Die Geburt der Eurozone wurde als gelungenes Modell der Einheit gefeiert. Sie strebte an, die ökonomische und politische Kraft Europas in einem Block zu bündeln. Nach Jahren akribischer Arbeit brachte die Bildung dieses Blocks eine Vielzahl von Vorteilen für Unternehmen und Investoren mit sich, die Förderung von Handel und Reise durch eine gewisse Einheitlichkeit der Gesetze und erleichterte Mobilität in der gesamten Zone versprechend.
Die Geburt der Eurozone wurde als gelungenes Modell der Einheit gefeiert. Sie strebte an, die ökonomische und politische Kraft Europas in einem Block zu bündeln. Nach Jahren akribischer Arbeit brachte die Bildung dieses Blocks eine Vielzahl von Vorteilen für Unternehmen und Investoren mit sich, die Förderung von Handel und Reise durch eine gewisse Einheitlichkeit der Gesetze und erleichterte Mobilität in der gesamten Zone versprechend. Diese wirtschaftliche Einheit implizierte unweigerlich „geballte“ politische Macht bei der Entscheidungsfindung im Weltgeschehen.
Die Debatte über die Rolle und Wichtigkeit von Einheit erhielt in der islamischen Welt nun einen zusätzlichen Bezugspunkt, nämlich die EU. Auf der „Organisation für Islamische Zusammenarbeit“ (OIC) lag bis dato der Fokus in der Debatte um die Einheit muslimischer Nationalstaaten. Die OIC diente jahrelang als Ventil für politische Ansichten der muslimischen Nationen. Die Plattform ermöglichte den führenden muslimischen Nationen, zusammenzukommen und verschiedene Angelegenheiten, von Politik bis Handel und Gewerbe, zu diskutieren. Im Laufe der Jahre traf die OIC etliche Beschlüsse, welche die Stimmen der muslimischen Staaten zum Ausdruck brachte. Trotz der Formulierung des Wunsches nach mehr Einheit, machte die OIC nur geringe Fortschritte bei der Ausarbeitung eines Realisationsplanes zur Erreichung des Ziels. Die Gründung der Europäischen Union und die Einführung einer einheitlichen Währung wurden von vielen Akademikern und Meinungsmachern in der muslimischen Welt bewundert und als von den Muslimen nachahmenswertes Beispiel betrachtet.
Heute präsentiert sich die EU als eine Union unabhängiger Nationalstaaten, die alle das gleiche Regierungsmodell – Demokratie – für sich vereinnahmen und im Kern kapitalistische Staaten darstellen. Andererseits existiert in der islamischen Welt eine Bandbreite an Regierungsformen, von Diktaturen – regiert entweder durch Monarchen oder Generäle – bis hin zu Demokratien. Während das Regierungsmodel in der EU, d.h. die Demokratie, einheimische Unterstützung und hohe Stabilität genießt, verharren die Regime in der islamischen Welt im Griff der politischen Instabilität verschiedenen Grades.
Heute, da sich die islamische Welt nach Einheit sehnt, ist es zwingend notwendig, jedwedes als annehmbare Variante der Einheit vorgestellte Modell kritisch zu bewerten. Derzeit stehen vornehmlich zwei Modelle der Einheit zur Debatte: einerseits die EU und andererseits der islamische Staat, das Kalifat.
Die EU ist in erster Linie eine freiwillige Union unabhängigerer Staaten, in der die Mitgliedstaaten Demokratien sind und Wahlen die politischen Entscheidungen des Staates beeinflussen können. Diese Entscheidungen können unabhängig von den Vorteilen oder Auswirkungen auf andere Mitgliedstaaten getroffen werden. Folglich soll die Union im Wesentlichen für eine Win-Win-Situation sorgen, in der die gemeinsamen Interessen die Mitgliedsstaaten verbinden. Im Gegensatz dazu ist das Einheitsmodell des Islamischen Staates zentralisiert. Es stellt weder eine Union noch eine Föderation dar. „Mitgliedsstaaten“ (Ländereien) verschmelzen mit dem Islamischen Staat und werden demnach als „Wilaya“ (Provinz) bezeichnet. Eine „Wilaya“ kann sich nicht dazu entscheiden, sich vom Zentralstaat zu lösen. Somit wird sichergestellt, dass die Verfolgung eines lokalen Interesses sich nicht auf das staatsübergreifende Interesse auswirken kann.
