigkeit einer anderen Materie auszufüllen. Vielmehr ist die Existenz von etwas Immateriellem notwendig, um dieser Bedürftigkeit beizukommen. Die Materie ist somit von etwas anderem abhängig und nicht nur von sich selbst. Um beispielsweise Wasser in Dampf umzuwandeln, bedarf es der Energie. Wenn man davon ausgeht, dass beides, sowohl Wasser als auch Energie Materie sind, so reicht das Vorhandensein von bloßer Energie nicht aus, um eine Umwandlung von Wasser zu bewirken. Es ist vielmehr ein ganz bestimmtes Energieverhältnis für den Umwandlungsprozess notwendig. Dieses bestimmte Verhältnis an Energie ist es, von dem das Wasser abhängig ist. Und dieses Verhältnis wird durch etwas anderes als das Wasser oder die Energie selbst bedingt, d. h. durch etwas, das sich außerhalb der Materie befindet und das die Materie dazu zwingt, sich diesem Energieverhältnis zu fügen. Demzufolge benötigt die Materie etwas, das ihr das Energieverhältnis festlegt. Sie ist somit von etwas Immateriellem abhängig. Es besteht also definitiv eine Bedürftigkeit der Materie nach etwas Anderem, was heißt, dass sie von einem Schöpfer erschaffen ist. Folglich sind alle sinnlich wahrnehmbaren Dinge von einem Schöpfer erschaffen.
Was den Schöpfer betrifft, so muss Er immerwährend und ohne Anfang sein. Wäre Er nämlich nicht immerwährend, würde es sich bei ihm um ein Geschöpf und keinen Schöpfer handeln. Die Tatsache, dass Er ein Schöpfer ist, setzt seine Ewigkeit unabdingbar voraus. Denn der Schöpfer muss notwendigerweise von ewiger Existenz sein. Vergegenwärtigt man sich die Dinge, die als Schöpfer in Frage kämen, so wäre dies entweder die Materie, die Natur oder aber Allah, der Erhabene. Was die Möglichkeit der Materie als Schöpfer anbelangt, so ist dies aufgrund der obigen Ausführungen auszuschließen, da die Materie von etwas anderem abhängig ist, das ihr das Mengenverhältnis zur Durchführung des Umwandlungsprozesses festlegt. Folglich ist die Materie nicht ewig und damit kein Schöpfer. Auch die Natur kann als Schöpfer nicht in Frage kommen. Denn die Natur ist die Summe aller Dinge samt der Ordnung, der die Dinge unterworfen sind, sodass alles im Universum nach dieser Ordnung ablaufen muss. Dieser ordnungsgemäße Ablauf kann jedoch nicht allein aus der Ordnung hervorgehen, denn ohne die Existenz der Dinge, die geordnet werden müssen, gäbe es keine Ordnung. Ebenso rührt er nicht von den Dingen selbst her, denn ihre Existenz bringt nicht automatisch bzw. unbedingt die Ordnung hervor. Auch lässt sie die Dinge sich nicht aus sich selbst heraus ordnen, ohne den äußeren Eingriff einer ordnenden Kraft. Der ordnungsgemäße Ablauf kann auch nicht aus den Dingen und der Ordnung gemeinsam hervorgehen, denn er erfolgt nur in einem ganz bestimmten Zustand, dem die Dinge und die Ordnung selbst unterworfen sind. Allein dieser spezifische Zustand von Ordnung zusammen mit den existierenden Dingen bewirkt den ordnungsgemäßen Ablauf. Der spezifische Zustand ist somit der Ordnung als auch den Dingen aufgezwungen worden, denn ohne ihn kann es keinen ordnungsgemäßen Ablauf geben. Er rührt weder von der Ordnung noch von den Dingen noch von der Summe beider Aspekte her, demzufolge ist sein Ursprung definitiv etwas anderes. Aufgrund dessen ist auch die Natur, die sich nur in einem ganz bestimmten Zustand, der ihr von außen aufgezwungen wurde, fortbewegen kann, von etwas anderem abhängig, sie ist also nicht ewig, und das Nichtewige kann keinesfalls der Schöpfer sein. Demzufolge bleibt als Schöpfer nur mehr Jener übrig, der definitiv die Eigenschaft der Ewigkeit besitzt, und dies ist Allah, der Erhabene und Gepriesene.
