Es gibt Menschen, die mit ihrer Geisteshaltung den Haruspex der Veganer oder den Patriarch der feministischen Bewegung mimen könnten. Sie geistern zwischen den Lebenswelten; sind solange Vegetarier, bis sie ein Kobe-Rindersteak serviert bekommen, plädieren für Öko-Strom, bis sie die erste Abschlagsrechnung erhalten oder schreiben Bücher über Atheismus und beten anschließend für hohe Verkaufszahlen.
Es gibt Menschen, die mit ihrer Geisteshaltung den Haruspex der Veganer oder den Patriarch der feministischen Bewegung mimen könnten. Sie geistern zwischen den Lebenswelten; sind solange Vegetarier, bis sie ein Kobe-Rindersteak serviert bekommen, plädieren für Öko-Strom, bis sie die erste Abschlagsrechnung erhalten oder schreiben Bücher über Atheismus und beten anschließend für hohe Verkaufszahlen. Es sind jene talentierten Heuchler, die sogar ihrem eigenen Spiegelbild auf die Schulter klopfen und nur eine Regel kennen: Die Ausnahme bin ich!
Die wohl berühmteste Figur dieser Gattung ist der „Welt“-Autor Henryk. M. Broder, der kraft seiner shoahistischen Narrenfreiheit seinen Standpunkt täglich neu erfindet. Der Sohn Holocaust-Überlebender ist der Joseph Mengele der Meinungsbildung, setzt die Schere im kollektiven Kopf der Deutschen da an, wo es ihm gerade passt und sorgt so für die intellektuelle Euthanasie der Bundesrepublik.
Entscheidend für seine Selektion, ob eine Äußerung Kritik oder Hetze, Beleidigung oder Meinungsfreiheit ist, sind nicht etwa die Inhalte oder die verwendete Rhetorik sondern wer es sagt und an wen es gerichtet ist. Maßstab hierfür ist das Broder’sche Kastensystem, an dessen Spitze der aufgeklärte Jude, an zweiter Stelle der Rest der Vernunftmenschen, danach die dritte Welt und zu guter Letzt und an unterster Stelle die Muslime stehen. Begründete Kritik verlaufe gemäß diesem System nur von oben nach unten, bei den Einwänden der untersten Kaste handle es sich ausschließlich um von Rückständigkeit und Ignoranz geprägte Hetze. Diese Ordnung im Sinne der Kulturhygiene aufrecht zu erhalten ist die größte Passion des Publizisten; sie auch nur im Geringsten aufzuweichen komme nicht in Frage und wenn doch, drohe der Untergang der westlichen Welt.
Folgerichtig ärgerte sich Broder in höchstem Maße, als sich die dänische Zeitung „Jyllands-Posten“ im Jahre 2006 für die Mohammed-Karikaturen öffentlich entschuldigte und kommentierte in einem Spiegel-Artikel: „Der Fall ist ein Beispiel dafür, wie eine demokratische Öffentlichkeit vor einer totalitären Gesinnung kneift.“ Diese und ähnliche Reaktionen lassen der wirren Logik Broders folgend nur den Schluss zu, dass Europa aus seiner Vergangenheit nicht gelernt habe, widerspreche die vermeintliche Appeasement-Politik doch dem gern wiederholten Mantra, die Radikalen nie wieder gewähren zu lassen. Zwar seien „60 Jahre nach dem Ende der Nazi-Herrschaft alle fest entschlossen, eine neue Machtergreifung der NSDAP zu verhindern“, doch würde der Westen nun vor einer Fraktion religiöser Fanatiker vorsorglich kapitulieren und sich von „sich selbst distanzieren“. Die Empörung seitens der Muslime sei ohnehin übertrieben, schließlich würden sie sich aufführen „als wäre in einem Vorort von Kopenhagen ein zweites Abu Ghureib entdeckt worden“. Dieser verlogene Apell legt den Muslimen also nahe, alle Leiden auf ihrer Via Dolorosa stillschweigend zu ertragen, bis sie in US-Konzentrationslagern angekommen sind, während er gleichzeitig kritisiert, dass der Widerstand gegen das NS-Regime schon bei den ersten Andeutungen antisemitischer Geisteshaltung Anfang der 30er Jahre hätte erfolgen müssen. Widersprüche dieser Couleur lösen Broder und Co. ganz einfach auf, indem sie ihrer Herrenkultur mehr Rechte zugestehen als den anderen. So gab Broder in einer Talkrunde des Senders RB-TV unverblümt zu, von der Überlegenheit der westlichen Kultur überzeugt zu sein und verteidigte die Mohammed-Karikaturen, welche er demonstrativ in die Kamera hielt. Besonders deutlich äußert sich sein Überlegenheitswahn also nicht nur in dem Anspruch, gegen andere Kulturen hetzen zu dürfen, sondern darin, das Recht zu besitzen, den Opfern zu diktieren, wie ein angemessener Umgang mit all den Beleidigungen auszusehen habe.
