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Allgemein Schattenregisseure der Weltpolitik?

Auch wenn es sich hierbei um ein Zitat handelt, welches Adolf Hitler zugeschrieben wird, dürften solche oder ähnliche Aussagen vielen bekannt vorkommen. Kein Tag vergeht, an dem nicht über die Machenschaften der „internationalen Judenheit“ phantasiert wird.

„Das Wirken des Judentums wird niemals vergehen, und die Vergiftung des Volkes nicht enden, solange nicht der Erreger, der Jude, aus unserer Mitte entfernt ist.“ – 7. August 1920
Auch wenn es sich hierbei um ein Zitat handelt, welches Adolf Hitler zugeschrieben wird, dürften solche oder ähnliche Aussagen vielen bekannt vorkommen. Kein Tag vergeht, an dem nicht über die Machenschaften der „internationalen Judenheit“ phantasiert wird. Dabei spielt es keine Rolle, ob nun vom Finanzjudentum, der zionistischen Weltherrschaft oder sonstigen nebulösen Begriffen die Rede ist. Auch handelt es sich bei diesen Verschwörungstheorien um ein äußerst weit verbreitetes Phänomen, ganz gleich, ob sich der Rezipient in rechten, linken oder auch muslimischen Kreisen bewegt. Ohne jede Übertreibung lässt sich feststellen, dass jene abstruse Form des Antisemitismus längst in der Mitte der Gesellschaft angekommen ist. Dabei verwundert es nicht, dass der israelische Staat als Manifestation jüdischer Machtentfaltung in allen zeitgenössischen Verschwörungstheorien einen festen Platz einnimmt. So befinde sich selbst die Supermacht USA in Knechtschaft Israels und alle außenpolitischen Initiativen der Vereinigten Staaten werden just zu schrecklichen, jüdischen Machenschaften verklärt, deren Ziel insgeheim darin bestehe, die jüdische Weltherrschaft zu festigen. Immer wieder wird das Beispiel des Irak-Krieges 2003 angeführt, welcher angeblich durch zionistische Schattenregisseure im Pentagon geplant und mithilfe neokonservativer Lakaien durchgeführt wurde. In diesem Kontext wurde immer wieder auf die Middle East Partnership Initiative (MEPI) des US State Department verwiesen. Ziel dieser Initiative bestehe gemäß ziophoben Erklärungsmodellen darin, den Nahen Osten und Nordafrika neu zu ordnen, um den Weg für ein neues Großisrael zu ebnen.
Unter diesen Voraussetzungen ist es interessant, einen nüchternen Blick auf die Kapazitäten und realpolitischen Parameter des israelischen Staates zu werfen. Gerade im Kontext des arabischen Frühlings stellt sich die Frage, was es mit dem Einfluss Israels tatsächlich auf sich hat. In dem am 19.3.2013 veröffentlichten Artikel „A new reality in U.S.-Israeli Relations“ äußert sich der renommierte Analyst George Friedman folgendermaßen: „Der neue Standpunkt der Vereinigten Staaten besteht darin, den Israelis Angst einzuflößen. Die langfristige Strategie Israels identifiziert die Vereinigten Staaten als ultimativen Garant der eigenen Sicherheit und als einen Teil der nationalen Verteidigung. Wenn die Vereinigten Staaten weniger geneigt sind, sich selbst in regionale Abenteuer zu stürzen, stellt sich die Frage, ob die impliziten Garantien der Beziehung immer noch bestehen.“ Auch die Vorstellung, dass die Interessen beider Staaten identisch seien, entbehre entgegen den Behauptungen der Politiker beider Länder jeder Grundlage. Des Weiteren, so Friedman, sehe sich der israelische Staat mit Entwicklungen in Syrien und Ägypten konfrontiert, welche zum einen enorme Sicherheitsbedenken erzeugen und zum anderen die eigene Ohnmacht vor Augen führen würden. Israel sei nicht in der Lage, die einschneidenden Ereignisse in der Region selbst zu beeinflussen, noch besäße es die Macht, amerikanische Vorstöße in seinem Eigeninteresse zu erzwingen. Gerade aufgrund der amerikanischen Doktrin des militärischen Eingriffs als letzte Option, „werden die Israelis nicht in der Lage sein, die Vereinigten Staaten dazu zu bewegen, ihre traditionelle Rolle einzunehmen und militärische Lasten auf sich zu laden, um die Region zu gestalten“. Beide Staaten stoßen durch die immer komplexer werdende Situation des Nahen Ostens zunehmend an die Grenzen ihrer politischen Möglichkeiten. Die Einflussnahme der USA auf die arabischen Völker, welche in der Vergangenheit stets via hörige Regierungen realisiert wurde, schwindet seit Beginn der Aufstände im Nahen Osten zusehends. Gerade unter diesen Voraussetzungen kann von einer Einflussnahme Israels keine Rede sein. Viel mehr bestehe laut den Ausführungen des Experten die einzige Option Israels darin, eine Inlandsdoktrin zu kreieren, welche darauf ausgerichtet sei, die eigene Sicherheit zu garantieren. Der israelische Staat sei „durch die Entwicklungen an den eigenen Grenzen verängstigt“ und werde sich bewusst, dass „er nur wenig Einfluss ausüben kann und sich über die eigene Planung im Unklaren ist“. Was die Region im Allgemeinen anbelangt, schwinde auch die „Möglichkeit, sich auf amerikanische Einflussnahme zu verlassen“.