Die Währung ist ein weiterer Schlüsselfaktor in jedem Einheitsmodell. Die gemeinsame, von den Mitgliedstaaten angenommene Währung, der Euro, wird parallel zu den lokalen Währungen benutzt. Obschon dies Vorteile mit sich bringt, sorgt es auch für Schwierigkeiten. Der Islamische Staat hat nur eine einzige, von Gold (und Silber) gedeckte Währung, deren Wert im Gegensatz zu der FIAT-Währung nicht beeinflussbar ist. Die einheitliche Währung gewährleistet, dass der Wohlstand im ganzen Staat ausgeglichen repräsentiert ist und nicht in Abhängigkeit zu irgendwelchen internationalen Ungleichgewichten steht.
Im auf der Einheit von Demokratien basierenden Modell der EU kann die Befolgung von Regeln beendet werden, sollten die Bürger irgendeines Mitgliedstaates der Befolgung nicht länger zustimmen. Im Islamischen Staat hat die „Wilaya“ (Provinz) keinen unabhängigen Status und das Befolgen von Regeln ist obligatorisch.
In der heutigen Welt des globalen Handels und Gewerbes sind die Ökonomien von Staaten oft miteinander verbunden. Diese Verbundenheit wird verstärkt, wenn sich die Staaten gegenseitig durch Kredite, Rettungspakete, Investitionen etc. unterstützen. Die aktuellen Probleme Europas können sich zum Beispiel auf die Vereinigten Staaten auswirken. Aus diesem Grund sind die Präsidentschaftskandidaten in diesem Wahljahr bemüht, die Krise zu lösen. In einem bilateralen Gespräch während des G8 Gipfels zwischen Obama und David Cameron, gab der britische Premierminister an, er habe „eine zunehmende Wahrnehmung der Dringlichkeit zur Handlung“ in der Eurokrise festgestellt. Im Gegensatz dazu wird sich der Islamische Staat um eine stabile Wirtschaft bemühen, die so geringfügig wie möglich von anderen großen Ökonomien abhängig ist. Der Islamische Staat wird sich nicht an Zinskrediten mit anderen Staaten beteiligen, er wird jedwedes Investitionsrisiko in die Aktien anderer Ökonomien vermeiden und leistet anderen Staaten keine auf kapitalistischen Prinzipien basierende Hilfe – z.B. in Form von Rettungsschirmen.
In einer Union verfolgen die einzelnen Staaten ihre eigenen Interessen zusammen mit den gemeinsamen Interessen. Jedoch können die Interessen eines Mitgliedstaates die eines anderen überdecken. So zwang Deutschland, die verhältnismäßig größte Wirtschaftskraft Europas, relativ kleinen Wirtschaften innerhalb der Zone, wie Griechenland, strenge Sparmaßnahmen als Voraussetzung für internationale Darlehen auf. Laut Kritikern resultierte diese Politik in steigender Arbeitslosigkeit in Griechenland und trieb das Land an den Rand des Bankrotts, während sie in Italien und Spanien die bereits existierenden Krisen vertiefte. Ein Islamischer Staat hingegen neigt nicht zu derartig verdrehter und befangener Politik. Die Staatsreserven werden effektiv eingesetzt und auf der Grundlage der Notwendigkeit verteilt. Eine reichere „Wilaya“ kann ihre Politik einer armen oder weniger reichen „Wilaya“ nicht aufzwingen, indem das Staatszentrum beeinflusst wird. Dies stellt sicher, dass der Einheitsstaat generell und besonders in Krisenzeiten nach dem Motto „einer für alle und alle für einen“ handelt.
