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Grundlagen 2. Die islamische Persönlichkeit

Der Islam betreut den Menschen in vollkommener Weise, um ihm eine besondere, charakteristische Persönlichkeit zu verleihen. Durch die islamische Glaubensgrundlage (Aqida) behandelt der Islam die Ideen des Menschen, indem er ihm ein Denkfundament gegeben hat, auf dem er seine Ideen aufbauen und auf dessen Grundlage er seine Konzeptionen herausbilden kann.

Aus dem Buch: „Die islamische Persönlichkeit Teil 1“
Der Islam betreut den Menschen in vollkommener Weise, um ihm eine besondere, charakteristische Persönlichkeit zu verleihen. Durch die islamische Glaubensgrundlage (Aqida) behandelt der Islam die Ideen des Menschen, indem er ihm ein Denkfundament gegeben hat, auf dem er seine Ideen aufbauen und auf dessen Grundlage er seine Konzeptionen herausbilden kann. Somit kann der Mensch das richtige Denken vom falschen unterscheiden, wenn er es mit dem Maßstab der islamischen Aqida bewertet und auf ihr – in ihrer Eigenschaft als Denkfundament – das Denken aufbaut. Dadurch formt sich seine Denkweise (Aqliyya) auf Grundlage dieser Aqida aus. Mit diesem Denkfundament erhält er eine besondere Denkweise. Es steht ihm damit auch ein korrekter Maßstab für seine Ideen zur Verfügung, mit dem er vor Ausgleitung beim Denken gefeit ist und falsche Ideen ausschließen kann. Dadurch bewahrt er sich ein aufrichtiges Denken und eine intakte Wahrnehmung.
Gleichzeitig behandelt der Islam die Taten des Menschen, die sich aus seinen organischen Bedürfnissen und Instinkten ergeben, in wahrhafter Weise. Er behandelt sie durch die islamischen Rechtssprüche (Ahkam shariyya), die aus derselben Glaubensüberzeugung (Aqida) hervorgehen. Diese Rechtssprüche regeln die Instinkte, ohne sie zu unterdrücken, und ordnen sie, ohne sie zu verleugnen. Sie befähigen den Menschen dazu, seine gesamten Bedürfnisse auf geordnete Weise zu befriedigen, was zu innerer Zufriedenheit und Ruhe führt. Der Islam hat die islamische Aqida zu einer rationalen Überzeugungsgrundlage gemacht, so dass sie dafür prädestiniert ist, als Denkfundament zu fungieren, an dem die Ideen gemessen werden. Er machte sie auch zu einer umfassenden Idee über Mensch, Leben und Universum. Und da es sich beim Menschen um eine Spezies handelt, die im Universum existiert, hat diese umfassende Idee seine gesamten Probleme bzw. Komplexe – im Inneren wie im Äußeren – gelöst und eignet sich deswegen als allgemeine Konzeption (Mafhum) bzw. als allgemeiner Maßstab, der bei der Verschmelzung von Triebkraft und (spezifischen) Konzeptionen in natürlicher Weise herangezogen wird. Mit anderen Worten ist diese Idee ein Maßstab, auf dessen Grundlage sich die Neigungen herausbilden. Somit hat der Islam im Menschen ein definitives Fundament geschaffen, als definitiver Maßstab für beides: Neigungen und Konzeptionen. Mit anderen Worten ist es ein definitiver Maßstab gleichzeitig für die Denkweise (Aqliyya) und die Handlungsweise bzw. die Charakterseele (Nafsiyya). Auf diese Weise baut der Islam eine besondere Persönlichkeit auf, die sich vor anderen Persönlichkeiten auszeichnet.
Somit wird erkennbar, dass der Islam die islamische Persönlichkeit durch die islamische Aqida formt. Durch sie bildet sich die Denkweise des Menschen ebenso wie seine Handlungsweise aus. Daraus wird ersichtlich, dass die islamische Denkweise jene ist, die auf Grundlage des Islam denkt, d. h., die den Islam zum alleinigen allgemeinen Maßstab für die Ideen über das Leben erhebt. Es ist nicht nur die Denkweise eines Gelehrten oder die eines Intellektuellen. Vielmehr genügt es den Islam real und praktisch als Maßstab für sämtliche Ideen heranzuziehen, um im Menschen eine islamische Denkweise zu begründen.
Was die islamische Charakterseele (Nafsiyya) betrifft, so ist es jene, die all ihre Neigungen auf der Grundlage des Islam ausformt, d. h. allein den Islam als allgemeinen Maßstab für die Befriedigung sämtlicher Bedürfnisse heranzieht. Es ist nicht bloß der asketische oder streng religiöse Charakterseele. Vielmehr begründet bereits die Heranziehung des Islam als Maßstab für die Befriedigung aller Bedürfnisse in praktischer und realer Form im Menschen eine islamische Charakterseele. Mit dieser Denkweise (Aqliyya) und dieser Handlungsweise bzw. Charakterseele (Nafsiyya) gilt er von nun an als islamische Persönlichkeit, ungeachtet dessen, ob es sich um einen Gelehrten oder einen Ungebildeten handelt, ob er alle Pflichten und wünschenswerte Handlungen (Mandubat) ausführt und sich von den Verboten und den unerwünschten Handlungen (Makruhat) fernhält oder dies einhält und darüber hinaus noch die zusätzlich lobenswerten Gehorsamkeiten ausführt und Zweifelhaftes meidet. Sie alle gelten als islamische Persönlichkeiten. Denn jeder, der auf Grundlage des Islam denkt und sich in seinen Neigungen vom Islam leiten lässt, ist eine islamische Persönlichkeit.
