Dieser von Abu Hurairah übereinstimmend überlieferte Hadith des ehrwürdigen Gesandten Muhammad (s.a.s.) erinnert uns in unnachahmlicher Weise an unsere Verantwortung als islamische Umma. Diese Umma ist eine einheitliche Gemeinschaft, die nach dem Wohlgefallen Allahs trachtet. Die Gemeinschaft der Muslime ist durch den Qur’an und die Sunna zu einer unteilbaren Schicksalsgemeinschaft verbunden.
„Das Gleichnis der Gläubigen in ihrer gegenseitigen Freundschaft und Barmherzigkeit sowie ihrem Mitgefühl füreinander ist wie der Körper eines Menschen; wenn ein Glied leidet, so leidet der ganze Körper mit Wachsein und Fieber.“
Dieser von Abu Hurairah übereinstimmend überlieferte Hadith des ehrwürdigen Gesandten Muhammad (s.a.s.) erinnert uns in unnachahmlicher Weise an unsere Verantwortung als islamische Umma. Diese Umma ist eine einheitliche Gemeinschaft, die nach dem Wohlgefallen Allahs trachtet. Die Gemeinschaft der Muslime ist durch den Qur’an und die Sunna zu einer unteilbaren Schicksalsgemeinschaft verbunden. Eine Schicksalsgemeinschaft, die hier im irdischen Leben anhand ihrer Taten und ihrer Überzeugungen geprüft wird, ob sie es würdig ist, im Jenseits zu jenen zu gehören, die ungestraft in das ewige Leben in Jannah wieder zusammengeführt werden.
Daher ist es die Überzeugung eines jeden Muslims, dass das irdische Leben eine Prüfung darstellt, um durch das Wohlgefallen Allahs letztendlich in Sein (s.w.t.) Paradies eintreten zu dürfen und von Seiner Strafe verschont zu bleiben.
Somit löst der Muslim jedes Problem, das ihm begegnet, auf Grundlage der islamischen Aqida. Sein Handlungsmaßstab orientiert sich an Halal und Haram, dessen Richtigkeit durch die rationale Beweisführung der Aqida mittels des Verstandes (Aqida aqliya) bewiesen ist. Dabei hält der Muslim am Erlaubten (Halal) fest und hütet sich vor dem Verbotenen (Haram) auf Grundlage der islamisch-juristischen Texte und darf sich nicht durch persönliche Neigungen oder dem Profitgedanken beeinflussen lassen.
Nun stellt der Islam nicht eine rein spirituelle Verbindung ohne eine entsprechende Lebensordnung unter den Menschen dar, wie es z. B. im Christentum der Fall ist. Vielmehr ist der Islam eine umfassende Ideologie, die eine spezifische Grundüberzeugung (Aqida) mit anzuwendender Lebensordnung (Shariah) beinhaltet. Damit stellt die Verbindung unter den Muslimen auch eine ideologische Verbindung dar, weil sie von Allah (s.w.t.) aufgefordert werden, eben aus dieser spezifischen Aqida ihr Denken und somit ihre Verständnisse über das Leben zu entnehmen.
So spricht Allah (s.w.t.) im Qur’an:
Und wer einen anderen Din (Lebensordnung) als den Islam begehrt, nimmer soll er von ihm angenommen werden, und im Jenseits wird er zu den Verlieren gehören (Sura Aali Imran, Aya 85)
Auch der Gesandte Muhammad (s.a.s.) veranschaulicht uns die zwingende Loyalität zu der islamischen Aqida und Lebensordnung, die wir Muslime mit unseren Worten und Taten einhalten müssen. So spricht er (s.a.s.) in einem authentischen Hadith:
„Wer eine Tat begeht, die nicht unserer Angelegenheit (dem Islam) entspringt, so ist diese zurückzuweisen.“
Die islamische Lebensordnung regelt somit sämtliche Bereiche menschlicher Existenz in einer mit der menschlichen Natur übereinstimmenden Art und Weise. Durch die gottesdienstlichen Handlungen (Ibadat) wird die Beziehung des Menschen zu seinem Schöpfer geregelt, während durch die Rechtssprüche der Nahrung (Mat’umat) und der Kleidung (Malbusat) die Beziehung des Menschen zu sich selbst und durch die vertraglichen Beziehungen (Mu’amalat) und durch die Strafen (Uqubat) die Beziehungen zwischen den Mitmenschen in eine harmonische Ordnung gebracht wird.