Auch die Reaktion von Politik und Medien bezüglich des im Jahre 2010 erfolgten Anschlagsversuchs auf den dänischen Karikaturisten Kurt Westergaard empörte den Berufsnörgler so sehr, dass er einen regelrechten Generalangriff auf alle Gutmenschen und Multi-Kulti-Apologeten startete. Die vermeintliche Rücksicht auf die Gefühle der Muslime echauffierte Broder hierbei am meisten und so blieben weder lokale Berühmtheiten wie Günther Grass, noch Spitzenpolitiker Großbritanniens und Frankreichs vor den absurden Vorwürfen des wildgewordenen Zankteufels verschont. Statt der besagten Rücksicht hätten alle Zeitungen die Karikaturen abdrucken sollen, dann „hätten die Zeitungsleser sich selbst ein Bild machen können, wie exzessiv harmlos die zwölf Zeichnungen waren und wie bizarr und gegenstandslos die ganze Debatte, statt die Beurteilung „Experten“ zu überlassen, die jede Kritik am Papst und der Kirche, jede blasphemische Kunstaktion im Namen der Meinungsfreiheit verteidigen, im Falle der Mohammed-Karikaturen allerdings plötzlich der Ansicht waren, man müsse auf religiöse Gefühle anderer Menschen Rücksicht nehmen“. Worte, die wenn sie von einer geradlinigen Person stammen würden, dem Leser zu verstehen gäben, dass die Meinungsfreiheit keinesfalls eingeschränkt werden dürfe und dass „das Recht zu beleidigen wichtiger sei als der Schutz vor Beleidigung“. Doch da es sich bei diesem Jemand um einen Gesinnungslumpen par excellence handelt, wundert es nicht, dass selbiger Anfang Juli dieses Jahres die Jakobinermütze gegen Reithosen und Ochsenziemer eintauschte.
Anlass für den geistigen Garderobenwechsel war die Veröffentlichung einer Karikatur in der Süddeutschen Zeitung, auf der abgebildet ist, wie eine gefräßige Kreatur von einer jungen Frau bedient wird. In der Bildunterschrift heißt es: „Deutschland serviert. Seit Jahrzehnten wird Israel, teils umsonst mit Waffen versorgt. Israels Feinde halten das Land für einen gefräßigen Moloch. Peter Beinart beklagt, dass es dazu gekommen ist.“ An diesem Punkt endet laut Broder die Meinungsfreiheit. Der glühende Verfechter der Kunst-, Rede- und Meinungsfreiheit mutiert angesichts der vorliegenden Majestätsbeleidigung zum Zensurbeauftragten der deutschen Medienlandschaft. „So weit wie die „Süddeutsche Zeitung“ ist bis jetzt noch keine bürgerliche Zeitung in Deutschland gegangen“, denn schließlich gehörten Karikaturen dieser Art laut Broder „zum visuellen Repertoire des „Stürmer“- der hässliche, gefräßige Jude, ein Moloch in Menschengestalt, der im Begriff ist, sich die Welt einzuverleiben.“ Dass die Zeichnung ursprünglich darauf abzielte, die Sicht der arabischen Völker auf die Deutsch-Israelischen Beziehungen zu karikatieren, spielt für Broder offensichtlich keine Rolle. Schon der leiseste Verdacht auf Antisemitismus genügt und versetzt den hypersensiblen Allergiker in ein Delirium, in dem die Grenzen zwischen Realität und Phantasie verschwinden. In diesem Geisteszustand mögen sogar Sätze wie „Der Antisemitismus ist kein Ding an sich, das man vermessen oder wiegen kann, es ist ein diffuses Gefühl, das sich am Juden festmacht“ Sinn machen. Mit anderen Worten existiere die Aversion gegen Juden völlig unbegründet und hänge unter keinen Umständen mit ihrem Verhalten zusammen. „Nicht das, was der Jude macht oder unterlässt, bringt den Antisemiten in Rage, sondern dass er da ist, dass es ihn gibt“, so Broder. Durch genau diese Ausführungen zeichnet er das Bild eines Volkes, das über jeden Zweifel erhaben ist, fehlerfrei und unantastbar. Dieser Logik folgend dürfe auch die Politik Israels unter keinen Umständen in Frage gestellt werden. Geschieht dies trotzdem, würden die Vorwürfe jeder Grundlage entbehren und seien bestenfalls abstruse „Gerüchte gegen Juden“. Die Geistesarmut dieser Argumentation offenbart sich bereits durch den historischen Vergleich, schließlich glauben die Muslime nicht an das Gerücht der Brunnenvergifter, sondern erleben täglich Süßwasserraub in ihrer eigenen Heimat. Auch glauben sie nicht daran, dass kleine Jungs zum Sabbat von Rabbis gebacken werden, sondern sehen, wie ihre eigenen Kinder durch israelische Phosphorbomben verbrennen. Selbst das in der Karikatur beschriebene Verhältnis zwischen Israel und Deutschland ist angesichts realer Waffenlieferungen weitaus mehr als ein Gerücht.
Henryk M. Broders Doppelzüngigkeit wiederum spielt den wahren Antisemiten in die Hände. Schließlich ist er das fleischgewordene Gerücht des hinterlistigen und intriganten Juden, welches schon immer von den europäischen Völkern gezeichnet wurde. Die jüdische Gemeinschaft sei also gewarnt, denn sie hat einen Captain Ahab in ihrer Mitte, der bereit ist, in seinem Wahn den Untergang aller in Kauf zu nehmen.