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Allgemein Politischer Mythos Teil 2: Die Welt ist überbevölkert

Moderne Untersuchungen der genetischen Struktur menschlicher Populationen gehen davon aus, dass vor fast 15000 Jahren die Weltbevölkerung bei 15 Millionen lag (das entspricht der gegenwärtigen Bevölkerung von Delhi, Indien).

Moderne Untersuchungen der genetischen Struktur menschlicher Populationen gehen davon aus, dass vor fast 15000 Jahren die Weltbevölkerung bei 15 Millionen lag (das entspricht der gegenwärtigen Bevölkerung von Delhi, Indien). Zu Zeiten von Jesus (Isa) vor 2000 Jahren hatte sie sich auf 250 Millionen gesteigert (ungefähr die gleiche Zahl wie heute in Indonesien). Am Vorabend der industriellen Revolution Ende des 18. Jahrhundert hatte sich die Weltbevölkerung auf nahezu 700 Millionen (fast die Größe des heutigen Europa) verdreifacht. In den zwei folgenden Jahrhunderten, erhöhte sich die Weltbevölkerung mit jährlich 6 % bis 1950 auf 2,5 Milliarden und hat sich in den folgenden 50 Jahren bis zu Beginn des 20. Jahrhunderts mit einer Steigerungsrate von 18 % auf 6 Milliarden Menschen mehr als verdoppelt. Obwohl die Wachstumsraten sich verlangsamen, was eine demographische Katastrophe verhindert, wird die Weltbevölkerung um 2050 neun Milliarden erreichen. Die Weltbevölkerung stand im September 2008 bei 6,72 Milliarden.[i]
Die Wachstumsrate der Weltbevölkerung während des letzten Jahrhunderts wird als Ursache dafür angesehen, dass die Welt am Rande einer Katastrophe steht. So wird argumentiert, dass die Nahrungsmittel zu knapp seien, um eine solch wachsende Zahl an Menschen zu ernähren. Von jenen, die von einer Überbevölkerung ausgehen, wird argumentiert, dass das riesige Wachstum der Weltbevölkerung für Armut, Umweltzerstörung und soziale Unruhen verantwortlich sei und dass die wirtschaftliche Entwicklung in der Dritten Welt unmöglich sei, solange die Bevölkerung dort weiter wachse. Als Ergebnis dessen haben Agenturen und Regierungen in der Dritten Welt viele Programme entwickelt und in Gang gesetzt, um die Rate des Bevölkerungswachstums zu stoppen.
Diese angebliche Überbevölkerung muss mit etwas in Verbindung gebracht werden, was erlaubt, sie als Tatsache, als „abgetan“, einzustufen. Und so wurde sie mit dem Güterverbrauch verknüpft. Das globale Ungleichgewicht bei den konsumierten Gütern wird auf diese Weise auf die Bevölkerungszahlen zurückgeführt.

 Weltbevölkerung 2007
 1. Welt  6,7 Mrd
 2. Asien  3,9 Mrd
 3. China  1,3 Mrd
 4. Indien  1,1 Mrd
 5. Afrika  887 Mio
 6. Europa  774 Mio
 7. Lateinamerika  558 Mio
 8. Nordamerika  332 Mio
 9. USA  304 Mio
 10. Indonesien  231 Mio
 11. Brasilien  187 Mio
 12. Pakistan  163 Mio
 13. Bangladesch  158 Mio
United Nations Department of Economic and Social Affairs – Population Division

