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Konzeptionen Das Prinzip Hoffnung

Ausnahmslos jeder Mensch kennt mindestens eine Situation in seinem Leben, in der er sich etwas erhofft hat. Es ging entweder in Erfüllung oder nicht. Manchmal handelt es sich um die einfachen Dinge des Lebens, und ein anderes mal gerät der Mensch in eine Lage, welche das ganze Leben verändern, ja sogar erschüttern kann. Hoffnung ist ein wiederkehrender Teil unseres Lebens.

Ausnahmslos jeder Mensch kennt mindestens eine Situation in seinem Leben, in der er sich etwas erhofft hat. Es ging entweder in Erfüllung oder nicht. Manchmal handelt es sich um die einfachen Dinge des Lebens, und ein anderes mal gerät der Mensch in eine Lage, welche das ganze Leben verändern, ja sogar erschüttern kann. Hoffnung ist ein wiederkehrender Teil unseres Lebens.
Nüchtern betrachtet ist Hoffnung eine Bezeichnung für die sehnsuchtsvolle Erwartung der Erfüllung eines erwünschten Ausganges zukünftiger Ereignisse. Somit ist sie auf Vorgänge bezogen, die noch nicht abgeschlossen sind. Große Denker der abendländischen Philosophie machten sich ihre eigenen Gedanken zur Hoffnung, wobei sie von einem zum Prinzip erklärt und vom anderen aus dem Leben verbannt wurde. Als AristoteIes um eine Definition für Hoffnung gebeten wurde, erwiderte er „Die Hoffnung ist ein Wachtraum“. Aufgrund ihres demotivierenden Charakters im Falle der Nichterfüllung galt sie den Kynikern und Stoikern als eine zu bekämpfende Gemütsbewegung. Bei Platon ging es um Hoffnung auf die Unsterblichkeit der Seele. Für Immanuel Kant war die Frage nach der Hoffnung neben den Fragen nach dem Wissen und nach dem Tun eine der drei Grundfragen, die die menschliche Existenz bestimmen. In der Philosophie Ernst Blochs ist das „Prinzip Hoffnung“ die treibende Kraft der gesellschaftlichen Entwicklung. Unabhängig davon, ob die Hoffnung positiv oder negativ bewertet wird, dreht es sich dabei immer um Ziele, die sich der Mensch für die Zukunft setzt.
Die andere Seite der Medaille, also der Gegenbegriff zur Hoffnung, ist die Hoffnungslosigkeit. Sie ist ein Ergebnis davon, dass ein Mensch bei der Bewältigung von Problemen nicht in der Lage ist, sich einen Weg vorzustellen oder eine Bewegung in Richtung des gewünschten Ziels zu unternehmen. Danach zeigen Menschen negative emotionale Reaktionen, wenn sie am Erreichen ihrer Ziele gehindert werden. Hingegen erleben Menschen höchstwahrscheinlich positive emotionale Reaktionen und bewahren ihre Zuversicht, wenn sie in der Lage sind ihre Ziele zu verfolgen. Der Gedanke, dass jede Zuversicht verloren ist, kommt nicht dann auf, wenn Menschen einem Problem begegnen, sondern erst dann, wenn sie bei den eigenen Problemlösungsversuchen enttäuscht sind oder glauben, es gäbe keinen Weg in Richtung Ziel. Solche Menschen machen sich bewusst, dass sie gescheitert sind, ihre eigenen oder die Erwartungen anderer zu erfüllen, oder dass sie nicht imstande sind, ein drängendes Problem zu bewältigen. Sie fühlen sich machtlos, die Situation oder sich selber zu ändern. Es bleibt in diesem Fall ein desillusioniertes Individuum zurück, welches sich machtlos und somit handlungsunfähig fühlt. Sich machtlos fühlen, etwas zu verändern, verweist auf einen Mangel an Handlungsdenken. Das bedeutet nichts anderes, als dass es der betreffenden Person an der Überzeugung fehlt, erfolgreich den gewählten Weg in Richtung der eigenen Ziele zu beginnen und diese Bewegung fortzusetzen.