In der Tat fordert der Islam dazu auf, sich immer mehr an islamischer Geistesbildung anzueignen, damit die Denkweise weiter wächst und die Fähigkeit erlangt, jede Idee einer Beurteilung zu unterziehen. Zudem befahl der Islam, mehr als nur die Pflichten zu erfüllen und mehr als bloß die Verbote zu unterlassen, damit die Nafsiyya gestärkt und in die Lage versetzt wird, jede Neigung, die dem Islam widerspricht, abzuwehren. All dies dient jedoch der weiteren Erhebung der Persönlichkeit, um sie zum hohen Gipfel zu führen. Doch denjenigen, der sich unterhalb dieses Niveaus befindet, macht es deswegen nicht zu einer unislamischen Persönlichkeit. Es handelt sich auch bei den einfachen Leuten unter dieser Schwelle, die sich in ihrem Verhalten vom Islam leiten lassen, ebenso bei den Gebildeten, die sich auf die Ausführung der Pflichten und die Unterlassung der Verbote beschränken, um islamische Persönlichkeiten. Auch wenn sich diese Persönlichkeiten in ihrer Stärke unterscheiden, so handelt es sich trotzdem bei ihnen allen um islamische Persönlichkeiten. Entscheidend bei der Beurteilung eines Menschen als islamische Persönlichkeit ist, ob der Islam für ihn die Basis seines Denkens und die Grundlage seiner Neigungen verkörpert. Daraus ergibt sich die Unterschiedlichkeit in den islamischen Persönlichkeiten, in den islamischen Denkweisen (Aqliyyat) und in den islamischen Charakterseelen (Nafsiyyat). Daher begehen viele einen Fehler, wenn sie sich islamische Persönlichkeiten als engelhafte Wesen vorstellen. Der Schaden, den diese Leute in der Gesellschaft anrichten, ist enorm, denn sie begeben sich auf die Suche nach Engeln unter den Menschen, die sie definitiv nicht vorfinden werden.
Nicht einmal in ihnen selbst werden sie den Engel entdecken. Das treibt sie in die Verzweiflung, und enttäuscht kehren sie sich von den Muslimen ab. Diese Illusionisten führen vor, dass der Islam eine Utopie und seine Umsetzung unmöglich sei. Er stelle nichts anderes als ein schönes hohes Ideal dar, das der Mensch weder umzusetzen noch ihm standzuhalten vermag. Sie entfernen die Menschen vom Islam und lähmen viele, tätig zu werden. Dabei kam der Islam doch gerade deswegen, um praktisch angewendet zu werden. Er ist realitätsbezogen, d. h. er nimmt sich tatsächlich der realen Probleme an. Es ist auch nicht schwer, ihn anzuwenden. Für jeden Menschen liegt es im Rahmen des Möglichen, den Islam leicht und einfach an sich selbst anzuwenden, wie hoch der Grad der Schwäche seines Denkens und der Stärke seiner Instinkte und Bedürfnisse auch sein mag, nachdem er die Aqida begriffen und zu einer islamischen Persönlichkeit geworden ist. Denn die bloße Übernahme der islamischen Aqida als Maßstab für seine Konzeptionen und Neigungen und, sich nach diesem Maßstab zu richten, macht aus ihm definitiv eine islamische Persönlichkeit. Danach braucht er diese Persönlichkeit nur mehr mit der islamischen Geistesbildung zu stärken, um seine Aqliyya weiterzuentwickeln, und mit den wünschenswerten Gehorsamkeiten, um seine Nafsiyya zu kräftigen, damit er den Weg zum hohen Gipfel beschreitet und dort verharren, ja sogar zu immer Höherem streben kann.