Auch am Beispiel des Irans wird immer wieder deutlich, wie differenziert die vitalen Interessen beider Staaten sind. Trotz größter Bemühungen vermochte Tel Aviv es selbst mithilfe der vielzitierten Israel-Lobby AIPAC nicht, die Gangart amerikanischer Außenpolitik zu bestimmen und die USA zu einem Militärschlag auf iranische Atomanlagen zu bewegen. Hier wird deutlich, dass selbst der geballte Schall jüdischer Kriegstrommeln im Pentagon auf taube Ohren stößt, wenn die Vereinigten Staaten keinen Nutzen in der Umsetzung solcher Planspiele erkennen. Allein die Tatsache, dass proisraelische Interessengruppen Lobbyarbeit in den USA betreiben, offenbart das tatsächliche Kräfteverhältnis beider Staaten. Da sich der Lobbyismus eben darin äußert, einen in der Machthierarchie Höherstenden zu umgarnen, kann in aller Deutlichkeit gesagt werden, dass es sich bei Israel nicht um den Spiritus Rector der Weltpolitik handelt. Im Grunde genommen gehört der jüdische Staat nicht einmal zu den Schwergewichten der internationalen Politik, viel mehr spielt er lediglich eine Statistenrolle im Schlepptau westlicher Nahostpolitik. Dies wurde bereits durch die Entstehungsgeschichte Israels deutlich, waren es doch die Kolonialmächte, welche hauptsächlich europäische Juden für die Neugestaltung des Nahen Ostens benutzten und den Staat Israel dadurch erst ins Leben riefen. Auch die Tatsache, dass zahlreiche Interessengruppen in Washington aktiv sind, sollte den Hobbyanalytikern zu denken geben. Trotz den regen Aktivitäten der Italo- oder Armenierlobby kommt niemand auf die abstruse Idee, zu behaupten, dass die amerikanische Politik insgeheim von Rom oder gar Jerewan diktiert wird.
Selbstverständlich haben die Infokrieger selbst darauf eine Antwort parat und würden aller Wahrscheinlichkeit nach auf den großen Einfluss jüdischer Geschäftsleute im US-Finanzsektor verweisen. Dass es sich hierbei um eine irreführende Generalisierung handelt, sei nur am Rande erwähnt. Viel wichtiger erscheint die implizite Prämisse, dass der Finanzsektor das wesentliche Machtzentrum der USA sei. Da die Vereinigten Staaten nicht wie die Schweiz und Luxemburg größtenteils vom Bankwesen leben, sondern eine hochindustrialisierte und vielschichtige Wirtschaftsstruktur aufweisen, ist das selektive Argumentationsmuster der Apologeten jüdischer Weltherrschaft völlig absurd. So wird die Wichtigkeit der Schwer-und Waffenindustrie für einen Staat solchen Formats verschwörungstheoretisch korrekt ausgeklammert. Würde jenes Wirtschaftssegment in die Betrachtung einbezogen, fiele es schwer, die Abwesenheit jüdischer Individuen in der National Rifle Association (NRA) mit dem eigenen Weltbild in Einklang zu bringen. Auch im amerikanischen Rohstoff- und Agrarsektor spielen die Kinder Israels nicht einmal die zweite oder dritte Geige. Es sind jedoch gerade diese Wirtschaftszweige, welchen wesentliche strategische Bedeutung zukommt. Schließlich liegt es im Interesse der Vereinigten Staaten, ihre einzigartige Vormachtstellung durch die Lebensmittel-und Rohstoffindustrie zu bewahren. Neben dem Militär stellt gerade die Kontrolle dieser Märkte eine tragende Säule US-amerikanischer Außenpolitik dar. Hinzu kommt, dass die Finanzindustrie genau wie jeder andere Wirtschaftszweig stets innerhalb eines polit-ideologischen Rahmens funktioniert. Letzterer manifestiert sich in einem politischen System, über das sich auch die einflussreichsten Wirtschaftsakteure nicht einfach hinwegsetzen können. Das Judentum hat sich, genau wie das Christentum, innerhalb der Aufklärung Europas dem säkularem Weltbild und der daraus resultierenden Wirtschaftsordnung des Kapitalismus untergeordnet. Selbst der jüdische Staat hat sich nicht gemäß den Regeln des Talmuds konstituiert und bekennt sich offen zum Säkularismus. Trotz alldem haben die westlichen Staaten davon abgesehen, das Land in die Nato zu integrieren, obwohl sich dieser westliche Vorposten mitten im Feindesland befindet.
So wird sich Israel seinem „eigenen Schicksal“ stellen müssen und seine Schlachten wie bereits im Jahre 2006 unter hohem Blutzoll selber ausfechten. Spätestens nach der Entstehung des Kalifats wird sich der übermächtige Golem in einen ängstlichen Zwerg verwandeln, dessen Flucht aus dem gelobten Land Theodor Herzls Hirngespinst ein jähes Ende bereiten wird. Es bleibt abzuwarten, ob Europa und allen voran Deutschland seine Tore für die jüdischen Flüchtlinge öffnen wird, um endlich zu beweisen, was es mit der innigen Liebe zu den Juden tatsächlich auf sich hat. Israelis, welche bereits der verheißungsvollen Zukunft in Europa entgegenschauen, sei geraten, sich an die glorreiche Geschichte der „christlich-jüdischen Tradition“ des alten Kontinents zu erinnern, bahnt sich doch bereits ein geschichtshistorisches Remake an, wie es sich selbst die jüdischen Regisseure in Hollywood nicht dramaturgisch ergreifender hätten ausdenken können.