Die Existenz Allahs ist mittels der Sinne erfassbar und wahrnehmbar. Denn die wahrnehmbaren und spürbaren Dinge weisen mit ihrer Bedürftigkeit nach dem Ewigen auf die Existenz eines Schöpfers hin. Jedes Mal, wenn der Mensch sich in die Betrachtung der Geschöpfe Allahs vertieft, die Verbindung zum Universum sucht und versucht, Zeit und Ort zu erfassen, stellt er fest, dass er nur ein winzig kleines Teilchen in Relation zu diesem Universum darstellt. Er gelangt weiterhin zur Einsicht, dass sich diese zahlreichen Welten gemäß bestimmter, unveränderlicher Gesetze bewegen. Dadurch gelangt er zur tiefen Erkenntnis von der Existenz dieses Schöpfers. Ihm werden Seine Einzigartigkeit, Seine Größe und Seine Macht bewusst. Er begreift den Wechsel von Tag und Nacht, das Wehen der Winde aus den verschiedenen Richtungen, die Existenz der Meere, der Flüsse und der Himmelskörper als rationale Beweise und sprechende Belege für die Existenz Allahs, für Seine Einzigartigkeit und Seine Macht. Er, der Erhabene, sagt:
„Wahrlich in der Schöpfung der Himmel und der Erde und dem Wechsel von Nacht und Tag und den Schiffen, die auf dem Meer fahren mit dem, was den Menschen nützt, und in dem, was Allah vom Himmel an Wasser herniedersandte und damit die Erde nach ihrem Tod belebte und alle Arten von Getier sich ausbreiten ließ, und im Wechsel der Winde und den dienstbaren Wolken zwischen Himmel und Erde sind Zeichen für die Denkenden.“ (Al-Baqara, Aya 164). Auch sagt Er:
„Sind sie denn aus nichts erschaffen worden oder etwa sie die Schöpfer? Schufen sie gar die Himmel und die Erde? Doch nein, sie haben keine Gewissheit!“ (At-Tur 52, Aya 35-36)
Somit ist es der Verstand, der die Existenz Allahs erkennt, und nur über ihn darf der Weg zum Iman gesucht werden. Aus diesem Grund hat der Islam den Gebrauch des Verstandes zur Pflicht erklärt und ihn zum Richter über den Glauben an die Existenz Allahs (t) erhoben. Daher ist der Beweis für die Existenz Allahs rationaler Art.
Die Verfechter der Ansicht von der anfangslosen Ewigkeit der Welt sowie der Materie argumentieren folgendermaßen: Die Welt ist von nichts Anderem abhängig. Sie ist sich selbst genug, da die in ihr existenten Dinge nichts Anderes als vielfältige Formen der Materie sind, da sie alle aus Materie bestehen. Die gegenseitige Abhängigkeit bedeutet jedoch keine Bedürftigkeit, denn die Abhängigkeit einer Sache von sich selbst stellt im Grunde keine Bedürftigkeit dar. Vielmehr ist sie sich selbst genug und kann Anderes entbehren. Somit ist die Materie von anfangsloser Ewigkeit, da sie aus sich heraus existieren und Anderes entbehren kann. Mit anderen Worten, die Welt ist von Ewigkeit her und unabhängig von Anderem existierend.
