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Allgemein Artgerechte Haltung

Unsinn, Skandal, Fehlentscheidung! Das Echo von Politik und Medien auf die skandalöse Bambi-Verleihung im November 2011 fiel nicht gerade zimperlich aus. Ein ganzes Rudel von Moralaposteln beteiligte sich an der Treibjagd und forderte, dass der einschlägig bekannte „Schwulen- und Frauenfeind“ Bushido seinen unverdienten Integrationspreis zurückgeben solle.

Unsinn, Skandal, Fehlentscheidung! Das Echo von Politik und Medien auf die skandalöse Bambi-Verleihung im November 2011 fiel nicht gerade zimperlich aus. Ein ganzes Rudel von Moralaposteln beteiligte sich an der Treibjagd und forderte, dass der einschlägig bekannte „Schwulen- und Frauenfeind“ Bushido seinen unverdienten Integrationspreis zurückgeben solle. Schließlich bewege sich besagter Musiker in einer Parallelgesellschaft, welche durch mafiöse Strukturen und kriminelle Machenschaften geprägt sei. Inzwischen scheint die Spiegel TV Redaktion die Rolle des Rädelsführers in der Debatte übernommen zu haben und mimt folgerichtig den Sittenlehrer. In ihrem jüngsten Bericht vom 21.04.2013 führt sie den Zuschauer durch den Dunstkreis Berliner Ghettos und macht ihn mit skrupellosen Unterweltgrößen bekannt. Hierbei handle es sich vor allem um arabischstämmige Großfamilien, welche hauptsächlich im Rotlichtmilieu ihr Unwesen treiben würden. Auch bewaffnete Raubüberfälle und Schutzgelderpressung seien das Alltagsgeschäft jener Familienclans. „Sie handeln mit Heroin und Kokain, kassieren in Bordellen oder sind im Schleusergeschäft aktiv. Die Brutalität, mit der sie dabei vorgehen, haben sie zur Macht im Milieu werden lassen, Polizisten fürchten sich vor ihnen. Der Staat schaut dem Treiben der Sippen meist tatenlos zu, die Politik ignoriert das Phänomen“, so das Magazin über die schon fast übermächtig anmutende Bedrohung. Gerade unter diesen Umständen ist der Gedanke an einen Bambi im Schoße des Berliner Mafiapaten offenbar mehr als die sensible Seele eines Spiegel TV Radakteurs ertragen kann. Schließlich symbolisiere das unschuldige Rehkitz in diesem Fall die gelungene Integration eines Migranten in das westliche Wertesystem.
Diese Medienberichterstattung und die damit einhergehende Forderung nach der Rückgabe des Preises offenbaren einmal mehr den hinterhältigen Charakter der Integrationsdebatte. So wird ein Bild der westlichen Kultur gezeichnet, welches frei von Schuld und Tadel ist. Kriminalität hingegen sei ein eingeschleppter Erreger aus einem anderen Kulturkreis, der sich im Zuge der Migration in der Bundesrepublik Deutschland eingenistet hätte und die eigene Existenz bedrohe. Wo noch vor kurzer Zeit Milch und Honig flossen, strömen inzwischen der Angstschweiß unbescholtener Bundesbürger und das Blut der Opfer ausländischer Gewalttäter, so der Tenor der Apologeten westlicher Werte. Selbst vor Kindern und Jugendlichen mache die Ausländerkriminalität kein Halt und so führte die verstorbene Jugendrichterin Kirsten Heisig den Anstieg von Körperverletzungsdelikten an Berliner Schulen nicht lediglich auf soziale Ursachen zurück. Viel mehr drängte sich ihr der „Eindruck auf, dass sich die hiesige Gesellschaftsordnung und die Werteordnung der Zuwanderer immer stärker auseinanderentwickeln“. Über diese Entwicklung gebe es zwar keine Statistiken, jedoch konnte die Berliner Jugendrichterin von unzähligen Anekdoten berichten, welche allesamt davon handelten, dass aggressive Araber, Türken oder Kurden ihre deutschen Mitmenschen nicht lediglich berauben und zusammenschlagen, sondern darüber hinaus stets als „Schweinefleischfresser“ oder „Scheißchrist[en]“ beschimpfen würden. Bei besagten Tätern komme also „ganz offensichtlich auch eine gewisse Verächtlichkeit gegenüber der deutschen Werte- und Gesellschaftsordnung[…] zum Ausdruck“ und so wird hinter einem gewöhnlichen Straßenraub oder ähnlichem lediglich eine andere Ausdrucksform eines tobenden Kulturkampfes vermutet. Der Prototyp des Antideutschen wird inzwischen durch muslimische Einwanderer verkörpert, welche laut den Ausführungen Heisigs Deutsche am liebsten „vergasen“ würden.