Die heutige Realität ist jedoch davon gekennzeichnet, dass die islamische Lebensordnung seit der Abschaffung des Islamischen Staates durch Atatürk im Jahre 1924 keine Anwendung mehr findet, und dass stattdessen die verdorbene westliche Lebensordnung mit all ihren offenkundigen Unzulänglichkeiten und Widersprüchen die Angelegenheiten der Umma ihrer unwürdig und zu ihrem Elend führend wahrzunehmen versucht.
Bereits aus diesen Ausführungen wird erkennbar, dass sich die Umma derzeit in einem von Allah (s.w.t.) nicht akzeptierten Zustand befindet und verpflichtet ist, ihre äußersten Anstrengungen zur Wiederaufnahme der islamischen Lebensordnung zu unternehmen und in einem Kalifat die Umsetzung sämtlicher Rechtssprüche zu verwirklichen.
Die Schicksalsfrage der Umma ist somit an die Existenz des Islamischen Staates gebunden. Dies geht auch aus einem Ausspruch des zweiten Kalifen und gleichzeitig eines der größten Staatsmänner der Weltgeschichte, Umar Ibn Al-Khattab (r.a.), hervor, in dem er zutreffend sagt:
„Wir sind ein Volk, dem Allah mit dem Islam machtvolle Würde verliehen hat. Sobald wir Würde anderswo suchen als im Islam, wird Allah uns erniedrigen!“
Wenn wir uns nun mit diesem Verständnis die Situation in der islamischen Welt vor Augen führen, so erkennen wir den Wahrheitsgehalt dieser Aussage. Die Umma ist seit der Zerschlagung des Islamischen Staates durch die westlichen Kolonialisten in über 50 schwache Einzelstaaten zerstückelt und wird seither gedemütigt und entehrt, wo immer es der politische Plan der heutigen Weltmächte vorsieht. Und so hofft die Umma sehnsüchtig auf ihre Bestimmung – die Gründung des rechtgeleiteten Kalifats.
Es besteht somit ein direkter Zusammenhang zwischen der Abwesenheit des Islamischen Staates von der weltpolitischen Bühne und der fatalen Situation der Umma, die sich auch in den vielen kriegerischen Auseinandersetzungen bis hin zu ethnischen Säuberungen ausdrückt, denen viele Gliedmaße und Organe unseres einheitlich zu betrachtenden Körpers seither ausgesetzt sind.
Unsere heutige Situation prophezeite schon unser größtes Vorbild, der Prophet Muhammad (s.a.s.) in einem sehr markanten Hadith:
„Es wird eine Zeit kommen, da werden die Nationen über euch herfallen wie Hunde über ein Stück Fleisch.“ Die Sahaba (r.a.) fragten: ‚Werden wir zu dieser Zeit wenige sein, oh Gesandter Allahs?‘ Er antwortete: „Nein, ihr werdet zahlreich sein wie der Schaum am Meer, jedoch bedeutungslos. Allah wird die Angst und die Furcht vor euch aus den Herzen eurer Feinde nehmen und in eure Herzen Schwäche werfen.“ Die Sahaba (r.a.) fragten: ‚Was wird diese Schwäche in den Herzen der Muslime sein, oh Gesandter Allahs?‘ Er sagte: „Die Liebe zum Diesseits und die Abscheu vor dem Tod.“
Wir treffen heute viele Muslime vor, auf die diese Prophezeiung zutrifft. Die derzeit dominierende Ideologie ist die kapitalistische Demokratie, die nicht nur das Regierungssystem in den Ländern der Muslime bestimmt, sondern auch die gesellschaftliche Atmosphäre maßgeblich beeinflusst. Die Muslime entnehmen gerade die Lösungen für ihre privaten und gesellschaftlichen Probleme aus diesem niederträchtigen System, dass die Kolonialisten in unsere Länder gebracht haben.