Das Gegenargument dafür beinhaltet zwei Gesichtspunkte: Zunächst einmal haben die in der Welt existenten Dinge nicht die Fähigkeit, etwas aus dem Nichts hervorzubringen und zu erschaffen, gleichgültig, ob im Kollektiv oder als Einzelobjekt. Das einzelne Objekt ist unfähig, etwas aus dem Nichts hervorzubringen und zu erschaffen. Auch wenn es durch ein anderes in einem oder mehreren Bereichen ergänzt werden würde, so bleibt die Tatsache bestehen, dass ein Objekt zusammen mit anderen Objekten unfähig ist zu erschaffen und aus dem Nichts zu gestalten. Diese Unfähigkeit des Erschaffens aus dem Nichts ist spürbar und offensichtlich. Sie bedeutet, dass der Gegenstand nicht von anfangsloser Ewigkeit sein kann, denn der anfangslos Ewige schließt für sich das Attribut der Bedürftigkeit aus und muss das Attribut des Erschaffens und des Gestaltens aus dem Nichts besitzen. Mit anderen Worten müssen die entstandenen Dinge in ihrer Existenz von ihm abhängen, damit er für sich die Eigenschaft der Ewigkeit beanspruchen kann. Demzufolge ist die Welt nicht von Ewigkeit und nicht anfangslos, da sie nicht in der Lage ist zu erschaffen und zu gestalten. Die Unfähigkeit einer Sache aus dem Nichts zu erschaffen ist ein definitiver Beweis dafür, dass sie nicht ewig ist. Der zweite Gesichtspunkt ergibt sich aus der bereits festgestellten Tatsache, dass der Gegenstand ein ganz bestimmtes Mengenverhältnis benötigt, das er nicht übertreten kann, um die Bedürftigkeit eines anderen Gegenstandes auszufüllen. Dies kann folgendermaßen erläutert werden:
Die Materie A benötigt die Materie B, die Materie B benötigt die Materie C und diese wiederum die Materie A etc. … Ihre Abhängigkeit voneinander beweist, dass jede von ihnen nicht von Ewigkeit sein kann. Die Tatsache, dass sie sich gegenseitig ergänzen bzw. ihre gegenseitige Bedürftigkeit ausfüllen, ist nicht uneingeschränkt gültig, vielmehr erfolgt dies nach einem ganz bestimmten Mengenverhältnis d. h. nach einer ganz bestimmten Ordnungsstruktur. Und die Materie kann eine andere allein nach dieser Ordnungsstruktur ergänzen bzw. ist nicht in der Lage, sich dieser Ordnungsstruktur zu entziehen. Demzufolge hat die ergänzende Materie die Ergänzung nicht alleine vorgenommen, die Bedürftigkeit also nicht alleine erfüllt. Sie hat dies vielmehr nach einer bestimmten Ordnungsstruktur getan, die ihr von außen auferlegt wurde und sie ist gezwungen worden, sich dieser zu fügen. Dies bedeutet, dass sowohl der ergänzte als auch der ergänzende Gegenstand etwas benötigen, was ihnen die bestimmte Ordnungsstruktur festlegt, damit die Bedürftigkeit ausgefüllt wird. Beide können sich dieser Ordnungsstruktur nicht widersetzen. Auch wird die Bedürftigkeit nur durch diese bestimmte Ordnungsstruktur ausgefüllt. Demzufolge bedürfen sie desjenigen, der ihnen diese spezifische Ordnungsstruktur aufgezwungen hat. Aufgrund dessen sind die Dinge in ihrer Summe, auch wenn sie sich gegenseitig ergänzen, noch immer von etwas anderem abhängig, und zwar von dem, das sie gezwungen hat, sich dieser bestimmten Ordnungsstruktur zu unterwerfen. So bedarf das Wasser, um sich in Eis zu verwandeln, der Temperatur. Nun behaupten sie, dass Wasser, Temperatur und Eis Materie sei. Und diese Materie hat nur sich selbst und nichts anderes benötigt, um sich von einer materiellen Gestalt in die andere zu verwandeln. Jedoch besagt die Realität etwas anderes: Damit sich das Wasser in Eis verwandelt, bedarf es nicht bloß der Temperatur, sondern eines ganz bestimmten Temperaturgrades. Wenn die Temperatur nun Materie verkörpert, so stellt jedoch die Tatsache, dass sie nur bei einem bestimmten Grad zur Umwandlung führt, etwas anderes dar und nicht die Temperatur selbst. Mit anderen Worten rührt das Verhältnis, das der Temperatur auferlegt wurde, um zu beeinflussen, und dem Wasser auferlegt wurde, um beeinflusst zu werden, von etwas anderem her. Weder entspringt es dem Wasser, sonst könnte es sich beliebig beeinflussen lassen, noch der Temperatur, sonst könnte sie beliebig Einfluss nehmen. Das Verhältnis entspringt also nicht der Materie selbst, sonst könnte diese nach Belieben Einfluss nehmen und sich beeinflussen lassen. Es muss also notwendigerweise von etwas Immateriellem herrühren.
