Freies Feedback

Was können wir auf unserer Webseite noch verbessern?

Allgemein Das Ergebnis der erkämpften Werte

Einst erhoben sich die Massen im Lande der Denker und Dichter. Sie füllten die Straßen von Berlin und skandierten für die Freiheit. Die Demokratie war 1848 in Deutschland angekommen, nachdem sie sich bereits in Frankreich im Jahre 1789 und davor in den USA in Form der Unabhängigkeitserklärung durchgesetzt hat. Die Menschen waren voller Tatendrang und hofften auf eine bessere Zeit.

Einst erhoben sich die Massen im Lande der Denker und Dichter. Sie füllten die Straßen von Berlin und skandierten für die Freiheit. Die Demokratie war 1848 in Deutschland angekommen, nachdem sie sich bereits in Frankreich im Jahre 1789 und davor in den USA in Form der Unabhängigkeitserklärung durchgesetzt hat. Die Menschen waren voller Tatendrang und hofften auf eine bessere Zeit. Jahrhundertelange Unterdrückung und Bevormundung durch die Kirche sowie den Adel hat das Fass zum Überlaufen gebracht. Die Menschen opferten ihr Leben bereitwillig für die Werte, von denen sie überzeugt waren. Doch weshalb suchten die Menschen wirklich eine Veränderung? Wurde das angestrebte Ziel durch diese Werte tatsächlich erreicht? Und welchen Einfluss hatten sie tatsächlich auf die damaligen und heutigen westlichen Gesellschaften?
Die Demokratie ist ein Regierungssystem, in dem das Volk sowohl die Autorität, als auch die Souveränität innehat. Der Begriff der Demokratie wurde in unterschiedlichen Epochen verwendet. Dabei variierte das Verständnis inhaltlich und die Frage, ob oder in welchem Maße Freiheiten zur Geltung kommen, wurde im Laufe der Zeit unterschiedlich interpretiert. Das Verständnis der Demokratie im antiken Griechenland unterschied sich von dem Europas im 18. und 19. Jahrhundert. Letzteres hat sich in starkem Zusammenhang zu den Verhältnissen der alten, feudalen Ordnung entwickelt. So nahmen die Denker Europas Bezug auf die Thesen der Kirche, indem sie versuchten, ihre eigenen Ideen als Gegensatz zu der alten und verhassten Ordnung zu definieren. Die persönliche Freiheit und die Würde des Menschen bildeten den Gegenpart zur Leibeigenschaft, die Religionsfreiheit stand dem Anspruch der Kirche entgegen, die einzige Wahrheit zu verkörpern und die Meinungsfreiheit wiederum verkörperte den Gegenpol zu der von der Obrigkeit verordneten Weltanschauung. Auch die freie Wahl des Berufs und alle anderen Freiheiten standen dem bestehenden System entgegen. Somit stellt das europäische Demokratie- und Freiheitsverständnis eine Reaktion zu der alten Ordnung dar.
Dies ist eine durchaus wichtige Erkenntnis! Denn ein solches System kann zwar den Anspruch erheben, besser als das alte zu sein, jedoch ist ein universeller Absolutheitsanspruch der Demokratie zumindest fragwürdig und lässt sich rational nur schwer begründen. Zugleich stellt sich die Frage, ob irgendeine der freiheitlichen Revolutionen eine korrekte, intellektuelle Grundlage besaß oder ob sie viel mehr durch den Hunger der Massen die notwendige Unterstützung fanden und somit aus Missständen und Not heraus entstanden sind. Letzteres bietet Raum für eine Vielzahl von kritischen Ansichten, die allesamt in der Feststellung münden, dass keine der westlichen, freiheitlichen Revolutionen wirklich erfolgreich war. Eine Reihe von historischen Ereignissen der letzten zweihundert Jahre erscheint so in einem völlig neuen Licht.
In der heutigen Zeit werden diese vergangenen Ereignisse und die diesbezügliche öffentliche Meinung jedoch zusehends instrumentalisiert, um die Fundamente des heutigen Systems zu legitimieren und eine gewisse Stabilität zu gewährleisten. Darüber hinaus wird das auf Unwissenheit beruhende Vertrauen des gemeinen Volkes missbraucht und der ideologische Absolutheitsanspruch des kapitalistischen Systems weltweit gesichert.