Denn durch die Aqida hat er seine Ideen behandelt, da er sich diese Aqida als Denkfundament angeeignet hat, auf dem er seine Ideen über das Leben aufbaut. Er kann die falsche Idee von der richtigen unterscheiden, sobald er diese Ideen an der islamischen Aqida misst und sie auf ihr – als Denkfundament – gründet. Dadurch ist er vor fehlgeleiteten Ideen gefeit, vor falschen Gedanken gewappnet und bleibt wahrhaftig im Denken und gesund in der Wahrnehmung. Mit den Rechtssprüchen behandelt er seine Neigungen, indem er seine Handlungen, die sich aus den organischen Bedürfnissen und Instinkten ergeben, auf wahrhafte Weise regelt, ohne sie mit dem Versuch, sie auszumerzen, zu schädigen. Die islamischen Rechtssprüche regeln sie, ohne sie zu entfesseln. Sie versetzen den Menschen in die Lage, all seine Bedürfnisse auf wohlgeordnete Weise zu befriedigen, was zu seiner inneren Zufriedenheit und Ruhe führt. Aus diesem Grund ist der Muslim, der den Islam auf der Grundlage von Verstand und deutlichem Beweis angenommen hat, ihn komplett auf sich selbst anwendet und über ein korrektes Verständnis der Gesetze Allahs verfügt, eine hervorstechende islamische Persönlichkeit. Er besitzt eine islamische Denkweise (Aqliyya), indem er die islamische Aqida zur Grundlage seines Denkens gemacht, und eine islamische Charakterseele (Nafsiyya), indem er die islamische Aqida zur Grundlage seiner Neigungen erhoben hat. Daher verfügt die islamische Persönlichkeit über spezielle Attribute, die den Muslim unter den Menschen wie ein Wahrzeichen kennzeichnen und ihn wie ein Muttermal hervorstechen lassen. Diese Attribute, die ihn kennzeichnen, sind ein unweigerliches Resultat der Einhaltung der Gebote und Verbote Allahs und der Ausrichtung seiner Handlungen an diesen Ge- und Verboten, beruhend auf dem Erkennen seiner Verbindung zu Allah. Mit seiner strikten Bindung an das islamische Recht strebt er somit nichts anderes an als das Wohlgefallen Allahs.
Ein Muslim, bei dem sich die islamische Denkweise (Aqliyya) ebenso wie die islamische Charakterseele (Nafsiyya) herausgebildet haben, ist als Soldat genauso qualifiziert wie als Führer. Er vereint in sich sowohl Barmherzigkeit als auch Strenge, die Enthaltsamkeit ebenso wie das Wohlleben. Er versteht das Leben auf richtige Weise. Er wird des wahrhaften Lebens habhaft und erlangt das Jenseits, indem er danach strebt. Er wird daher weder von der Eigenschaft derer, die das Irdische anbeten, vereinnahmt noch verfällt er in religiösen Wahn oder indische Selbstkasteiung. Während er ein Held des Dschihad ist, ist er zugleich Bewohner erhabener Gebetsorte. Während er nobel ist, ist er gleichzeitig auch bescheiden. Er vereint Führerschaft und Gelehrsamkeit, Handel und Politik. Das höchste seiner Attribute ist, Diener Allahs, des Erhabenen, zu sein, seines Schöpfers. Aufgrund dessen sieht man ihn andächtig in seinem Gebet, törichtes Gerede meidend, die Pflichtabgabe (Zakat) zahlend, den Blick senkend, ihm anvertrautes Gut bewahrend, sein Wort erfüllend, sein Versprechen haltend und auf dem Wege Allahs kämpfend.
Dies ist der Muslim, und dies ist der Gläubige und dies die islamische Persönlichkeit, welche durch den Islam geformt wird. Durch sie lässt der Islam den Menschen zum Besten aller Menschen werden.
Diese Persönlichkeit hat Allah in zahlreichen Ayat des Koran beschrieben, als Er die Gefährten des Gesandten Allahs, die Gläubigen, die Diener des Barmherzigen und die Kämpfer auf dem Wege Allahs beschrieben hat. Der Erhabene sagt:
„Muhammad, der Gesandte Allahs, und diejenigen, die mit ihm sind – sie sind hart zu den Ungläubigen, doch barmherzig zueinander.“ (Al-Fath 48, Aya 29). Er sagt:
„Die Allerersten der Auswanderer und der Unterstützer und jene, die ihnen auf die beste Art gefolgt sind – mit ihnen ist Allah wohl zufrieden und sie sind wohl zufrieden mit ihm.“ (Al-Taubah 9, Aya 100). Auch sagt Er:
„Wahrlich, erfolgreich sind die Gläubigen (1), die in ihrem Gebet voller Demut sind (2), und die sich von leerem Gerede fernhalten (3), und die die ZakÁt entrichten (4)“ (Al-Mu’minun 23, Aya 1-4). Und Er sagt:
„Und die Diener des Allerbarmers sind jene, die sanftmütig auf Erden wandeln, und wenn die Unwissenden sie anreden, sagen sie: ‚Friede!‘ (63) Es sind jene, die die Nacht niederwerfend und betend für ihrem Herrn verbringen.“ (Al-Furqan 25, Aya 63-64), und sagt:
„Jedoch der Gesandte und die Gläubigen mit ihm, die mit ihrem Gut und ihrem Blut kämpfen, sind es, denen Gutes zuteil werden soll, und sie sind es, die Erfolg haben werden. Allah hat für sie Gärten bereitet, durch welche Bäche fließen; darin sollen sie auf ewig verweilen. Dies ist wahrlich der große Gewinn.“ (Al-Taubah 9, Aya 88), und sagt:
„Die sich Bekehrenden, die (Allah) Dienenden; die Lobpreisenden, die Fastenden, die sich Beugenden, die sich Niederwerfenden, die das Rechte Gebietenden und das Unrechte Verbietenden, die Allahs Schranken Beachtenden – und verkünde den Gläubigen die frohe Botschaft.“ (Al-Taubah 9, Aya 112)