Muslime an der Universität werden mit zahlreichen Problemen, Hindernissen und Herausforderungen konfrontiert. Sei es in ihrer Heimatstadt oder auch nach einem Umzug, bei dem sie sich das erste Mal für eine längere Zeit von ihrem Elternhaus verabschieden.
Muslime an der Universität werden mit zahlreichen Problemen, Hindernissen und Herausforderungen konfrontiert. Sei es in ihrer Heimatstadt oder auch nach einem Umzug, bei dem sie sich das erste Mal für eine längere Zeit von ihrem Elternhaus verabschieden. Sie bereiten sich darauf vor, die anstehende Arbeitsbelastung zu bewältigen, ihre Zeit zu organisieren und eine Wohnung zu finden. Obwohl diese Aufgaben unbestritten der studentischen Realität angehören, darf nicht übersehen werden, dass sie nur die Spitze des Eisbergs sein können.
Paradoxerweise setzen sich muslimische Studenten während ihrer ersten Studienwoche nicht zu allererst mit der Organisation ihres neuen Lebensabschnitts und der Bewältigung des angehenden Lehrplans auseinander. Muslimische Studenten werden nämlich sehr wahrscheinlich zu einer Party eingeladen, auf die der akademische Nachwuchs willkommen geheißen werden soll. Nicht selten schließt sich eine Kneipentour an, für die dann mit billigem Bier und sonstigen Vergünstigungen für die künftige Klientel geworben wird.
Zurück bleibt der muslimische Student mit einem echten Dilemma: Sollten wir mit dem Strom schwimmen und unsere Identität kompromittieren oder an unseren Prinzipien festhalten und damit das Risiko eingehen, als anti-soziale Persönlichkeiten gebrandmarkt zu werden?
Wie also gehen Muslime mit diesem Dilemma um? Einige werden vorbehaltlos alles akzeptieren, was die Kufr-Gesellschaft ihnen anbietet und den Islam vollends vergessen. Sie würden das ganze Jahr über nicht ein Gebet verrichten und wenn Nichtmuslime den Islam angreifen, würden sie womöglich sogar zustimmen. Vermutlich geht aber die Mehrheit dazu über, einen Mittelweg einzuschlagen. Sie würde die fragwürdigen Annehmlichkeiten des studentischen Partylebens genießen, sich aber dennoch freitags zum Gebet einfinden, würde sich dem Alkohol- und Drogenkonsum hingeben, aber niemals ein Schinkensandwich anrühren. Im Laufe der Zeit würde einer nach dem anderen den Islam vergessen und den neu erworbenen Lebensstil als Normalzustand ansehen.
Das Eingehen von Kompromissen ist einer der wesentlichen Gründe für die Entstehung einer Identitätskrise bei muslimischen Studenten. Der Kompromiss führt nämlich zwangsläufig dazu, dass der Muslim auf einige Bestandteile seiner Lebensweise verzichtet. Das betrifft insbesondere jene Aspekte des Lebens, die nicht mehr so recht mit der neuerlich angeeigneten Lebensführung in Einklang gebracht werden können. Letztendlich mutiert die islamische Lebensweise zu etwas Fremdartigem, dem man vielleicht noch an Freitagen oder in der Ferienzeit zu Hause nachgeht.
Manch einer kann nichts Verwerfliches an einer Lebensweise finden, die die Menschen dazu aufruft, dem maximalen Genuss nachzueifern. Schließlich lebt man ja nur ein (Studenten-)Leben, nach dessen Abschluss man sich ja wieder auf seinen Islam besinnen kann. Andere wiederum opfern sich vollends für ihr Studium auf und lassen außer einem islamischen Gruß, den sie hin und wieder für einen muslimischen Mitstudenten übrig haben, keinen Raum mehr für ein islamisches Leben.
Als Folge derartiger Verstrickungen können einem jungen Muslim seine Gefühle für den Islam abhandenkommen und er würde soweit abstumpfen, dass er nicht ein Mal mehr erkennen kann, welche Probleme die Muslime um ihn herum plagen. Ausreden dafür sind rasch zur Hand, denn genau genommen gingen ihn die Sorgen anderer Menschen ja nichts an und waren diese und jene Probleme nicht eigentlich nur auf eine Gruppe von Muslimen beschränkt, die dieser und jener Nationalität angehören? „Warum sollte ich mich darum kümmern?“, fragen sich dann viele.