Dabei ist der Profitgedanke ein Hauptmerkmal des Kapitalismus und steht im diametralen Widerspruch zu den islamischen Lebensverständnissen. Die Übernahme dieser islamfremden Geistesbildung hat dazu geführt, dass sich die Umma immer mehr von der islamischen Lebenspraxis entfernt hat und der Islam heute nicht mehr als Lebensordnung umgesetzt wird, sondern zu einer rein spirituellen Verbindung unter Menschen degradiert wurde, wie sie beispielsweise das Christentum oder der Hinduismus verkörpern.
Der Islam wird in unserer Zeit zumeist als Ritualreligion umgesetzt, bei denen nur einige Rechtssprüche der gottesdienstlichen Handlungen praktiziert werden, die rein individueller Natur sind, wie z. B. das Gebet, das Fasten, das Pilgern nach Mekka etc.
Dieser Zustand wird auch vom Propheten (s.a.s.) beschrieben:
„Die Knoten des Islam werden einer nach dem anderen gelöst und die Menschen werden sich von einem zum anderen festklammern. Der erste Knoten wird die Regentschaft des Islam sein und der letzte das Gebet.“ (überliefert bei Ahmad)
Die Umma hat sich insgesamt der scheinbaren Übermacht und Dominanz der säkularistischen Lebensordnung hingegeben, ohne die Falschheit und Widersprüchlichkeit zur islamischen Lebensordnung erkannt zu haben.
Insbesondere die Imame, die sogenannten Denker und Akademiker der Muslime stehen unter großem Einfluss der westlichen Weltanschauung und vermögen es nicht, die Umma aus den Finsternissen zum Licht des Islam zu leiten.
Die Volksaufstände in der arabischen Welt haben uns vor Augen geführt, dass die Umma durchaus über das Potential verfügt, sich gegen die Unrechtsherrscher zu erheben, die bisher mit brutalsten Repressalien jede Bewegung, die gegen ihre Diktatur gerichtet war, niederschlugen.
Durch diese der Umma innewohnende Kraft wurden gerade die bisher lethargischen und eher systemtreuen Imame, „Denker“ und Akademiker sowie die islamischen Bewegungen, denen es an klaren Konzeptionen zur Erhebung der Umma mangelt, überrascht und beeinflusst, so dass sie sich an die Spitze der revolutionären Bewegungen katapultierten und diese geradezu mit ihrem Gift der Systemtreue zum Stillstand brachten. Ihnen fehlt ein klares Verständnis von der islamischen Lebensordnung, ebenso wie ein politisches Denken auf Grundlage der islamischen Aqida.
So ist es bislang für die Weltmächte ein Leichtes gewesen, die Revolutionen in der arabischen Welt zu einem für sie kontrollierbaren Ausgang zu lenken, weil es der Umma an einer islamischen Führerschaft und einem notwendigen politischen Verständnis fehlte, den Intrigen der Feinde des Islam zu trotzen.
Solange wir die vorherrschenden Ideen und Lebensanschauungen, die unser Denken und unsere Konzeptionen vom Leben prägen, nicht fundamental verändern, solange wird auch Allah (s.w.t.) unseren Zustand nicht rändern:
Gewiss, Allah ändert den Zustand eines Volkes nicht eher, bis die Menschen ihren Zustand selbst geändert haben (Sura Ar-Rad, Aya 11)
Die Umma steht nach derzeitiger weltpolitischer Lage nicht mehr weit von der Gründung eines Islamischen Staates, dem Kalifat. Und dies ist den Weltmächten aus ihren Analysen heraus zur soziologischen Veränderung der Umma durchaus bewusst, sodass sie versuchen, diesen Prozess mit allen ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln zu verzögern. Doch sie werden das Schicksal dieser Umma nicht länger bestimmen können, denn Allah (s.w.t.) hat uns versprochen:
Sie wollen gern Allahs Licht mit ihren Mündern auslöschen. Aber Allah wird Sein Licht vollenden, auch wenn es den Ungläubigen zuwider ist. Er ist es, Der Seinen Gesandten mit der Rechtleitung und dem Din (Lebensordnung) der Wahrheit gesandt hat, um ihr die Oberhand über alle Lebensordnungen zu geben, auch wenn es den Götzendienern zuwider ist (Sura As-Saff, Ayat 8-9)