Demokratie und Gesellschaftsordnung im Zeitalter der Aufklärung


Die Aufklärung ist eine Epoche Europas, in der sich Intellektuelle mit dem Machtanspruch des Adels und der Kirche kritisch auseinandersetzten und ihren Führungsanspruch in Frage stellten. Insbesondere begründete die katholische Kirche ihre Herrschaft seit dem vierten Jahrhundert anhand der Bibel und sah sich so als Vertreter Gottes auf Erden. Alle Beschlüsse erfolgten vermeintlich im Namen Gottes, wurden dem Volk aufgezwungen und jeder Widersacher wurde kurzerhand als Ketzer gebrandmarkt und gnadenlos verfolgt. Dadurch konnten sich die Kirche und der Adel mehr als ein Jahrtausend an der Macht halten und jede ihrer Handlungen rechtfertigen. Die Aufklärung jedoch durchbrach diese festen Strukturen und es entstand ein neues gesellschaftspolitisches Bewusstsein.
Begünstigt wurde diese Entwicklung durch den strukturellen Wandel Europas. Die zunehmend beginnende Urbanisierung förderte die Entstehung des Bürgertums: Im Rahmen einer zunehmenden geographischen Zentralisierung (insb. um Märkte, Burgen, Kathedralen, etc.) und der beginnenden Auflösung der Leibeigenschaftsverhältnisse kam es vermehrt zum Entstehen von Städten, welche eine effizientere Arbeits- und Infrastrukturorganisation ermöglichten. In diesem Kontext entwickelten sich zum einen spezialisierte Handwerksberufe und -gemeinschaften und zum anderen gebildete und sehr vermögende Finanzdienstleister, die zur zunehmenden Kapitalakkumulation des Bürgertums führten. Der herrschende Adel jedoch verstand es, sich durch die Erhebung von Steuern und Zöllen an diesem Reichtum zu beteiligen. Doch das Bürgertum fungierte durch den angehäuften Reichtum sehr oft auch als Verleiher von Geld, wodurch der Adel das geliehene Kapital mit Zinsen zurückzahlen musste. Langfristig entstand somit eine Abhängigkeit zwischen Adel und Bürgertum, in dem das Bürgertum kontinuierlich mehr Macht gewann. Der Versuch des Adels, sich dagegen zu wehren, wurde zu einem immer schwierigeren Unterfangen, denn das Bürgertum wusste seinen Reichtum äußerst geschickt einzusetzen. So dominierte das Bürgertum die Presse, wodurch es die Macht besaß, die Öffentlichkeit zu beeinflussen und die Massen zu mobilisieren. Zudem verlagerten sich die wirtschaftlichen Verhältnisse immer stärker zugunsten der neuen, aufrührerischen Klasse. Dies veranlasste den Adel, präventive Maßnahmen einzuleiten, um zu verhindern, dass sich die günstige Position des Bürgertums in politischer Macht manifestierte. So wurden Staatsbeamte, die im Interesse des Volkes handelten, kurzerhand aus den Ämtern entlassen, was die Fronten wiederum verhärtete. In dieser Situation wurde dem Bürgertum schließlich klar, dass die Machtverhältnisse durch den Einsatz von Gewalt verändert werden mussten. Die dazu notwendige Unterstützung des Volkes sollte nun durch die Formulierung jener freiheitlichen Ideen erzeugt werden, die im krassen Gegensatz zur alten Ordnung standen. Dieser Freiheitsgedanke schien geeignet, um eine solche Unterstützung zu schaffen.
So sah die neu formulierte politische Alternative die Abschaffung der Leibeigenschaft vor und beanspruchte, die persönliche Freiheit zu garantieren. Zudem wurden nun offen die Religionsfreiheit, Meinungsfreiheit, Reisefreiheit, das Recht auf die freie Auswahl des Berufs und die Eigentumsfreiheit propagiert. All diese Freiheiten schienen notwendig zur Schaffung eines Gegenpols zu Kirche und Adel, um ihnen die politische Macht zu entreißen. Besonders der Eigentumsfreiheit wurde ein hoher Grad an Wichtigkeit beigemessen, da das reiche Bürgertum von eben dieser Freiheit besonders profitierte. Dadurch wird ersichtlich, dass das Maß an Freiheiten seitens ihrer geistigen Väter stets daran bemessen wurde, mit welchen politischen Gegnern und Verhältnissen sie konfrontiert wurden. Mit diesem Konzept setzte sich das Bürgertum mit der Unterstützung der Massen gegen das herrschende System durch und bereitete dem Primat von Theokratie und Monarchie ein jähes Ende.