Als Muslime befinden wir uns in ständiger Gefahr in die Fallen der hiesigen Gesellschaft zu tappen, unsere ureigensten Überzeugungen aufzugeben und unseren Islam höchstens auf rein spirituelle Aspekte zu reduzieren. Also sollten wir uns selbst hinterfragen und uns versichern, dass wir unser Leben tatsächlich begriffen haben. Allerdings wurde den meisten Muslimen nie beigebracht, die fundamentalsten Fragen über ihr Leben zu stellen: Weswegen bin ich Muslim? Welchen Sinn hat mein Leben? Erwartet mich etwas nach dem Tod?
Obwohl diese Fragen von essentieller Wichtigkeit sind, verdrängen und ignorieren wir sie oftmals, so dass sie künftig höchstens verschwommen und unausgegoren in unseren Köpfen zurückbleiben. Ein Mal mit derlei Fragen konfrontiert, würde man manch einen sprachlos zurücklassen. Andere würden kurzerhand auf ihre Eltern verweisen, die ja auch schon Muslime gewesen seien. Konfrontiere man denselben mit einer Frage nach der Auswahl seines Bankkontos, erhielte man wahrscheinlich eine durchdachtere Antwort. Beim Nächsten würden wir auf die Frage, weswegen er den Muslim sei, vernehmen: „Weil Islam die Wahrheit ist“. Spätestens beim Nachhaken, wie den die Wahrheit des Islam bewiesen werden könne, erhielte man wohl auch wieder nur eine eher vage Auskunft.
Muslime sollten sich also vergewissern, dass ihr Islam die absolute Wahrheit ist. Islam ist kein Glaube, der mit Religionen verglichen werden kann und auf Neigungen oder gefühlsbezogenen Aussagen gründet, wie etwa: „Ich fühle Jesus in meinem Herzen, deswegen bin ich Christ“ oder „Der Mensch sollte frei sein zu handeln wie er es begehre, denn er ist von Natur aus gut.“ Vielmehr wissen Muslime um die sichere Existenz von Allah (swt) und dass der Qur’an seine Botschaft ist. Der Beweis für die Existenz Allahs (swt) liegt in all jenem begründet, das uns umgibt und uns zur unumstößlichen Erkenntnis führt, dass alles im Universum zwingend auf einen intelligenten Schöpfer zurückgeführt werden muss und nicht, wie uns weiß gemacht werden soll, alles schlichtweg aus dem Nichts hervorgebracht worden ist.
Allah (swt) betont das in zahlreichen Versen im Qur’an. So sagt Er:
„In der Schöpfung der Himmel und der Erde und in dem Unterschied von Nacht und Tag liegen wahrlich Zeichen für diejenigen, die Verstand besitzen.“ (Al-i-Imran, 190)
Wir sollten uns das Wissen um unsere Überzeugung und Identität zu eigen machen, so dass jeder Zweifel ausgeschlossen werden kann und leicht jene fehlerbehafteten Argumente zurückgewiesen werden können, mit denen uns unser Umfeld zu irritieren versucht.
Diejenigen Muslime, die die Überzeugung über Allah (swt) teilen und erkennen, dass der Qur’an Seine Rechtleitung beinhaltet, können ihr Leben nach Maßgabe des Islam ausrichten und die trügerische Vorstellung von Freiheit sowie das bedingungslose Streben nach maximalem körperlichen Genuss abweisen, die eine Gesellschaft hervorbringen, in der Vergewaltigungen, sexuelle Belästigungen und Stalking auf dem Campus zum Alltag gehören.
Die selektive Anwendung des Islam in unserem Leben kommt der Verbrennung von Qur’an-Seiten gleich. Wir sollten uns vergegenwärtigen, dass wir durch die Beschränkung des Islam auf die Moschee oder auf die Etikettierung „halal-food“ unsere Chancen sowohl im Leben als auch im Jenseits leichtfertig verspielen. Wir sind ausnahmslos für alle unsere Taten verantwortlich. Allah (swt) wird uns auf dieser Grundlage zur Rechenschaft ziehen, schließlich die Standhaften mit den unvergänglichen Freuden des Paradieses belohnen und jene, die seine Missgunst provoziert haben, in Ewigkeit mit den Qualen der Hölle peinigen.