Hoffnungslosigkeit ist ein unerträglicher Zustand, der in folgendem Hadith beschrieben wird:
„Denjenigen, die die Menschen verspottet haben, wird im Jenseits ein Tor zum Paradies geöffnet. Es wird ihnen gesagt: ‚Tretet ein, tretet ein!‘ Nun kommen sie mit ihrem Kummer und ihrem Gram daher, doch wenn sie ankommen, wird das Tor vor ihnen zugeschlagen. Dann wird ihnen ein anderes Tor geöffnet. Es wird ihnen gesagt: ‚Tretet ein, tretet ein!‘ Und sie kommen mit ihrem Kummer und ihrem Gram daher, doch wenn sie ankommen, wird es vor ihnen zugeschlagen. So wird es weitergehen, bis einem von ihnen ein Tor des Paradieses geöffnet wird, man zu ihm sagt: ‚Tritt ein!‘, doch kommt er vor lauter Hoffnungslosigkeit nicht mehr.“
Der Unterschied also zwischen einem Menschen, der die Hoffnung noch in sich trägt, und jemandem der sie aufgibt, liegt in seinem Handlungsdenken. Der Erste macht Schritte in Richtung Ziel, obwohl er nicht weiß, ob er sein Ziel erreicht. Der Hoffnungslose hört auf sich zu bewegen und erstarrt, denn nichts, was er tut, hat in seiner Realität eine Wirkung. Das Festhalten an diesem Denken, der Mangel an Handlungsdenken und das Selbstbild der Wirkungslosigkeit ist heute Realität vieler Muslime. Das Kalifat, ein Staat, in dem die Gesetze aus Koran und Sunna ihre Anwendung finden, wird zur Utopie erklärt. Die Einheit der Umma unter einem Banner und einem Staatsmann sei eine Illusion. So kapseln sich die Muslime in Europa von ihren Geschwistern in den anderen Teilen der Welt ab, weil sie glauben, dass sie für sie nichts tun können. Ihre logische Schlussfolgerung ist, sich in erster Linie um ihre Belange zu kümmern und ihre Barmherzigkeit für ihre Geschwister höchstens in Form von finanzieller Unterstützung zu beweisen. Ihnen fehlt es sowohl an Auswegdenken als auch an Handlungsdenken. Sie machen ihre Handlungen von dem Aspekt des diesseitigen Erfolges abhängig. Doch für den Gläubigen sollte Allahs Wohlgefallen sein Handlungsmotiv sein. Die Hoffnung darf nicht niedergelegt werden, weil der Erfolg im Diesseits ausbleibt oder noch nicht sichtbar ist und nur für den aufmerksamen Beobachter erkennbar ist. Die Hoffnung stellt ein Licht für den Gläubigen dar. Hoffnung und Zuversicht auf Allah muss verbreitet werden und nicht Verzweiflung oder Hoffnungslosigkeit im Hinblick auf Allahs Barmherzigkeit noch im Hinblick auf Seine Unterstützung und Seinen Sieg.
So sagte der Gesandte Allahs (s): „Wenn jemand sagt: ‚Die Menschen sind verloren!‘, so ist er es von ihnen am ehesten.“
Der islamische Staat begann mit einer kleinen Umma auf der Arabischen Halbinsel und ließ später den Rest der Welt erzittern.