Abgesehen von der generalisierenden Polemik zeugen diese Ausführungen von einer äußerst selektiven Sichtweise. Denn obwohl die Kriminalitätsraten bei Migranten aus Russland und Vietnam verhältnismäßig hoch sind, werden sie mit den Muslimen nicht in einen Topf geworfen, gelten sie doch als bestens integriert und werden sogar von Islamhassern wie Henryk Broder immer wieder als leuchtendes Beispiel für gelungene Integration angeführt. So bezeichnete er asiatische Einwanderer als „unauffällige Ausländer“ und übernahm damit die Logik seiner nationalsozialistischen Lehrmeister, welche zu Beginn der Pogrome zuerst die auffälligen Juden ins Visier nahmen.
Noch niederträchtiger als das Messen mit zweierlei Maß ist allerdings die explizite Behauptung, dass sich besagte Muslime durch ihre kriminellen Aktivitäten über die deutsche Werte- und Gesellschaftsordnung hinwegsetzen würden. Denn die vorliegenden Fälle werden nicht lediglich aus der juristischen Perspektive betrachtet, viel mehr werden die Straftatbestände unter der Prämisse einer ideologischen Diskrepanz erklärt. So verlaufen die Bruchlinien angeblich zwischen westlich-kapitalistischen und islamischen Werten. Die Motive der Kriminellen seien also auf die islamische Kultur zurückzuführen, während die westliche Gesellschaft nur Gutmenschen hervorbrächte. Die Lösung bestehe selbstverständlich darin, einen stärkeren Kontakt zur Mehrheitsgesellschaft herzustellen und so müsse den Muslimen bereits im „Kindergarten und [in der] Schule verstärkt und nachhaltig hiesiges Werte- und Verfassungssystem“ vermittelt werden.
Die Metastasen der antiislamischen Aversion haben der Introspektive der westlichen Gesellschaft anscheinend den endgültigen Todesstoß verpasst. Anstelle der vielgepriesenen Selbstreflexion steht nun die Reinkarnation eines erhobenen Zeigefingers, der sich nur eine Handbreit vom Heilsgruß vergangener Tage unterscheidet. Es wird eine Realität konstruiert, in der die Germanen wieder einmal von einem bösen Geist heimgesucht würden, der Besitz von ihrer Gesellschaft ergriffen hätte und für alles Übel verantwortlich wäre. So sehr dieses Narrativ kapitalistischer Wanderprediger das eigene Gewissen auch beruhigen möge, entbehrt diese amüsante Geschichte jeder Grundlage. Denn eine genaue Bestandsaufnahme der beschriebenen Ausländerkriminalität legt eine erschütternde Wahrheit zu Tage, welche möglicherweise verantwortlich für den Freitod der Jugendrichterin Kirsten Heisig war. Womöglich musste sie sich eingestehen, dass Drogen- und Alkoholkonsum, Prostitution und Beschaffungskriminalität Kinder des westlichen Lifestyles sind. Gerade das hier beschriebene Milieu zeichnet sich durch die ständige Jagd nach Ruhm und Reichtum aus, wobei stets westlich geprägte Statussymbole wie dicke Autos, edle Uhren und aufgetakelte Frauen eine tragende Rolle spielen. So entpuppen sich vermeintliche Täter als Verführte einer Gesellschaft, welche ihnen von Kindesbeinen an vermittelt hat, dass der Schlüssel zur gesellschaftlichen Anerkennung in der Anhäufung und großzügigen Zurschaustellung des eigenen Reichtums bestehe. Weder haben die Einwanderer Prostitution und Glücksspiel erfunden, noch waren sie es, die die gesetzliche Grundlage dafür geschaffen haben. Die Aktivitäten einiger Migranten in diesem Bereich zeugen von nichts anderem als einer Kollateralintegration, haben sie doch einen Teil der erbärmlichen westlichen Werte und Lebensweisen übernommen und schlagen in kapitalistisch vorbildlicher Manier Profit aus den bereits existierenden Geschäftsfeldern. Feindliche Übernahmen durch „ausländische Investoren“ im Rotlichtmilieu sollten im Grunde genommen nicht mehr Aufsehen erregen, als sie es auf dem Parkett deutscher Börsen tun. Zum einen belebe ein gesunder Konkurrenzkampf bekanntermaßen das Geschäft und zum anderen würden auch hier die ökonomischen Prinzipien von Angebot und Nachfrage zum Tragen kommen.
Auch die hysterischen Spiegel-Redakteure werden in einem nüchternen Moment sicherlich den bereichernden Charakter der Ausländerkriminalität im Sinne der westlichen Lebensart erkennen und ihre Sorge um das unschuldige Rehkitz verlieren. Denn selbst wenn der Bambi für Integration den Ehrenplatz eines Berliner Freudenhauses ziert, handelt es sich zweifelsfrei um artgerechte Haltung.