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Allgemein Konsequenzen einer Unterdrückung der menschlichen Natur

Ende Januar dieses Jahres wurden, wie schon so oft, Missbrauchsfälle in einer kirchlichen Einrichtung bekannt. Am Canisius-Kolleg, dessen Träger der Jesuitenorden ist, wurden in den Siebziger- und Achtzigerjahren Schüler in größerer Zahl systematisch sexuell missbraucht.

Ende Januar dieses Jahres wurden, wie schon so oft, Missbrauchsfälle in einer kirchlichen Einrichtung bekannt. Am Canisius-Kolleg, dessen Träger der Jesuitenorden ist, wurden in den Siebziger- und Achtzigerjahren Schüler in größerer Zahl systematisch sexuell missbraucht. Der Orden sei sogar schon seit Anfang der Neunzigerjahre darüber informiert gewesen. Doch erst jetzt erfährt die Öffentlichkeit davon.
Immer wieder tauchen in den Medien Berichte über Missbrauchsfälle innerhalb kirchlicher Institutionen auf, die der katholischen Kirche sogar bekannt sind und vertuscht werden, wie etwa im Falle des jahrzehntelangen sexuellen Missbrauchs von unzähligen Kindern in Irland. Seit den Dreißigerjahren war der Missbruch vor allem an Jungen in Einrichtungen der katholischen Kirche in Irland nicht die Ausnahme, sondern die Regel. Im vergangenen Jahr kam es aufgrund dessen zu einem riesigen Skandal in Irland. Eine Regierungskommission kam zu dem Ergebnis, dass nicht nur systematisch missbraucht wurde, sondern dass die Erzbischöfe Kenntnis davon hatten und die katholischen Geistlichen deckten, die sich an den Kindern vergingen. Nicht nur der Missbrauch, sondern auch die Mitwisserschaft machte die Größe des Skandals aus. Politiker forderten, nachdem dies bekannt wurde, von der katholischen Kirche, mehr Geld für Entschädigungszahlungen an Missbrauchsopfer bereitzustellen, wohl wissend, dass ein systematischer Kindesmissbrauch in der katholischen Kirche auch in Zukunft nicht verhindert werden kann. Auch in Deutschland fordert man inzwischen die Einrichtung von Entschädigungsfonds.
Umfang und Ausmaß des Kindesmissbrauchs legen offen, dass es sich hier nicht um die Taten psychisch Gestörter handelt. Auch sind es nicht die Taten Einzelner. Es ist bezeichnend, dass diese Missbrauchsskandale vor allem die katholische Kirche betreffen, die ihren Priestern den Zölibat vorschreibt. Der Zusammenhang zwischen dem systematischen Kindesmissbrauch in der katholischen Kirche und dem Priesteramt, das dem Priester die Ehelosigkeit und die sexuelle Enthaltsamkeit abverlangt, ist augenscheinlich und stellt eine natürliche Konsequenz des Zölibats dar. Wenngleich die Ursache so offensichtlich ist, scheuen sich Politik und Medien davor, das Problem klar zu benennen, obwohl sie sich im Falle des Islam keineswegs zimperlich zeigen, wenn es beispielsweise darum geht, die muslimische Frau wegen ihres Kopftuchs anzugreifen, das weder das Leben anderer Menschen beeinträchtigt noch zerstört.