In einer Union ist es möglich, dass die Menschen eine neue Regierung wählen, welche – ihre Wählerbank repräsentierend – beschließt, die Versprechungen der vorausgehenden Regierung zu missachten. In einem solchen Fall kann das Zentrum die neue Regierung nicht zwingen, die Versprechen der alten Regierung einzuhalten. Die neue Regierung in Spanien beispielsweise, angeführt von Premierminister Mariano Rajoy, erklärte, die Regierung fühle sich nicht durch das von der vorherigen Verwaltung beschlossene „Anpassungsprogramm“ gebunden. Diese Position wurde zwar getadelt. Jedoch kam ihr im Kern Gewicht bei und man zog in Erwägung, das „Anpassungsprogramm“ für Spanien nachsichtiger zu gestalten. Die Struktur des Kalifats ist nicht für solche Schwächen anfällig, weil der Kalif die rechtliche Autorität besitzt, die Einhaltung der beschlossenen Regeln durch die Fusionsstaaten zu sichern.
Im Prinzip ist die Europäische Union nach der Annahme entworfen, dass kein Mitgliedsstaat die Trennung von der Union in Erwägung ziehe, da die Nachteile einer solchen Trennung hoch seien im Gegensatz zu den Vorteilen aus dem Verbleib in der Union. Die jüngsten Ereignisse, insbesondere im Falle Griechenlands, deuten jedoch darauf hin, dass diese Annahme sich nicht dauerhaft als richtig erweisen wird. Ein überlasteter Staat, der seinen Verpflichtungen gegenüber der Union nicht nachzukommen in der Lage ist, mag einen Austritt als vorteilhaft erachten. Im Islamischen Staat wird die Bürde (die Bedürfnisse der Bürger) horizontal unter den Fusionsstaaten aufgeteilt.
Daniel Gros, Direktor des Centre for European Policy Studies mit Sitz in Brüssel, schrieb kürzlich über die Krise der EU, dass „die Finanzmärkte so stark reagiert haben, weil die Investoren erkennen, dass der Souverän über eine Staatsschuld eine Wählerschaft ist, die sich einfach dazu entscheiden kann, nicht zu zahlen“. Im Gegensatz dazu beinhaltet das islamische Einheitsmodell, d.h. das Kalifat, ein wirtschaftliches und politisches System, das für die Investoren ein stabiles Umfeld darstellt.
In einem kürzlich erschienenen Leitartikel zum Thema „21. Mai 2012″ nannte M. A. Niazi (Herausgeber von The Nation Newspaper) ein stichhaltiges Argument, indem er feststellte, dass „kein triftiger Grund naheliege, warum ein Kalifat nicht errichtet werden könne. Es ist nicht so, als trügen die Indonesier Hörner auf ihren Köpfen oder als würden die Algerier Stickstoff anstatt Sauerstoff atmen. Wir haben Erfahrung mit dem Zusammenleben mit anderen Nationen in einem Staatenbund. Warum sollten wir also kein Kalifat haben können?“
Obwohl heute ein riesiges Potenzial für wirtschaftliches Wachstum und politische Kraft vorhanden ist, bleibt die islamische Welt von einem Überschuss an Problemen überwältigt. Diskussionen über die Notwendigkeit größerer Kooperation beschränken sich oftmals auf Institutionen wie die OIC oder andere Gruppierungen, welche bisher daran gescheitert sind, effektive Ergebnisse zu liefern. Wie die Debatte um größere Einheit an Eigendynamik gewinnt, müssen die Intellektuellen, Meinungsmacher und Schlüsselpersönlichkeiten dieses Thema mit Aufrichtigkeit angehen und alle angebotenen Modelle der Einheit kritisch bewerten.
Quellen:
[1] EU -http://www.aljazeera.com/indepth/opinion/2012/06/201263112548566574.html
[2] G8 – http://www.aljazeera.com/video/americas/2012/05/2012519173652632938.html
[3] Editorial – http://www.nation.com.pk/pakistan-news-newspaper-daily-english-online/lahore/21-May-2012/defining-a-terrorist