Demokratie und Gesellschaftsordnung im Kontext der industriellen Revolution


Der gesellschaftliche Prozess, der im späten Mittelalter begonnen hatte, setzte sich im 19. Jahrhundert fort und fand dort im Rahmen der sogenannten industriellen Revolution seinen Zenit. Dabei wird jene Entwicklung nicht nur durch die politischen Umstände, sondern mehr noch durch technologisch-ökonomische Entwicklungen herbeigeführt: Die Erfindung von Dampfmaschine und Manufakturarbeit führten zu einer Verschiebung der gesellschaftlichen Nachfrage nach Arbeit vom Agrarsektor und klassischen handwerklichen Berufen hin zum „einfachen“ Arbeiter im Rahmen großer Produktionen.
Dies hatte zweierlei Konsequenzen: Zum einen stellte die Industrialisierung die Hauptursache systematischer Urbanisierung dar, da aufgrund der zentralen und intensivgebündelten Form von Manufakturarbeit viele Arbeiter in einer Produktion benötigt wurden. Dadurch wurde es notwendig, jenen Arbeitern Wohnräume im Einzugsgebiet der Industrien bereitzustellen. Dementsprechend kam es zu zunehmender Landflucht und zum Bau sogenannter Arbeiterviertel in den Städten, in denen die Einwohner regelrecht eingepfercht wurden. Viele sahen sich mit miserablen Wohnverhältnissen konfrontiert und mussten mit bis zu zwanzig Leuten ein Zimmer teilen. Zudem besaßen die für die Arbeiter gebauten Häuserblöcke lediglich Gemeinschaftstoiletten und so mussten die darin hausenden Menschen unter extrem schlechten Hygieneverhältnissen ihr Dasein fristen. Dies führte auf deutliche Weise zur Geringschätzung der zuvor hochumworbenen breiten Masse, nachdem sie zu politischen Zwecken nicht mehr benötigt wurde. Die zuvor propagierten Freiheiten existierten zwar in der Regel noch formell, wurden tatsächlich jedoch größtenteils eingeschränkt.
Zweitens sind der Bau, die Installation und der Betrieb von Industrieanlagen sehr kapitalintensiv. Dementsprechend war es für die breite Bevölkerung unmöglich, ihrem Arbeiterdasein zu entfliehen und sich in die Riege der Industriellen einzureihen. Die Bevölkerungsgruppen, die bereits zuvor im Rahmen des aufsteigenden Bürgertums Kapital akkumulieren konnten, waren durch die Industrialisierung begünstigt und konnten ihre Stellung weiter festigen, wohingegen die Arbeiterschaft in eine neue, absolute Unterschicht disponiert wurde. Von der harten Arbeit in den Fabriken war niemand dieser Schicht ausgenommen, sodass selbst Frauen und Kinder ohne Pause monotone Fabriktätigkeiten ausüben mussten.
Durch diese Entwicklungen entstand eine neue Form der strukturellen Ausbeutung der Massen, welche nun durchdachter und effektiver durchgeführt wurde als zu Zeiten des Feudalismus. Die Großindustriellen schufen sich durch kollektives Lohndumping ohne jegliche Sozialleistungen eine Abhängigkeitsbeziehung gegenüber der Arbeiterklasse, die die Grundlage ihrer Macht darstellte und ihren Einfluss sicherte, welcher bis zum heutigen Tage anhält. Zu diesen industriellen Familien gehören bekannte Namen wie zum Beispiel Rockefeller, Quandt oder auch Stinnes. Aus eben diesen Machtverhältnissen bildete sich die heutige westliche, kapitalistische Gesellschaftsordnung heraus, in der die Menschen von Sklaven der Monarchie zu Sklaven des Kapitals verkommen sind. Denn auch in der heutigen Zeit besteht die Aufgabe eines produktiven Mitglieds der Gesellschaft hauptsächlich darin, zu produzieren und zu konsumieren. In den westlichen Gesellschaften wird diese Realität durch Sozialsysteme möglichst kaschiert, ist strukturell jedoch weiterhin existent. Denn für das hiesige System stellen die Menschen lediglich „Humankapital“ dar, welches seine Aufgabe gemäß den Mechanismen der „freien Marktwirtschaft“ zu erfüllen hat. Durch diese Ausführungen wird ersichtlich, dass die freiheitlichen Revolutionen keineswegs eine positive Veränderung generierten, auch wenn dies vielen Menschen leider nicht bewusst ist. Denn wie schon einst Nicholas Rockefeller sagte, haben die Kapitalisten „eine kaputte Gesellschaft aus Egoisten geschaffen, die arbeiten, konsumieren, dadurch unsere Sklaven sind und es dann auch noch gut finden.“