Wenn man jedoch alle Hypothesen über die Auswirkungen des Bevölkerungswachstums sorgfältig untersucht, so stellt man fest, dass die Zunahme der Bevölkerung niemals zu den vielen Krankheiten der heutigen Welt beigetragen hat. Und was daraus ersichtlich wird, ist, dass es eine klare politische Agenda gibt, die steigende Weltbevölkerung als Ursache für eine potenzielle Weltkatastrophe zu sehen. Diese Agenda hat zur Aufgabe, die Suche nach den wirklichen Ursachen abzulenken vom [westlichen] Lebensstil, den [hier praktizierten] Lebensmustern, dem ungebremsten Konsum, der Armut und dem eklatanten Missbrauch der Dritten Welt, damit die westliche Welt weiter auf Kosten der Dritten Welt leben kann.
Die entwickelte Welt steht einem sehr ernsthaften Rätsel gegenüber. So erleben Japan, Russland, Deutschland, die Schweiz und große Teile Ost-Europas einen Bevölkerungsschwund auf Grund großer Geburten-Rückgänge. Der Rest der westlichen Welt hätte ebenfalls rückläufige Bevölkerungszahlen, wäre da nicht die Immigration. Da die Bevölkerungszahlen im Westen im Verhältnis zur Dritten Welt und den islamischen Ländern abnehmen, werden solche Länder aufgrund ihrer Größe ein legitimes Mitspracherecht in den sogenannten internationalen Institutionen und bei der Vertretung in internationalen Gremien einfordern. Die Tatsache der Überbevölkerung ist ein guter Grund, Nationen mit wachsenden Bevölkerungszahlen zu verleumden und gleichzeitig sich vor dem möglichen Verlust des eigenen Einflusses zu schützen. Dies ist deutlich beim türkischen EU-Beitritt zu erkennen. Durch den Beitritt zur EU würden die fast 70 Millionen Türken im Europäischen Parlament die zweitgrößte Zahl an Europaabgeordneten erhalten.
Weiter sagen demographische Hochrechnungen aus, dass die Türkei bei der Zahl der Sitze Deutschland bis 2020 überholen würde. Die türkische Mitgliedschaft hätte weitreichende Konsequenzen für die künftige Richtung der EU, inklusive der heiklen Frage künftiger Erweiterungspläne. Das sind Gründe, weshalb sich Frankreichs Valéry Giscard d’Estaing gegen die Aufnahme der Türkei gewehrt hatte.[ii] D’Estaing unterstellte, dass dies zu Forderungen einer Aufnahme von Marokko führen würde.
Obwohl es keine übereinstimmende Meinung dazu gibt, warum die erste Nation in der industrialisierten Welt Großbritannien war, wurden weitgehend übereinstimmend acht Gründe dafür angeführt, wobei einer davon das Bevölkerungswachstum war. Nach der Vereinigung mit Schottland 1707 stand die britische Bevölkerung bei 6,5 Millionen; ein Jahrhundert später hatte sie sich verdoppelt auf weit über 16 Millionen. Wichtiger noch: den größten Anteil an diesem Wachstum gab es nach 1750 durch eine der größten Bevölkerungsexplosionen in der britischen Geschichte. Dieses Wachstum wurde kritisch gesehen, da es die mögliche Macht der Arbeiter vergrößerte, aber auch die Zahl von Konsumenten der Rohstoffe.
China und Indien haben ebenso bewiesen, dass eine große Bevölkerung im Grunde eine gute Sache sein kann. Trotz der Durchführung von Programmen zur Bevölkerungsreduzierung unter dem Einfluss des Westens waren China und Indien nicht in der Lage, das Bevölkerungswachstum einzudämmen, und jetzt repräsentieren beide die am schnellsten wachsenden Wirtschaften der Welt, was der Ansicht widerspricht, dass durch Überbevölkerung ein Staat automatisch armutsgefährdet ist.
Die Welt ist nicht überbevölkert. Es gibt mehr als genug Nahrung und Rohstoffe für die Menschen auf der Welt. Aber der Löwenanteil wird durch den Westen konsumiert. Im Grunde handelt es sich um ein klares Umverteilungsproblem. Der Westen schürt die Ängste vor Überbevölkerung und malt deren vermeintliche Gefahren an die Wand, um weiterhin billigen Zugang zu den Rohstoffen der Dritten Welt zu haben und keine Konkurrenz durch steigende Bevölkerungszahlen fürchten zu müssen.
[i] World Population Clock – Worldometers, retrieved September 2008, http://www.worldometers.info/population/
[ii] „The ins and outs: The EU’s most effective foreign-policy instrument has been enlargement. But how far can it go?“ The Economist, October 2008, http://www.economist.com/research/articlesBySubject/displaystory.cfm?subjectid=682266&story_id=8808134