Vielleicht vergisst man die Worte Allahs (t):
„Und gedenkt, da ihr wenige wart und schwach erachtet im Lande und da ihr fürchtetet, von den Leuten hinfortgerafft zu werden. Er aber nahm euch auf und stärkte euch mit Seiner Hilfe“ (8:26)
Als die Gefährten des Propheten unter dem Boykott der Quraisch litten, ihnen jede Lebensgrundlage genommen wurde und die Wohlhabenden unter ihnen den Hunger kennen lernten, gaben sie die Hoffnung nicht auf, denn sie handelten für das Jenseits. Sie hielten an der Wahrheit fest, und das Ansehen im Diesseits war nun ohne Bedeutung. Sie verinnerlichten, dass keine Handlung jemals von Allah (t) vergessen wird. Und wer hätte zu diesem Zeitpunkt gedacht, dass genau diese Muslime, die so machtlos erschienen und von den Quraisch gefoltert und zum Teil getötet wurden, kurze Zeit später einen ganzen Staat auf die Beine stellen würden, der den Rest der Welt bis heute erzittern lässt.
Die Situation der Muslime damals erschien zunächst auswegloser als jene der Muslime von heute, deren Zahl die Umma von damals um ein Vielfaches übersteigt. Auch ist die Stärke der Muslime noch immer vorhanden. So ist die Großmacht USA auch nach jahrelanger Anstrengung und großen Verlusten nicht in der Lage, den Widerstand der Muslime zu brechen, weder in Afghanistan noch im Irak, obwohl sie mit den modernsten Waffen ausgerüstet ist. In Palästina ist der Kampfeswille der Muslime ungebrochen. Das russische Militär hat trotz seines barbarischen und abschreckenden Vorgehens die Muslime in Tschetschenien nicht zur Kapitulation bewegen können. Das Potenzial der Muslime ist also noch immer vorhanden, so dass keinerlei Grund vorliegt, die Hoffnung auf ein wiederkehrendes rechtgeleitetes Kalifat zu verlieren. Sollte die Umma die Hoffnung darauf jemals verlieren, hat sie im Grunde nichts mehr zu hoffen und keine Zukunft zu erwarten, weder im Diesseits noch im Jenseits.
Wer die Hoffnung auf das Kalifat nicht mehr in sich trägt und jene, die sich für die Wiedererrichtung des Kalifats einsetzen, für Utopisten hält, widerspricht in eindeutiger Weise der Offenbarung. Denn in einem Hadith heißt es: „Der Beginn eures Din ist Prophetenschaft und Barmherzigkeit, dann folgt das Kalifat nach dem Plan der Prophetenschaft […] schließlich kehrt das Kalifat nach dem Plan der Prophetenschaft zurück.“ Wer kann angesichts dieses Hadith noch bestreiten, dass die Muslime den islamischen Staat errichten werden? Hier wird nicht nur die Hoffnung auf die Wiederkehr des rechtgeleiteten Kalifats gemacht. Das rechtgeleitete Kalifat wird zur absoluten Gewissheit, zu einer Tatsache, die mehr als nur Hoffnung darstellt und dem Zweifel keinen Raum lässt. Die Hoffnung auf das Kalifat wird damit zur Pflicht. Nur taucht es nicht aus dem Nichts auf, sondern bedarf der ernsthaften Anstrengung der Muslime, die laut dem Hadith auch von Erfolg gekrönt sein wird. Folglich ist die Hoffnung auf das Kalifat gebunden an die sichere Erwartung eines rechtgeleiteten Kalifats. Die Zuversicht auf die Wiederkehr des Kalifats muss immer gegenwärtig bleiben, denn es handelt sich um ein Versprechen Allahs (t). Diese Hoffnung der Muslime darf allerdings nicht passiver Natur sein, sondern muss mit Handlungen zur Verwirklichung des islamischen Staates verknüpft werden. Denn nur wenn die Muslime die Sache Allahs (t) vorantreiben, haben Sie Seine Unterstützung.
So sagt Allah (t):
„O die ihr glaubt, wenn ihr Allahs Sache helft, so wird Er euch helfen und euren Füßen festen Halt geben.“
(47:7)
Die Frage, die sich am Ende stellt, ist folglich nicht, ob das Kalifat jemals entstehen wird, sondern wer sich an seiner Entstehung beteiligt und sich zu seinen Gründern zählen darf.