Demzufolge benötigt die Materie etwas, das ihr das bestimmte (Energie-)Verhältnis festlegt, damit der Einfluss, sei er nun aktiv oder reaktiv, stattfinden kann. Das, was ihr dieses bestimmte Verhältnis vorgibt, ist definitiv etwas anderes und nicht sie selbst. Somit ist die Materie von etwas anderem abhängig und nicht von anfangsloser Ewigkeit. Denn das Ewige bedarf keines anderen, es genügt sich selbst und stellt den Ursprung aller Dinge dar. Die Tatsache, dass die Materie sich selbst nicht genügt und von anderem abhängt, beweist definitiv, dass sie erschaffen und nicht von Ewigkeit ist. Ein Blick in die Welt lässt jeden Menschen erkennen, dass die Entstehung der Dinge – und zwar sowohl derjenigen, die ein Volumen einnehmen, als auch derjenigen, die aus Energie bestehen – nur aus sinnlich wahrnehmbaren Dingen und einer ganz bestimmten Ordnungsstruktur zwischen diesen Dingen erfolgen kann. Allein auf diese Weise kann irgendetwas entstehen. Nichts in dieser Welt kann etwas aus dem Nichts entstehen lassen. Auch existiert nichts, was etwas hervorbringen könnte, ohne dass der entstandene Gegenstand durch das (Mengen-)Verhältnis bestimmt wird und diesem unterworfen ist. Mit anderen Worten existiert kein Gegenstand auf dieser Welt, der aus dem Nichts entstanden oder einem (Mengen-)Verhältnis d. h. einer bestimmten Ordnungsstruktur nicht unterworfen wäre. Demzufolge sind alle entstehenden und bereits entstandenen Dinge auf der Welt weder anfangslos noch von Ewigkeit. Was die neu entstehenden Dinge anbelangt, so ist dies offenkundig, da sie aus anderen, sinnlich wahrnehmbaren Dingen hervorgegangen sind. Auch ist offensichtlich, dass sie in ihrer Entstehung einer ganz bestimmten Ordnungsstruktur unterworfen waren, die ihnen (von außen) aufgezwungen wurde. Was die bereits entstanden Dinge anbelangt, so geht dies klar aus der Tatsache hervor, dass sie keinen Gegenstand aus dem Nichts hervorbringen können, ebenso aus dem Umstand, dass auch sie zwangsweise einer Ordnungsstruktur unterworfen sind, der sie sich nicht entziehen können. Diese Ordnungsstruktur entspringt nicht aus ihnen selbst, sonst wären sie in der Lage, diese Ordnung abzulegen und sich ihr nicht zu unterwerfen. Sie stammt also definitiv von etwas anderem.