Der Zölibat stellt in der römisch-katholischen Kirche eine Voraussetzung für die Priesterweihe dar. Man kann darüber spekulieren, wann genau der Zölibat erstmals aufkam, doch der Grund seiner Einführung ist augenscheinlich. Es geht mehr um die Ehelosigkeit als um die sexuelle Enthaltsamkeit. Den sexuellen Missbrauch hat es in der katholischen Kirche schon immer gegeben, und die Tatsache, dass die Verantwortlichen innerhalb der katholischen Kirche die Täter deckten und noch immer decken, ohne sie ihres Amtes zu entheben, belegt, dass es nicht die Reinheit des Priesters sein kann, die der Zölibat schützen soll. Im Wesentlichen geht es darum, dass Priester keine legitimen Kinder haben, die erbberechtigt sind. Das heißt, der Zölibat soll den Kirchenbesitz zusammenhalten, der nicht unter den Erben der Priester aufgeteilt werden soll. Daher geht es vor allem um die Ehelosigkeit und weniger um die sexuelle Enthaltsamkeit, doch kann die Kirche, um glaubwürdig zu bleiben, nicht die Ehelosigkeit fordern, ohne gleichzeitig auch die sexuelle Enthaltsamkeit vorzuschreiben. Denn sie kann ihren Anhängern nicht die Unzucht verbieten, während sie diese ihren Geistlichen erlaubt.
[Rektor des Canisius-Kollegs Pater Klaus Mertes] Die Realität zeigt, dass der Zölibat unvereinbar ist mit der menschlichen Natur. Dies belegen die zahllosen Missbrauchsfälle innerhalb der katholischen Kirche. Die Natur des Menschen besteht nun einmal aus Instinkten und Trieben sowie aus organischen Bedürfnissen, die ihre Befriedigung einfordern. Dem Menschen, ob Mann oder Frau, die lebenslange sexuelle Enthaltsamkeit kategorisch vorzuschreiben, bedeutet die Unterdrückung seiner natürlichen Eigenschaften. Dies rechtfertigt nicht die Kindesmissbräuche, aber es erklärt die Masse dieser Verbrechen in der katholischen Kirche. Denn die Priester haben wie jeder andere Mensch auch einen Sexualtrieb, der durch äußere Reize oder auch durch die eigene Phantasie stimuliert werden kann.
Der Islam weiß um die Natur des Menschen Bescheid und verbietet daher eine Vorschrift wie den Zölibat. Er regelt die menschliche Natur, indem er aufzeigt, auf welche Art die Instinkte und organischen Bedürfnisse zu befriedigen sind. Was den Sexualtrieb angeht, so legt der Islam lediglich fest, dass dieser nur innerhalb der Ehe ausgelebt werden darf. Zwar belegt der Islam den außerehelichen Geschlechtsverkehr, den er als schwere Sünde sieht, mit einer harten Strafe, aber er schafft mit der Ehe Rahmenbedingungen, die dem Menschen gar keinen Anlass geben, seinen Sexualtrieb außerhalb der Ehe zu befriedigen. Dem Mann gibt er sogar die Möglichkeit, bis zu vier Frauen zu heiraten. Zudem wird der Sexualtrieb nicht als etwas mit der Religion Unvereinbares und Unreines gesehen. Die Festigkeit eines Menschen im Glauben macht der Islam nicht davon abhängig, inwieweit der Mensch seinen Sexualtrieb unterdrücken kann.
[Papst Benedikt XVI] Trotz des Zusammenhangs zwischen dem Zölibat und den sexuellen Missbräuchen mischt sich die Politik nicht in diese Angelegenheit ein, obwohl sie sich, was den Islam angeht, durchaus in religiöse Belange einmischt, die sie nichts angehen und die vor allem niemandem schaden. Der Grund hierfür liegt in der Trennung von Religion und Staat. Dies bedeutet nicht nur, dass sich die Kirche nicht in die Politik einmischt, sondern auch, dass der Staat sich aus der Kirche heraushält. Wenn die katholische Kirche beispielsweise den Zölibat vorschreibt, so greift der Staat nicht ein, auch wenn dies bedeutet, dass sich der systematische sexuelle Missbrauch von Kindern in kirchlichen Einrichtungen weltweit fortsetzt. Denn die Missbrauchsfälle, die öffentlich werden, sind, davon muss man ausgehen, nur die Spitze des Eisbergs, zumal die katholische Kirche zu vertuschen versucht und sich bezüglich der Natur des Menschen weiterhin uneinsichtig zeigt.