„Glaubt ihr denn an einen Teil der Schrift und verleugnet den anderen? Wer von euch aber solches tut, dessen Lohn ist nur Schande im diesseitigen Leben. Und am Tag der Auferstehung werden sie der schwersten Strafe zugeführt werden. Und Allah ist nicht unachtsam dessen, was ihr tut.“ (al-Baqara, 85)
Allah (swt) warnt uns davor, an verdorbenen und erbärmlichen Zusammenkünften, wie sie in Nachtclubs oder auf Partys stattfinden, teilzunehmen. Denn sie sind bestimmt durch Freund-Freundinnen-Beziehungen und vorehelichem Geschlechtsverkehr. Der Gesandte Allahs (sas) ermutigte uns dazu, unsere Gelüste und unsere Worte zu beherrschen.
Sahl ibn Sa’d (ra) berichtete, dass der Gesandte Allahs (sas) sagte:
„Derjenige, der das zurückhält, was zwischen seinen zwei Kiefern und zwischen seinen zwei Beinen ist, dem sichere ich das Paradies zu.“
Sobald wir durch Rauschmittel wie Alkohol oder Drogen, seien es große oder kleine Mengen, in Versuchung geraten, sollten wir die Worte des Gesandten Allahs (sas) beherzigen, der sagte:
„Jedes Rauschmittel ist untersagt, von all jenem, das in großen Mengen berauscht, sind selbst geringe Mengen untersagt.“
Derartige Hinweise zielen nicht darauf ab, Muslime anzugreifen, die nicht dem Islam folgen, sondern sind nützliche Ratschläge, die ein Denken hervorbringen sollen, das uns in die Lage versetzt, der Wahrheit zu folgen.
Der Gesandte Allahs (sas) sagte:
„Jeder einzelne von euch ist der Spiegel seines Bruders, wenn er also einen Fehler an ihm erkennt, so sollte er für ihn (den Fehler) beseitigen.“
Derweilen zerbrechen sich zahlreiche kluge Menschen an den Hochschulen Stunde um Stunde den Kopf über ihre Fächer, ihre Karriere und ihr soziales Umfeld und trachten wie Sklaven nach der Anerkennung ihrer Mitmenschen. Es wäre scheinheilig, nicht über unsere Überzeugungen nachzudenken und über die Art und Weise, wie wir unser Leben momentan führen und in Zukunft führen sollten. Eine absolute Konstante in unserem Leben ist der Tod. Es wäre also unvernünftig als Mensch, das Unvermeidbare zu ignorieren und vor seiner Realität zu fliehen, so wie es die meisten Nichtmuslime zu tun pflegen.
Sofern der eine oder andere noch nicht begonnen hat sich ernsthaft mit dem Islam auseinanderzusetzen, so ist dieser Zeitpunkt so gut wie jeder andere dazu geeignet. Jene, die den Islam praktizieren, sollten sich nicht der Bequemlichkeit ergeben und das Äußerste unternehmen, um ihre islamische Persönlichkeit weiterzuentwickeln und die Muslime in ihrem Umfeld zu führen.
Während der Studienzeit ist es enorm wichtig, eine islamische Atmosphäre unter muslimischen Studierenden zu etablieren. Dazu gehört auch, dass man sich um Aktivitäten wie Seminare, Debatten und Gesprächskreise bemüht. Eine solche Atmosphäre wird uns dabei behilflich sein, stark zu bleiben inmitten all jener Wirren, die der Unglaube an einer Universität hervorbringen kann.
Allah (swt) sagt:
„Sag: Nicht gleich sind das Schlechte und das Gute, auch wenn die Menge des Schlechten dir gefallen sollte. Darum fürchtet Allah, o die ihr Verstand besitzt, auf das es euch wohl ergehen möge.“ (al-Ma’ida, 100)