Die Unfähigkeit der sinnlich wahrnehmbaren Dinge auf der Welt – die Unfähigkeit der Welt also – etwas aus dem Nichts entstehen zu lassen und die Tatsache, dass sie einer bestimmten Ordnungsstruktur, die von etwas anderem stammt, unterworfen sind, stellt einen definitiven Beweis dafür dar, dass die Welt nicht anfangslos und nicht von Ewigkeit ist, sondern von einem ewigen, anfangslosen Schöpfer erschaffen wurde. Was die Behauptung jener anlangt, die vorbringen, dass die Schöpfung durch passende Voraussetzungen und (Selbst-)Regulierung erfolgt ist, und die somit die Existenz des Schöpfers, der aus dem Nichts erschuf, negieren, so bedeutet ihre Aussage nichts anderes, als dass die sinnlich wahrnehmbaren Dinge zusammen mit der Ordnungsstruktur, die ihnen auferlegt wurde, die schöpfenden Kräfte sind. Denn die passenden Voraussetzungen und die Selbstregulierung können sich nur beim Vorhandensein von sinnlich wahrnehmbaren Dingen und einer Ordnungsstruktur einstellen, die (erwiesenermaßen) von etwas anderem stammt. Diese Behauptung lässt die Schöpfung ursächlich aus diesen beiden Komponenten hervorgehen: den sinnlich wahrnehmbaren Dingen und der spezifischen Ordnungsstruktur, was aber definitiv unrichtig ist. Denn die Ordnungsstruktur geht nicht aus den materiellen Dingen und auch nicht aus sich selbst hervor, vielmehr ist sie den wahrnehmbaren Dingen von etwas anderem, das weder materiell noch wahrnehmbar ist, aufgezwungen worden.
Damit wird klar, dass „passende Voraussetzungen und Selbstregulierung“ keine Schöpfung darstellen, da aus ihnen allein materielle Existenz unmöglich hervorgehen kann. Vielmehr muss etwas nicht Wahrnehmbares und nicht Erfassbares vorhanden sein, das den sinnlich wahrnehmbaren Dingen die Ordnungsstruktur aufzwingt, damit materielle Existenz entstehen kann. Dadurch wird deutlich, dass passende Voraussetzungen und Selbstregulierung keine Schöpfung verkörpern und aus ihnen allein die Existenz unmöglich hervorgehen kann.
Zudem kann ein „Schöpfer“, der keine sinnlich wahrnehmbaren Dinge aus dem Nichts erschaffen hat, unmöglich Schöpfer sein, da er nicht imstande ist, die Dinge durch seinen alleinigen Willen entstehen zu lassen. Vielmehr bedarf er selbst etwas anderem mit ihm, um die Dinge entstehen lassen zu können. Demzufolge ist er abhängig und nicht von Ewigkeit, da er nicht imstande war, allein von sich selbst aus Dinge entstehen zu lassen, denn er bedurfte eines anderen. Der Unfähige und Bedürftige kann aber nicht von Ewigkeit sein. Darüber hinaus bedeutet das Wort „Schöpfer“ real gesehen der Erschaffer aus dem Nichts. Denn „Schöpfer“ heißt nichts anderes, als dass alle Dinge von ihm abhängen, wohingegen er von nichts abhängig ist. Hat er die Dinge jedoch nicht aus dem Nichts erschaffen und ist er zur Schöpfung unfähig, wenn es (noch) keine existierenden Dinge gibt, so bedeutet dies, dass er in der Schöpfung von den Dinge abhängig ist und die Dinge in ihrer Existenz nicht allein von ihm abhängen, was bedeutet, dass nicht er allein der Schöpfer ist, somit kann er in Wirklichkeit kein Schöpfer sein. Demzufolge muss der Schöpfer die Dinge aus dem Nichts erschaffen können, um das Attribut des Schöpfers zu verdienen. Es muss auch Willen und Allmacht besitzen und von den Dingen gänzlich unabhängig sein. Mit anderen Worten hängt er von nichts ab, während alle Dinge in ihrer Existenz von ihm abhängen. Das Hervorbringen der Dinge muss also notwendigerweise aus dem Nichts erfolgen, um es als Schöpfung zu bezeichnen, auch muss derjenige, der sie hervorbringt, sie aus dem Nichts entstehen lassen, um wirklich Schöpfer zu sein.